Mach mit

19. Juli 2017

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan füllt die Gefängnisse mit seinen Kritikern: Journalisten, Intellektuelle, Linke, jetzt auch sechs Menschenrechtler.

Wer nicht seiner Meinung ist, wird erbarmungslos verfolgt. Ein absurder Verdacht genügt heute schon, Gegner Erdoğans einzukerkern, wie der Fall der Amnesty-Mitarbeiter und des deutschen Seminarleiters Peter Steudtner wieder einmal zeigt. In die Amnesty-Geschichte geht die Türkei nun als jenes Land ein, das sich als erstes traute, gleich beide AI-Spitzenfunktionäre im Land zu verhaften.

„Die Türkei versucht mit der Festnahme der zwei führenden Vertreter der größten unabhängigen internationalen Menschenrechtsorganisation internationale Menschenrechtsstandards weiter auszuhöhlen,“ so Markus N. Beeko, Generalsekretär von Amnesty International in Deutschland. „Mit der Anordnung der Untersuchungshaft gegen Idil Eser, der Amnesty-Direktorin in der Türkei, muss nun die weltweite Staatengemeinschaft handeln. Alle Staats- und Regierungschefs sind gefordert, Druck auszuüben, damit İdil Eser und die anderen Menschenrechtsverteidiger sofort und bedingungslos freigelassen werden“, so Beeko. „Amnesty International wird sich durch diese eklatante Missachtung von internationalen Menschenrechtsstandards weder einschüchtern noch entmutigen lassen.“

Mach mit, die Freilassung der Menschenrechtsakltivisten zu fordern: Hier.

 

Erdoğans Referendum

15. April 2017

Um was eigentlich geht es beim morgigen Referendum in der Türkei?

verstörendes Bild

11. Mai 2016

Der türkische Staatspräsident verklagt jetzt auch Mathias Döpfner, den Chef des Springer-Verlages. Döpfner hatte sich „positiv“ über Jan Böhmermanns Schmähgedicht geäußert. Deshalb fühlt sich Präsident Recep Tayyip Erdoğan erneut beleidigt. Sein (neuer) Anwalt Ralf Höcker hat deshalb eine einstweilige Verfügung beim Landgericht Köln beantragt.

Höcker hat mittlerweile selbst gesagt, die Richter hätten wohl skeptisch auf den Antrag reagiert. Aber dann gehe sein Mandant halt in die nächste Instanz. Daneben hat Höcker auch über den angeblichen Leidensdruck seines Mandanten folgendes geäußert:

Es ist wie bei einer Massenvergewaltigung: Wenn einer anfängt, kriechen alle aus den Löchern und machen mit. Vor allem, wenn es das Opfer angeblich nicht besser verdient hat. Wir müssen als Gesellschaft aufpassen, wenn der dünne Lack der Zivilisation blättert und kollektive Enthemmung losbricht. Herr Erdoğan ist ein Mensch, und die Menschenwürde ist unantastbar.

Das ist ein durchaus verstörendes Bild, das der Anwalt von unserer Gesellschaft zu haben scheint. So viele Massenvergewaltigungen, an denen sich spontan Dritte beteiligt haben, sind der polizeilichen Kriminalstatistik für die letzten 50 Jahre bei uns nicht zu entnehmen. Von daher ist es schon eine starke Leistung, die Kritiker eines umstrittenen Staatsmannes, auf dieses Niveau herabzuwürdigen. 

Man könnte glatt an eine sogenannte Kollektivbeleidigung denken. Aber die ist bei uns ja zum Glück von Herrn Höcker nur in seltenen Ausnahmefällen strafbar…

Bericht in der Süddeutschen Zeitung 

Nachtrag: Das Landgericht Köln hat die einstweilige Verfügung gegen Mathias Döpfner abgelehnt.

von Udo Vetter, LawBlog

Erdo-wahn

29. März 2016

Das muss heute natürlich sein: @extra3 und Recep Tayyip Erdoğan („Erdo-wahn“)- schlicht großartig, nicht wegen der Satire sondern wegen einer Reaktion des türkischen Staatspräsidenten, die satirischer ist als jede Satire. [mehr…]

Signalisieren

23. Juni 2013

spiegel1_5322566e42Morgen erscheint „Der Spiegel“ zum ersten Mal mit einer Titelgeschichte in deutscher und in türkischer Sprache. Klaus Brinkbäumer, stellvertretender Chefredakteur des „Spiegel“ sagte zum Informationsdienst Kress Mediendienst: „Natürlich glauben wir nicht, den knapp drei Millionen in Deutschland lebenden Türken mangele es an Deutschkenntnissen. Wir möchten signalisieren: Die Ereignisse in der Türkei gehen alle an – Deutsche, Türken, Europäer.“ Der Umgang der Regierung unter Ministerpräsident Erdogan mit friedlichen Demonstranten in einem europäischen Staat, einem Urlaubsland der Deutschen, einem EU-Beitrittskandidaten, sei beunruhigend; die Drohungen des türkischen Europaministers gegenüber Angela Merkel Ende der vergangenen Woche seien es auch gewesen, so Brinkbäumer. „Wir freuen uns darüber, dass unsere türkischen und türkisch-stämmigen Leser in Deutschland und in der Türkei die Titelgeschichte in einer ihnen vertrauten Sprache lesen können – sowohl auf Deutsch wie auf Türkisch.“

Der aktuelle „Spiegel“ werde „in deutlich erhöhter Auflage“ auch in der Türkei erscheinen und erstmals dort beworben.

Die Autoren der Titelgeschichte haben, weiß Kress Mediendienst, persönliche Beziehungen zur Türkei: „Spiegel“-Redakteurin Özlem Gezer, 32, ist Hamburgerin und Tochter  türkischer Gastarbeiter; sie hat deutsch-türkische Verwandtschaft sowohl hier als auch in der Türkei. Drei Jahre lang arbeitete sie als Journalistin in Istanbul . Im aktuellen „Spiegel“ schreibt sie über ihre eigene Familie und die Risse, die sich dort jetzt auftun – ähnlich wie sie 1968 durch viele deutsche Familien liefen.

Bernhard Zand, 45, heute Büroleiter in Peking, ging 1998 als erster „Spiegel“-Korrespondent in die Türkei und hat auch später aus der arabischen Welt noch lange über das Land berichtet. Zand ist mit einer Deutsch-Türkin verheiratet;  seine Kinder sprechen deutsch und türkisch. Zand hat den türkischen Premier Recep Tayyip Erdoğan als einer der ersten ausländischen Journalisten nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis getroffen und ihn seither mehrfach interviewt. Er schreibt darüber, wie es zur Spaltung der türkischen Gesellschaft kam – und welche Aussichten das Land hat, sie zu überwinden.

(Crosspost/Quelle: Marc Bartl in Kress Mediendienst)