Gutt so

1. März 2011

Robin Meyer-Lucht schreibt bei carta.info die wichtige Botschaft:  Karl-Theodor zu Guttenberg ist der erste deutsche Minister, der infolge des Internets zurück getreten ist. Zunächst war es die Webseite Guttenplag, die den vorsätzlichen Betrug zu Guttenbergs belegte. Dann versuchten die Unterstützer des Freiherrn zu kontern – mit nicht zweifelsfreien Klicks. Die Antwort war der offene Brief „causa Guttenberg“, den binnen weniger Tage mehr als 50.000 Doktoranden, Wissenschaftler und Unterstützer unterzeichneten. Zu Guttenberg musste angesichts der moralischen Kraft und quantitativen Wucht dieser Angriffe zurücktreten.

Ohne die traditionellen Medien, lese ich gerade bei netzpolitik.org, wäre der Rücktritt nicht erfolgt.  Nein, sie waren nicht entscheidend. Ohne das Internet wäre die „causa Guttenberg“ nach fünf Tagen in dem hinteren Teil der Printmedien und den „Nach-23-Uhr-Sendungen“ im TV verschwunden. Und BILD hätte den Täuscher aus Kulmbach weiter bejubelt. BILD schafft in den www-Zeiten  eben nicht mehr alles. Das ist vielleicht die noch wichtigere  Botschaft.

Mittelbahnsteig

13. September 2009

Heute wollte ich eigentlich über den neuen Mittelbahnsteig im Lingener Bahnhof ein paar Worte verlieren. Aber ich stelle meine Frage zurück, wie ankommende und abfahrende Zugreisende eigentlich auf ihm aus- und einsteigen wollen – also gleichzeitig, meine ich. Zwei Wochen vor der Bundestagswahl bin ich nämlich eben auf bzw. in dem Carta-Blog von Robin Meyer-Lucht (RML) hängen geblieben, der die Medienauftritte der Parteien im Internet aufarbeitet. Das ist außergewöhnlich spannende Lektüre, nicht nur für jemanden wie mich, der 30 Jahre lokale SPD-Wahlkämpfe organisiert hat.

Beispielsweise hat RML dieses SPD-Unterstützer-Video bei youtube gefunden, das einem alten Sozi wie mir natürlich gefällt.

Nebenbei an die Adresse jener, die es schon immer wussten:
Merke(l): Auch gestern hat schwarz-gelb gegen rot verloren. Deutlich!

Besonders beeindruckt RMLs Auseinandersetzung mit der CDU-Wahlwerbung, für die die Werbeagentur Kolle Rebbe verantwortlich zeichnet. Robin Meyer-Lucht schreibt: „Der jüngste Wahlwerbespot der CDU ist: Einlullen auf allerhöchstem Niveau. Der “TV-Spot II Angela Merkel“, wie ihn die CDU nennt, ist der bislang professionellste Werbespot in diesem Wahlkampf. Er ist ein Bravourstück der politischen Überredungskommunikation. Intellektuell mag solch ein Film als Beleidigung erscheinen, sein kommunikatives Ziel aber erreicht dieser Spot sehr effizient.“

Seine Kritik seziert das Video geradezu mit neurochirurgischer Genauigkeit – ebenso präzise wie anerkennend und RML öffnet den Blick für die subtil verwendeten Metaphern. Bündnis ’90/Die Grünen haben derweil auf ihre Weise das Merkel-Video aufgewertet:

Alles in Allem müssen andere noch lernen. So verzichtete die Lingener SPD auf eine Aufzeichnung ihrer 90-Jahre-SPD-Lingen-Feier, weshalb nur die 75 Anwesenden die wirklich gute Rede von Kandidat Dieter Steinecke erleben durften. Mit youtube wäre das nicht passiert!

Und Michael Fuest (Bündnis ’90/Die Grünen) hätte sich natürlich nach links ins abgeholzte Altenlingen-Bild stellen oder (besser!) gleich die ganze Aufnahme spiegeln müssen; denn das ist -weiß ich jetzt dank RML- ein bewährter optischer Trick, damit die Bilder den gewünschten Eindruck vermitteln. RML: „Da hierzulande Bilder wie Schrift von links nach rechts gelesen werden, entstünde (andernfalls) der Eindruck: Nach Merkel kommt wenig, sie hat wenig Zukunft. Es ist grundsätzlich unvorteilhaft, auf der rechten Bildhälfte gezeigt zu werden.“ Siehste, Michael!