Rundgang am neuen Emsarm
Kinderstube für Fische und Amphibien
Salzbergen-Holsten, Emsbrücke
Samstag, 20.07.2019 – 15.00 Uhr – 17.00 Uhr

Eintrittspreis: 4,00 €, Familienticket 10,00 €

In Salzbergen, auf der gegenüberliegenden Flussseite der Emshalle, wurden rund 14.000 Kubikmeter Boden ausgebaggert und abgefahren, um einen neuen Seitenarm zu schaffen. Auch hier haben nun Jungfische wieder die Möglichkeit den Hauptstrom zu verlassen und in dem ruhigeren, geschützten Gewässerabschnitt heranzuwachsen. Kröten, Frösche, Molche und andere Tiere finden hier ebenfalls den Lebensraum für ihren Nachwuchs. Heimische Wildblumen wurden neue ausgesät und säumen jetzt die Ufer. Zu einem Rundgang an diesem neuen Emsarm an der Emsbrücke Salzbergen-Holsten laden die Naturschutzstiftung und das Emslandmuseum am Samstag (20.7., 16-17 Uhr) im Rahmen ihrer Sommerexkursionen alle Interessierten ein. Naturschützerin Maike Hoberg und Dr. Andreas Eiynck erläutern dabei Geschichte und Natur an einem der schönsten Abschnitte der Ems. Hier entstand 2018 durch das Abbaggern von rund 14.000 Kubikmetern Boden ein neuer Seitenarm der Ems, der sich bereits nach einem Jahr zu einem Naturreservat für viele Fische und Amphibien, aber auch für die typischen Pflanzen des Flusstales entwickelt hat.

Ein Fluss bedeutet mehr als nur Wasser zum Angeln, zum Baden oder zum Kanu fahren. Er ist Lebensraum für viele Tiere und Pflanzen und verbindet über weite Kilometer Biotope und deren Arten miteinander. Vor den Eingriffen der Menschen waren die sogenannten Flussauen bewachsen mit nassen, sumpfigen Auwäldern. Auf höher gelegenen Flächen bildeten sich sandige Dünen. Der Fluss schängelte sich in vielen Bögen und Windungen durch die Landschaft und änderte bei Hochwasser immer wieder seinen Lauf. Frühere Flussschleifen wurden dabei teilweise oder ganz abgeschnitten und blieben als sogenannte „tote Arme“ zurück. Gerade diese Altarme sind aber Biotope voller Leben und hier herrscht biologische Vielfalt in Fülle.

Geschützt vom Hauptstrom bilden die Altarme die Kinderstuben für Fischen und Amphibien wie Frösche, Kröten und Molche. Unzählige Insekten leben hier und Libellen verbringen hier als Larven ihre ersten Lebensjahre. Vögel und Säugetiere finden an den Ufern Nahrung und Schutz. Im Zuge des Gewässerausbaus wurde auch die Ems begradigt, Ufer wurden verbaut, Altarme abschnitten und zugeschüttet. Ihre ehemals reiche biologische Vielfalt ging stark zurück.

Im Rahmen des Hotspot-Projektes 22 „Wege zur Vielfalt – Lebensadern auf Sand“ hat die Ems im Bereich von Salzbergen bis Lingen auf rund 20 Flusskilometern wieder etwas ihrer ehemaligen Strukturvielfalt und damit auch der biologischen Vielfalt zurückbekommen. Es wurden neue Seitenarme geschaffen, die die Funktion der ehemaligen Altarme übernehmen können.

Treffpunkt für den rund einstündigen Rundgang ist der Parkplatz an der Emshalle in Salzbergen, Emstraße 11 (an der Emsbrücke Salzbergen-Holsten). Der Treffpunkt liegt etwa 700m vom Salzbergener Bahnhof entfernt – also knapp 10m zu Fuß.

Die Westfalenbahn fährt mit der Verbindung RB 15 ab Lingen um 14.05, Rückfahrt ab Salzbergen ist ab 17.40 Uhr. Ich empfehle das Emsland-Tourentiket für zwei Personen und zwei Fahrräder Preis 19 Euro. Jeder weitere Mitfahrer plus 5 Euro. Fahrräder können kostenlos mitgenommen werden. Mehr…

Nach der Naturführung kann dann nach Rheine oder Leschede geradelt werden oder vielleicht auch ganz zurück nach Lingen…

(Foto: Ems bei Sazbergen, von GlasiPunk GNU-Lizenz für freie Dokumentation)

Tag der Architektur

24. Juni 2017

Der letzte Sonntag im Juni ist jedes Jahr Tag der Architektur. In ganz Niedersachsen (und bundesweit) sind an diesem Tag interessante neuere Gebäude und Anlagen geöffnet. Die Architekten führen hindurch, erklären ihre Baukunst, stellen sich den Fragen und Meinungen der Besucher. 2017 steht der „ag der Architektur unter dem Motto „Architektur schafft Lebensqualität“ und will dazu beitragen, Architektur als gebaute Umwelt, als Kunst für den alltäglichen Gebrauch im öffentlichen Bewusstsein zu verankern.
Im Rahmen des Tages der Architektur bietet in Lingen (Ems) das Architekturbüro „Reindersarchitekten“ aus Osnabrück am 25. Juni Führungen durch die Zweifeld-Turnhalle der Matthias-Claudius-Schule an. Interessierte treffen sich dafür um 11, 12 oder 13 Uhr am Haupteingang der Turnhalle in der Birkenallee 21 in Lingen (Ems).
2013 hatte die Schule die Zweifeld-Turnhalle nach einem Jahr Bauzeit in Betrieb genommen. Sie kostete rund 3 Millionen Euro. Neben der Schule nutzen auch der Hort der Trinitatis-Kirchengemeinde sowie verschiedene Sportvereine das Gebäude. Die Matthias-Claudius-Turnhalle wurde nach neuestem energetischem Standard in Anlehnung an den Passiv-Haus-Standard errichtet und im Hinblick auf das Thema Inklusion zudem barrierefrei gebaut. Großflächige Verglasungen sowie farbig abgesetzte Wandflächen im Außen- und Innenraum tragen zum positiven Erscheinungsbild der Halle bei.
Reinders Architekten haben übrigens gerade den Architekturwettbewerb zur Erweiterung des Lingener Emslandmuseums gewonnen.
In der Region an Ems und Vechte präsentieren am Sonntag außerdem Nordhorn, Salzbergen, Meppen, Bersenbrück und Leer moderne Architektur. Mir persönlich gefällt besonders dieses Supermarkt-Projekt in Oldenburg, das vor eineinhalb Jahren Entwurfsverfasser Lars Frerichs („neun grad architektur“) im Rahmen der Lingener Architekturreihe „Lingen & Technik“ vorstellte (mehr…).
Im angrenzenden NRW werden am Tag der Architektur u.a. Projekte in Hörstel, Recke, Rheine und Steinfurt vorgestellt. Mehr
Weitere Informationen sind unter www.tag-der-architektur.de erhältlich.
(Foto: © Stadt Lingen)

Ems-Saga

19. August 2016

Ems_zwischen_Emsbüren_und_SalzbergenEms-Saga in Hummeldorf
Was lebt in Bach und Fluss? Flussdynamik an Ems und Elsbach
Salzbergen
Treffpunkt: Parkplatz Emshalle, Emsstraße 11

Samstag, 20.08.2016, 15  Uhr
Karten 4 €, Familienkarte 10 €
Dauer: ca. 2 Stunden, ca. 5 km
Einen Fahrradverleih gibt es in Salzbergen. Voranmeldung ist nicht erforderlich

Gemeinsam mit der Naturschutzstiftung des Landkreises Emsland und der Emslandtouristik bietet das Emslandmuseum eine Reihe von Spaziergängen und eine kleine Fahrradtour an, bei denen sich die Teilnehmer über Natur, Landschaft und Geschichte informieren können. Die öffentlichen Veranstaltungen richten sich an alle, die Interesse an erlebbarer Natur und Geschichte haben – Familien und Erwachsene, Einheimische und Gäste.
Mit dem Fahrrad geht es bei dieser Tour zunächst an der Ems entlang. Von der Emsbrücke in Salzbergen, vorbei am „Roten Fleck“, wo einst eine Bluttat begangen wurde, bis zum Elsbach in Hummeldorf, wo die Elfen zu Haus sind. Maike Hoberg vereint Geschichte(n) mit erlebbarer Natur. An Stationen können die Wassertiere, die in Bach und Fluss zu Hause sind, gekeschert und angeschaut werden. Wo fühlen sie sich wohl?

(Foto: Ems nahe Salzbergen, von  GlasiPunk,  GNU Free Documentation License, Version 1.2 or any later version)

erfolgreich

18. Dezember 2015

Dass das Vorhaben mehr als ein Geschmäckle hat, habe ich in diesem kleinen Blog schon deutlich gemacht: Der Sauengroßstall von Landwirt Hermann Hermeling in Salzbergen-Steide. Da wurde nicht so genau hingeschaut von unserem, ‚kleine Leute‘ sonst ganz anders behandelnden Landkreis. Hermeling ist kein Kleiner, er st CDU-akiiv und seit 2014 stellvertretender Präsident der Landwirtschaftskammer Weser-Ems.  

Da brauchte unser Landkreis, wie er meinte, nicht so viel Prüfung des neuen Sauenstalls, obwohl der so groß ist, dass er nur nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz genehmigt werden konnte. Deshalb fragte ich damals, ob die Erwartung falsch sei, dass dem CDU-Mitglied und Vizepräsidenten Hermeling nichts passieren wird? 

Jetzt ist etwas passiert; denn vorgestern hat das Verwaltungsgericht Osnabrück der Klage des Naturschutzbundes (NABU) gegen den Landkreis Emsland stattgegeben und die für den Schweinegroßstall erteilte immissionsschutzrechtliche Genehmigung des Landkreises Emsland für einen Schweinestall in Salzbergen aufgehoben.

NABUDas Gericht folgte der Argumentation des NABU, dass im Rahmen des Genehmigungsverfahrens eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) hätte durchgeführt werden müssen. Dies war aber trotz mehrfacher Hinweise des NABU nicht passiert. Außerdem stellte das Gericht fest, dass auch die durchgeführte und mehrfach nachgebesserte UVP-Vorprüfung nicht den gesetzlichen Anforderungen entspreche, weil weder die Kumulation mit bestehenden Betrieben im Außenbereich noch das nahe gelegene Flora-Fauna-Habitat (FFH)-Gebiet und die sonstigen Kriterien des UVP-Gesetzes, wie etwa schützenswerte Tiere, hinreichend berücksichtigt worden seien.

„Wir sind sehr zufrieden mit dem Urteil“, so Katja Hübner, Mitarbeiterin des NABU-Regionalverbandes Emsland / Grafschaft Bentheim. „Unsere Einschätzung, dass der Landkreis Emsland die natur- und umweltschützenden Gesetze regelmäßig nicht hinreichend berücksichtigt, wurde in diesem Fall vom Gericht voll bestätigt. Wir hoffen nun sehr, dass der Landkreis aufgrund des Urteils seine Genehmigungspraxis ändert und die vorgeschriebenen Umwelt- und FFH-Verträglichkeitsprüfungen zukünftig exakt durchführt und die artenschutzrechtlichen Belange angemessen berücksichtigt.“

Das Urteil (Az. 3 A 90/13) ist noch nicht rechtskräftig und kann mit dem Antrag auf Zulassung der Berufung vor dem Niedersächsischen Oberverwaltungsgericht in Lüneburg binnen angefochten werden.

Hermann Hermeling, der von Gericht „beigeladen“ worden war, hat sofort angekündigt, gegen die Entscheidung in die Berufung zu gehen.

(Quelle)

Feuerwehr

Na?
Auch erst gelächelt über die Einsatzkräfte der Feuerwehr Emsbüren?

Aber hinter der „pm“ (Pressemitteilung) aus der heutigen Lokalzeitung steckt ein gar nicht zu belächelndes Problem. Seit Ende 2012 ist die Leitzentrale für Polizei, Feuerwehr und Krankennotrufe im 60km entfernten Osnabrück zentralisiert. Die Folge in diesem Fall: Da wird einfach mal die falsche Feuerwehr alarmiert und in die falsche Straße geschickt. Wäre die Leitzentrale noch vor Ort in Lingen, wäre das schwerlich passiert.

Wie versicherte die Lingener Polizei es fälschlich vor zweieinhalb Jahren, als die Polizeieinsatzzentrale Lingen ab- und Anrufe aus dem Altkreis nach Osnabrück geschaltet  wurden? „Das wird aber kein Bürger merken“.

Der Brandeinsatz in Emsbüren „unter schwerem Atemschutz“ zeigt etwas anderes und auch sonst wird nicht selten davon berichtet, dass lange gewartet werden muss, bis in der Osnabrück Leitzentrale der Notruf überhaupt angenommen wird. Der Emsbüren-Salzbergen-Fall betraf „nur“ ein Auto. Nicht auszudenken, wenn Menschen betroffen wären.

Meine These: Zentralisierungen sind immer und ausnahmslos mit mehr Bürokratie (hier mit einer eigenes gegründeten „Kommunalen Anstalt des öffentlichen Rechts“ und mietender Polizei) und vor allem Nachteilen für die Bevölkerung oder brennende Autos verbunden. Die weitere Behauptung, es würden „Kosten gespart“, klingt zwar immer gut, wird aber nie geprüft.

(Textausschnitt aus: Lingener Tagespost, 12.5.15)

ps Dass Polizei, Feuerwehr und Krankeneinsätze übrigens in einer einzigen Leitzentrale auflaufen und bearbeitet werden, ist unter Datenschutzgesichtspunkten ebenfalls ein Problem; auch wenn die Protagonisten dieser gemeinsamen Einrichtung dafür den mediensympathischen Begriff „bunte Leitzentrale“ verwenden. Bunt ist da nämlich gar nichts; denn wer möchte immer schon gleich auch die Polizei informieren, wenn nur Hilfe benötigt wird? Aber das ist ein anderes Thema….

übermäßig

11. Februar 2015

NABUIn Salzbergen hat der Landwirt Hermann Hermeling trotz einer nicht vollziehbaren Genehmigung für den Betrieb eines Schweinestalls dort Tiere eingestallt und damit möglicherweise erhebliche Beeinträchtigungen der Umwelt, insbesondere des nahegelegenen Flora-Fauna-Habitat(FFH-)Gebietes „Gutswald Stovern“ verursacht. In diesem kleinen Blog hatte ich vor knapp 18 Monaten über die Pläne von Hermeling  schon berichtet.

„Das Verhalten dieses Landwirts ist ein Schlag in das Gesicht derjenigen Bauern, die sich zur Zeit mit großem Engagement um eine Verbesserung des Ansehens der Landwirtschaft in der Bevölkerung bemühen,“ sagte jetzt Katja Hübner, Mitarbeiterin des Naturschutzbund Deutschland (NABU). „Und der Fall zeigt wieder einmal, dass Kontrollen in landwirtschaftlichen Betrieben zwingend erforderlich sind,“ Denn es gebe – allen Beteuerungen zum Trotz – eben doch Landwirte, die sich – zum Teil ganz bewusst – über Recht und Gesetz hinwegsetzen. Hübner fordert deshalb auch eine Ausweitung von unangekündigten Kontrollen.

Nichts geworden ist es aber mit der weiteren Hoffnung der Naturschützerin, dass dieser Fall auch zu einem Umdenken in landwirtschaftlichen Kreisen führen solle. „Dass bei umwelt- und tierschutzwidrigem Verhalten von Landwirten Berufskollegen weggucken, sollte nicht geschehen“, meinte Hübner.

Landwirte sehen dies aber ganz anders: In ihrer ausgesprochen männerdominierten Veranstaltung wählte nämlich gestern in Oldenburg die Kammerversammlung der niedersächsischen Landwirte den 49 Jahre alten Salzbergener Agraringenieur zu ihrem neuen Vizepräsidenten. Mit den anderen Neugewählten und Kammerdirektor Hans-Joachim Harms stellte sich Hermeling danach stolz den Pressefotografen – direkt neben den grünen Landwirtschaftsminister Christian Meyer.

Kaum vorstellbar, dass in einer anderen Kammer ein Berufsrepräsentant gewählt wird, der sich gerade über gesetzliche Vorgaben seines Berufes so brüsk hinwegsetzt wie Funktionär und Atomkraftbefürworter Hermann Hermeling.

Bereits 2013 hatte der NABU gegen die Genehmigung des neuen Hermelingschen Schweinemaststalles durch den Landkreis Emsland Klage beim Verwaltungsgericht Osnabrück eingereicht, nachdem im Genehmigungsverfahren weder eine Umweltverträglichkeitsprüfung noch eine FFH-Verträglichkeitsprüfung durchgeführt wurden. Die Naturschützer befürchten erhebliche Beeinträchtigungen des FFH-Gebietes „Gutswald Stovern“ durch die zu erwartenden Stickstoffemissionen sowie eine übermäßige Geruchsbelastung der Anwohner durch den Betrieb des Schweinestalls. Der Landkreis erlaubte dem Landwirt daraufhin zwar den Bau der Stallanlage, der Betrieb der Anlage blieb ihm jedoch wegen der streitigen Emissionen versagt.

Mitarbeiter des NABUs wurden dann vor kurzem auf das Projekt aufmerksam, als sie von weitem immer wieder Licht im neuen Stall sahen. Der Landkreis stellte dann bei einer Kontrolle tatsächlich den ungenehmigten Betrieb der Anlage fest. Es sei bloß ein Probebetrieb, verteidigte Hermeling [„Der juristischen Einschätzung, dass der Probetrieb unzulässig sei, kann nicht gefolgt werden. Er gehört rechtlich zum Begriff der Errichtung, die zugelassen war“] anschließend seinen Coup und tönte, der Schweinestall mache alles besser; da fand die Lokalpresse angesichts solcher Chuzpe sogar noch Platz, den ungenehmigten Betrieb mit einem Fragezeichen zu relativieren [mehr…]…

Bleibt die Frage, wie der Landkreis reagiert. Die Behörde, die jeden Falschparker mit unerbittlicher Konsequenz verfolgt, handelt traditionell ausgesprochen nachsichtig, wenn es um Landwirte geht. Liegen wir angesichts dessen mit der Erwartung falsch, dass dem CDU-Mitglied und Vizepräsidenten Hermeling nichts passieren wird?

Kummt kieken

10. Januar 2015

Vor 13 Jahren habe ich im Kulturausschuss meiner Stadt vergeblich dafür gestritten, den Sommer über auf unserem fröhlichen Marktplatz ein Festival des plattdeutschen Theaters zu veranstalten, nachdem ich zuvor mit meinem Vorschlag meine damaligen Fraktionskollegen überzeugt hatte. Doch gleich erhoben sich in den Ratsgremien vorzugsweise christdemokratische Bedenkenträger, grummelten Einwände und die Idee verschwand in den Tiefen des Archivs städtischer Protokolle. Wo kämen wir denn auch hin, würde die Mehrheit Vorschläge der Minderheit aufgreifen und umsetzen…

Daran jedenfalls musste ich denken, als mir vor einigen Tagen eine kleine Broschüre in die Hände fiel, die von der Emsländischen Landschaft vertrieben wird: Plattdütsch Theater – Speeltied Januar 2015 – April 2015. Vorgestellt werden darin 29 Produktionen plattdeutscher Amateurtheater im Emsland und der Grafschaft Bentheim; die 30. ist in Heede; sie hat man vergessen -wie ich lese- „durch ein Versehen“. „Ruutgeeven ist düsse Speelplan van de AG Plattdeutsche Theater eV in Lingen. De Arbeitsgemeinskup Plattdütsket Theater eV is äin Tousammenschluss än de plattdütsken Theaterspeeler on use Gegend.“

Die Arbeitsgemeinschaft hat sich zusammen geschlossen, um das Plattdeutsche und das „Theater vom Dorf“ bekannt zu machen, wie es traditionell in den Wintermonaten gespielt wurde und wird. Man findet auf der neu gestalteten „Websiete“ den Hinweis, dass das Niederdeutsche Theater seinen Platz im bundesdeutschen UNESCO-Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes gefunden hat. Man liest dort wie in der erwähnten Broschüre Informationen zu den einzelnen Theatergruppen und ihren Aufführungen. Man erfährt die Ansprechpartner für die Theaterarbeit vor Ort und wo genau gespielt wird.

Heute am Samstag, 10. Januar starten die ersten Aufführungen des Jahres 2015 in Bokeloh („Mien Fro, mien Hobby un ik„) und Salzbergen („Mien Söten, de Lampe hangt schääf!„; Video). Morgen am Sonntag folgen Spelle („Spökelkraam in´t Raathuus„) und vor allem Nordhorn mit der ersten von 13 (!) Aufführungen von  „De Wanne is vull„. In Lingen hält in diesem Jahr Clusorth-Bramhar als einziger Ortsteil das plattdeutsche Laientheater in Ehren. Dort aber ist im Haus der Vereine erst am Sonntag, 15. März Premiere.

Was lese ich auf der „Websiete“? „Kummt kieken – wi hebbt echte Talente!“ Na dann Toitoitoi!

Gewusst?
Das Niederdeutsche Theater ist im vergangenen Dezember in das bundesdeutsche UNESCO-Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen worden –  als ein „Beispiel lebendiger Weitergabe von Tradition mit lokalerregionaler Verankerung und Identitätsstiftung. Das ‚Niederdeutsche Theater“‘ festigt den Status der Lebendigkeit des Niederdeutschen als Regionalsprache und stärkt somit gleichzeitig das Gemeinwesen.“ Hervorgehoben wurde, dass die kulturelle Ausdrucksform hauptsächlich ehrenamtlich praktiziert wird. Das Niederdeutsche Theater habe vor allem im ländlichen norddeutschen Raum sozialintegrative Funktion und trage zur generationenübergreifenden Erhaltungs- und Weiterentwicklung des lokalen Sozialgefüges bei.
(Auszug aus „De Theater-Zedel“, Ausgabe Januar 2015)
Das bundesweite Verzeichnis wird im Rahmen der nationalen Umsetzung des UNESCO-Übereinkommens zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes in Deutschland erstellt. Ihre kulturelle Ausdrucksform trägt damit auch nicht den Titel „Weltkulturerbe“. 

beispielhaft

19. September 2013

NABUGegen die Genehmigung einer Tierhaltungsanlage für Schweine in Salzbergen hat der Naturschutzbund Deutschland (NABU) jetzt Klage vor dem verwaltungsgericht in Osnabrück erhoben, nachdem der Landkreis Emsland vor der Genehmigung weder eine Umweltverträglichkeitsprüfung noch eine FFH-Verträglichkeitsprüfung durchgeführt hat und „zu befürchten ist, dass die Geruchsbelastung der Anwohner den Grenzwert übersteigen wird“. 

Landwirt Hermann Hermeling  in Salzbergen-Steide plant die mit der Klage angegriffene  Sauen- und Ferkelanlage mit Platz für 200 Sauen, 198 Jungsauen und 2.496 Ferkelplätzen und die Nutzungsänderung eines vorhandenen Jungsauenaufzuchtstalles mit 68 Plätzen. Es unterliegt wie ein industrielles Vorhaben dem Bundesimmissionsschutzgesetz. Dabei liegt der Vorhabenstandort neben einem Wohnhaus und in unmittelbarer Nähe des Flora-Fauna-Habitat-(FFH)-Gebietes „Gutswald Stovern“.

Beim Gutswald Stovern handelt es sich um einen Laubwaldbestand, der insbesondere die europaweit geschützten Lebensräume „Bodensaurer Buchenwald“ und „Feuchter Eichen- und Hainbuchen-Mischwald“ enthält. Diese Lebensräume werden durch die Stickstoffemissionen der Stallanlagen belastet. Eine sogenannte FFH-Verträglichkeitsprüfung ist daher unverzichtbar, um zu klären, wie stark die Beeinträchtigungen sind.

Diese Prüfung hat jedoch nicht stattgefunden – obwohl der NABU bereits wiederholt im Genehmigungs- und Widerspruchsverfahren sowie in einem persönlichen Gespräch mit Landrat Reinhard Winter (CDU) auf die Erforderlichkeit hingewiesen hat. „Die konsequente Weigerung des Landkreises, dieses gesetzlich vorgeschriebene Prüfverfahren durchzuführen, ist für uns in keiner Weise nachvollziehbar,“ so Katja Hübner, Mitarbeiterin des NABU-Regionalverbandes Emsland/Grafschaft Bentheim. „Wir sehen uns deshalb gezwungen, diesen Fall vor Gericht zu bringen. Das ist uns auch deshalb so wichtig, weil noch zahlreiche weitere Stallbauvorhaben in der Nähe von europäischen Schutzgebieten geplant sind. Die Frage nach der Erforderlichkeit der FFH-Verträglichkeitsprüfung taucht deshalb immer wieder auf und muss einmal grundsätzlich geklärt werden.“

Es bleibt die offene Frage, weshalb es bei diesem Genehmigungsverfahren nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz weder eine Umweltverträglichkeitsprüfung noch eine FFH-Verträglichkeitsprüfung gegeben hat. Ich kenne die Antwort nicht.

Vielleicht aber sollten sich ausgewiesene Journalisten einmal an die Recherche machen. Zum Beispiel könnte die  an einer sachgerechten Antwort sicherlich unmittelbar interessierte Lingener Lokalpresse einmal im Salzbergener Gemeinderat nachfragen: Dort nämlich hat Antragsteller Hermann Hermeling als Mitglied der CDU-Gemeinderatsfraktion und stellv. Salzbergener Bürgermeister Sitz und Stimme. Oder beim Emsländischen landvolk, dessen Vorsitzender im Altkreis Lingen Hermann Hermeling ebenfalls ist. Sie müssen wissen, Hermeling ist außerdem nicht nur Ortsbürgermeister des betroffenen Ortsteils Steide sondern auch sonst  ein augesprochener Experte in diesen Dingen. Auch Landrat Winter dürfte am Know-How seines Parteifreundes Hermann Hermeling keine Zweifel haben. So berichtet der CDU-Gemeindeverband über diese Fachkenntnisse des Landwirts Hermeling im März dieses Jahres:

„…CDU-Ratsmitglied und 1. Stv. Bürgermeister Hermann Hermeling stellte … beispielhaft einige Modelle an planungsrechtlichen Steuerungsmöglichkeiten zur Errichtung von Tierhaltungsanlagen aus kommunaler Sicht vor. Hermeling ist zudem Vorsitzender des Kreisvereins Lingen im Emsländischen Landvolk und damit bestens über die Entwicklungen in der Region und im Land informiert.“

Tja, „bestens informiert“. Doch, Freunde, man weiß, wie Schweineställe stinken. Stinkt hier gar noch etwas anderes?

ps
Wer den NABU bei diesem wichtigen Klageverfahren unterstützen möchte, kann dies durch eine Spende tun. Gelder, die mit dem Verwendungszweck „Aktionsbündnis“ auf das Konto des NABU-Regionalverbandes Emsland / Grafschaft Bentheim (Kto-Nr. 10 600 15 888, Sparkasse Emsland, BLZ 266 500 01) eingehen, fließen direkt in dieses Projekt. Wer dabei seine Adresse mitteilt, bekommt automatisch eine Spendenquittung zugesandt.

GOP

16. Juni 2013

GOP.AsiaEin kleiner Hinweis von mir auf ein Sommer-Sonder-Angebot des GOP-Varieté in Münster, direkt gegenüber des Hauptbahnhofs.

Während der Sommerferien in NRW vom 22. Juli bis 3. September 2013 hat ein Kind bis 14 Jahre in Begleitung eines zahlenden Erwachsenen freien Eintritt in die Abendvorstellungen der GOP-Show ASIA. Die Kombination mit weiteren GOP Vorteilen ist dabei nicht möglich. Also: Mama, Papa zahlen den Normalpreis und zwei Kinder bis 14 sind frei.

Die Abendveranstaltungen der 2-stündigen GOP-Show beginnen mittwochs und donnerstags um 20 Uhr, freitags- und samstags um 21 Uhr, sonntags um 19 Uhr.

Die GOP-Eintrittskarten berechtigen übrigens am Veranstaltungstag zur kostenlosen Hin- und Rückfahrt im Netz Münsterland (2. Kl. DB, also ab/bis Rheine. Das gilt allerdings nicht für selbst ausgedruckte Eintrittskarten. Auf Wunsch und für 2,50 Euro sendet GOP aber per Post die Tickets zu, die auch für die Zuganreise gültig sind.

Für Emsländer und Ostfriesen: Der letzte Zug von Münster nach Salzbergen, Emsbüren-Leschede, Lingen, Meppen usw. verlässt den Hauptbahnhof Münster um 22.11 Uhr. Das ist zwar knapp, aber machbar [Übrigens: Bis nach Rheine gelangt man auch noch deutlich später]. Freitags und samstags ist nächtens in Rheine Schluss.

Aus dem Emsland nach Rheine und zurück kostet die Bahnfahrkarte zu den GOP-Terminen für 2 Erwascvhsene und zwei Kinder bis 14 Jahre 28,80 Euro. Ab Rheine fährt man dann mit den GOP-Karten.

Teufelsausschneider

17. Oktober 2012

Spiegel-online berichtet über einen Teufelsausschneider in Salzbergen:

„Die katholische Kirche von Salzbergen vermisst den Teufel: Irgendwer hat den als Drachen dargestellten Dämon aus einem Ölgemälde geschnitten. Der Pfarrer hofft nun, dass der Satansbraten zur Besinnung kommt.

Der Heilige Cyriakus wird den Täter nicht gesehen haben. Sein Blick geht nach oben, hin zum Herrn, weg vom Teufel, der in Drachengestalt zu seinen Füßen kauert, angeleint mit einer Kette. Drei Meter hoch ist das Ölgemälde des Heiligen und etwa eineinhalb Meter breit. Es hängt in der St. Cyriakus Kirche von Salzbergen im Emsland, einer Gegend, in der laut Pfarrer Michael Langkamp der „religiöse Grundwasserspiegel recht hoch ist“.

Nun ist der Drache weg, ein Teufelsausschneider war am Werk, Pfarrer und Gemeinde stehen vor einem Rätsel. Die Polizei hat den Tatzeitraum auf Samstag zwischen 10 und 17 Uhr eingegrenzt. Mehr weiß sie nicht, sie tappt also im Dunkeln, was in diesem Fall eventuell der richtige Ort sein könnte, denn wo sonst sollte man den Teufel vermuten?

Cyriakus machte sich einen Namen, als er im dritten Jahrhundert die Tochter des Kaisers Diokletian vom Dämon befreite. Deshalb der Drache in Ketten. Der Heilige wird als Patron verehrt: Er schützt den Weinbau und wirkt eigentlich auch gegen die Versuchung. Eigentlich. Nun steht er alleine da, und sein Glanz scheint verblichen, denn was ist das Gute schon wert, wenn es das Böse nicht gibt?

Solche Fragen kümmern Pfarrer Langkamp derzeit kaum…“

weiter bei Spiegel-online.

(Foto: PI Emsland/Grafschaft Bentheim)