Stéphane Hessel +

27. Februar 2013

Ya 1

22. Mai 2011

Der Franzose Stéphane Hessel schreibt in seinem Manifest „Empört Euch!”, auf das ich hier vor einigen Monaten hingewiesen habe : „Neues schaffen heißt Widerstand leisten. Widerstand leisten heißt Neues schaffen!“

Hessel ruft zum gewaltlosen, friedlichen Widerstand auf! Ein 93-Jähriger ruft die Jugend Frankreichs auf, sich zu wehren! Und nicht nur die hört es, wie die Grafik zeigt.  Auf den NachDenkSeiten lese ich:

Europa steht ein heißer Sommer bevor. Aus Protest gegen die Sparmaßnahmen der Regierung und die verheerende sozioökonomische Lage begehrt Spaniens Jugend auf. Seit dem 15. Mai demonstrieren in über 50 spanischen Städten hunderttausende Menschen auf den zentralen Plätzen. Madrids Puerta del Sol wird dabei immer mehr zum europäischen Pendant des Tahir-Platzes in Kairo – tausende meist junge Menschen campieren friedlich und werden von einer breiten Welle der Solidarität getragen. In dieser Woche ist die „Democracia Real Ya!“ (Echte Demokratie jetzt!) das Thema Nummer Eins in den sozialen Netzwerken, während die klassischen Medien es weitestgehend ignorieren und totschweigen. Sollte die Solidarisierungswelle anhalten, könnte dies der Funke sein, um europaweite Sozial- und Demokratieproteste auszulösen.

Spaniens Jugend fühlt sich ihrer Zukunft beraubt. In keinem anderen Land ist die Jugendarbeitslosigkeit höher. Nach offiziellen Zahlen finden 40% aller jungen Spanier keine Arbeitsstelle. Diejenigen, die in Lohn und Brot stehen, sind meist in prekären Beschäftigungsverhältnissen tätig, die hierzulande mit dem Begriff „Generation Praktikum“ umschrieben werden und von deren Bezahlung man sich kein menschenwürdiges Leben leisten, geschweige denn für die Zukunft planen oder gar eine Familie gründen kann. Die sozioökonomische Situation der spanischen Jugend war schon vor der Finanz- und Wirtschaftskrise katastrophal, die Krise hat sie noch weiter verschlimmert und vor allem jede Hoffnung auf Besserung schwinden lassen.

Die konkreten Folgen dieser Missstände…

Den ganzen Beitrag von Jens Berger/NachDenkSeiten finden Sie hier.

Empört Euch!

9. Februar 2011

„Ein dünnes Heftchen, ein Aufsatz, gerade mal 19 Buchseiten lang, sorgt in Frankreich seit Monaten für Furore. Mehr als 900 000 Mal ist das Werklein verkauft worden, in Buchhandlungen, Supermärkten, an Tankstellen. Dabei ist es keine leichte Kost, die der Autor seinen Lesern zumutet. Einen Wutruf schmettert ihnen der 93jährige Stephane Hessel entgegen, “Empört Euch” – so der Titel –fordert er seine Landsleute auf.

Hessel ist nicht irgendein Autor, eine Instanz in Frankreich. 1917 in Berlin geboren, wanderte er mit seiner jüdischen Familie nach Frankreich aus, schloss sich 1940 der Resistance um Charles de Gaulle an, wurde nach Buchenwald deportiert, überlebte drei Konzentrationslager, wurde Diplomat und war einer von 18 UN-Botschaftern, die die UN-Erklärung der Menschenrechte ausarbeiteten.

Um Menschenrecht, um Würde, um Gerechtigkeit geht es auch in seinem Aufsatz, in dem er dazu auffordert, sich gegen eine unwirtlich gewordene Welt zu erheben. Empörung sei der Beginn allen Engagements, allen Aufstands. Für ihn selbst sei die Empörung über das Nazitum Triebfeder des Handelns gewesen und ein Leben lang geblieben, belehrt er über die Wirkungsstärke von Empörung.

Seinen Landsleuten empfiehlt er, nein, er fordert es von ihnen, sich zu empören: Darüber, dass die Unterschiede zwischen Arm und Reich immer größer werden, dass der Sozialstaat in Zeiten des Turbokapitalismus auf der Strecke geblieben ist, dass Ausländer in Frankreich ausgegrenzt werden, dass die Gier der Banker ganze Staaten zerstört hat und dass wir alle alles tun, um unsere Erde zu zerstören.

Ein vielschichtiger Schrei der Empörung, den Hunderttausende begierig aufgegriffen haben. Ein kleines Wunder? Nein, ein ermutigendes Zeichen, dass der grassierende Neoliberalismus den Demokratien die Grundtugenden der Gleichheit und Brüderlichkeit nicht hat auslöschen können.

Hessels Weckruf hat eine andere Dimension, ein weit größeres Verantwortungsbewusstsein als das, was wir in Deutschland in dem neuen Wutbürgertum a la “Stuttgart 21″ erleben. Es sind die eigenen Interessen, die die Bürger dort auf die Straße treiben. Hessel jedoch möchte, dass die Empörung, der Protest auch jene einschließt, die keine Chance haben, sich zu artikulieren. Die Rückkehr, die Auferstehung der solidarischen Gesellschaft?

Theoretisch, lesend hat diese Idee die Franzosen erfasst. Ob aus Hessels Lesern auch Solidar-Täter werden, wird sich zeigen. Und ob der Funke der Hesselschen Empörung auch nach Deutschland überspringt, lässt sich bald bei uns beobachten. Ullstein bringt nämlich das dünne Heftchen voller Empörungsdynamik in diesen Tagen auf den deutschen Markt.

Empört Euch!” Übersetzt von Michael Kogon, Ullstein Verlag Berlin, 32 Seiten. 3,99 Euro.

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