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steigende Zahl

26. November 2020

Die taz fordert, den CoViD-19-Toten ein Gesicht zu geben. Sie beklagt die steigende Zahl an Corona-Toten: Zuletzt sind in Deutschland mehr als 400 Menschen innerhalb eines Tages an CoViD-19 gestorben. Die taz fragt: „Woran liegt es, dass niemand ihre Geschichten erzählt?

Allein in Deutschland gab es am Dienstag 410 Coronatote. Das ist die höchste Todeszahl seit Beginn der Coronakrise. Doch die Zahl ist alles andere als eine statistische Spitze. Am Vortag waren 259 Tote im Zusammenhang mit dem Coronavirus zu beklagen, davor waren es 90, 138 und 254 Tote. Es ist, als würde jeden Tag ein Flugzeug über Deutschland abstürzen und alle Passagiere kämen um.

Doch anders als bei Flugzeugabstürzen pilgern keine Betroffenen zur Absturzstelle. Es gibt keine organisierten Trauerstunden, keine Schweigeminuten oder Gedenkgottesdienste. Medien erzählen keine Geschichten der Toten, geben ihnen kein Gesicht. Viele Medien melden nicht einmal täglich die Todeszahlen – anders als die Zahl der an Corona neu infizierten Menschen. Gleichgültigkeit? Oder Gewöhnung?

Oder liegt es daran, dass man sich an Toten, anders als an Infizierten, nicht mehr selbst anstecken kann? Liegt es daran, dass die Menschen nicht alle am gleichen Ort zu Tode kommen? Man muss lange auf den Seiten des Robert-Koch-Instituts suchen, um Angaben zu finden, welche Gruppen unter den bislang fast 15.000 Coronatoten stärker vertreten sind. 85 Prozent von ihnen sind älter als 70 Jahre. Viele lebten in Großstädten. Unter den Bundesländern verzeichnet Bayern mit 3.500 die meisten Coronatoten. Eine Studie der Uni Bremen zeigt, dass rund die Hälfte der Toten zuletzt in Seniorenheimen gelebt hat. Das heißt auch, sie hatten eher wenige soziale Kontakte. Ist das ein Grund für die Gleichgültigkeit?

Zu Beginn der Coronakrise haben Medien durchaus gemeldet, dass Deutschland im Verhältnis zu anderen Staaten äußerst geringe Todeszahlen hatte – und nach Erklärungen dafür gesucht. Inzwischen sind die Todeszahlen hier in der weltweiten Normalität angekommen, falls man es „Normalität“ nennen darf. Nimmt man die Zahl der in den letzten sieben Tagen neu an Sars-CoV-2 infizierten Menschen, liegt Deutschland in absoluten Zahlen weltweit auf Platz 9. Bei der Zahl der Toten ist es Platz 11. Aber niemand erzählt bisher ihre Geschichten.“

Danke, taz, für diesen Beitrag. Im Frühsommer hat DIE ZEIT ein Dossier über Corona-Opfer  veröffentlicht, in dem sie das Leben an CoViD-19 Verstorbener, auch des Rheiner Autokaufmann Andreas Senger, nachzeichnete. Meine erste Bitte damals und dann nochmal geäußerte Bitte an den Chef der „Lingener Tagespost“, gleiches zu tun, blieb unbeantwortet. Man kann das aber nachholen, Thomas Pertz…