brutal

18. April 2014

Amnesty glaubt, dass in diesem Jahr bereits 199 Menschen im Iran hingerichtet worden sind. Zwei am Tag. 2013 fanden zwei von drei Exekutionen auf der Welt im Iran und in China statt. Dann folgen Irak, Saudi-Arabien, Somalia, Sudan und Jemen. Mitten zwischen diesen grandios-gnadenlosen Fundamentalistenstaaten die gleichfalls im Racherausch verstrickten USA, die sich so viel auf ihre christlichen Werte einbilden.

Auge um Auge ist das Grundprinzip aller dieser Rechtssysteme. Doch jetzt im Iran „verzieh“ die Mutter eines Getöteten dem Täter Augenblicke vor dessen Hinrichtung, schlug dem mit dem Strick um den Hals unter dem Galgen stehenden Verurteilten ins Gesicht und rettete ihm durch ihr Verzeihen das Leben. Der britische Guardian erzählt das Geschehen und die iranische Fotografin Arash Khamooshi zeigt in ihren Aufnahmen das ganze brutale Drama.

Bildschirmfoto 2014-04-18 um 07.42.13

Nachtrag: Gerade habe ich jeweils über den Iran, China, Irak, Saudi-Arabien, Somalia, Sudan und Jemen auf der Internetseite von Amnesty International gelesen: „Amnesty International does not currently have a presence in this country.“ Nur die USA sind jedenfalls insoweit etwas weiter.

Ter Apel

2. Juni 2012

Es sind wirklich nur wenige  Schritte vom emsländischen Rütenbrock ins niederländische Ter Apel. Doch bei uns  im deutschen Emsland erfährt man so gut wie gar nichts über den benachbarten 9000-Einwohner-Ort der Großgemeinde Vlagtwedde und was dort geschieht.

Dabei erhellt ein Blick ins Grenzland manches: Ein Protestcamp abgelehnter Asylbewerber in Ter Apel (Foto lks) zeigte im Mai die brutalen Defizite der niederländischen Flüchtlingspolitik auf, während Hans-Jürg Käser, Präsident der schweizerischen Konferenz der schweizerisch-kantonalen Justiz- und Polizeidirektoren (KKJPD) den Ort gerade als Vorbild für die Schweiz sah und die Niederlande lobte, weil „70 Prozent der Asylgesuche innerhalb von acht Tagen erledigt werden und wo das wichtigste Aufnahmezentrum, Ter Apel, abgeschlossen sei und über ein Gefängnis für 400 Personen verfüge.“

Die Niederländer selbst formulieren die Institutionen durchaus eleganter. Bei Ter Apel liege ein Anmeldezentrum für 1500 Flüchtlinge mitsamt  „een vrijheidsbeperkende locatie (VBL)“ – eine freiheitsbeschränkende Örtlichkeit. Ja, es stimmt: Abschiebegefängnis für 400 ausreisepflichtige Ausländer klingt deutlich harscher, allemal wenn das berüchtigte „Polizeiliche Durchgangslager Westerbork“ der deutschen Nazi-Besatzer keine 40 km entfernt liegt.

Bis vor einer Woche protestierten also Hunderte obdachlose abgelehnte Asylbewerber in Ter Apel für das Recht, zumindest aus humanitären Gründen in den Niederlanden bleiben zu dürfen. Sie kamen aus Irak und Iran, Afghanistan, Sudan, Somalia, Eritrea, Äthiopien und Aserbaidschan. Nach der  Entscheidung, sie nicht in den Niederlanden aufzunehmen und sie zur Ausreise zu zwingen, hatten am 8. Mai zunächst 40 Iraker in Ter Apel in Zelten gegen das Vorhaben der niederländischen Regierung protestiert, sie in den vorgeblich sicheren Irak zurückzuschicken. Für sie steht fest, dass ihre Heimat alles andere als sicher ist. „Dort ist mein Leben in Gefahr“, sagte Aref Shaker Alani, der das Protestcamp organisierte. Vier Wochen hatte er es vorbereitet, Zelte und die Unterstützung von Hilfsorganisationen organisiert.

Schnell wuchs das Protestcamp in den Tagen danach. Immer mehr Iraker kamen hinzu, dann eine große Gruppe Somalier, schließlich die anderen. Als eine der wenigen deutschen Zeitungen berichtete die taz über den verzweifelten Protest : „In der Groninger Provinz entstand ein fußballplatzgroßer Querschnitt durch die Krisengebiete der Welt, bestückt mit 60 Zelten. Organisationen, Nachbarn und Bewohner des benachbarten Asylbewerberheims helfen mit Nahrung und Kochen, Waschen, Aufladen von Telefonen.“

Mit einem Verbot reagierte Leontien Kompier, die besorgte Bürgermeisterin der zuständigen Gemeinde Vlagtwedde. Die Bürgermeisterin hatte zwar erst ein Dutzend Toilettenhäuschen aufstellen lassen, „um das Elend zu lindern“. Doch sie äußerte Angst vor Infektionskrankheiten und sah sich in direkter Verantwortung – allerdings: „Die Regeln“, sagte sie, „werden in Den Haag gemacht.“ Und sie ließ dann das inzwischen von 400 Menschen bewohnte Camp am 22. Mai durch die Polizei räumen. „Unverhältnismäßig“ sei das gewesen, urteilte anschließend das zuständige Gericht in der Provinzhauptstadt Groningen.

Abgelehnte somalische Asylbewerber Nasir Ali Omar und Mouhamed Abukar Ali vor dem Flüchtlingslager in Ter Apel

Auch die Zweite Kammer des niederländischen Parlaments („Tweede Kamer“) diskutierte in dieser Woche, wie es weitergehen soll. Unmöglich erscheinen allemal Abschiebungen in das kriegszerstörte Somalia, in dem die Al Quaida-nahe al-Shebaab-Miliz agiert, und in das folternde Eritrea. Auch der nach der Parlamentsauflösung noch amtierende, konservativ-christliche Einwanderungsminister  Gerd Leers (CDA) war in der Parlamentsdebatte ratlos; eine erzwungene Ausreise scheide für diese Flüchtlinge wohl aus.

Derweil protestierten unter zwei Regenschirmen die abgelehnten somalischen Asylbewerber Nasir Ali Omar und Mouhamed Abukar Ali vor dem Flüchtlingslager in Ter Apel, das sie nicht aufnehmen wollte, und verlangten ein neues Asylverfahren, was ihnen wohl inzwischen zugestanden worden ist (Foto lks).

„Ich verstehe überhaupt nicht die Denkweise der Holländer“, sagte Ex-Campbewohner  Abdullah Yusef währenddessen zu Radio RNW. Der  34-jährige Asylsucher aus Somalia war vor der Räumung drei Jahre obdachlos. “Ich habe keine Wohnung, kein Essen, kein sauberes Wasser, keine Versicherung. Aber für Tiere gibt es in diesem Land eigene Kliniken und Ambulanzen,” sagte Abdullah Yusef. “Ich bin  schockiert über die Niederlande und wie sie uns hier behandeln. Ich will, dass die ganze Welt erfährt, was sie hier mit uns machen.“  Ter Apel ist -losgelöst vom Wortsinn- tatsächlich jenseits der Grenze.

Also greife ich den Appell Abdullah Yusefs auf und beginne in diesem kleinen Blog mit der  Information für seine Leser, zuvörderst die nur ein paar Schritte entfernten Emsländer, damit sie erfahren, was die da in Ter Apel, Procinz Groningen, Niederlande, mit Flüchtlingen machen. Interessant ist auch, wie sich grenzüberschreitende deutsch-niederländische Vereinigungen wie die Euregio oder die Ems-Dollart-Region verhalten. Bislang guckt man dort nur weg…

Informationen über die Situation obdach- und heimatloser Flüchtlingen veröffentlichen  hier stil2.wordpress.com (nl) und hier vluchtelingen op straat (nl) – Neuigkeiten auch auf  google.de (de, en, nl).

(Fotos (c) vluchtelingenopstraat.blogsport.com)

Fies

14. September 2011

Anschließend wurde im Franziskus-Gymnasium wahrheitswidrig behauptet, die BürgerNahen hätten eine Spendenübergabe der 10. Klassen der Lingener Gymnasien nahe der „Wahlmeile“ mit Auftritt der Schülerband verhindert. Das hat offenbar zu einer Menge Unmut unter Eltern wie Schülern geführt. Insbesondere die Jugendlichen waren sehr aufgebracht. Ein entsprechender Leserbrief -bekanntlich die höchste Kulturform des emsländischen Protestes – mit der Berechnung der Zahl von Menschen, die durch die Verzögerung der Übergabe in Somalia gestorben seien, sei bereits vorbereitet, lese ich in einer privaten E-Mail.

Das alles soll jedenfalls -so ein Insider- die BN „eine Menge Wählerstimmen gerade von Erstwählern hauptsächlich im Wahlbereich II (Laxten/Baccum) gekostet haben“. Fies.

Emslandreeder

29. Dezember 2010

Die Welt ist viel kleiner,als man denkt. Auch für Emsländer:
Vor der Küste von Oman haben Piraten jetzt ein im vergangenen Sommer gekapertes emsländisches Frachtschiff frei gelassen, aber nahezu zeitgleich einen weiteren „Vessel“ aus dem Emsland entführt. Es ist das dritte gekaperte Schiff aus unserer Region;außerdem war  im November ein Piratenüberfall auf das gerade erst in Dienst gestellte  Schiff „MSC Bremen“ gescheitert, das zur Harener Reederei Schepers gehört.  Wie die EU-Mission Atalanta in Brüssel bestätigte, wurde am Montag dieser Woche die unter der Flagge von Antigua und Barbuda fahrende EMS Rivera gekapert. Sie wird von der unlängst von Leer nach Papenburg umgezogenen Grona Shipping  bereedert. Der Überfall auf das Schiff hat sich rund 300 Kilometer nordöstlich des Hafen Salalah vor der Küste des Sultanats Oman ereignet. Der Frachter, so ein Atalanta-Sprecher,  sei mit acht Besatzungsmitgliedern auf dem Weg von den Vereinigten Arabischen Emiraten nach Griechenland gewesen; sieben der Seeleute seien Philippinos, der Kapitän Rumäne. Das erst jüngst in Dienst gestellte Schiff hat Erdölprodukte geladen.

Nahezu gleichzeitig gaben somalische Piraten den im Emsland bereederten „Marida Marguerite“ wieder frei – nach mehr als einem halben Jahr. Der Chemietanker sei  mit seinen 22 Mann Besatzung auf dem Weg in sichere Gewässer, bestätigte Andrew Mwangura vom Ostafrikanischen Seefahrerhilfsprogramm. Die Piraten haben offenbar ein Lösegeld in Höhe von 5,5 Millionen Dollar erhalten, das per Fallschirm auf das Schiffsdeck abgeworfen worden sei. Der  Chemietanker der Harener OMCI Shipmanagement GmbH & Co. KG war im Mai rund 120 Seemeilen vor Salalah und damit nur rund 50 Seemeilen von dem jetzigen  Überfall entfernt  von Seeräubern gekapert und nach Somalia verschleppt worden. Das Schiff  fährt unter der Flagge der Marschall-Inseln mit einer aus Indien und Bangladesch stammenden Besatzung unter einem ukrainischen Kapitän.

Am 5. Mai 2009 war mit der „MS Victoria“ der Harener Reederei Intersee (Foto oben: © Intersee) auf dem Weg von Indien nach Saudi-Arabien das erste Schiff eines Emslandreeders von somalischen Piraten gekapert worden, obwohl es in einem Konvoi fuhr. Die elf rumänischen Besatzungsmitglieder des mit Reis beladenen Mehrzweckfrachters wurden nach elf Wochen mitsamt Schiff freigelassen. Die Internationale Transportarbeiter-Föderation (ITF) behauptete, es seien rund 1,37 Millionen Euro Lösegeld gezahlt worden.

In jüngerer Zeit nehmen angesichts der unsicheren Verhältnisse vor dem Horn von Afrika viele Reeder laut Informationen von NDR 1 Niedersachsen lieber Umwege in Kauf. Ihre Schiffe fahren von den asiatischen Häfen aus vermehrt Richtung Osten über den Pazifik, durch den Panamakanal und über den Atlantik nach Europa, statt die Route durch den Suezkanal zu nehmen. Nach Angaben der EU-Mission befinden sich derzeit 26 Schiffe und 609 Besatzungsmitglieder in Händen somalischer Piraten.

Der Verband Deutscher Reeder will angesichts der Piraten-Angriffe, dass im Golf von Aden und südlich von Somalia routinemäßig drei bis zehn bewaffnete hoheitliche Kräfte mit an Bord seiner Schiffe gehen. Bisher hatte sich der Verband aber heftig dagegen gewehrt, dass deutsche Reeder auch private, bewaffnete Sicherheitskräfte engagieren. Vor einigen Tagen musste der Verband aber einräumen, dass einige Reeder dies längst tun, um ihre Schiffe und Crews vor dem Kapern zu schützen. (Mehr…) Wie die emsländischen Reeder sich verhalten, ist unklar.