MH17

11. März 2020

Am Montag dieser Woche begann in den Niederlanden der Strafprozess um den Absturz des Fluges MH17 von Malaysia Airlines am 17. Juli 2014, bei dem 296 Personen – darunter 196 Niederländer – ums Leben kamen. Die Maschine wurde von einer Rakete des russischen Militärs getroffen. Nun begann der Prozess gegen vier Angeklagte im Justizkomplex bei Schiphol.

Der Prozess wird gegen vier russische und einen ukrainischen Staatsbürger gehalten, die seit letztem Jahr offiziell als Verdächtige betrachtet werden. Sie sollen damals ein Flugabwehrraketensystem erst ins Kampfgebiet und dann dort entsprechend in Position gebracht haben, um ein Flugzeug abzuschießen. Daher werden sie des Mordes an 298 Menschen beschuldigt.

Beim gestrigen Auftakt des Prozesses ging es allerdings noch nicht um Inhalte, sondern vielmehr um Organisation und Bestandsaufnahmen. So wurden zu Beginn die Namen aller Todesopfer vorgelesen. Auch wurde geklärt, wer erschienen ist, ob die Anwälte ausreichende Befugnisse haben und ob alle Vorladungen ausgestellt wurden. Von den angeklagten vier Männern erschien jedoch niemand selbst zum ersten Prozesstag. Nur einer von ihnen machte sich darüber hinaus die Mühe, niederländische Anwälte zu engagieren, die ihn vor Gericht vertreten sollen.

Selbst wenn die vier Männer verurteilt werden, werden sie ihre Strafe vermutlich nicht antreten, da sie in Russland wohnen und der russische Staat sie nicht ausliefern will. Darüber hinaus hat Russland die Beweisen und Schlussfolgerungen des Joint Investigation Team, das sich mit der Aufklärung des Abschusses befasste, konsequent zurückgewiesen und verneint, etwas mit dem Unglück zu tun zu haben. Laut der NOS hat Russland nicht nur versucht, durch Fake News Verwirrung zu stiften, sondern wollte auch mit Hilfe seines Geheimdienstes die Ermittlungen auszuspionieren und beeinflussen.

Der Prozess wird vermutlich Jahre dauern und um Inhalte wird es frühestens im Herbst dieses Jahres gehen. Das niederländische Kabinett hat für den Prozess 54 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

Mehr zu dem Unglück im NiederlandeNet-Dossier Flug MH17 – Absturz und Folgen.


gefunden bei Niederlande.net


Foto: Spurenursache an der Absturzstelle durch niederländische und australische Ermittler, CC: NL Verteidigungsministerium  CC 0 1.0 Verzicht auf das Copyright“ zur

stoppen

23. Oktober 2019

Die niederländische Regierung will in Zukunft den Anstieg der Urlaubsflüge, die am Flughafen Schiphol abfliegen oder ankommen, stoppen. Die niederländische Ministerin für Infrastruktur und Wasserwirtschaft Cora van Nieuwenhuizen(VVD) arbeitet zur Zeit an einer Regelung, die diejenigen Fluggesellschaften bei der Verteilung von Flugrechten bevorteilen soll, die einen größeren Beitrag zur Ausweitung des weltweiten Streckennetzes leisten. Dazu gehört zum Beispiel auch die niederländische Fluggesellschaft KLM.

Dies geht aus einem Entwurf der Luchtvaartnota 2020 bis 2050 hervor, einem Dokument über die politischen Pläne der nächsten 30 Jahre bezüglich der Luftfahrt, das aktuell der niederländischen Tageszeitung de Volkskrant vorliegt. In diesem Zeitraum, so die Luchtvaartnota, darf der Amsterdamer Flughafen Schiphol bezüglich der Anzahl seiner Flüge nur ein minimales Wachstum verzeichnen. Dadurch soll der Ausstoß von Treibhausgas begrenzt und die Unannehmlichkeiten für die Anwohner so gering wie möglich gehalten werden. In konkreten Zahlen bedeutet dies, dass auf dem Flughafen ab 2020 nur bis zu 540.000 Starts und Landungen pro Jahr durchgeführt werden dürfen. Das sind gerade mal 40.000 mehr als es aktuell der Fall ist. Van Nieuwenhuizen beabsichtigt nun – zugunsten der niederländischen Wirtschaft – diese nun verbleibenden 40.000 Flüge dazu zu nutzen, das weltweite Netzwerk auszuweiten. Man wolle damit vermeiden, dass die zusätzlichen Flüge dafür verwendet würden, sonnige Urlaubsziele an der spanischen oder türkischen Küste anzusteuern.

Seitens des Amsterdamer Flughafens hagelte es Kritik. Die Mitarbeiter hätten kaum Einfluss auf die Verteilung der Flüge und sehen sich daher nicht in der Lage, den Forderungen nachzukommen. Diese Kritik jedoch bezog van Nieuwenhuizenin ihre Pläne mit ein. Es soll in Zukunft eine Regelung geben, die gewährleistet, dass der Koordinator des jeweiligen Flughafens mitentscheiden kann, wem er bei einer begrenzten Anzahl an möglichen Starts und Landungen, den sogenannten Slots, den Vorzug gibt. Für den Amsterdamer Flughafen würde dies letztendlich bedeuten, dass der Slot-Koordinator dann in der Lage sei, Fluggesellschaften, die zum weltweiten Streckennetz beitragen, zu bevorzugen. In der Praxis sind dies vor allem die niederländische Fluggesellschaft KLM und ihre Partnerunternehmen. Um allerdings konkrete Präferenzen hinsichtlich verschiedener Ziele und Fluggesellschaften aussprechen zu können, möchte sich van Nieuwenhuizen zunächst einen Überblick darüber verschaffen, welche Ziele wie oft und in welchem Zeitraum angeflogen werden.

Die Ministerin geht allerdings davon aus, dass eine örtliche Regelung nicht ausreichen werde, um Urlaubsfluganbieter vollständig von Schiphol fernzuhalten. Da in diesem Fall europäische Vorschriften nicht mit den Plänen der niederländischen Regierung einhergehen, drängt Van Nieuwenhuizen nun in Brüssel darauf, den Mitgliedsstaaten mehr Befugnisse einzuräumen.

Doch nicht nur seitens der EU treten innerhalb dieser Diskussion Probleme auf. Auch Anbieter von Billigfluggesellschaften kritisieren den Plan der Ministerin, da sie den Wettbewerb gefährdet sehen. So meldet sich beispielsweise Steven van der Heijden, Geschäftsführer der türkischen Fluggesellschaft Corendon Airlines, zu Wort, der sich die Frage stellt, ob eine derartige Regelung überhaupt rechtens sei, da sie doch sehr stark in den freien Markt eingreife. Darüber hinaus hätten die Urlaubsfluggesellschaften keine Möglichkeit, auf einen anderen Flughafen auszuweichen. Durch die andauernden Bauarbeiten des Flughafens in Lelystad und das langsame Wachstum bezüglich der Anzahl der erlaubten Flüge, gäbe es für diese Fluggesellschaften keine Alternative.

Weiterhin plant die Regierung, für die kommenden 30 Jahre neue Grenzwerte für Lärmbelästigung, (Ultra-)Feinstaub und CO2 festzulegen und auch dadurch eine Ausweitung des Flugverkehrs zu verhindern, heißt es in der Luchtvaartnota. Auch sei es zukünftigen Regierungen nicht gestattet, sich über diese Regelungen hinwegsetzen. Nichtsdestotrotz sei ein Wachstum der niederländischen Luftfahrt nicht vollkommen ausgeschlossen, so Van Nieuwenhuizen. Sollte die internationale Erreichbarkeit mangels ausreichender Flüge auf dem Spiel stehen, müsse man einen neuen Kompromiss zwischen Umwelt und Wirtschaft finden.

Als Alternative zu innereuropäischen Flügen mit einer Entfernung von bis zu 800 km wie beispielsweise London, Paris oder Berlin wird die Fahrt mit dem Zug empfohlen. Dadurch könnte man langfristig entweder diese Flüge streichen, um das Klima zu schonen, oder aber neue Slots für Flüge, die der Ausweitung des weltweiten Streckennetzes dienen, freigeben. Große Investitionen zur Schaffung einer neuen Infrastruktur für die internationalen Züge seien jedoch nicht geplant. Dies sei, so Van Nieuwenhuizen, zu teuer. Es sei sinnvoller, das Geld in eine nachhaltige Luftfahrt zu investieren.

Eine weitere Idee, die von Mitgliedern anderer Parteien der Tweede Kamer vorgeschlagen wurde, besteht in der Verlegung des Amsterdamer Flughafens an die Nordsee. Davon hält die Ministerin allerdings nichts. Zwar wolle sie in der Luchtvaartnota Bedingungen für den Bau eines Seeflughafens festlegen, ist aber von der Rentabilität und Relevanz dieses Projektes nicht überzeugt.


Text: Niederlande.net; Foto: Flughafen Amsterdam-Schiphol Autor: Cjh1452000   CC Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Wand aus Kuscheltieren

19. Juli 2015

Rund 1.500 Angehörige gedachten am Freitag in Nieuwegein der Opfer des MH17-Flugzeugunglücks, das sich vor genau einem Jahr ereignet hatte. Auch Vertreter der niederländischen Regierung waren zugegen. Zum Jahrestag des Unglücks hingen im ganzen Land die Flaggen auf Halbmast.

„Das erste schwierige Jahr ist vorbei. Und wie auch immer jeder von Ihnen diesen Moment erlebt, sicher ist, dass die Opfer des Flugs MH17 – Ihre geliebten Angehörigen – uns immer in Erinnerung bleiben werden. Ich wünsche Ihnen, dass Sie aus dieser Erinnerung Hoffnung und Kraft schöpfen können.“ Mit diesen Worten wandte sich Premier Mark Rutte an die bei der Gedenkveranstaltung anwesenden Angehörigen. Er bedankte sich auch für die Geduld und das Vertrauen, welches die Familien und Freunde für die langwierige Bergung der Wrackteile und der Opfer aufgebracht hätten und noch für die laufende Untersuchung aufbrächten.

„Hoffnung in der Trauer“ war das Thema unter dem die gesamte Gedenkveranstaltung stand. Ein sichtbares Zeichen des Mitgefühls bildete die meterlange Wand aus tausenden Kuscheltieren, die nach dem Flugzeugabsturz am Amsterdamer Flughafen Schiphol zum Gedenken an die Opfer abgelegt worden waren. Gäste konnten ihre Gefühle in einem Kondolenzbuch mitteilen.

Das Programm selbst sah neben Reden von Angehörigen und Offiziellen auch die Verlesung der Namen aller 298 Absturzopfer vor. Für jedes Opfer wurde zudem eine Kerze angezündet. Zum Abschluss folgte eine Schweigeminute.

Als sehr bewegend hoben die niederländischen Medien die Rede von Sharifah Asmaa Binti Alweer Aljuned, der Witwe des MH17-Copiloten, hervor. Sie erklärte auf Englisch: „Auch wenn wir dieselbe Erfahrung des Verlustes eines geliebten Menschen teilen, kann unsere Trauer und der Weg, den wir gehen müssen, nicht miteinander verglichen werden; es ist für jeden von uns total unterschiedlich.“ Mit Tränen in der Stimme schloss sie ihre Rede mit den Worten, die ihr Mann nach der Landung des Flugzeugs üblicherweise an die Passagiere richtete – „eine Aufgabe, die er nicht mehr erfüllen konnte“.

Evert van Zijtveld, Vorsitzender der Stiftung Vliegramp MH17, welche die Veranstaltung organisiert hatte, erklärte gegenüber de Volkskrant: „Es war eine sehr schöne, würdige, sehr emotionale Zeremonie.“

(Quelle: NiederlandeNet)

Sherlock

27. September 2014

Genial: KLM hat da am Drehkreuz Schiphol eine Lösung gefunden, um Fluggästen ihre im Flugzeug vergessenen  Dinge zurückzubringen. Wenn das Bordpersonal zurückgelassene Handys, Kopfhörer oder Plüschtiere  findet, nimmt der offizielle KLM-Spürhund Sherlock Witterung auf und findet die Person, die nach dem jeweiligen Gegenstand riecht. In 80 Prozent der Fälle sei er erfolgreich – noch bevor die Person den Flughafen verlassen hat. Schlecky Silberstein, wo ich das Video entdeckt habe, glaubt zwar „irgendwie kein Wort, traut den Holländern aber alles zu. Wer sich gerade am Flughafen Schiphol aufhält, kann ja mal Ausschau nach dem Fifi halten.“ (Quelle)

humanste Methode

20. Juli 2013

Da lese ich, dass 10.000 Graugänse (lat. Name: Anser anser) in diesem Jahr rund um den Amsterdamer Flughafen Schiphol vergast worden sind. Das ist zwei Mal so viel wie im letzten Jahr; denn das beauftragte  ‚Vergasungsunternehmen‘ jagt die Gänse jetzt in einem wesentlich größeren Bereich.

Die nämlich sind für startende und landende Flugzeuge gefährlich, und deshalb wollen die Verantwortlichen sie loswerden. 2012 gab nur die niederländische Provinz Nord-Holland ihr OK, jetzt sind auch die Provinzen Zuid-Holland und Utrecht mit der Tötung einverstanden. Gefangen werden die Graugänse inzwischen in einem 20 Kilometer-Radius rund um den fünftgrößten europäischen Verkehrsflughafen.

Die Gänse können übrigens nur ein paar Wochen im Jahr auf diese Weise gejagt werden,  nämlich dann, wenn sie in der Mauser nicht fliegen können. Die Vögel treibt mandann in eine Falle getrieben und dort werden sie mit Kohlendioxid getötet. Das sei, so ein Sprecher des beauftragten Unternehmens Duke Faunabeheer (Motto: Vangen, Verjagen, Weren) „die humanste Methode“.

Die getöteten Gänse werden übrigens  fast vollständig verwertet. Sie gehen an Geflügelhändler und Tafeln, aber auch an Zoos als Nahrung für Raubtiere. Auch die Knochen werden verkauft und die Federn landen zB in Kissenfüllungen.

Und jetzt frage ich mich, was ich von all dem halten soll. Was denken Sie?

(Foto: Graugans-Altvogel und Küken; CC Aiwok)