Essen und trinken

11. Februar 2014

EssenKünftig soll der Willy-Brandt-Platz  der Ruhr-Metropole Essen von  alkoholkranken Hartz IV-Beziehern sauber gehalten werden. So will es der zuständige Essener Sozialdezernat. Die Betroffenen erhalten neben einer kleinen Aufwandsentschädigung Bier für ihre Arbeit. Ein ähnliches Modell wird seit einiger Zeit in Amsterdam von einer Stiftung betrieben. Ich hatte im vergangenen November darüber geschrieben [mehr…]. Laut „taz“ soll das Ruhrgebiet-Projekt im Mai starten.

In Essen folgt man dem offenbar erfolgreichen Amsterdamer Modell. Dezernent Peter Renzel (CDU) will dabei mit dem Alkohol die Projekt-Teilnehmer vor allem bei der Stange halten. „Mit Speck fängt man Mäuse“, zitiert „Spiegel Online“ aus einer Stellungnahme des Sozialdezernenten. Die Teilnehmer seien ohnehin nicht in der Lage ohne Alkohol, die Arbeiten durchzuführen und vor allem durchzuhalten. Zudem werde eine Aufwandsentschädigung gezahlt . „Über diesen Betrag können die Teilnehmerinnen und Teilnehmer selbstverständlich frei verfügen“, zitiert das Magazin den Sozialdezernenten weiter.

Das Essener Projekt ist zunächst für ein Jahr geplant. Die Federführung liegt bei der „Suchthilfe direkt Essen“, einer städtischen Gesellschaft. Die Aufsicht vor Ort übernimmt ein sogenannter Umfeld-Manager , der die Teilnehmer kennt und in der Szene akzeptiert ist. Bis zu zehn Alkoholiker sollen als Reinigungskräfte mitmachen. „Es geht um ein Arbeitsmarktprojekt für langzeitarbeitslose Menschen, die alkoholabhängig oder chronisch mehrfach abhängig sind“, zitiert das Magazin weiter aus der Stellungnahme. Die Alkoholabhängigen werden vom Jobcenter und der Suchthilfe ausgewählt.

Die Essener Grünen begrüßen den städtischen Vorstoß. „Der Vorschlag einer Freibierausgabe für fegende Trinker hat durchaus eine Chance verdient“, sagte die Grüne Ratsfrau Elisabeth van Heesch-Orgaß. Doch es  regt sich auch erste Kritik an dem Vorhaben. „Es kann nicht sein, dass eine Stadt Schwerstalkoholabhängige ohne nennenswerte Bezahlung für sich arbeiten lässt und dann auch noch mit Suchtmitteln versorgt“, zitiert die „taz“ etwa den Geschäftsführer der Obdachlosenhilfe linker Niederrhein, Horst Renner. Er fordert stattdessen eine ordentliche Bezahlung „mindestens im Rahmen des Mindestlohns“. Das müsse sich eigentlich auch eine Stadt wie Essen leisten können.

Was dann angesichts der Alkoholkrankheit mit dem Lohn geschieht, sagt Renner ebenso wenig wie er verschweigt, weshalb das Projekt „nicht sein kann“. Vor allem sagt er auch nicht, welche Alternative er hat. Ich jedenfalls finde das Amsterdamer Modell gut.

Fracing

8. März 2011

Evonik Steag, der fünftgrößte Stromerzeuger der Republik, hat einen neuen (Mehrheits-)Eigentümer. Der Evonik-Konzern hat eine Mehrheitsbeteiligung von 51% an seiner Energiesparte Evonik Steag GmbH bereits am  19. Dezember 2010 an das Stadtwerke-Konsortium Rhein-Ruhr verkauft. Jetzt, am 2. März, wurde der Verkauf wirksam. Bei dem Konsortium handelt es sich um einen Zusammenschluss von sieben Stadtwerken aus dem Ruhrgebiet (die Dortmunder Energie- und Wasserversorgung (18% Anteil), die Energieversorgung Oberhausen (6 %) sowie die Stadtwerke Dortmund (18%), Bochum (18%), Essen (15%), Dinslaken (6%)und Duisburg (19%)).  Den vorläufigen Kaufpreis bezifferten die Unternehmen auf 651 Millionen Euro. Der abschließende Preis wird auf Basis des bevor stehenden Teilkonzern-Abschlusses festgelegt. Die restlichen 49 Prozent der Steag-Anteile sollen die Stadtwerke spätestens in fünf Jahren übernehmen. Der Kaufpreis für das zweite Paket werde voraussichtlich rund 600 Millionen Euro betragen, hieß es.

Das Stadtwerke-Konsortium betonte, es wolle die Steag als „großen Player der Energieversorgung“ (?) etablieren und gleichzeitig den ökologischen Aus- und Umbau des derzeit vor allem auf Steinkohle ausgerichteten Kraftwerksparks vorantreiben. Die Steag -ein 5000-Mitarbeiter-Unternehmen mit einem Umsatz von nicht ganz 3 Milliarden Euro- betreibt in Deutschland an acht Standorten neun Steinkohlekraftwerke sowie zwei Raffineriekraftwerke mit einer Gesamtkapazität von 8,2 Gigawatt. Außerdem betreibt das Unternehmen drei Steinkohlekraftwerke in der Türkei, auf den Philippinen und in Kolumbien. Im Zukunftsmarkt erneuerbare Energien hat das Unternehmen nach eigenen Angaben in Deutschland eine führende Stellung bei der Erzeugung von Strom und Wärme aus Grubengas, Biomasse und Geothermie.

Weshalb ich über das NRW-Thema berichte? Nun, als neuer Mehrheitsanteilseigner der Evonik-Steag-Töchter Minegas GmbH und Mingas-Power GmbH könnte das Stadtwerke-Konsortium künftig auch das Gas fördern, das in der Kohle steckt, die noch unter Ruhrgebiet und Münsterland liegen. Darüber, ob die „fracing“ genannte Fördermethode überhaupt umweltverträglich geht, wird bekanntlich gegenwärtig öffentlich gestritten. Bisher ist das Kohleflözgas nur unter Einsatz von Grundwasser gefährdenden Chemikalien zu fördern. Beide Evonik-Steag-Tochtergesellschaften halten laut Bezirksregierung Arnsberg auch die (Berg-)Rechte, im Ruhrgebiet wie im Münsterland nach tieferliegendem Kohleflözgas zu suchen.

Übrigens: Der wachsende Widerstand der Bevölkerung gegen die geplanten Erdgas-Bohrungen im benachbarten Münsterland zeigt Wirkung: Der US-Ölkonzern ExxonMobil will die Arbeiten seiner Bohrtrupps von unabhängigen Wissenschaftlern kontrollieren lassen. Guckst Du hier. Dass Ähnliches auch in Lünne schon zugesagt ist, ist mir nicht bekannt.

(Quellen: Verivox, Ruhrnachrichten)