Im Rahmen der Architekturreihe “Lingen & Denkmal” kommt der Architekt Per Pedersen vom Büro Staab-Architekten aus Berlin am Donnerstag, 17. Mai 2018, um 19 Uhr in das IT-Zentrum nach Lingen. Sein Werkvortrag trägt den Titel „Anknüpfen: Respekt & Perspektive“.

Als Geschäftsführer hat Per Pedersen zahlreiche Bauprojekte des Büros Staab Architekten begleitet. Eine besondere Expertise hat das Büro in den letzten 25 Jahren im sensiblen Umgang mit denkmalgeschützten Bauten erworben. Per Pedersen beschreibt die unterschiedlichen Möglichkeiten, wie die Planung auf die Eigenart der vorgefundenen Bausubstanz eingehen und auf welchen Ebenen ein neues Bauwerk Kontakt zum Bestand aufnehmen kann. Anhand realisierter Beispiele des Büros erläutert er, wie in jedem Projekt die Frage nach dem geeigneten Maß an Autonomie der neuen Bauten und der wünschenswerten Verbindung mit dem Bestand neu beantwortet wird. Anknüpfungspunkte, wie die historische Raumstruktur oder die gewohnte Raumwirkung, schlagen dabei eine Brücke zu der zeitgenössischen Formensprache und Materialwahl der modernen Ergänzungen.

Per Pedersen wurde 1963 in Thisted, Dänemark geboren. Er studierte in Aarhus und an der University at Buffalo in den USA. Seit 1996 ist er im Büro Staab Architekten und dort seit 2008 Geschäftsführer. Zudem ist er seit 2017 Mitglied im Gestaltungsbeirat der Hansestadt Lübeck.

Mit der Reihe „Lingen & Denkmal“ gibt die Stadt Lingen renommierten Architekten, Gestaltern und Kulturschaffenden die Möglichkeit, in ungezwungener Atmosphäre ihre Projekte zu präsentieren – mit geselligem Ausklang bei Wein, Brot und Käse. Im Jahr 2018 steht dabei das Thema „Lingen & Denkmal – Neue Architektur in alten Mauern“ im Mittelpunkt.

„Wir möchten Lust auf Architektur und Baukultur machen“, erläutert Stadtbaurat Lothar Schreinemacher die Idee zu der Reihe. Der Austausch sei dabei besonders wichtig. „Ich wünsche mir, dass die Architekten und Bauschaffenden einmal abseits von konkreten Projekten miteinander ins Gespräch kommen“, so der Stadtbaurat. Angesprochen sind neben diesen Berufsgruppen vor allem alle Kultur- und Architekturinteressierte in der Region.

Leistung

19. September 2014

LWLDieser Freitag ist ein Festtag in Münster. Denn das Museum für Kunst und Kultur wird  heute wieder eröffnet. Das Landesmuseum Westfalen-Lippe („LWL“) ist nach einem Entwurf von Staab Architekten fünf Jahre lang vollständig umgebaut worden.

Vor 9 Jahren hatte Volker Staab den Wettbewerb für Neubau und Erweiterung des LWL-Museums gewonnen. Der Altbau am Münsteraner Domplatz von 1906 blieb erhalten, Erweiterungsbauten aus den 1970er Jahren dagegen abgerissen. Deren innere Disposition hätte das geforderte Raumprogramm nicht ermöglicht, sagt Volker Staab, außerdem wäre die Erhaltung teurer gewesen als ein Neubau. Zwei Wandkunstarbeiten aus den abgerissenen Bauteilen sind am Neubau wieder angebracht worden.

Die besondere städtebauliche Entwurfsidee:  Bisher lag der Haupteingang hinten am Domplatz, wo betuliche Ruhe herrscht und nichts geschieht – außer an Markttagen vielleicht.

Am Domplatz gibt es zwar noch einen Eingang – gelegen zwischen dem Altbau und einem spitz auf den Platz ragenden Neubauteil. Der Haupteingang zum Museum aber liegt künftig  direkt am Ägidiimarkt. Vom offenen Vorhof des Eingangs betreten Besucher zunächst einen ebenfalls offenen „Eingangspatio“, bevor sie das eigentliche Gebäude betreten.

Das gesamte Erdgeschoss des LWL-Museums ist als öffentlicher Ort konzipiert, der bis 22 Uhr und ohne Eintrittskarte zugänglich ist. Hier gibt es das – vom Blogbetreiber selbstlos getestete,  qualitativ wie preislich sehr empfehlenswertes – Café Lux. Mit der Neueröffnung kehrt auch die Buchhandlung Walther König in das Stadtzentrum zurück. Am Eröffnungswochenende ist die Buchhandlung über das Foyer des Museums zugänglich. Es ist gebäudehoch angelegt und wird von oben belichtet. Die Sammlung erreicht man über eine einläufige Treppe.

Die Museumsräume in den beiden Obergeschossen hat, schreibt BauNetz, Architekt Volker Staab so konzipiert: „Mit unterschiedlichen Raumproportionen entstehen abwechslungsreiche Raumsequenzen, die immer wieder – unterbrochen durch Ausblickräume – rhythmisiert werden. Diese Ausblickräume sind auf bestimmte städtische und innenräumliche Situationen ausgerichtet.“

„Die Außenfassaden reduzieren sich auf ortstypischen beige-grauen Sandstein und helle, beinahe weiße Beton- und Putzflächen. Auch im Inneren bleibt die Materialität zurückhaltend.“

Die Münsteraner Innenstadt wurde nach dem Krieg bewusst auf den alten Parzellen wiederaufgebaut, was damals bei vielen Architekten als rückständig galt. Doch längst ist man weit über die Stadtgrenzen hinaus froh über diese Entscheidung, sorgt sie doch für maßstäbliche Stadträume, besonders am großartigen Prinzipalmarkt. Volker Staabs Museums-Großbau fügt sich wie selbstverständlich in diese kleinteilige Kulisse ein. „Das ist eine große und eigenständige architektonische Leistung.“

Es ist nicht die einzige, die Münsters Innenstadt weiter an Profil gewinnen lässt und wieder setzen mit Staab Architekten Berliner Architekten die Maßstäbe. Im vergangenen Jahr sorgte der Berliner Max Dudler mit der wenige Meter entfernten Diözesanbibliothek nahe des Doms für Aufsehen.

Da wird man als Süd-Emsländer ganz klein, fragt sich, wann endlich die kulturellen Orte unseres Städtchens neuen, architektonischen Raum gewinnen. Zum Beispiel das Emslandmuseum an der Burgstraße, das längst eine großzügige, zeitgemäße Erweiterung gebraucht. Vielleicht erlebe ich ja auch noch einmal in Lingen etwas Ähnliches wie die Unterstützung, die sich die Münsteraner Kaufleute vom Prinzipalmarkt -stolz wie Oskar- für das neue Museum ausgedacht haben. Sie gestalten nämlich ihre Schaufenster mit Bannern und Plakaten, die die spektakuläre Architektur des Neubaus zeigen. Außerdem gibt es eine Tragetasche mit hochwertigem Fotodruck von der Gebäudespitze des Museums (s. Foto).

Übrigens lädt das LWL-Museum an diesem Wochenende dazu ein, die Neupräsentation der Sammlung auf eigene Faust oder in einer Führung zu erkunden – ein Wochenende, drei Tage, 51 Räume bei kostenlosem Eintritt. Hier das Programm.

(Foto: © LWL Museum für Kunst und Kultur, Münster/Facebook; Quelle: BauNetz, PM)