ERE-update

29. August 2010

Glaubt man den Auguren, wird es zunächst doch nichts mit der  russischen Übernahme der BP-Raffinerie in Lingen, über die vor knapp einem Monat spekuliert wurde. Die Europa-Ausgabe der Wirtschaftszeitung „Wall Street Journal“ berichtet jetzt, dass der russische Staatskonzern Rosneft 50% der Ruhr Oel GmbH („ROG“) erwerben will. Diese Anteile gehören seit der Gründung des  Unternehmens 1983 der staatlichen venezolanischen Ölgesellschaft  Petróleos de Venezuela S.A. (PDVSA).

Die andere Hälfte des Gemeinschaftsunternehmens gehörte zunächst der staatlichen deutschen Veba Oel AG . Ruhr Oel GmbH war weltweit die erste Kooperation zwischen einem Erdöl produzierenden und einem Erdöl verbrauchenden Land. Später fusionierte der VEBA-Konzern mit der VIAG zur E.ON AG.  2002 erwarb dann die Deutsche BP AG in zwei Schritten das Ölgeschäft von der E.ON AG und damit auch die Anteile an der Ruhr Oel. Inzwischen ist die Deutsche BP AG in der BP Europa SE aufgegangen. In dieser Europäischen Aktiengesellschaft mit dem Sitz in Hamburg (Handelsrgeister AG Hamburg  HRB 8243) hat  BP zum 01.01.2010  seine Landesgesellschaften Deutschland, Österreich, Belgien, Niederlande und Polen zusammengefasst.

Ruhr Oel besitzt die beiden Gelsenkirchener Raffinerien Scholven und Horst, die nur 7 km voneinander entfernt liegen. Gesteuert werden das Raffineriesystem und die petrochemischen Anlagen von der Betriebsführungsgesellschaft BP Refining & Petrochemicals GmbH (BP RP), einer 100 %igen Tochter der Deutsche BP AG mit Sitz ebenfalls in Gelsenkirchen. BP RP ist auch mit der operativen Steuerung der  „Erdölraffinerie Emsland“ (ERE) in Lingen beauftragt; im Gegensatz zu den beiden Gelsenkirchener „ROG“-Raffinerien ist die ERE aber eine 100 %ige Tochter der BP Europa SE. Daneben hält die Ruhr Oel GmbH auch Anteile an den Raffinerien PCK in Schwedt, Miro in Karlsruhe und Bayernoil in Vohburg. Insgesamt kontrolliert das Unternehmen rund ein Viertel der Raffineriekapazitäten in Deutschland. Darüber hinaus hält ROG Beteiligungen an verschiedenen Pipeline-Gesellschaften und ist Muttergesellschaft der DHC Solvent Chemie GmbH in Mülheim.

Die laut „Wall Street Journal“ bevor stehende Übertragung der Gesellschaftsanteile von der venezolanischen PDVSA auf Rosneft betrifft auch BP, das die zweite Hälfte an Ruhr Oel hält. BP hat deshalb ein Vorkaufsrecht an dem 50%-Anteil des venezolanischen Partners. Damit die Briten auf dieses vertragliche Vorkaufsrecht verzichten, soll Rosneft ihnen ein attraktives Angebot gemacht haben, berichtet das „Wall Street Journal“. Danach wollen Rosneft und die im Unterwassergeschäft bekanntlich sehr erfahrene 😉 BP künftig gemeinsam die Ölreserven in der Arktis erforschen. „Dies wäre ein wichtiges Signal, dass BP trotz der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko als Partner für neue Projekte weiter salonfähig“ ist, kommentiert SPIEGEL-online. BP und Rosneft kennen sich bekanntlich, die Konzerne arbeiten schon bei einer Reihe anderer Projekten zusammen.

Die ERE im Lingener Stadtteil Holthausen-Biene würde also bei dieser Lösung erst einmal nicht verkauft, sondern bliebe als 100%ige Tochtergesellschaft weiterhin im Eigentum der Deutschen BP AG.

(Korrektur 30.08.2010)