19. Dezember

21. Februar 2011

Sie kennen diese US-Serie Time tunnel? Nein? Doch, kennen Sie. Zeitreisen machen! Heute sind Sie mittendrin statt nur dabei: Heute ist der 19. Dezember 2010. Lingens Mittelbahnsteig ist fast fertig gestellt. Sie erinnern sich, dass er am 20.12. fertig sein sollte, wie ein gewöhnlich viel redender Vertreter der Stadtverwaltung  ankündigte und ankündigte. Es fehlt heute am Bahnsteig aber nur noch ein bisschen, also ist heute nicht der 21.02.2011, sondern folgerichtig und beweisbar der 19.12.2010.

Der Bahnhof ist damit aber längst noch nicht in einem benutzerfreundlichen Zustand. Es fehlt ein Fahrkartenautomat auf „Gleis 2“, es fehlen (mindestens) Hinweisschilder (wo-eigentlich-gehts-in-die-Innenstadt.lin), es fehlen Gepäckfächer, es fehlen Kurzhalteparkplätze und Zugzielanzeiger und der Aufzug ist eine ziemliche Katastrophe.  Aber es wird nicht das „Sich-gegenseitig-auf-die-Schultern-Klopfen“ derjenigen fehlen, die das Chaos um den Mittelbahnsteig durch ihre Fehler erst geschaffen haben.

Dann wollen wir uns schnell der zweiten großen Baustelle des Lingener Öh-Peh-Enn-Vau zuwenden. Dem Busverkehr, dessen Organisation in der Hand der seltsamen VGE-Süd liegt. Sie lehnt es ab, das Semesterticket der FH- und Uni-Studenten auch hier gelten zu lassen, weil ihr der AStA für die Nutzung des rudimentären Lingener Busangebots aus den Studentenbeiträgen zu wenig Geld angeboten hat. (Eigentlich sollte die VGE-Süd froh sein, dass außer den Schülern überhaupt jemand mitfahrt!). Der Lingener Busverkehr ist, wie ich auf der studentischen Webseite „Wo-ist-eigentlich-Lingen.de“ lese, das „Ärgernis des Monats“ – wahrscheinlich nicht nur des Februar 2011. Lennart Ness schreibt dort:

„Sinn und Zweck des Semestertickets ist es, die Mobilität der Studierenden am Hochschulstandort zu verbessern. Das bedeutet nicht, dass es dafür da ist, am Wochenende seine Eltern besuchen zu können (auch wenn dies dennoch für viele Studenten mit dem Semesterticket möglich ist), sondern für eine Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel in der Umgebung des Hochschulstandortes“, heißt es auf der Internetseite des ASta der Ex-FH Os, die jetzt Hochschule Osnabrück heißt. Dass auch unser Standort Lingen zur Hochschule gehört, kann dabei nicht wirklich bedacht worden sein, schaut man auf die Bussituation hier…. hier gehts weiter)

Ende Oktober letzten Jahres hatten sich  in der Einwohnerfragestunde der Lingener Ratssitzung drei Dutzend Studenten darüber beschwert, dass ihr Semesterticket nicht die freie Nutzung der Busse in Lingen umfasst. Sie wiesen auch auf die unzureichende Busverbindung vom neuen Studentenwohnheims an der B 213 in Brögbern zur Innenstadt hin. Nun kann sicherlich die öffentliche Hand nicht dafür in die Haftung genommen werden, dass Studenten nicht im Stadtkern eine Bude mieten sondern in einem Vorort. Aber es wurde Hilfe versprochen. Doch viel ist seither nicht passiert. Besagte Verkehrsgemeinschaft Emsland Süd bietet zwar inzwischen „Monatskarten für Studierende zu ermäßigten Schülerpreisen“ an. Zudem sollen die Anbindungen des Studentenwohnheims in Brögbern an den Zentralen Omnibusbahnhof am Bahnhof weiter ausgebaut werden. OB Dieter Krone  hat gleichzeitig den Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) der Hochschule Osnabrück aufgefordert, sich „zukünftig für eine Einbindung des Lingener Stadtgebiets an das Semesterticket“ einzusetzen -also an VGE-Süd mehr zu zahlen (guckst du hier).

Nun ja, auch Lennart Nisse beklagt sich in seinem lesenswerten Artikel, dass das neue Studentenwohnheim in Brögbern so weit entfernt und so wenig busangebunden ist. Doch muss man sich nicht erst einmal dafür einsetzen, dass es überhaupt einen nutzbaren und guten Busverkehr in Lingen gibt? Der letzte Bus (nicht nur) nach Brögbern fährt von Montag bis Freitag um halb Sieben abends am Bahnhof ab. Samstags um halb Eins und am Sonntag gar nicht. Nach halb Sieben bleibt die Nutzung des AST -auch eine Wissenschaft für sich und sonntags nur bis 18 Uhr. Es gibt kein GPS-System mit aktuellen Busanzeigern, viele Busse sind nicht für den Stadtverkehr konzipiert. Wollen die VGE-Süd-Gesellschafter etwa nur die öffentliche Finanzförderung des Schülerverkehrs abgreifen?

Keine Frage: Das Angebot ist unzureichend und kundenunfreundlich  wie der erwähnte Mittelbahnsteig. Mir scheint auch, der schmalbrüstige Lingener Bus-öPNV  ist eine zwangsläufige Folge des in die breite Fläche gehenden (Zer-)Siedlungskonzepts der Lingener Stadtplaner. Das bedeutet für den ÖPNV: Entweder (zu) lange Fußmärsche bis zur Haltestelle oder zu viele Haltestellen, die niemand nutz,  die aber lange Umwege für den Linienbus notwendig machen.

Es geht so nicht weiter und schon wegen der Folgen des demografischen Wandels ist ein moderner 7-Tage-Busverkehr notwendig. Sonst heißt es bald tatsächlich in den Ortsteilen: kein Arzt, kein Laden, kein Bus. Welche Konsequenzen müssen wir Lingener folglich ziehen? Keine, wenn  es nach den CDU-dominierten Ortsräten geht, die das Thema nicht interessiert.

Ich frage, ob das Stadtbus-Konzept aus Vechta eine Lösung ist? Ich beobachte es schon geraume Zeit und es überzeugt zunehmend -zumal in der schwarzen Stadt mit dem roten Bürgermeister Uwe Bartels ab dem Wintersemester 2011 mit dem Semesterticket der Universität – vormals Hochschule – Vechta  rund 4.000 neue Nutzer hinzu kommen sollen und dadurch das öPNV-Angebot weiter etablieren. Zunächst (2007) nutzten es täglich 100 Vechteraner, inzwischen täglich 4 bis 5 mal so viel, darunter nicht wenige Rollator-Fahrer. Meinen Sie nicht auch: Senioren und Studenten – das passt besonders gut?

 

(*Quelle: wikipedia; Foto: © Vechtablogger)

Unfreundlich

9. März 2010

Ok. Ich sehe ein, dass ein Studentenzimmer nicht mehr so preiswert ist wie zu der Zeit, als ich eins brauchte. Bei Familie Kampmann (nicht verwandt oder verschwägert)  in der Bonhoefferstraße in Bielefeld habe ich damals 110 DM/Monat gezahlt. Das heißt natürlich meine Eltern. Die 88  Studentenzimmer im neugeplanten Komplex auf dem altlastenschwangeren ehem. Gelände der Stadtwerke am Wasserturm in der Kaiserstraße  sollen 280 Euro im Monat kosten. Das ist fünf Mal so viel als bei mir damals.
Welcher Student kann, welcher Student will sich das leisten? Welche Studenteneltern? Der Preis liegt etwa 80 – 100 Euro über dem, was verträglich ist.

Die Jubelei nebst positiv-unkritische Reaktionen über das an der Kaiserstraße geplante Studentenwohnheim überzeugen daher nicht.  Auch das gemeinnützige Studentenwerk Osnabrück traut der Sache nicht wirklich. Ich lese:

Das Wohnheim wird aus sieben einzelnen Gebäuden mit insgesamt 88 kleinen Appartements bestehen. In einem ersten Bauabschnitt sollen bis 2011 die Hälfte davon fertig gestellt werden. „Bei Bedarf können wir dann ganz schnell nachlegen und die ganze Anlage fertig stellen“, erläutert Franz-Josef Hillebrandt die Umsetzungspläne.

Noch einmal und wiederum ist daran zu erinnern, dass die modernisierten Scharnhorstkasernen preiswerter und bezahlbarer Wohnraum für Studenten gewesen wären. Ein Zimmer dort hätte nämlich höchstens die Hälfte von den 280 Euro gekostet, die das Wohnen jetzt kostet. 140 Euro im Monat. OB Heiner Pott und die CDU-Mehrheit haben das gewusst, aber beschlossen, jedes einzelne (modernisierte) Kasernengebäude abzureißen. Über diese vorsätzliche größte Vernichtung öffentlichen Vermögens in der Geschichte Lingens, -von Kriegen und Naturkatastrophen einmal abgesehen- will ich noch längst nicht das Mäntelchen des Vergessens gehängt wissen.

Die hohen Mieten führen nämlich jedenfalls dazu, dass Studenten gar  nicht erst nach Lingen ziehen. Lingen ist weiterhin studentenunfreundlich. Das zeigen beispielhaft die Mieten wie das arrogante Ausklammern des öffentlichen Lingener Nahverkehrs -ohnehin traditionell  eine rudimentäre Veranstaltung- aus den Semestertickets. Auch darüber könnte eigentlich die Junge Union mal lamentieren…

Foto: © Harald Reiss, pixelio.de)