Luther

31. Oktober 2017

Heute vor einem halbe Jahrtausend: Martin Luther findet sich unerwartet auf der großen Bühne der Weltpolitik wieder, bewundert, gefürchtet und verhasst. Denn er bringt das uralte Machtgefüge der katholischen Kirche ins Wanken und bereitet den Weg für ein neues Denken. Hinter der Reformation versammeln sich mächtige Protagonisten dieser Zeit. Für sie kommt der Mönch aus Wittenberg wie gerufen. Luther wird zur Galionsfigur der Erneuerer und zum Feindbild des Papstes. Denn die Thesen Martin Luthers vom 31. Oktober 1517 markieren den Beginn einer Revolution, durch die sich für die Menschen viel mehr ändert als nur das Verhältnis zur Kirche.

Im ersten Teil der Dokumentation wandert ZDF-Journalist Harald Lesch über die Alpen – wie der junge Augustiner Martin Luther im Jahr 1510. Der junge Mönch wird in einer wichtigen Ordensangelegenheit nach Rom geschickt. Unterwegs macht er Station in Florenz, damals ein Zentrum der Kreativität. Eine Art Kulturhauptstadt Europas. Michelangelo, Raffael, Botticelli – sie prägen ein neues Bild vom Menschen. Wollen wir nicht auch heute noch aussehen wie eine Skulptur von Michelangelo? Harald Lesch trainiert in einem Fitnessstudio und stellt fest: Diese Art von vernunftbetontem Verhalten, die Vervollkommnung der eigenen Person – das ist ein Erbe des Humanismus vor 500 Jahren.

spanisch

23. Februar 2015

Wie spanisch war die spanische Zeit in Lingen?
Eine Zeitreise in die Lingener Geschichte
Vortrag von Dr. Andreas Eiynck
Lingen (Ems) – Emslandmuseum, Burgstraße 28b
Heute – 19 Uhr

Eintritt frei – Spende erbeten

Zu einem Vortrag über die „Spanische Zeit in Lingen“ lädt die Deutsch-Hispanische Gesellschaft am Montag, 23. Februar, um 19.00 Uhr in das Emslandmuseum Lingen in. Dr. Andreas Eiynck wird anhand zahlreicher Dokumente und Bilder über Lingen im Zeitraum zwischen 1550 und 1630 berichten. In diese Zeit fallen der Ausbau der Lingener Festungswerke, die wechselseitigen Eroberungen der Stadt im spanisch-niederländischen Krieg, aber auch der Wechsel der Konfession, der mit jeder Eroberung der Festung verbunden war. Der Referent wird dabei insbesondere der Frage nachgehen, wie stark die sogenannte „Spanische Zeit“ in Lingen wirklich von Spanien bestimmt wurde, oder ob im damaligen Habsburgerreich nicht ganz andere Kräfte das Schicksal Lingens leiteten.

Zur Einordnung: Der Habsburger Kaiser Karl V. eroberte im 16. Jahrhundert Lingen, um hier die unter den Tecklenburger 1541 eingeführte lutherische Reformation wieder rückgängig zu machen. Als bald darauf in den Niederlanden ein Aufstand gegen die Habsburger losbrach, kam den Habsburgern die Festung Lingen aufgrund ihrer verkehrsräumlichen Lage sehr gelegen. An der Spitze des Hauses Habsburg stand mittlerweile Philipp II, König von Spanien. So gelangten auch spanische Truppen auf den niederländischen Kriegsschauplatz, in dem die Festung Lingen eine wichtige Rolle spielte. Als „Teil von Spanien“ wurde Lingen aber nie betrachte, sondern die Habsburger zählten es immer zu den Niederlanden. Der Begriff „Spanische Niederlande“ kam erst später auf, als sich die calvinistisch geprägten nordlichen Niederlande entgültig von den Habsburgern lossagten. Auch der bekannte Admiral Spinola (Bild oben lks), der 1605 die Festung Lingen den Oraniern nach achtjähriger Besetzung wieder entreißen konnte, war kein Spanier, sondern ein gebürtiger Genuese, der in den Diensten der Habsburger stand. Die von ihm auf dem heutigen Universitätsplatz errichtete Garnisonskirche nannten man folgerichtig auch nicht die „Spanische“, sondern die „Italienische Kirche“. Das Heer der Habsburger bildete ohnehin einen bunten Mix von Söldnern aus vielen Ländern Europas.

Neben den großen politischen und militärischen Ereignissen dieser Zeit schildert Andreas Eiynck (Foto unten) aber auch alltägliche Begebenheiten aus jener Epoche. Hierzu gehört das Leben der Bauern, wie es sich im Spiegel der „Beschrivinge“ der Grafschaft Lingen von 1555 darstellt, aber auch das Schicksal der Bewohner von Stadt und Land in den damaligen Kriegszeiten. Schließlich zeigt der Referent Beispiele, wo Spuren der „Spanischen Zeit“ in Lingen bis heute zu entdecken sind.
Die Deutsch-Hispanische Gesellschaft lädt zu diesem Vortrag ein.

(Aufnahmen: Oben Ambrogio Spinola – Gemälde von Michiel Jansz. van Mierevelt, 1633; unten: Dr. Andreas Eiynck, Foto von J.-H. Janßen CC BY-SA 3.0)