Stadtgrabenpromenade

20. Juli 2018

Eigentlich war schon der Begriff „Stadtgrabenpromenade“ immer daneben. Welcher Graben hat schon eine Promenade? Ersonnen wurde das Ganze als Billiglösung 1996 zum damaligen Kommunalwahlkampf: Ein Dutzend Schilder wurden montiert, es gab einen Spaziergang und fertig war das, was die Verwaltungsspitze und die lokale CDU-Ratsmehrheit damals für vorbildlich oder gar kleinstädtisch-mondän hielten- unsere Promenade.

Längst ist der künstliche Straßenzug, der nie gepflegt wurde, nur noch peinlich und ein ganz spezielles Promenaden-Erlebnis. Nicht nur im Bereich des Kutscherhauses ist er beispielsweise sehr ungepflegt und dreckig. Immerhin finden dort fast wöchentlich Hochzeiten mit vielen Gästen statt, und doch ist es offenbar nicht möglich, den Bereich vor Hochzeitsfeiern in einen akzeptablen Zustand zu versetzen (und hinterher auch).

Dies aber ist immer noch kein Vergleich mit dem „Promenaden-Gammel-Erlebnis“ zwischen dem Kivelingsspielplatz und der Burgstraße. Hier, für die werte Leserschaft, en paar aktuelle Belegfotos, die für sich sprechen und nicht für unsere schöne Stadt:

 

Schönes WE!

Schönes Lingen 7

10. Mai 2013

Stromkasten

Nein, Ulrike, auch das ist nicht das, was Du vielleicht glaubst. Das ist eine versiffte Lingener Transformatorenstation an der nicht minder versifften Stadtgrabenpromenade.

Schönes Lingen 6

10. Mai 2013

VerteilerkastenLingen

Nein, Ulrike, das ist nicht das, was Du vielleicht glaubst. Das ist die Aufnahme einer versifften Lingener Verteilerstation an der nicht minder versifften Stadtgrabenpromenade.

Projektbezogen

25. Januar 2012

„Projektbezogen“ – so ein städtischer Bediensteter, soll der Bebauungsplan (Fachjargon: „B-Plan“) für das Grundstück entwickelt werden, das unsere Kommune jetzt zu Bargeld machen will. Es liegt „Am Wall-Ost“ neben dem Konrad-Adenauer-Ring und ist bislang Teil der „Stadtgrabenpromenade“, die vor gefühlt 20 Jahren in einem Wahlkampf proklamiert wurde und alles ist, bloß keine Promenade. Die Verkaufsfläche ist Reststück der historischen Lingener Wallanlage (Stich re.), die seit 1970 aber so etwas von konsequent vernichtet worden ist, dass in Kürze nichts mehr übrig bleiben wird – nur noch die Schilder „Stadtgrabenpromenade“. Das zum Fremdschämen geeignete Resultat sieht dann so aus wie auf dem in der Zeitung veröffentlichten Foto.

Immerhin soll nun ein Bebauungsplan her, wenn dieses Grundstück -losgelöst von der Stadtgeschichte-  verkauft und bebaut wird. Das ist nicht selbstverständlich; denn ein Bebauungsplan macht dem Baudezernat Arbeit und beteiligt den gewählten Stadtrat. Also lässt unser Stadtbaurat aus Oldenburg es lieber und behauptet, es sei bebaubarer Innenbereich (Fachjargon: „34-er Gebiet“) und daher könne man auch ohne Bebauungsplan. Letzte Beispiele: Die Bebauung das Hafenareals mit drei Investitions-Zweckbauten, das Medicus-Wesken-Zentrum oder das Hotel an der Bernd-Rosmeyer-Straße. Angekündigte 34er-Neubauten: neue Pflegezentren an der Burgstraße und an der Mühlentorstraße/Konrad-Adenauer-Ring. Da bleiben dann notwendige Abwägungsprozesse privater und öffentlicher Belange aus und das Gemeinwohl zugunsten privater Finanzinteressen regelmäßig auf der Strecke. Besonders eindrucksvoll wird dies beim Nachweis der notwendigen Parkplätze. Die Häuser am Alten Hafen haben zwar Wohnungen mit allem Schnickschnack, doch ebenso wenig eine Tiefgarage wie die anderen genannten 34er-Objekte. Bei Medicus-Wesken stimmte die CDU dem Verzicht auf eine Tiefgarage zu, weil die „sechs Wochen längere Bauzeit dem Bauherrn nicht zuzumuten“ war, beim Hotelvorhaben legt der Bauherr die Parkplätze mit Zustimmung der CDU gar in das Erdgeschoss (!!).

Längst hat sich die Ratsmehrheit vom Verständnis verantwortlich mitplanender kommunaler Selbstverwaltung verabschiedet und begnügt sich mit den finanziellen Interessen der Investoren. Nahezu in Verzückung gerät die CDU immer, wenn jemand „Geld in die Hand nimmt“. Die Unzulänglichkeiten sind anschließend greifbar; machen Sie einfach mal den Selbsttest und parken  im verunglückten Parkhaus neben dem Medicus-Wesken-Zentrum! Regelmäßig sind auch die baugestalterischen bzw. architektonischen Leistungen der Bauvorhaben der letzten Jahre -sagen wir mal- außerordentlich bescheiden; das wird auch dadurch nicht anders oder gar besser, dass einzelne Ratskollegen anschließend verunglückte Architekturleistungen als „das gelungenste Gebäude überhaupt“ bezeichnen oder der Oldenburger von „so baut man heute“ schwadroniert.

Jetzt soll also das vorletzte Reststück des historischen Walls verkauft und bebaut werden und nun soll ein B-Plan dafür her. Ich glaube das noch nicht. So oder so besteht die Gefahr, dass alles, was dann kommt, dem reinen Finanzinteresse des Investors untergeordnet wird, schon weil man nicht vorher festlegt, was die Bürgerschaft an diesem Platz städtebaulich will sondern weil man auf die Wünsche genannten Forderungen des Investors wartet, also das und nur das, was er will –  eben „projektbezogen“.

(Lingen Historischer Stadtgrundriss – Gesamtansicht Belagerung der Stadt durch Spinola, Kupferstich von Hogenberg bei Frhr. von Aitzing 1606)

?

7. April 2010

Was bitte bedeutet dieses Schild? Ich hab’s am Karsamstag in der Marienstraße entdeckt. Nun, mein Nachwuchs wusste Rat: „Schau doch mal bei Wikipedia unter Sammelpunkt!“

Tatsächlich. Da lese ich:
„Ein Sammelpunkt in Brandschutzkonzepten beschreibt einen festgelegten Punkt, an dem sich im Brand- oder Schadensfall, also in der Regel bei einer Gebäudeevakuierung, alle Personen aus einen Gebäude sammeln. Der Sammelpunkt muss so gewählt sein, dass er sicher außerhalb einer möglichen Gefahrenzone (z. B. Verrauchung, Trümmerschatten, stark befahrene Verkehrswege, Rettungswege von Feuerwehr und Rettungsdiensten) liegt. Bei der Auswahl ist auch zu berücksichtigen, ob die betroffenen Personen in der überwiegenden Mehrzahl das Gebäude kennen oder eher ortsfremd sind.

Ein Sammelpunkt bietet die Möglichkeit, die vollständige Räumung des Gefahrenbereichs zu überprüfen, im einfachsten Fall durch simples Durchzählen (beispielsweise von Schulklassen). Wenn dies nicht möglich ist, weil die Anzahl der betroffenen Personen nicht bekannt ist – wie bei Behörden mit Publikumsverkehr oder Kaufhäusern –, besteht aber die Chance, durch Befragen der Personen am Sammelpunkt einen groben Überblick zu bekommen.

Die Personen, die aus dem unmittelbaren Gefahrenbereich zum Sammelpunkt gekommen sind, können gezielter weiter betreut werden, z. B. durch Bereitstellung eines Busses oder eines Betreuungszeltes. Sich anbahnende Krisen können gezielter durch Betreuungspersonal abgefangen werden.

Gekennzeichnet werden Sammelpunkte durch ein grünes Piktogramm mit einer stilisierten Personengruppe in der Mitte, auf die aus allen Ecken ein Pfeil deutet. Dieses Schild bildet gleichzeitig auch die größte Schwachstelle, da es weiten Teilen der Bevölkerung unbekannt ist und darüber hinaus auch noch leicht mit dem Schild für einen Treffpunkt (an Bahnhöfen und Flughäfen) verwechselt wird, bei dem ein Punkt statt der Personengruppe abgebildet ist.“

Aha! Sich anbahnende Krisen können gezielter…und  größte Schwachstelle, habe ich sofort verstanden. Gefunden habe ich das Schild nämlich gegenüber von C&A an Lingens (O-Ton Stadtverwaltung: Lingen’s) so genannter Stadtgrabenpromenadeein Geheimtipp schreibt unsere Stadtverwaltung und blamiert sich bei denen, die’s glauben sollen. Tatsächlich ist dieses Stückwerk so eine größte Schwachstelle, weshalb offenbar das Schild da steht. Als Gedankenstrich etwa?

fragt grüßend den Leser dieser Teil der Bevölkerung, für die (ungesammelt, insgesamt, bekanntlich und stets) zu keiner Zeit eine Gefahr besteht!