Wiederaufforsten

3. Februar 2012


Ein kurzer Zwischenruf, weil es da seit gestern diese Presseerklärung der CDU zum Altenlingener Forst gibt und sich medial wieder alles überschlägt:
Die CDU-Ratsmitglieder wollen die übereilt abgeholzten und gerodeten 9 Hektar Waldflächen östlich der Waldstraße schnell los werden und bebauen lassen. Das versuchen sie, in ihrer Presseerklärung zu verschleiern. Zwar schreibt  die Lingener Mehrheitspartei, sie wolle den von ihr rücksichtslos durchgedrückten Bebauungsplan im Altenlingener Forst ändern. Die noch nicht abgeholzten 24 Hektar Waldflächen sollen das bleiben, was sie sind: Wald. Doch schon da muss man zurückdenken: Genau diesen Vorschlag hat sie vor drei Jahren im Rat abgelehnt. Dann präsentierte sie vor einem Jahr ihre Schnapsidee, 2 Kilometer weiter südlich des von ihr zu verantwortenden Kahlschlags Weide- und Ackerflächen  aufzuforsten, die der Stadt nicht gehören und über die die Stadt auch nicht verfügen kann. Über diesen Plan findet sich natürlich nichts in der gestrigen CDU-Erklärung. Auch will die Partei weiterhin eine angebliche „Entlastungsstraße“ quer durch den Altenlingener Forst Richtung alte B 70, wo die CDU schon übereilt und teuer ein renoviertes Haus samt Grundstück kaufen und abreißen ließ. Aber vor allem soll die mit Macht durchgesetzte Abholzung dauerhaft geadelt werden:

Die inzwischen  auch noch gerodeten Flächen, die die ausgesprochen hartnäckige Natur gerade zurück erorbert,  sollen schnell verkauft werden. Das ist die gestrige wahre Botschaft der CDU; man solle, heißt es,  die 9 Hektar „aktiv anbieten“ – die bisherige Gangart der Stadtverwaltung „reicht nicht“ … „wegen der Gewerbesteuer“. Man will also das genaue Gegenteil einer ausgewogenen Lösung. Die „lokale Wirtschaft“, an die die Union die 9 Hektar verkaufen will,  ist übrigens auf dieses Schutzwaldareal nicht angewiesen. Ein Betrieb dort ist angesichts der Empörung in der Bürgerschaft über den Kahlschlag auch eine ausgemacht schlechte Adresse für jedes Unternehmen, das etwas auf sich und sein öffentliches Erscheinungsbild hält. Für moderne Betriebe gibt es auch genügend Flächen an anderer Stelle in Lingen (und im Zweifel in Wietmarschen-Lohne, das sich schon lange ungeniert aus dem Fundus Lingener Firmen bedient und bedienen kann, weil CDU und Verwaltung tatenlos zusehen).

Und bei all diesen Widersprüchlichkeiten gießt die CDU salbungsvolle Sprüche über ihre Vermarktungsaufforderung: Man wolle den Unfrieden überwinden. Mit diesem Politsprech verschweigt die Ratsmehrheit, dass sie den Unfrieden selbst gesät hat. Und dass ihre Vorschläge ihn bloß zementieren. Wenn die CDU ruft: „Es ist Zeit, dass am Altenlingener Forst etwas passiert.“, dann muss das bedeuten: Wiederaufforsten! Nur das überwindet den Unfrieden und ist ausgewogen, Anbieten und Verkauf sind das Gegenteil.

ps Die BürgerNahen, Bündnis’90/Die Grünen und die SPD schlagen übrigens gerade gemeinsam die „Bürgerinitiative pro Altenlingener Forst“ für den städtischen „Umweltpreis 2012“  vor. Mal sehen, ob die CDU-Mehrheit jedenfalls das mitträgt. Aber vielleicht schlägt sich die Ratsmehrheit auch selbst vor. Ganz ausgewogen.

Kröger

19. November 2011

Andreas Kröger (Foto re.) ist neuer Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Lingen. Kröger wurde am Freitagabend in einer Versammlung der Sozialdemokraten im Bürgerzentrum Gauerbach gewählt. Der Ortsverein Lingen ist der größte von drei SPD-Ortsvereinen in der Stadt Lingen. Er verfügt noch über geschätzt 140 Mitglieder.

Neben dem 29-jährigen Kröger, der im vergangenen Frühsommmer sein 2. juristisches Staatsexamen erfolgreich absolviert hat, hatte sich außerdem der 40-jährige Altenlingener Carsten Primke um den Vorsitz und die Nachfolge von Jürgen Schonhoff beworben, der im März zurück- und zugleich aus der SPD ausgetreten war. Das Wahlergebnis war unerwartet eindeutig: Von 39 abgegebenen Stimmen entfielen 30 auf Kröger und lediglich 9 auf Primke, der seit der Kommunalwahl im September dem Kreistag Emsland angehört und dessen politische Laufbahn ihn erst in diesem Jahr von der Partei „Die Linke“ zur SPD führte.

„Danke, an alle die mir ihr Vertrauen geschenkt haben! Unser Vorstand besteht nun aus einem guten jungen Team. Ich freu mich auf die Zusammenarbeit – Gleich am Anfang der nächsten Woche krempeln wir die Ärmel hoch und legen los…“ teilte ein nach seiner Wahl gelöst wirkender Andreas Kröger anschließend auf seiner facebook-Seite mit.

Doch ja, der neue Vorsitzende wird jetzt zeigen müssen, was er kann, nachdem auf die Lingener SPD zuletzt die Spruchweisheit „schlimmer geht nimmer“ zutraf. Dabei kann der neue, „die Ärmel aufkrempeln“-de Vorsitzende aber nicht unbeschwert agieren, steckt er doch zwischen der nicht sonderlich agil wirkenden, 9-köpfigen Fraktion der SPD im Lingener Stadtrat einerseits und den beiden SPD-Ortsvereinen in Lingen- Baccum und -Brögbern andererseits. Es wird also spannend, wie Kröger mit diesen Klötzen an den Beinen umgehen kann.

Eine der ersten Herausforderungen wird die Aufstellung des Landtagskandidaten der SPD für die in genau 14 Monaten, am 20. Januar 2013  stattfindende Landtagswahl sein. Da hat der SPD Ortsverein Baccum -eingefädelt durch dessen Vorsitzenden Reinhold Hoffmann (66, Foto re. unten) – in dieser Woche die weitgehend unbekannte und politisch unerfahrene Margitta Hüsken (46) als Kandidatin nominiert. Wie sagte anschließend ein Sozialdemokrat zu mir: „Die kennt zwar keiner, sie hat auch keine Ahnung und  bei der Landes-SPD keine Chance auf einen aussichtsreichen Listenplatz, aber sie ist eine Frau aus Baccum. Das reicht  in der SPD im Emsland heutzutage schon.“

Geschichte

1. Juli 2011

Kinder, wie die Zeit vergeht! 😉
Andreas Kröger hat mir jetzt dieses 20 Jahre alte Plakat geschickt, mit dem die Lingener SPD 1991 im Wahlkampf warb. Fotografiert wurde es vom Hamburger Fotografen Lutz Fischmann, der auf einem Lkw-Dach vor der Gänseblümchenwiese auf dem Feuerwehrgelände an der Bäumerstraße stand. Bernhard Menke, Hans Riddering, Willi Nerlinger, Emil Hagemann und Heinrich Roling sind zu sehen – alle leben nicht mehr. Es  waren Sozialdemokraten, die man der Lingener SPD heutzutage wünschen sollte. Wen erkennen Sie noch?

Unrealistisch

21. Juni 2011

Yvonne Hofmann von der Wählervereinigung „Die BürgerNahen“ kritisiert heute im BN-Blog die lokale SPD:

In einer heutigen Pressemitteilung spricht sich die Lingener SPD für den Neubau der Emslandarena und damit gegen den Ausbau der Emslandhallen aus. Begründet wird diese Entscheidung u.a. mit einem angeblich neutralen Gutachten, das für beide Varianten Baukosten in ähnlicher Höhe veranschlagt. Gleichzeitig sieht die SPD die aus dem Gutachten hervorgehenden Kosten für den Neubau als zu niedrig an. Höhere Baukosten für einen Neubau würden aber den Kostenvorteil der Anbauvariante steigern.
Weshalb also wird die „unrealistische“ Neubauvariante bevorzugt?

Die BürgerNahen halten übrigens das ganze Gutachten für unrealistisch (hier und hier)!

Angesichts der offenen und nicht beantworteten Fragen, der ungeklärten finanziellen Dauerbelastung der Stadt mit deutlich (!)  mehr als 1 Mio Euro jährlich  und der  weiterhin unklaren Frage, wie teuer die neue Arena denn nun wirklich wird, halte auch ich das Projekt für undurchdacht.

Willis

30. Mai 2011

Es gibt Neues aus der Werkstatt der lokalen Sozialdemokratie:

Wie kann man nur als Sozialdemokrat solch einen Namensfehler produzieren und vor allem nicht einmal bemerken? Die LT-Redakteure haben es sofort gesehen und die Pressemitteilung korrigiert. Bei der SPD steht es seit einem Tag falsch auf der Internetseite.

Und nicht, dass Sie jetzt glauben, der Willi-Fehler sei ein einmaliges Versehen in der Überschrift. Hier ein Screenshot des weiteren Artikels:

Wenn ich das Wort peinlich nicht schon in diesem Monat verwurstet hätte, dann hätte ich es jetzt passend gefunden, Ihr Willis.

Zwischenruf

30. Mai 2011

Ohne den erfahrenen SPD-Geschäftsführer Gerd Groskurt wäre die Veranstaltung des SPD Ortsverein Lingen am vergangenen Freitag vollends in die Hose gegangen. Ich war nicht dabei, aber meine Quellen berichten das. Es ging um die Kommunalwahllisten und die Genossen sind schon organisatorisch knapp an einer Blamage vorbei geschrammt. Die Nummer im Bürgerhaus Heukamps-Tannen dauerte bis 23.30 Uhr und der Kreis der Teilnehmer wurde zusehends geringer.

Ich muss sagen, dass es mich nicht mehr sonderlich anrührt, was da innerparteilich abgeht. Aber bemerkenswert ist es schon, wenn Heinz Willigmann aus dem Stadtteil Damaschke sich über  persönliche Verunglimpfung der bisherigen Leistungsträger  beschwert und ihm dann bedeutet wird, darum gehe es „heute Abend nicht“. Um was denn dann, wenn Personen die lokale SPD regelrecht übernehmen, die derlei betreiben?  Oder wenn man dem amtierenden Fraktionsvorsitzenden Hajo Wiedorn so demütigend zusetzt, dass er auf eine Kandidatur zur Kommunalwahl gleich völlig verzichtet. Oder Gerhard Kastein gar nicht erst mehr kommt. Mir wird zugetragen, dass Wiedorn nicht der einzige gewesen ist, der am Freitag auf seine Kandidatur verzichtet hat. Willigmann steht zwar noch auf  Platz 6 seiner Liste, verließ jedoch früh die Versammlung, nachdem man ihn gemaßregelt hatte.

Offenbar hat man vorsorglich und voraus schauend die Presse gar nicht erst eingeladen; die Onlineveröffentlichung trägt den Zusatz „PM“ – Pressemitteilung. Wahrscheinlich müsste man die Kommunalwahllisten sonst gar nicht erst einreichen, wäre die Presse vor Ort gewesen.

Das waren keine guten Tage  für die Lingener SPD und damit auch keine guten für unsere Stadt, kommentiere ich. Sie hatten damit begonnen, dass in einer SPD-Vorstandssitzung der altgediente Sozialdemokrat Gerhard Kastein von Parteinovizen ungestraft als „Verräter“ beschimpft werden durfte. Sein Vergehen:  Er stand im Verdacht, geheime Protokolle der SPD Lingen keinem anderen als mir mitgeteilt zu haben. Geheim mussten sie sein, weil sie die Kandidatennamen der SPD für die bevorstehenden Kommunalwahlen enthielten. Abgesehen davon, dass man mit Kastein den Falschen am Wickel hatte – Was ist das eigentlich für ein demokratisches Selbstverständnis einer politischen Partei, die sich nicht traut, in offenem Diskurs ihre Besten zu nominieren? Es ist vielleicht zu weitgehend, ihr gleich die Demokratiefähigkeit abzusprechen, aber sie präsentiert sich jammernd, ohne Selbstbewusstsein und vor allem ohne das, was die SPD seit ihrer Gründung stets ausgemacht hat: Solidarität.

Furios will man kommenden Mittwoch fast folgerichtig Gerhard Kastein als Schriftführer des Stadtverbandes abwählen, den sich die drei Lingener SPD Ortsvereine Lingen, Brögbern und Baccum übergestülpt haben. Grund: Er habe mir Informationen… Sie sehen, werte Leserinnen und Leser, man täte jedem Kindergarten unrecht, würde man ihn aktuell mit der lokalen Sozialdemokratie vergleichen.

So ist und wird das nix mit Euch, liebe Neo-Sozis.

update: kursiv

peinlich

20. Mai 2011

So kann’s gehen. Hajo Wiedorn (Foto re.), noch im letzten September salbungsvoll für 25 Jahre SPD-Fraktionsvorsitz gelobhudelt und einer der wenigen politisch-fortschrittlich denkenden Lingener Kommunalpolitiker, steht offenbar vor einer Demütigung erster Klasse. Der 69-jährige Fraktionschef der SPD soll am Freitag in einer Woche auf der Kommunalwahlliste der SPD zwar noch aufgestellt werden. Meine Zuträger sprechen allerdings von „weit hinten“, einer gar von Listenplatz 7 , auf dem Hajo Wiedorn in seinem Wahlkreis kandidieren soll. Ähnliches widerfährt Gerhard Kastein und Heinz Willigmann. Die altgedienten Sozis sind überflüssig, wenn ich richtig informiert bin. Ein demographischer Wandel der besonderen Art.
Da wird -meinen die Sozis- ganz geschickt rumgefädelt. So soll die kommunalpolitisch wenig erfahrene Baccumerin Margitta Hüsken die SPD im größten städtischen Wahlkreis 6 (Stroot, Georgstraße, Brockhauser Weg, Damaschke) anführen. Da kennt sie zwar kaum jemand, aber sie hat mal in Damaschke gewohnt -heißt es- und mit ihrer Kandidatur bleibt dem Baccumer SPD-Ratsherr Herbert Jäger Konkurrenz im eigenen Stadtteil erspart.
Aber noch ist alles ganz gewaltig geheim und niemand darf etwas wissen, ich schon gar nicht. Und ehrlich, es sind auch nur gerüchteweise Gerüchte, die mich erreichen; aber wo Rauch ist, ist auch ein Würstchen auf  dem Grill . „Mit Dir red‘ ich nicht darüber“, hat mir Hajo gestern Abend am Telefon gesagt und so etwas genuschelt wie „mal sehen“ und „Ich weiß nichts“. Alles ist so geheim, dass die Protokolle über die entscheidende SPD-Sitzung am 11. Mai nicht einmal die Anlagen mit den Listenvorschläge der SPD für die sechs städtischen Kommunalwahlbezirke enthalten. Kein Kandidat weiß etwas. Niemand spricht offen mit den Geschassten. Statt dessen haben sich die Protagnoisten geschworen, nichts raus zu lassen. Wie schwach, wie unsolidarisch und wie peinlich. Ich bin sehr gespannt, wie die Reaktion von Wiedorn & Co ausfällt.

Ach ja, beschlossen werden die SPD-Geheimlisten am Freitag, 27. Mai ab 19 Uhr im Bürgerhaus Heukampstannen. Da wo sich 14tägig meine neue bürgernahe Heimat  ganz un-geheim, weil alternativ öffentlich trifft

Peter Beresford

7. Mai 2011

Traurige Nachrichten aus Burton-upon-Trent, das jetzt Teil von East Staffordshire ist. Am Mittwoch (4. Mai)  ist dort Peter Beresford im Alter von 66 Jahren im Kreise seiner Familie  gestorben. Er litt an Knochenmark-Krebs. Der führende Politiker der lokalen Labourparty  prägte Jahrzehnte nicht nur das Gesicht seiner Stadt; Beresford war aus Lingener Sicht einer der Väter der Städtepartnerschaft zwischen der mittelenglischen Kommune und Lingen(Ems).

Ich erinnere mich in diesem Zusammenhang an die Zeit vor 20 Jahren. Als damals  Intoleranz und Fremdenhass in Lingen wie in ganz Deutschland zunahmen, als Brandsätze auf Häuser mit Menschen geworfen wurden -auch in Lingen- griff der Lingener Stadtrat auf Initiative der SPD  die Entwicklung auf und lud die Repräsentanten der Partnerstädte in England und Polen zu einer Sondersitzung ein. In dieser Ratssitzung Anfang 1993 sprach auch Peter Beresford, der Bürgermeister von East Staffordshire. Hier seine damalige Rede (in deutscher Übersetzung):

„Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
meine sehr verehrten Damen und Herren,
ich gratuliere Ihnen zu dieser Sonderratssitzung, in der sie darüber debattieren, was wir alle als einen wachsenden Trend in Europa und auch im Vereinigten Königreich erkennen, nämlich extremistisch-nationalistische Denkweisen. Um es deutlich zu sagen: Die Bürger von East Staffordshire glauben nicht, dass die große Mehrheit der Europäer, seien es Deutsche, Franzosen oder Briten, diesen extremistischen Ansichten  zustimmen; das tut nur eine lautstarke, aktive Minderheit.

Wir aus East Staffordshire unterstützen Sie in Ihrem Einsatz  für Frieden, Toleranz und eine Demokratie , die in der Lage ist, sich gegen diese Entwicklungen zu wehren.

Ihr Land war uns immer ein Vorbild hinsichtlich der Integration ausländischer Menschen unterschiedlichster Herkunft, die alle innerhalb Ihrer Grenzen leben. Wir verstehen auch voll und ganz den Druck für  gesetzliche Veränderungen, unter dem die Mitglieder Ihres Parlamentes stehen.

Ihnen muss ich sicherlich nicht erläutern, wie sehr die jetzige Regierung des Vereinigten
Königreichs die Kommunalpolitiker in starkem Maße unter Spardruck setzt. Von meinen Kollegen und mir  wird erwartet, die Kosten in bestimmten Bereichen zu reduzieren, unter anderem auch den Aufwand für die Kontakte  mit Ihnen und anderen Städten in Europa und der Dritten Welt. Meine Kollegen und ich haben aber diesem Druck widerstanden, weil wir davon überzeugt sind, daß nur diese freundschaftlichen Beziehungen zueinander die internationalen Hemmnisse für Frieden und Verständigung abbauen können.

Der berühmte englische Poet und Schriftsteller John Donne sagte vor 400 Jahren:

„No Man is an Island, entire of itself; every man is a piece of the continent, a part of the main; […]
Kein Mensch ist eine Insel, in sich selbst vollständig; jeder Mensch ist ein Stück des Kontinentes, ein Teil des  Ganzen; […] 

Heute müssen wir dies so interpretieren, daß wir alle Brüder und Schwestern sind, was immer wir für eine Hautfarbe haben, was immer unsere Nationalität ist und was immer unser religiöser Glaube ist.

Ich darf Ihnen herzlich zu dieser Sondersitzung des Rates gratulieren.  East Staffordshire wird  Ihren Einsatz um die Fortsetzung unserer Freundschaft mit ganzer Kraft  unterstützen.“

Mehr über die Reaktionen auf den Tod des engländischen Kommunalpolitikers finden Sie hier in einem (englischsprachigen) Artikel der Burton Mail.

Katastrophe

17. Februar 2011

Wikipedia weiß: „Denkmalschutz dient dem Schutz von Kultur und Naturdenkmalen. Sein Ziel ist es, dafür zu sorgen, dass Denkmale dauerhaft erhalten und nicht verfälscht, beschädigt, beeinträchtigt oder zerstört und dass Kulturgüter und Naturerbe dauerhaft gesichert werden. Die rechtliche Definition und Rahmenbedingungen für den Denkmalschutz werden durch das Denkmalrecht festgelegt.“

Das, was jenseits dieser sachlichen Aussage in unserer Stadt unter Denkmalschutz verstanden wird, ist  etwas völlig anderes. Nichts wird dauerhaft gesichert. Wir erleben die Nutzbarmachung von Kulturgütern für kommerzielle Interessen. Durch Verfälschen, Beschädigen und Beeinträchtigen. Die SPD schreibt aktuell:

„Wenn allerdings der Vorsitzende des Planungs- und Bauausschusses Reinhold Diekamp (CDU) sich zu der Äußerung versteigt, man sei in der Vergangenheit sehr gut mit dem Denkmalschutz umgegangen, muss er wohl eine andere Stadt als Lingen (Ems) meinen. Sind die beiden vor kurzer Zeit verunstalteten Baudenkmale in der Marienstraße, der Abriss des allseits beliebten „Salut“ in der Burgstraße und der Abriss historischer Gebäude in der Mühlentorstraße schon vergessen?“ fragt die SPD.

Erster Anlass für die neuerliche und dringend notwendige Debatte ist der geplante Umbau des Baudenkmales Am Markt 13 – der ehemalige Ratskeller, der zum Piano und zeitweise zum QStall wurde. Was von diesem eingeschossigen Haus aus dem 18. Jahrhundert  bleiben wird, ist schwerlich noch ein Baudenkmal. Es ist das, was ein investierender Lingener darunter versteht: Alte Bauteile raus, Grundrisse verändern, dann mit Neu auf Alt machen, historisierend aufhübschen – mit neuen Fenstern, Dachpfannen und Kunststoffschindeln seitlich an unbekannten Gauben. Was ist der Ausgangspunkt:

„Die beiden Häuser m Markt 12 + 13 sind, obwohl sie im Alter vrmutlich ein Jahrhundert auseinanderliegen, in ihrer glücklichen Stellung zum Historischen Rathaus heute mit diesem als eine einheit anzusehen“,

schreibt Baldur Köster in seinem Werk (Ausriss oben re.) über die Lingener Architektur und den aktuellen Investoren und ihren Genehmigern im Rathaus ins Stammbuch:

„Bilden die Häuser Nr. 9 – 12 zunächst eine zusammenhängende Front, so schafft das Haus Nr. 13, das rechts und links nicht angebunden ist und völlig freisteht, einen Auftakt zum ebenfalls freistehenden Rathaus. es lässt diesem aber eindeutig den Vorrang, einmal durch seine geringe Größe, dann aber auch durch sein Zurückweichen von der Straßenfront. … typisch für den mittelalterlichen Städtebau … ein weiterer Beweis für die frühe Datierung von Rathaus und Platz.
Das niedrige, eingeschossige Haus ist im Übrigen beispielhaft für die Mehrzahl der Lingener Häuser bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts hinein.“

Die beiden bei der Renovierung 1933 entstandenen kleinen Dachgauben des „Ratskeller“ beiderseits des schmalen Mittelflurs sind das Äußerste, was dieses Baudenkmal ertragen konnte. Aber jetzt ein halbes Dutzend prollig-emsländische Dachausbauten auf die Ostseite zu flanschen, ist eine Katastrophe. Längst ist übrigens auch die Linde vor dem Haus  zu groß geworden und stört zunehmend die von Köster so gelobte „fein ausgewogene Ecklösung“. Nein, nicht absägen! Pflanzt ihn um!

Zweiter Anlass der jetzigen Debatte ist der architektonisch-brutale Umgang mit dem Ensemble des Universitätsplatzes, wo die GmbH des Bruders unseres bereits erwähnten Ausschussvorsitzenden dabei ist, die allerletzten Lingener Altstadtreste sich unterzuordnen – mit einem Parkhäusl und obendrauf einem dreieckigen Balkon  vor ein paar Luxuswohnungen; dafür hat die Stadt mit den Stimmen der CDU schon vor Jahren still und heimlich auch noch Flächen des historischen Professorenhaus-Grundstücks verkauft, ohne sich irgendein wirkliches Mitspracherecht zu sichern.

Neben der gerade realisierten Zerstörung der Baudenkmale in der Marienstraße gibt es weitere aktuelle Beispiele für den geschichtslosen Umgang mit historischen Kulturgütern in unserer Stadt. So verkauft die Stadt gerade historische Baudenkmale – wie das historische Schleusenwärterhaus in Hanekenfähr oder  das 120 Jahre alte Wohnhaus Bernd-Rosemeyer-Straße 5 – beides wohl eine gesetzwidrige Handlung, haben doch niedersächsische Kommunen die besondere Pflicht, die ihnen gehörenden und die von ihnen genutzten Kulturdenkmale zu pflegen und sie im Rahmen des Möglichen der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Wie soll das gehen, wenn man sie verramscht verkauft?

  • Ganz im Verborgenen und doch vor aller Augen leidet  auch der Lingener  Stadtgrundriss, den man als das “Lesebuch” unserer Stadt bezeichnen darf. Dessen Zerstörung wird durch durch rührend-naive Schilda-Aktionen wie „Stadtgrabenpromende“ garniert mit „Gedankenstrichen“  verschleiert.

Solange in Lingen nicht Eigentum verpflichtet, findet kein Denkmalschutz statt. Immer wieder neu müsste sich unsere Bürgerschaft  fragen, was sie zum Kern ihres kulturellen Erbes zählt, was ihr wesentlich genug ist, um es zu bewahren und dafür auch finanzielle Anstrengungen in Kauf zu nehmen. Angesichts der Armut in früheren Zeiten war nie viel und inzwischen ist fast nichts mehr an Baudenkmalen da. Die Kirchen, das Rathaus, der Universitätsplatz, das Bild des Marktplatzes und einiger Ensemble, Haus Hellmann und ein paar andere Bauwerke im Stadtkern. Übrigens: Auch die ehemalige Gasolin-Tankstelle an der Rosemeyer-Straße. Sie ist aber durch einen überforderten Eigentümer und die Untätigkeit der Verwaltung gleichermaßen so vergammelt, dass 98 % der Lingener diesen „Schandfleck“ sofort abreißen würden, wenn sie könnten. Dabei ist gerade dieses Technikgebäude ein einzigartiges Zeugnis des 20. Jahrhunderts. Erhaltet es endlich!

Über Denkmalschutz entscheiden bekanntermaßen nicht nur Denkmalpfleger (in Niedersachsen mit seinem nahezu zahnlos-beliebigen Denkmalschutzgesetz schon gar nicht).  Über Denkmalschutz entscheiden auch Ratsmitglieder. Deren Lingener Spezies hat jede (!) so genannte Modernisierung von Baudenkmalen in den letzten zehn Jahren abgenickt. Jede! Es hat nie irgendeinen Einwand gegeben, wenn die nach dem Dienstende des Stadtbaurats Nikolaus Neumann tätigen Nachfolger mit den angeblich unvermeidlichen Modernisierungsplänen im Ausschuss erschienen. Die CDU war immer für eine Modernisierung nach Eigentümerart („Geld in die Hand nehmen“). Mittendrin statt nur dabei immer auch FDP-Mann Jens Beeck, der wie der noch amtierende Stadtbaurat aus Oldenburg die ökonomische Nutzbarmachung historischer Kulturgüter stets dem Denkmalschutz unterordnet.

Denkmalschutz ist etwas ganz anderes als ein „Sieht-doch-gut-aus!“ mit dem immer wieder gern gehörten und so herrlich von Bausünden ablenkenden Zusatz „Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten!“ .  Aber auf das Siehtgutaus und Lassdeneigentümermachen reduzieren sich seit langem die sog. Modernisierungen von Baudenkmalen im Planungs- und Bauausschuss – auch das ein Zeichen. Als ich vor langen Jahren einmal Vorsitzender des Kulturausschusses war, habe ich dort durchgesetzt, dass über Baudenkmale beraten wurde.  Das hat nicht lange vorgehalten, vielleicht weil die  Bauleute im Rathaus mit hartnäckiger Beratung „in der Kultur“ so ihre Schwierigkeiten hatten. Aber ist Denkmalschutz nicht eine zutiefst kulturelle Aufgabe und weniger eine Frage von Bauen, Planen und Finanzieren? Und was heißt das dann für die Arbeit im Lingener Stadtrat?

(Fotos und Skizzen aus © Lingen -Architektur im Wandel, Baldur Köster)

Impressionen

8. Oktober 2010

Lingen (Ems), 8. Oktober 2010, Rathaus – Dieter Krone wird in der Ratssitzung als neuer Oberbürgermeister vereidigt. Knapp 250 Lingener -darunter 35 Ratsmitglieder- waren anwesend. Hier die Impressionen dieses kleinen Blogs.

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Nochmal die Fotos zum in Ruhe durchsehen:

Fotos: CC 2010 RobertsBlog