Rodewalder Rüde

24. Juni 2019

Die Jagd auf einen Wolf in Niedersachsen mit dem nahezu literarischen Namen „Rodewalder Rüde“ läuft seit fünf Monaten, bislang ohne Erfolg. Das Tier streift durch ein rund 600 Quadratkilometer großes Gebiet im Landkreis Nienburg, in der Region Hannover und in dem Heidekreis. Und es ist offenbar schlauer als die, die es erlegen wollen. Die vom Rodewalder Rüden düpierte niedersächsische Landesverwaltung will die Abschussgenehmigung in dieser Woche aber wohl ein weiteres Mal verlängern.

Seit Erteilung der Abschussgenehmigung ist übrigens bislang nur ein Fall nachgewiesen, wo der Rodewalder Rüde ein Weidetier trotz ausreichenden Herdenschutzes gerissen hat. Die größte Zahl der Schadensfälle betrifft Weiden ohne ausreichenden Wolfschutz.

Und: Seit Erteilung der Abschussgenehmigung wurden im Territorium des Rodewalder Wolfs 26 Anträge zur Förderung von Herdenschutzmaßnahmen gestellt, berichtet der ehemalige Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne). Zwölf Anträge liegen noch in der Landesverwaltung, nur sieben der beantragten Maßnahmen konnten bislang umgesetzt und bezuschusst werden.

Folglich wollten die Grünen mit einer Anfrage im Landtag in Hannover wissen: „Was hat die Jagd auf den Rodewalder Rüden bislang gekostet? Und welche wirtschaftlichen Schäden hat der Rodewalder Rüde durch Risse von geschützten Weidetieren in den letzten Monaten verursacht?“ Die GroKo-Landesregierung verweigert jedoch die Antworten. Mit einer weiteren Nachfrage wollen die Grünen die Kosten offenlegen. Christian Meyer sagte dazu im Landtag:

„Die erfolglose Jagd nach dem Rodewalder Rüden kann nicht länger geheime Kommandosache von Umweltminister Lies bleiben. Wir fordern die Offenlegung aller Kosten, die die Wolfsjagd bislang verursacht hat. Schließlich werden hier Steuergelder eingesetzt.

Wenn Lies mit dieser unverhältnismäßigen Jagd den einen Wolf zwar nicht erwischt, aber dafür das übrige Wolfsmanagement des Landes völlig lahmlegt, hilft das keinem Tierhalter. Der Umweltminister sollte besser alle Kräfte in die Verbesserung des Herdenschutzes stecken anstatt monatelang erfolglos einem einzelnen Wolf hinterher zu jagen.

Viel wichtiger ist, die Weidetierhalter/innen zu unterstützen, die in wolfssichere Zäune und Herdenschutzhunde investieren wollen. Schaf- und Rinderhalter/innen müssen bislang wochenlang auf die Bewilligung ihrer Anträge warten, ihre Tiere sind derweil leichte Beute für das Wolfsrudel.

(Foto: Canis lupus, Wolf im Nationalpark Bayerischer Wald, Deutschland von Martin Mecnarowski (http://www.photomecan.eu/) – CC BY-SA 3.0)