Drehbuch

27. September 2012

Ein feiner Sparsamkeitsbeitrag aus der überzeugenden NDR-Reihe „Das Beste am Norden ist…“ – ganz unten platziert. Dann machen wir Lingener mal in Optimismus, damit es in unserem nächsten Kommunalwahlkampf nicht ein ähnliches Drehbuch für einen BN-Spot geben muss: Mit dem BürgerNahen Marc Riße (Foto lks), der den Sparsamkeitssatz spricht, und wo am Ende die Kamera auf ein größeres, am Lingener Kirmesplatz gelegenes, neues Gebäude hinüber schwenkt…

Die CDU fragt immerhin gerade, was Lingen künftig mit Emslandarena und Emslandhallen machen kann. Ich finde, eine nicht unbedingt übereilt gestellte Frage bei diesem Projekt, das die CDU seit Jahren immer wieder beschlossen hat. Der CDU-Landesparteitag war bekanntlich schon ohne Emslandarena hier. Die Union meint auch, man investiere „über 20 Mio Euro“. Das ist bescheiden, denn der Emslandarena-Kostenstand liegt zzt. bereits bei netto 21,3 Mio Euro plus 200.000 € Sportboden, der bislang nicht in den Kostenschätzungen enthalten ist, obwohl beispielsweise gestern die Handballer der HSG Nordhorn-Lingen mit einem 31:24 gegen Post Schwerin die nächste Pokalrunde erreicht haben. Man will den notwendigen Sportboden, hörte ich, jeweils anmieten. So verschieben die Verantwortlichen schelmenhaft Notwendiges in die laufende Unterhaltung.

Dieselben Experten hoffen auch, den 700.000 Euro Lärmschutz für den nächsten Nachbarn zu sparen. Dafür überlässt man dem betreffenden Nachbarn mal eben 4000 qm städtische und Eigenbetriebsfläche zum Spottpreis und macht ein Bunker-Baudenkmal platt. Es entsteht Kaufland und die Gerüchte sagen, Mediamarkt zieht dann dahin um. Ist man so blöd? Die Innenstadt wird dieser spezielle Lärmschutz ganz doll freuen.

Gar nicht sparsam ist derweil die Berichterstattung. Vorgestern konnten wir zum gefühlt 483. Mal in der Lokalzeitung lesen, dass der Landkreis unser Leuchtturmdingens mit 5 Mio Euro fördert. Nicht lesen durfte man, dass die Meppener Freunde zugleich eine überhöhte Kreisumlage von der Stadt kassieren und der -eigentlich von Lingen mit der Kreisumlage selbst entrichtete- Betrag  in drei Teilbeträgen gezahlt wird, der dritte erst 2014. In der Zwischenzeit zahlt die Stadt die Zinsen der Vorfinanzierung.

Der  eigenverantwortliche „Eigenbetrieb Emslandhallen“ hat übrigens sämtliche vergeblichen kommunalen Planungskosten für das von der BI Arenawahn erfolgreich bekämpfte Projekt an der B 214 in Laxten getragen, was aber der Werksausschuss des Eigenbetriebs nicht beschlossen hat, klagt mein Fraktionskollege Atze Storm (BN; Foto lks). Das OK der Wirtschaftsprüfer unter die Jahresabschlüsse der Emslandhallen gab es trotzdem. Der Eigenbetrieb hat demnach alles richtig gemacht.

Für die erst doch, dann nicht und  jetzt wieder abzureißende ESV-Turnhalle gibt es teueren Kegelbahnersatz im Unteroffiziersheim der ehem. Scharnhorstkaserne. Damit das nicht so auffällt, wird in Etappen gebaut und nach rund 80.000 Euro für den ersten Bauabschnitt (mit Kreiszuschuss) die zweite Etappe (knapp 300.000 Euro, wohl kein Kreiszuschuss) lieber noch nicht veranschlagt, obwohl die Haushaltsordnungen das nicht zulässt.

Aber es gibt einen Hoffnungsschimmer: Generös hat sich die BN-Fraktion während einer Sitzungspause für die Fraktionsraucher jetzt bereit erklärt, trotz Projektkritik selbstverständlich Veranstaltungen in der neuen Emslandarena zu besuchen. „Wir müssen doch helfen, dass das jährliche Defizit nicht zu hoch wird!“ (Marc Riße).

Das nenne ich selbstlos! 😉

Schutzraum

2. September 2012

Dieses Lingen-Video über die Tiefen der ehemaligen Lingener Scharnhorstkaserne habe ich auf youtube gefunden. Es wird im Begleittext so erläutert (kleinere Änderungen durch mich aus Verständnisgründen):

„Ein ehemaliger Schutzraum der Scharnhorst Kaserne (1956-2007) in Lingen, der noch nicht den Baggern zum Opfer gefallen ist. Neben dem Offiziersheim der letzte Rest der Kaserne. Der Raum steht unter Wasser, mit normalen Schuhen ist es nicht möglich ihn zu betreten. Mittlerweile ist bekannt, dass es mehrere große Räume sind (Siehe Video 2 unten)

Dieser Schutzraum gehörte zur 1./PzBtl 333/523. Das Panzerbataillon 523 entstand am 01.10.1981 in Lingen durchs Umbenennen des Panzerbataillon 333(1) und Umgliederung nach Heeresstruktur 4. Es war der Heimatschutzbrigade 52 unterstellt. Seine Ausrüstung:

– Kampfpanzer Leopard 1
– ab 1982 Kampfpanzer M48 A2GA2 (US).

Die militärische Einheit wurde am 01.10.1991 zum Jägerbataillon 523 und war ab sofort kein Mitglied der Panzertruppe mehr.

Karte: http://binged.it/L0vz79
Mehr Infos auf: http://www.panzertruppe.com/pzbtle/pzbtl_3_pzbtl523.htm

Hier entsteht nun der Emsauenpark, ein Wohn- und Naherholungsgebiet.

Pausenbild 11

17. August 2012

(Königskerzen (verbascum thapsus) auf dem Gelände der ehem Scharnhorstkaserne in Lingen (Ems); © dendroaspis2008)

Entwickeln

21. November 2011

OB Dieter Krone hat unlängst die „Vermarktung des Emsauenparks“ im Lingener Stadtteil Reuschberge zu einem seiner politischen Arbeitsschwerpunkte erklärt. Immerhin soll auf dem Gelände der ehemaligen, übereilt, sinnfrei und reichlich kopflos abgerissenen Scharnhorstkaserne der Bundeswehr  ein völlig neues Stadtquartier entstehen. Da muss man dann das Beste draus machen.

Vorgestern, am Samstag, gab es dazu einen wichtigen Termin im IT-Zentrum der Hallen des ehemaligen Eisenbahnausbesserungswerks, über den heute die Lokalpresse, die Ems-Vechte-Welle und abends dann auch EV1-tv durchweg positiv berichten. Regionale Architekten präsentierten ihre Entwürfe, Grundrisse und Ideen für neue Häuser im Emsauenpark Reuschberge. Durchweg alle Teilnehmer der Veranstaltung waren am Samstag voll des Lobes und freuten sich über den unerwartet großen Ansturm. Die Messe-Idee hatten maßgeblich Hochbauamtsleiter Peter Krämer und Helmut Höke, Prokurist der kommunalen Grundstücks- und Erschließungsgesellschaft (GEG), entwickelt. Grundlage war die Überlegung, dass das Baugebiet für 300 bis 400 neue Wohnungen städtebaulich wie gestalterisch nur gelingen könne, sofern Bauwillige einen Überblick über die unterschiedlichen Vorstellungen der Architekten und Bauträger gewinnen können. Bei einer herkömmlichen Vergabe gelingt dies regelmäßig nicht.

Das neue Wohnen entsteht bekanntlich nur etwa 1000-Meter-Luftlinie vom Marktplatz entfernt, zwischen Dortmund-Ems-Kanal im Osten und der Ems im Westen. Der Vorteil gegenüber den vermeintlich günstigeren Grundstücken in Nachbargemeinden oder Ortsteilen: Familien brauchen kein zweites Kraftfahrzeug. Entstehen sollen Einfamilien-, Doppel- und Reihenhäuser, Stadtvillen und Stadthäusern. Südlichwestlich des Wohngebietes entsteht ein rund 14 Hektar großer Park, der „die natürlichen Landschaftselemente der Emsauen mit modernen Wasserelementen, Gastronomie und Spielflächen vereint“, wie es auf der Internetseite der Stadt heißt.

Noch vor Weihnachten sollen im Stadtrat die Grundstückspreise festgelegt werde. Unterschiedliche Grundstücksgrößen von ca. 250 m² für Stadthäuser bis 1.500 m² werden dann auch zu unterschiedlichen Preisen angeboten werden. Die ersten Grundstücke im neuen Emsauenpark werden voraussichtlich schon in zwei, drei Monaten vergeben. Zusätzliche Informationen zum Emsauenpark vermittelt die Broschüre Emsauenpark. Gebaut wird dann ab Sommer 2012. Interessenten können sich unverbindlich hier für ein Grundstück bewerben.
Zusammen mit Mitgliedern  der Stadtratsfraktion „Die BürgerNahen“  habe ich mich am Samstagnachmittag über die Pläne und Entwürfe der ausstellenden Architekten und Bauträgern informiert: Bau- und Planungsteam Hansi Surmann GmbH/Freren, Bruno Braun Architekten/Düsseldorf (Stöckler Immobilien und Bau GmbH/Lingen), Conzeptbau M. Wessmann Immobilien & Gutachterbüro/Lingen, Deeken Architekten/Lingen, Fickers Architekten/Lingen, Krämer + Susok Architekten BDA/Lingen, Liedtke + Lorenz GbR/Lingen, Meyerrose | Wübben Architekten/Meppen, mg architekturgesellschaft mbh/Meppen, Plan |Concept Architekten/Osnabrück, PRO Immobilien GmbH/Lingen, WBR Architekten • Ingenieure/Lingen, w+ID InnenArchitektur und Design/Lingen und 2e Architekten Hülsmann und Sowka/Meppen. Besonders gefiel dabei die Zusammenstellung von zehn völlig unterschiedlichen Stadthausentwürfen. Sie war übrigens deutlich besser als das nachstehende Foto.
An der Ausstellung nahmen außerdem auch die Architektenkammer Niedersachsen und die Stadt selbst sowie mit der Sparkasse Emsland und der Volksbank Lingen eG teil, also die beiden führenden regionalen Kreditinstitute. Leider war die Veranstaltung schon nach sieben Stunden zu Ende. Sinnvoll ist es daher, die einzelnen Arbeiten und Ideenskizzen der beteiligten Architekten dauerhaft online ins Netz zu stellen. Allerdings hat der Lingener Fahrradhändler Andreas Lutter die Domains emsauenpark.de und  emsauenpark-lingen.de -sagt man- gegrabbt? Er hat sie sich jedenfalls schon vor geraumer Zeit unter den Nagel gerissen, wird sie aber sicherlich gern abgeben, wenn man ihn höflich fragt.
Und dann wird eine neue Fußgänger- und Radfahrer-Brücke von Reuschberge über den Dortmund-Ems-Kanal in die Stadtmitte geführt werden. Da hoffe ich persönlich ganz still und leise darauf, dass dies kein 08/15-Bauwerk nach Art der Bundeswasserstraßenverwaltung („schnell, genormt und preiswert“) wird sondern eine Verbindung, die das Stadtbild deutlich aufwertet, mag es dann vielleicht auch ein bisschen teurer werden (Blätterst Du hier…).
Foto: Junge Lingener Architekten auf der Emsauenpark-Messe: Arnd Vickers und Sebastian Deeken, von lks., © robertsblog;)

Geht auch anders

15. Juli 2011

An dem im vergangenen Jahr beliebten „Pott-Bashing“, also dem nachträglichen Niedermachen des Ex-OB Heiner Pott, haber ich mich bekanntlich nicht beteiligt; dafür sind die Verdienste des Mannes für Lingen zu groß.

Allerdings müssen seine Fehlentscheidungen genannt werden. Davon gibt es eine ganze Reihe. Die größte war der Entschluss, die Scharnhorstkaserne abzureißen. Pott und die ihm wie stets hinterher laufenden CDU-Mannen (und -Frauen) im Stadtrat waren außerstande, die einmalige Chance  zu erkennen, die sich der Stadt bot. Also kam die herkömmliche Lingener Abrisslösung. Andernorts kann man Konversion, also die Umwandlung militärischer in zivile Nutzung.

Beispielsweise in Osnabrück. Die NOZ meldet, dass fast alle „Briten-Häuser“ verkauft sind, in denen die britischen Soldaten der Osnabrücker Garnison lebten: Viel schneller als erwartet sei das britische Kapitel in Osnabrück endgültig zu Ende: Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) habe am Mittwoch dieser Woche die Kaufverträge für die letzten großen Haus-Pakete unterzeichnet. 736 der 740 Ex-Briten-Wohnungen aus Staatsbesitz sind damit privatisiert. Schnäppchen seien das nicht gewesen, berichten Makler.Trotzdem ist es wohl gelungen. Und öffentliches Vermögen ist erhalten worden.

Das Beispiel zeigt, dass es auch anders geht als bei uns. Nachhaltigkeit muss praktiziert werden und darf nicht nur ein schönes Schlagwort sein. Voraussetzung dafür ist aber in jedem Fall, dass die politische Mehrheit will und kann. An beidem fehlte es in Lingen leider.

schäbig

20. März 2010

Zugeben muss ich, dass mich eine bestimmte Form der Kritik trifft und deshalb empört. Da gab es im Lingener Rat am Donnerstag die Haushalt-2010-Diskussion (Ja, tatsächlich wurde debattiert!), in der ich die größte mir bekannte Geldverschwendung kritisierte, die es in nah und fern je gegeben hat: Bis zu 30 Mio Euro hat die Vernichtung der Lingener Scharnhorstkaserne gekostet und kostet sie noch. Leser dieses Blogs wissen: Schon der Abriss der Kasernengebäude hat öffentliches Vermögen im Wert von 10 – 12 Mio vernichtet, der Abbruch selbst kostet  bis zu 7 Mio, die Anlage des „Emsauenparks“ nach ersten Planungen bis zu 10 Mio Euro. OB Pott hat meine Kritik als „Märchenstunde“ bezeichnet. Gründe hat er kaum benannt, nur den, das irgendwie auch Geld zurückfließen solle.  An der Vernichtung von Vermögen, das mit Steuergeldern geschaffen war, ändert dies aber keinen Deut.
In der Debatte rief ein CDU-Mann bei meinem Beitrag dazwischen  „Das ist nur die halbe Wahrheit!“. Da hab ich dann ironisch zurückgerufen: „Das macht doch nichts. Sie wissen ja, dass es mein Beruf ist, immer die halbe Wahrheit zu sagen.“ und in Richtung CDU hinzu gesetzt noch: „Aber Ihr sagt ja nicht mal die halbe Wahrheit!“. Heute zitiert die lokale Zeitung meinen Satz, dass es mein Beruf ist, immer die halbe Wahrheit zu sagen. Natürlich ohne den ironischen Zusammenhang.

Es ist ein besonderer  Missgriff, eine erkennbar ironische Bemerkung ohne den ironischen Zusammenhang darzustellen, in dem sie stand. Eine solche Darstellung diffamiert und soll es auch.  Das Ziel:  ein fataler Eindruck in der Öffentlichkeit. Das ist schlechter, das ist schäbiger Journalismus!

Genauso schäbig ist dies: Nach Gutsherrenart bediente OB Pott einzelne Ratsherren der CDU und FDP aus Damaschke mit der Information, die Ulanenstraße werde jetzt doch in diesem Jahr (ein bisschen und in drei Monaten) ausgebaut. Und „die Presse“ bekam diese Information aus Potts Verwaltung zugeschoben – natürlich vor allem das Lokalblatt „Lingener Tagespost“. SPD-Ratsherr Heinz Willigmann (Foto unten), der seit mehr als 10 Jahren für die Verkehrsentlastung Damaschkes kämpft, wurde vom OB nicht informiert.  Offenbar ganz bewusst, denn vergessen kann man den Einsatz Willigmanns gar nicht. Willigmann hatte zuvor kritisiert, nach zehn Jahren könne man den Eindruck gewinnen, dass OB Pott den Ausbau der Ulanenstraße gar nicht wolle.  Anschließend wurde er von Pott dann eben nicht mehr informiert.  Als die SPD dies kritisierte und die Grünen ebenso, kommentierte Tagespost-Mann Thomas Pertz wie ein Kreisklassenschiedsrichter  in seinem Lokalblatt, die Kritik an der einseitigen Information sei völlig überzogen.  Selbst bevorzugt zu werden und sich dann über die berechtigte Kritik anderer, die extra nicht informiert werden, ereifern -auch hier schlechter, schäbiger Journalismus.

Und es ist auch schlechter Journalismus, sich für frühzeitigen Wahlkampfjubel herzugeben und keine einzige kritische Nachfrage zu stellen. Zum Beispiel hier und hier vor ein paar Tagen. Es gab in beiden Berichten nur Begeisterung und keinerlei kritische Nachfragen, was konkret mit Hilfe der Stadt im Industriepark Süd geschehen ist, um was für sozialversicherungspflichtige neue Arbeitsplätze es sich handelt (Minijobs?) und um was für neue Betriebe (Scheinselbständige?). Hier macht man sich bloß gemein mit dem, was OB Pott behauptet, und das ist nicht per sè eine gute Sache.

Einmal mehr: Die LT – das  ist regelmäßig schlechter und bisweilen auch schäbiger Gefälligkeitsjournalismus.

(Fotos: Verena N., pixelio.de; © SPD Lingen)

1839

10. März 2010

Zwei miteinander verwobene Nachrichten aus der kommunalen Kultur, zu der neben der Bestattung auch die Findung von Straßennamen zählt, rauben mir den Schlaf. Straßennamen sollen ja Ausdruck und Symbol sein. In Lingen sind sie erst einmal Ausdruck des gemeinen Dativs. Denn unter A finden wir im Straßenverzeichnis unseres Mittelzentrums mit oberzentralen Teilaufgaben diese bemerkenswerte Auflistung:

Am Alten FlugplatzAm Alten FriedhofAm Alten HafenAm AmeisenhügelAm BahndammAm BergAm BerggartenAm Biener SandAm Biener SeeAm BirkenhainAm BloomholtAm BotterkampAm BrinkAm BrunnenparkAm BuchenhainAm BuchenwaldAm BunkerAm BöckelAm DachsbauAm DammAm Darmer BahndammAm Darmer SportzentrumAm DiekseeAm DreieckAm DreispitzAm DurchstichAm DükerAm FalkenhorstAm ForstAm ForstpfadAm FährdammAm GalgeneschAm GasthausdammAm GemeinschaftshausAm GrabenkampAm Grünen RevierAm HasenbrinkAm HeidkampAm HeimathausAm HilgenbergAm HundesandAm KanalAm KanaldammAm KaninchenbergAm KindergartenAm KirchblickAm KohschultenhofAm KreuzbachAm KurparkAm Laxtener EschAm MarkengrundAm MarktAm MühlenbachAm MühlenbergAm MühlensteinAm Neuen FriedhofAm PapenbruchAm PulverturmAm PumpenkolkAm ReinelhofAm RobbenpohlAm SandhügelAm SchallenbachAm SeitenkanalAm SenderAm SonnenhangAm SpeicherseeAm SportplatzAm StorchengrundAm StrootbachAm StrubbenbergAm TankfeldAm TelgenkampAm TreffpunktAm VennbachAm WacholderhainAm WachtelringAm WaldessaumAm WaldfriedhofAm WaldhügelAm WaldstadionAm Wall-NordAm Wall-OstAm Wall-SüdAm WallgrabenAm WalzkampAm WasserfallAm WiesengrundAm WildwechselAm WollenkampAm Wulwer EschAm ÖvernhoffAn den HöfenAn den Städt. TannenAn der GräfteAn der KapelleAn der KokenmühleAn der MarienschuleAn der SchleuseAn der SchonungAn der SeilereiAn der Wilhelmshöhe

Ich glaube, es ist schon mehr als ein Dutzend Mal in vielerlei Gremien bekräftigt worden, das Am wegzulassen. Nicht genitivspezifisch wegen des Dativs, sondern wegen der Übersichtlichkeit.  Sie können selbst durchlesen, welches Am überflüssig ist. Es sind die meisten.

Doch -zweite Nachricht- kommt jetzt eine neue Am-Benennung des Ortsrats Schepsdorf und des Kulturausschusses hinzu: Am Schwalbenufer. So soll die im Volksmund Panzerstraße betitelte Verbindung zwischen der ehemaligen Scharnhorstkaserne und der Straße nach Nordlohne künftig heißen. Am plus Schwalbenufer. So hat es nach dem Ortsrat Schepsdorf nun am 3. März der Kulturausschuss  beschlossen, weil „in Unterlagen aus dem Jahr 1839 … der damalige Bereich Schwalbenufer genannt (wird)“ – so die Vorlage. Ist das nicht historisch und schlichtschön zugleich!?

Wir erkennen zugleich zwanglos: Beschluss und Beratungsvorlage sind  eine Steilvorlage für diesen Blog.
Schon sprachlich: Kann etwa ein Bereich damalig sein? Nun, trotz vorbeifließenden Emswassers eher unwichtig scheint mir bei der Evaluation von Namen und Entscheidungsfindung, dass das Jahr 1839 bekanntlich mit der Niederlage der peruanischen Flotte im Peruanisch-Bolivianischen Konföderationskrieg begann. Deutlich relevanter ist schon, dass damals die britischen Soldaten afghanistanmäßig den Flecken Kandahar besetzten (kampflos! – das waren noch Zeiten, die an aktuelle Herausforderungen…’tschuldigung, ich schweife ab) und dass -wir hätten es fast vergessen- das Erzbistums Addis Abeba gegründet wurde. Kommt immer gut hierzulande. In Lingen indes hieß 1839 der damalige Bereich Schwalbenufer. Dieses 171 Jahre zurückliegende Jahresereignis trägt und prägt bis heute.

Doch weil er  den Dativ in seiner Reinheit liebt, entwickelt, angestoßen durch den Ortsrat Schepsdorf, der Kulturausschuss die Straßennamenskultur entschlossen weiter; denn so soll es Heinrich Heine gesagt haben: „Am Anfang jeder Kultur ist Liebe!“ Also aus Liebe der Kulturbeschluss für den heutigen Bereich: Am Schwalbenufer.

Ist das nicht extra-schön!?
Eine Betonstraße, auf der Panzer zum Schießen rollten, wird auf diese Weise richtig  ökologisch-friedlich. Der olle Scharnhorst (Foto re), von mir als Namensgeber vorgeschlagen, würde glatt Zivildienstleistender, wenn er das noch erfahren hätte.

Am Schwalbenufer. Großartig und dabei zugleich so niveauvoll – diese paraphrasierende linguistische Sehnsucht nach ein bisschen Frieden und 1839.  Ich bin ganz am Wegsein …

(Schwalbenfoto, © Ernst Rose, pixelio.de)

Unfreundlich

9. März 2010

Ok. Ich sehe ein, dass ein Studentenzimmer nicht mehr so preiswert ist wie zu der Zeit, als ich eins brauchte. Bei Familie Kampmann (nicht verwandt oder verschwägert)  in der Bonhoefferstraße in Bielefeld habe ich damals 110 DM/Monat gezahlt. Das heißt natürlich meine Eltern. Die 88  Studentenzimmer im neugeplanten Komplex auf dem altlastenschwangeren ehem. Gelände der Stadtwerke am Wasserturm in der Kaiserstraße  sollen 280 Euro im Monat kosten. Das ist fünf Mal so viel als bei mir damals.
Welcher Student kann, welcher Student will sich das leisten? Welche Studenteneltern? Der Preis liegt etwa 80 – 100 Euro über dem, was verträglich ist.

Die Jubelei nebst positiv-unkritische Reaktionen über das an der Kaiserstraße geplante Studentenwohnheim überzeugen daher nicht.  Auch das gemeinnützige Studentenwerk Osnabrück traut der Sache nicht wirklich. Ich lese:

Das Wohnheim wird aus sieben einzelnen Gebäuden mit insgesamt 88 kleinen Appartements bestehen. In einem ersten Bauabschnitt sollen bis 2011 die Hälfte davon fertig gestellt werden. „Bei Bedarf können wir dann ganz schnell nachlegen und die ganze Anlage fertig stellen“, erläutert Franz-Josef Hillebrandt die Umsetzungspläne.

Noch einmal und wiederum ist daran zu erinnern, dass die modernisierten Scharnhorstkasernen preiswerter und bezahlbarer Wohnraum für Studenten gewesen wären. Ein Zimmer dort hätte nämlich höchstens die Hälfte von den 280 Euro gekostet, die das Wohnen jetzt kostet. 140 Euro im Monat. OB Heiner Pott und die CDU-Mehrheit haben das gewusst, aber beschlossen, jedes einzelne (modernisierte) Kasernengebäude abzureißen. Über diese vorsätzliche größte Vernichtung öffentlichen Vermögens in der Geschichte Lingens, -von Kriegen und Naturkatastrophen einmal abgesehen- will ich noch längst nicht das Mäntelchen des Vergessens gehängt wissen.

Die hohen Mieten führen nämlich jedenfalls dazu, dass Studenten gar  nicht erst nach Lingen ziehen. Lingen ist weiterhin studentenunfreundlich. Das zeigen beispielhaft die Mieten wie das arrogante Ausklammern des öffentlichen Lingener Nahverkehrs -ohnehin traditionell  eine rudimentäre Veranstaltung- aus den Semestertickets. Auch darüber könnte eigentlich die Junge Union mal lamentieren…

Foto: © Harald Reiss, pixelio.de)

Abgeräumt

7. Februar 2010

Reinhard Rauscher, mit dem Lingener Hochschulleben durchaus vertraut, hat vor einigen Tagen in einem Beitrag auf der Internetseite der Wählergemeinschaft „Die Bürgernahen“ Bedenkenswertes über die Wohnsituation der Fachhochschüler berichtet. Er berichtet über das Ergebnis einer städtischen Online-Umfrage , dass 37 % der Studenten, die an der Online-Umfrage teilnahmen, zwischen 101 und 250 €,  42 % zwischen 250-400€ Warmmiete zahlen. „Dies hätte ich  so hoch eigentlich nicht erwartet!“, schreibt Capuccinotrinker Reinhard Rauscher und schlussfolgert: „Was macht man, wenn sich nichts anderes bietet ??“

Anderes bietet sich deshalb nicht, weil die CDU mit OB Heiner Pott an der Spitze die Möglichkeit preisgünstigen Wohnens für viele Studenten (und auch Berufspendler) durch den sinnfreien Abriss der Scharnhorstkaserne  an der Gelgöskenstiege vernichtet hat, obwohl die Scharnhorsthäuser zu einem Großteil gerade renoviert waren. Die freigeschobenen Flächen sollen jetzt als Emsauenpark bereitet werden – mit bisher nicht bekannt gegebenen  Folgekosten. Die durch Immobilien-Klaas geplante Alternative eines Studi-Wohnheimes an der Kaiserstraße/Ecke Werkstättenstraße „rechnet sich nicht“, wie in einer Ausschusssitzung zu hören war; der Investor habe die Pläne zurückgezogen. Der CDU-Nachwuchs „Junge Union“ spielt sich angesichts des Millionen-Desasters ihrer lokalen Altvorderen derweil forsch als studentenfreundliche Politverbindung auf und hofft auf das zögernde Studentenwerk Osnabrück, das auf dem Grundstück des alten Gaswerks ein Studentenwohnheim bauen soll. Da wären wir dann wieder bei mindestens 270 Euro/Zimmer/Monat.

Über die pünktliche Abrissausführung an der Gelgöskenstiege freuten sich jüngst öffentlich Erster Stadtrat Dr. Ralf Büring, Helmut Höke (Leiter Fachbereich Wirtschaftsförderung und Liegenschaften), Oliver Wächter (stellv. Projektleiter Planungsbüro Assmann), Hubert Ungrun, (Fachdienstleiter Liegenschaften) und – bei diesem sogar verständlich- Abbruchunternehmer Markus Moß (Geschäftsführer Moß GmbH & Co. KG) fast unter einem Bagger stehend und ganz öffentlich (guckst Du hier und hier), wie schön abgeräumt jetzt alles ist. Der studentenfeindliche Abriss der Scharnhorstgebäude  kostet nicht nur rd.  3 Mio Euro; er schlägt sich auch heftig in den Kosten nieder, die künftige Reuschberger Bauherren für den Quadratmeter Baugrund zu zahlen haben. Nach einem Arbeitspapier der Verwaltung sollen die etwas großspurig als Innenstadt angebotenen Grundstücke dann kostendeckende 100 Euro/qm kosten. Der lokalen CDU ist das zu viel. Sie hatte unlängst „noch Beratungsbedarf“. Wahrscheinlich darf der Steuerzahler noch einmal ran und direkt subventionieren. Zum Nachrechnen: Wenn die Grundstücke 90 Euro/qm kosten sollten, wären dies 1,5 Mio Euro Steuerzahlergeld.

OB Heiner Pott ist inzwischen vorübergehend in den Ortsteil Bramsche verzogen. Direkt neben die dortige Kirche. Wie praktisch: Denn von da sind es nur wenige Schritte, um an geeigneter Stelle in aller Stille um höhere Vergebung zu bitten.

Die oft gehörte studentische Frage, wo ist eigentlich Lingen, kann man währenddessen locker beantworten: In Deutsch-Absurdistan.

(Foto Abrissbagger  © Kenneth Brockmann, pixelio.de)

Chuzpe

8. Dezember 2009

Chuzpe ist -so wikipedia – “ eine Mischung aus zielgerichteter, intelligenter Unverschämtheit, charmanter Penetranz und unwiderstehlicher Dreistigkeit.“  Man spricht von ihr, wenn jemand in einer eigentlich verlorenen Situation mit Dreistigkeit noch etwas für sich herauszuschlagen versucht. Intelligent, charmant und unwiderstehlich ist hier eigentlich nichts. Trotzdem: Mit Chuzpe präsentiert die CDU diesen Antrag für die nächste Ratssitzung am 17.12. :

Frech und dreist ist dieser Antrag und zwar deshalb, weil die CDU selbst  mit ihrem Ja zum Abriss der Scharnhorstkasernen das Problem erst geschaffen hat.  Jetzt will sie also  kommunale Steuergelder in die Schaffung von gerade von ihr vernichteten  Wohnungen für Studenten stecken. So verschwendet man schamlos die Einnahmen der Stadt. Die CDU will mit Ihrem Geld ein Problem lösen, das die CDU selbst sehenden Auges und ganz bewusst erst geschaffen hat.
Sie merken: Mir bleibt angesichts des CDU-Vorstoßes gerade die Spucke weg. Denn hätte die CDU nur ein paar Kasernengebäude an der Gelgöskenstiege erhalten, hätte es für Hunderte von Studenten wirklich günstigen Wohnraum gegeben. Die Kasernen waren bekanntlich tiptop in Schuss, und boten Raum – längst nicht nur für studentisches Wohnen. Sie erinnern sich? Bis heute weiß ich nicht, weshalb die CDU diesen intakte Wohnraum und diese Gebäude zerstören musste. Sie hat dabei Millionenwerte vernichtet und alle anderen   Chancen gleich mit – bekanntlich nicht nur für preiswerten Wohnraum.