Hintertür

9. Februar 2020

In der Landeshauptstadt Hannover steigt der Semesterbeitrag an der Uni für Studenten auf stolze 429 Euro. Damit wird er zu einer Studiengebühr durch die Hintertür, obwohl die Studiengebühren – ein 90er Jahre Projekt der FDP -offiziell bgeschafft sind.

Asta und Studentenwerk verlangen daher mehr Unterstützung vom Land Niedersachsen angesichts dieses Semesterbeitrags, der ab dem kommenden Wintersemester in Hannover. zu zahlen ist Und der Allgemeine Studierendenausschuss (Asta) findet dafür dramatische Worte: „Willkommen am teuersten Studienort Deutschlands.“ Das gilt allerdings nur für die Gebühren – die Lebenshaltungskosten dürften anderswo höher sein.

Die Ursache ist der Anteil, der für das Studentenwerk anfällt. Der ist zwar deutlich kleiner als der Anteil, der allein für das Semesterticket fällig wird (221 Euro), aber er hat jetzt erstmals die psychologisch bittere 100 Euro Grenze übersprungen. Selbst im teuren München ist der niedriger.

Das Studentenwerk finanziert damit die Infrastruktur, vor allem Wohnheime und Mensen sowie Beratungs- und Betreuungseinrichtungen. Jetzt musste er in Hannover erneut um 20 Euro erhöht werden, auf 115 Euro….

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Information: Gebühr und Beitrag
Vom Wintersemester 2006/2007 an mussten Studierende in Niedersachsen Studiengebühren zahlen. Sie waren ein Lieblingsprojekt der damaligen nieders. CDU/FDP-Regierung unter dem Ministerpräsidenten Christian Wulff. Seinerzeit betrugen sie 500 Euro pro Semester. Verwaltungskosten von bis zu 300 Euro kamen noch dazu. Die Leibniz-Universität Hannover war damals schon diejenige in Deutschland mit dem höchsten zu zahlenden Betrag.

Zum Wintersemester 2014/2015 wurden sie durch die rot-grüne Landesregierung unter Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) wieder abgeschafft. Niedersachsen gehörte damit zu den letzten Bundesländern, die die Studiengebühren wieder abschafften.

Semesterbeiträge werden an fast allen Hochschulen bundesweit in unterschiedlicher Höhe erhoben. Sie setzen sich in der Regel zusammen aus einem Beitrag für das Semesterticket, für die Verwaltungskosten der Universität selbst, für die Studentenwerke und die studentische Selbstverwaltung.


(ein Text der taz-Nord, mit ein paar persönlichen Zusätzen. Foto: Leibniz Universität Hannover, Audimax. von ChristianSchd Christian Schröder CC BY-SA 3.0)

 

Unfreundlich

9. März 2010

Ok. Ich sehe ein, dass ein Studentenzimmer nicht mehr so preiswert ist wie zu der Zeit, als ich eins brauchte. Bei Familie Kampmann (nicht verwandt oder verschwägert)  in der Bonhoefferstraße in Bielefeld habe ich damals 110 DM/Monat gezahlt. Das heißt natürlich meine Eltern. Die 88  Studentenzimmer im neugeplanten Komplex auf dem altlastenschwangeren ehem. Gelände der Stadtwerke am Wasserturm in der Kaiserstraße  sollen 280 Euro im Monat kosten. Das ist fünf Mal so viel als bei mir damals.
Welcher Student kann, welcher Student will sich das leisten? Welche Studenteneltern? Der Preis liegt etwa 80 – 100 Euro über dem, was verträglich ist.

Die Jubelei nebst positiv-unkritische Reaktionen über das an der Kaiserstraße geplante Studentenwohnheim überzeugen daher nicht.  Auch das gemeinnützige Studentenwerk Osnabrück traut der Sache nicht wirklich. Ich lese:

Das Wohnheim wird aus sieben einzelnen Gebäuden mit insgesamt 88 kleinen Appartements bestehen. In einem ersten Bauabschnitt sollen bis 2011 die Hälfte davon fertig gestellt werden. „Bei Bedarf können wir dann ganz schnell nachlegen und die ganze Anlage fertig stellen“, erläutert Franz-Josef Hillebrandt die Umsetzungspläne.

Noch einmal und wiederum ist daran zu erinnern, dass die modernisierten Scharnhorstkasernen preiswerter und bezahlbarer Wohnraum für Studenten gewesen wären. Ein Zimmer dort hätte nämlich höchstens die Hälfte von den 280 Euro gekostet, die das Wohnen jetzt kostet. 140 Euro im Monat. OB Heiner Pott und die CDU-Mehrheit haben das gewusst, aber beschlossen, jedes einzelne (modernisierte) Kasernengebäude abzureißen. Über diese vorsätzliche größte Vernichtung öffentlichen Vermögens in der Geschichte Lingens, -von Kriegen und Naturkatastrophen einmal abgesehen- will ich noch längst nicht das Mäntelchen des Vergessens gehängt wissen.

Die hohen Mieten führen nämlich jedenfalls dazu, dass Studenten gar  nicht erst nach Lingen ziehen. Lingen ist weiterhin studentenunfreundlich. Das zeigen beispielhaft die Mieten wie das arrogante Ausklammern des öffentlichen Lingener Nahverkehrs -ohnehin traditionell  eine rudimentäre Veranstaltung- aus den Semestertickets. Auch darüber könnte eigentlich die Junge Union mal lamentieren…

Foto: © Harald Reiss, pixelio.de)