geht weiter

23. Dezember 2017

In der nächsten Woche „zwischen den Jahren“ findet ab Donnerstag 17 Uhr zum x.ten Mal der traditionelle Kronsberg-Cup in Lingen in der Kiesberghalle statt. Erinnern Sie sich, dass er im vergangenen Jahr ausfiel, als Oberligist TuS  Lingen, 1910 gegründet und damit ältester Fußballverein der Region, in die Insolvenz ging? Ohnehin nach zu hohen Ausgaben von Verbindlichkeiten gebeutelt, hatte schließlich unverhofft der Zoll für die Sozialversicherung obendrauf gesetzt und vom TuS einen sechsstelligen Betrag an angeblich nicht gezahlten Abgaben gefordert – gerade als Geld genug beisammen war, um allen Gläubigern einen ordentlichen 50% Vergleich anzubieten. Von der Zollforderung ist zwar nach 15 Monaten Prüfung nur ein ausgesprochen geringer Rest übrig, teilt der Insolvenzverwalter mit, doch damals spielte die staatliche Zollverwaltung „rien ne va plus“: „Anerkennen oder wir prüfen; das kann zwei Jahre dauern!“ Aber weil man unter den Bedingungen eines Insolvenzverfahrns zwar ein Unternehmen über Jahre führen, jedoch keinen Fußball-Amateurverein organisieren kann, war im Herbst 2016 Schluss mit dem alten TuS Lingen 1910 eV.  Der TuS, hatte stets den Kronsberg-Cup ausgerichtet  und nicht selten gewonnen; doch Ende 2016 überforderte die Organisation des Cups die Weitermacher. Jetzt ist TuS-Nachfolger RB Lingen damit in der Spur (Foto) – wie ich höre, unter den Argusaugen der lokalen Konkurrenz, die allzu gern das Traditions-Hallenturnier mit 16 Teams übernehmen möchte…

Daran erinnerte ich mich, als ich just gestern Neues vom unendlichen Kampf des SV Wilhelmshaven um faire Behandlung las, der mit dem im Herbst 2016 erkämpften Urteil des Bundesgerichtshof (BGH) noch längst nicht zu Ende ist, sondern weiter geht. Denn die Wilhelmshavener haben nach ihrem Erfolg vor dem BGH ein neues Kapitel unter der Überschrift „Schadensersatz“ eingeläutet, über das sie selbst und jetzt auch die taz berichtet. Lies mal hier:

„Elf Jahre der Auseinandersetzung, ein juristischer Kampf durch alle Instanzen, eine BGH-Entscheidung – und noch immer ist kein Ende in Sicht: Der Streit zwischen dem Wilhelmshavener SV und dem Norddeutschen Fußball-Verband ist immer noch nicht beigelegt. Vor dem Bremer Landgericht hat gestern ein Gütetermin stattgefunden, bei dem es um die Klage des WSV gegen den Norddeutschen Fußball-Verband auf Wiederzulassung in die Regionalliga Nord ging.

Diese Hoffnung hat die Kammer unter dem Vorsitzenden Richter Ingo Behrens gestern vorerst zerstört: Die Kammer sehe, so der Richter, „erhebliche Probleme für die Klägerseite“. Eine „Naturalrestitution“, also das Wiederherstellen des ursprünglichen Zustands, sei schadensrechtlich kaum möglich. Die Klägerseite müsste beweisen, dass sie ohne den auf Betreiben der Fifa vom NFV verfügten Zwangsabstieg nicht abgestiegen wäre. Und das sei im Prinzip nicht möglich.

Der Anwalt des WSV Harald Naraschewski hält das für „Quatsch. Schlicht und einfach Quatsch“. Er ist der Meinung: „Wenn Sie in der Winterpause einer Mannschaft sagen, ihr steigt zwangsweise ab, dann führt das zu einer Wettbewerbsverzerrung.“ Die Spieler seien demotiviert gewesen, der NFV habe diesen Zustand erst herbeigeführt. Das führe zu einer Beweislast­umkehr: Vielmehr müsse jetzt die Beklagte, also der Verband, beweisen, dass der WSV sowieso abgestiegen wäre.

Hintergrund des seit Jahren andauernden Rechtsstreits ist die Verpflichtung des italienisch-argentinischen Spielers Sergio Sagarzazu in der Saison 2006/2007….

[weiter bei der taz]“

34. FSL

14. Juli 2017

Die 34. Fußball Stadtmeisterschaft beim SV Holthausen/Biene, das
Fußball-Turnier der Lingener Seniorenmannschaften, findet kommende Woche (17. bis 23. Juli) statt.

Am Biener Busch wird echter Amateurfußball geboten, und ich bin schon heute gespannt, was die Lokalpresse darüber berichten wird. Bekanntlich schenkt sie dem lokalen Sport eher nicht viel Aufmerksamkeit, druckt aber stattdessen -nicht erst seit dessen 3.-Liga-Aufstieg – alles über einen benachbarten Fußballverein und jazzt selbst den Schnupfen des dortigen stellv. Zeugwartes zum medialen Ereignis hoch.

Ausrichter der  34. Fußball-Stadtmeisterschaft ist der SV Holthausen/Biene. 12 Mannschaften in vier Gruppen sind am Start, natürlich die 11 Fußballvereine aus Lingen (nur einer nicht). Das 12. Team wählt traditionell der Ausrichter aus, der sich für den SV DJK Geeste entschied.

[Nicht am Start ist der vor neun Monaten von ausgesprochenen Fußballfachleuten im Rathaus ersonnene und mit Markenschutz ausgestattete FC Lingen, weil erst die jährlichen 750.000-Euro-Subventionsgeber gefunden werden müssen, der Verein folglich noch nicht auf der Welt ist, und das auch noch längere Zeit auf sich warten lässt, weshalb die genannten Experten jetzt erst Jugendteams bilden und diese dem SV Olympia Laxten zuordnen wollen  – Das ist aber ein anderes Experten-Thema…]

Im Rahmen der Stadtmeisterschaft führen die Veranstalter am Freitag, den 21. Juli, ein Altherren-Blitzturnier und am Samstag, den 22. Juli, die Damen-Fußball Stadtmeisterschaft mit sechs Teams durch.

FSL-Favorit ist die Mannschaft des Gastgebers, der mit etwas Mühe aber am Ende klar, die Landesliga halten konnte. Daneben sind die Bezirksligateams des ASV Altenlingen und Olympia Laxten am Start und zum ersten Mal – nach der Insolvenz des historischen TuS Lingen ganz unten in der 4. Kreisklasse angekommen – dessen Nachfolgeverein RB Lingen, der schon am ersten Spieltag ab 19.15 Uhr antritt.

Übrigens: Die 104 Seiten starke Veranstaltungszeitschrift beeindruckt besonders.

cropped-robertsblog_header.png31.12., also Zeit für einen Rückblick auf ein, für mich persönlich absolut spannendes und großartiges Jahr. Mich interessierte gestern Abend die Frage, welche Beiträge dieses kleinen Blogs eigentlich in 2016 am häufigsten angeklickt wurden. Hier meine Übersicht.

Mein wiederkehrender Streit mit der Lokalzeitung und ihren Protagonisten um Lokalchef Thomas Pertz, die uns täglich (!) mit zuckersüßen „Hach-wie-wunderbar-ists-hier“-Ausgaben beglücken, zog sich auch durch 2016. Der Beleg: Auf Platz 10 schaffte es mein Widerspruch, als Thomas Pertz nach der Kommunalwahl das Erstarken der völkisch-rechten AfD im südlichen Emsland relativierte: „Wenn die gewählten AfD-Vertreter dort bereit sind, konstruktiv mitzuwirken, wäre es undemokratisch, sie auszuschließen.“ Es läuft mir heute noch kalt über den Rücken.

Als ich mich Tage später über die neue Nutzung meines elterlichen Hauses durch ein Lebensmittelgeschäft im Stadtzentrum freute und fragte, „was mein Vater wohl sagen würde, hätte er noch erlebt, dass aus seiner feinen Konditorei ein Geschäft für Lebensmittel, Obst und Gemüse mit hauseigener Fleischerei unter arabischem Namen geworden ist“, interessierte die Neuigkeit so viele aus Lingen und umzu, dass der Beitrag auf Platz 9 kommt. Mein Optimismus hat mich übrigens nicht enttäuscht. Dort einzukaufen, bringt herrliche Genüsse. Ich erinnere mich da an ein wunderbares Abendessen mit zwei frischen Doraden, die es im Medina-Markt gab – mit exklusiven Zubereitungtipps von Ex-Piano-Chef Ebi Sadeghi, der zufällig auch gerade dort einkaufte.

Platz 8 belegt meine Kritik an der emsländischen Polizei, deren Twittereien und Pressemitteilungen zu dem gleichermaßen falschen wie subjektiven Eindruck vieler in Lingen führen, wir lebten im Auge eines ungeheuren Kriminalitätssturms. Das Gegenteil trifft zu, wie alle Statistiken belegen. Als aber im Frühsommer der bekannte Lingener Rechtsradikale Moritz H. mit einer Druckluftwaffe auf Flüchtlinge schoss, verstieg sich die lokale Polizei zu dem verharmlosenden Satz: „Ob die Tat politisch motiviert ist, steht derzeit nicht fest.“ Damals wie heute eine bodenlose Frechheit, wie ich finde.

Der kritische Blogbeitrag zum Lingener Weihnachtsmarkt („Symbolfoto“), die von manchen Glühweinkirmes genannte Spätjahresveranstaltung, klettert auf Rang 7 meiner Jahresliste. Anfang des Jahres empörte der bürokratische Versuch die Lingener, der Kultkneipe Koschinski die Musikveranstaltungen zu verbieten. Meine Appell schafft es auf Rang 6 der Postings und durfte auch ein wenig dazu beitragen, dass das Koschinski weiterlebt. Mit Live-Musik.

Das überflüssige Ende des traditionsreichen TuS Lingen und die Frage, was der ehedem Musik (und nicht Sport) lehrende Lingener Oberbürgermeister in dieser Sache tut, tat und nicht tat, schaffte es auf den 5. Platz. OB Krone, der alljährlich die üppige Förderung der HSG Nordhorn-Lingen promoted und in diversen städtischen Töpfen -sagen wir- versteckt, informierte niemanden über den Hilferuf des 104 Jahre alten Oberliga (!)-Vereins, um später im Jahr dann die krude Idee eines höherklassigen Lingener Fußballteams zu ersinnen; dazu gab es übrigens am 20. Dezember keine Bescherung sonderm im Gespräch mit den lokalen Fußballfürsten die erwartete und verdiente Bauchlandung. Weshalb ich en detail darauf hinweise? Nun, auch Platz 4 meiner diesjährigen Rangliste befasst sich mit dem gescheitert-peinlichen Krisenmanagement des OB in Sachen TuS Lingen.

Wer kam in diesem Jahr auf’s Treppchen? Das Ende der guten Küche in Lingen steht auf Platz 3. Viereinhalb Jahre war es derm junge Jan Kieseling  gelungen, im Ratskeller gute Küche an den Mann und die Frau zu bringen. Als er dann den Bib Gourmand des Michelin erhalten hatte, schloss er. Ein wirklicher Verlust an Kultur in unserer Stadt. Rang 2 hat das Blog Heinrich Essmann zu verdanken und seiner Idee den Nachfolgeverein des in Insolvenz befindlichen TuS „Rasenballsport Lingen“ (kurz: „RB Lingen“)  zu nennen. Ein genialer Schachzug Essmanns, der bundesweit die Aufmerksamkeit der Medien nach sich zog. Meine Prognose lag richtig: Keine Frage: Der Name RB wird Aufmerksamkeit hervorrufen, kontrovers diskutiert werden und zu manch neidischer Aufregung führen.

Und Platz 1? Es ist -mit großem Vorsprung- eine kleine Geschichte aus dem Alltag unserer Bürokratie. Da traf in meiner Anwaltskanzlei eine Aufforderung der Staatsanwaltschaft ein, und ich fragte -„aus mancherlei Gründen persönlich verhindert- in die geschätzte Leserrunde: „Wer möchte den Abholungstermin telefonisch absprechen und nach Osnabrück fahren?“ – Sie erinnern sich an die Abholung, oder?!

Was noch? Nicht ganz 140.000 Blog-Besucher haben sich im zu Ende gehenden 2016 bei mir umgeschaut. Ihnen wünsche ich ein gutes, gesundes neues Jahr, vor allem ein gesundes, wobei ich meine Wünsche in diesem Punkt ganz besonders nach Messingen schicke. Ich danke denen, die fast 500 Kommentare geschrieben haben, und wünsche mir für 2017 ein paar mehr. Wir haben ja Bundestagswahl, und ich werde mich anstrengen, dem gerecht zu werden. Ich habe vor ein paar Tagen den 10. Blog-Geburtstag gefeiert und will noch ein paar Jährchen dranhängen, wenn man mich Rentner lässt. Guten Rutsch!

RB Lingen

22. November 2016

Gestern Abend wurde im Kolpinghaus an der Lingener Burgstraße ein neues Kapitel des Fußballs in der größten Stadt an Ems und Vechte eröffnet. 15 Fußballenthusiasten gründeten mit „Rasenballsport Lingen“ (kurz: „RB Lingen“) den Nachfolgeverein des in Insolvenz befindlichen TuS Lingen 1910 eV.  Der Vorschlag zu dem nicht gewöhnlichen Namen kam vom langjährigen TuS-Vorsitzenden Heinrich Essmann, und nach kurzer Debatte wurde seine Empfehlung einstimmig angenommen. Keine Frage: Der Name RB wird Aufmerksamkeit hervorrufen, kontrovers diskutiert werden und zu manch neidischer Aufregung führen.

Das Fußball-Internetportal KEI berichtete noch gestern exklusiv über die Gründungsversammlung:

„Die Tage des TuS Lingen, das teilte der Vorstand bereits in der letzten Woche mit (KEI berichtete), sind gezählt! Doch die Verantwortlichen verständigten sich auf die Gründung eines neuen Vereins, der nicht nur an die lange Tradition anknüpfen, sondern auch die Spielrechte des TuS Lingen übernehmen soll.

rblingenDer Name dürfte dabei für viele Fans eine echte Überraschung sein. Anders als bisher angenommen, wird der neue Club nicht „FC Lingen“ heißen, sondern trägt den Namen „RB Lingen“! „Ein Vorschlag auf Initiative unseres Ehrenvorsitzenden und Hauptsponsors“, verriet Marcel Eilermann. Der aktuelle Vorsitzende des TuS Lingen wurde zusammen mit Michaela Bauer (2. Vorsitzende), Yvonne Fieker-Hinzkowski (Kassenwartin und Jugendwartin), Steffi Gerdelmann (Schriftührerin) sowie Markus Meer (Sportlicher Leiter Senioren) durch die Gründungsversammlung in einer, wie es heißt, sehr harmonischen Abstimmung gewählt. Zuvor hatte es zur Aussprache und Beschlussfassung über die Vereinssatzung ebenfalls ausschließlich Ja-Stimmen gegeben.

Ob „RB Lingen“ auch weiterhin seine derzeitigen Spielrechte wahrnehmen darf, liegt nun in den Händen der Zulassungskommission des Niedersächsischen Fußball-Verbandes (NFV). „Es wartet viel Arbeit auf uns, aber wir freuen uns auf die Aufgabe und die Herausforderungen. Mit dem NFV und den Vertretern im Emsland sind wir in intensiven Gesprächen und optimistisch“, teilte Eilermann mit. „RB Lingen ist ein Club für ganz Lingen“, zitierte der neue Vorsitzende die neue Präambel gegenüber KEI. Als Mitgründer unterzeichnete auch der frühere TuS Vorsitzende und langjährige Ehrenvorsitzende Heinrich Essmann am Montagabend die Gründungsurkunde des neuen Clubs im Lingener Kolpinghaus (Foto).

Lingens Vorstand machte deutlich, dass der neue Verein, der wie sein Vorgänger in Rot-Gelb auflaufen werde, unbelastet in die Zukunft gehe und auch die viele Sponsoren erhalten blieben. Neu ist hingegen ein ständiger Beirat, der den RB-Vorstand in seiner Arbeit zu beraten und zu unterstützen, aber auch, z.B. in der Kassenführung, kontrollieren soll. „Wir müssen auch Vertrauen aufbauen“, so Eilermann.

Auf Unverständnis stieß eine Ankündigung der Lingener Stadtverwaltung, die die Nutzung des Emslandstadions in Frage stelle. „Wir hoffen sehr“, so Eilermann abschließend, „dass wir auch weiterhin im Emslandstadion zuhause sind“.“

(Fotomontage): mit Dank an © KEI-Fußball; kleines Foto CC BY 2.0 DE RB Lingen: Heinrich Essmann unterzeichnet die RB-Gründungssatzung;)