Gerodet

13. März 2012

Die Grünen haben einen Vorschlag für den Etat der Stadt Lingen vorgelegt, dessen Entwurf am Donnerstag im Haushaltsausschuss  beschlossen werden soll. Sie wollen für „Aufforstungen statt ‚Schutzwald‘ im Altenlingener Forst“ 200.000 € eingestellt wissen.

Auch die CDU hat zu den Abschlussberatungen zum Haushalt einen Vorschlag vorgelegt, der sich mit dem  Altenlingener Wald befasst, genauer: mit dem Schutzwald, mit dem eben diese CDU letztes Jahr in den Kommunalwahlkampf gezogen ist. Sie erinnern sich? 200.000 Euro pro Jahr für einen neuen Wald, der zwischen dem Forstweg/Im Brooke und dem Schwarzen Weg entstehen und wachsen sollte, wollte vor 13 Monaten die CDU in den Haushalt stellen.

Jetzt, nach den Kommunalwahlen, soll’s gut gewesen sein mit der schwarzen Schutzwald-Herrlichkeit. Denn die Schutzwald-Gelder werden ab sofort gestrichen. Das schlägt dieselbe CDU jetzt vor. In 2012, in 2013 und in 2014 gleichermaßen. Kein Geld, kein Schutzwald und für die Wähler die Bestätigung der gesicherten Erkenntnis, dass Lügen Wahlversprechen kurze Beine haben. Aber wie flott in Lingen gerodet wird, wussten wir ja schon.

Wahlversprechen

3. Februar 2011

Hartnäckig uneinsichtig gibt sich die CDU. In einem Gespräch, über das heute die Lingener Tagespost berichtet, halten die Unionisten auch unter ihrer neuen Führung an der Ansiedlung von Industrie und Gewerbe im Altenlingener Forst fest – gleich am ganzen 33-Hektar-Bebauungsplan Nr. 20, der erst zu 30% abgeholzt ist. Die anderen 70% sollen offenbar bald dran glauben. „Um den Anliegen der Bevölkerung in Altenlingen entgegenzukommen“, schlägt die Lingener CDU mit zart-besorgtem Augenaufschlag deshalb „die Anlegung eines Schutzwaldes“ vor. „Unsere Idee ist es, neben den ohnehin geplanten Aufforstungsmaßnahmen einen Waldgürtel hinter der Schrebergartensiedlung am Schwarzen Weg bis zur Bahnlinie anzulegen“, sagte Fraktionsvorsitzender Uwe Hilling. Die CDU werde deshalb beantragen, den Flächennutzungsplan (Fachkürzel: F-Plan) an dieser Stelle entsprechend anzupassen.

Soso, die CDU will einen Plan anpassen. Ein F-Plan ist aber kein Schutzwald. Er ist nur Polit-Show, ein neuer F-Plan ist erst einmal nichts anderes als bunt-gezeichnetes Papier. Ein Wald entsteht dadurch noch lange nicht. Denn man muss Eigentümer aufzuforstender Flächen sein, bevor auch nur ein Baum gepflanzt werden kann. Fast alle Flächen, die die CDU als Schutzwald planen will, sind in Privathand und nicht im Eigentum der Stadt. Was also soll der CDU-Vorschlag anderes, als davon abzulenken, den sinnfrei abgeholzten Altenlingener Forst wieder aufzuforsten?

Nebenbei: Auch die berichtete Aussage von OB Dieter Krone in derselben Publikation, er könne sich „als Kompromiss vorstellen, die abgeholzten Flächen gewerblich zu nutzen, wenn die übrigen Waldflächen zusammenhängend geschützt werden“, muss irritieren. Mit der Nichtaufforstung und dem Verkauf der 9 Hektar will OB Krone verhindern, dass der Stadt ein finanzieller Schaden entstehe, der sich angeblich auf 1,8 Mio Euro belaufen soll. Eine Milchmädchenrechnung, weil schon der Kauf von 10 Hektar neuer CDU-Schutzflächen in demselben Areal allein 3 Mio Euro kosten dürfte.  Mag auch der Baccumer Thomas Pertz  Krones Kompromiss Kappes wohlwollend kommentieren – mit dem Verkauf der abgeholzten Flächen entsteht allemal großer Schaden an der Glaubwürdigkeit des Dieter Krone. Dieser Vertrauensverlust dürfte für den OB persönlich sehr teuer werden. Denn Krone hat die Wiederaufforstung des Altenlingener Forstes zu seinem klaren Wahlkampfprogramm gemacht und damit seine Wähler überzeugt und gewonnen. Nicht mit einem windigen Kompromiss, der in Wahrheit nur der zweite Bruch eines Wahlversprechens wäre.

(Foto: Noch da: Baccumer Wald von © dendroaspis2008)