„Roken is dodelijk

3. August 2019

Die NL-Nachbarn wollen Rauchen unattraktiver machen und deshalb gibt es dort jetzt mehr Verbote in der Außengastronomie. Wir können also schon einmal sehen, was bei uns dann auch bald kommt.

Roken is dodelijk“ – diesen Satz bringen viele Urlauber aus dem Niederlande-Urlaub mit. Er ist als Warnhinweis auf Zigarettenschachteln zu lesen. Dass die Botschaft der Warnung eine sehr ernste ist, zeigt der neueste Bericht der Weltgesundheits-Organisation WHO über das weltweite Rauchverhalten: Demzufolge sterben jedes Jahr acht Millionen Menschen auf der ganzen Welt an den Folgen des Tabakkonsums. Die Niederlande haben dem Rauchen in Anbetracht der erschreckenden Zahl an Todesopfern den Kampf angesagt. Aber nicht nur die Politik, sondern auch Unternehmen reagieren auf das Rauchen. So verbieten immer mehr Cafés und Kneipen das Rauchen in ihren Außenbereichen.

18 Prozent der Niederländer rauchen. Für die niederländische Regierung unter Ministerpräsident Mark Rutte (VVD) sind das 18 Prozent zu viel. Die Koalition in Den Haag hat sich eine Anti-Rauch-Politik gesetzt, die Rauchen so unattraktiv wie möglich machen soll. Dazu gehören etwa ständige Preissteigerungen durch hohe Steuern auf Tabakwaren und unappetitliche Horrorbilder auf Zigarettenschachteln. Darüber hinaus können Raucher in den Niederlanden die Kosten für Entwöhnungstherapien bei der Krankenkasse geltend machen. Ab dem 1. Juli 2020 sollen Zigarettenschachteln außerdem verpflichtend eine braungrüne Farbe haben. Das hat das Rutte-Kabinett Ende Juni beschlossen.

Die Absprachen der Koalition scheinen einigen Niederländer nicht schnell genug zu gehen. So ergreifen immer mehr Cafébesitzer und Kneipiers bereits selbst Maßnahmen und verbieten das Zigaretten-Rauchen auf ihren Terrassen und Außenanlagen. Auf der Website der Nichtraucherorganisation Clean Air Nederland können Gastronomen ihre Rauchverbote registrieren. Im letzten Jahr stand der Zähler noch bei 39 (teilweise) rauchfreien Gaststätten. Doch nun gibt Clean Air Nederland an, dass in 113 Kneipen, Bars und Restaurants Rauchen verboten ist – ein Anstieg von fast 300 Prozent in nur einem Jahr.

Tatsächlich hat Gesundheits-Staatssekretär Paul Blokhuis (ChristenUnie) angekündigt, dass das Kabinett Rauchverbote auf Terrassen von Straßencafés und Kneipen in den Nationalen Präventionsplan aufnehmen möchte. Auf der Website der niederländischen Regierung ist darüber aber noch nichts zu lesen. Stattdessen sieht die Strategie der Regierung, deren Ziel es ist, eine rauchfreie Generation aufwachsen zu lassen, folgende Maßnahmen ab 2020 vor:

•    Ein Päckchen mit 20 Zigaretten wird ab dem 1. April um 1 Euro teurer;
•    Tabakwaren dürfen nicht mehr sichtbar an den Verkaufsorten, zum Beispiel im Supermarkt, ausliegen;
•    Rauchen wird in allen Kinderbetreuungseinrichtungen verboten;
•    Rauchentwöhnung soll zur Standardversorgung der Krankenkassen gehören.

Ab 2025 soll Rauchen des Weiteren auf allen Spielplätzen sowie in allen Sportvereinen und Pflegeeinrichtungen des Landes verboten werden. Die ambitionierten Ziele aus den Niederlanden werden allerdings übertroffen: In England (nicht im ganzen Vereinigten Königreich) soll ab 2030 ein allgemeines Rauchverbot gelten. Die Suchtpräventionsstrategie der Niederlande umfasst im Übrigen nicht nur Tabakkonsum, sondern auch Übergewicht und Alkoholmissbrauch.

—–

Text Niederlande.net; Foto Niels Heindereich via flickr CC BY 2.0

Raucherbereich

13. April 2018

Da sind sie uns ein Stück voraus, die Niederlande. Völlig ohne Emotionen sage ich voraus, dass sie hierzulande auch kommen wird: Die Abschaffung der Raucherräume. Hier ein NiederlandeNet-Bericht von den niederländischen Nachbarn.

Im Februar hatte der Niederländische Gerichtshof in Den Haag beschlossen, dass die Raucherräume in der Gastronomie abgeschafft werden müssen. Paul Blokhuis (VWS, CU), der Staatssekretär für Volksgesundheit, Gemeinwohl und Sport, gab am Freitag bekannt, dass die Gastronomiebetriebe zwei Jahre lang Zeit haben, die Abschaffung der Raucherräume in die Tat umzusetzen. Der Beschluss passt perfekt zu den Plänen des Kabinetts Rutte III, das nach einer rauchfreien Gesellschaft strebt.

Seit 2008 gilt in den Niederlanden ein Rauchverbot in der Gastronomie. Nur in eigens dafür vorgesehenen Raucherräumen, die bestimmte Kriterien erfüllen müssen, durfte weiterhin geraucht werden. Viele Einrichtungen wie Diskotheken, Konzertveranstalter und Kneipen haben daraufhin Umbaumaßnahmen vorgenommen und viel Geld investiert, um ihren Gästen weiterhin eine Möglichkeit zum Rauchen zu bieten. Diese Maßnahmen scheinen mit dem neuen Verbot hinfällig zu werden. Wie viele Gastronomiebetriebe betroffen sind, kann das Ministerium für Gesundheit, Gemeinwohl und Sport bisher nicht angeben.

Der neue Beschluss zur Abschaffung der Raucherräume in der Gastronomie ist die Folge eines Antrags der Organisation Clean Air Nederland (CAN), die eine Schließung aller Rauchräume in der Gastronomie gefordert hatte, da diese das Rauchen zu stark unterstützen würden. Zuerst wurde der Antrag  vom Gerichtshof abgewiesen, woraufhin CAN in Berufung ging und dem Antrag stattgegeben wurde. Als wichtigstes Argument brachte der Gerichtshof das Abkommen der Niederlande mit der Weltgesundheitsorganisation vor. Dieses Abkommen besagt unter anderem, dass der Staat das Rauchen nicht unterstützen darf. Das Dulden der Raucherräume in der Gastronomie, so der Gerichtshof, stehe somit im Widerspruch zu dem Abkommen.  Tom Voeten, der Vorsitzende der CAN, sagte, es gehe vor allem ums Prinzip. Raucherräume seien ein Ausdruck der Legitimierung der Rauchkultur.

Clean Air Nederland übt auch nach dem Beschluss weiterhin Druck auf das Kabinett aus. Neben dem stattgegebenen Verbot für Raucherräume in der Gastronomie fordert die Organisation zusätzlich ein Verbot von Raucherräumen in öffentlichen Gebäuden. Im Februar hatte die CAN das Kabinett dazu aufgefordert, das Verbot auszuweiten.  Auf diese Forderung hat die Organisation vom Kabinett bisher keine Antwort erhalten. Sollte die Antwort noch „einige Wochen“ ausbleiben, so die Organisation, werde wieder der Gerichtshof eingeschaltet. Voeten bemängelte, dass sowohl die Erste Kammer als auch die Zweite Kammer Raucherräume hätten. Im Wirtschaftssektor habe der Staat keinen Einfluss auf Raucherbereiche, so Voeten. Doch von einer Regierung, die behauptet, sie strebe nach einer rauchfreien Gesellschaft, könne man auch erwarten, dass sie alles Nötige dafür tue.

Viele große Betriebe, wie beispielsweise der Veranstaltungsort Tivoli Vredenburg in Utrecht, kritisieren das neue Verbot. Das Gebäude, das zehn Stockwerke und sechs Konzertsäle umfasst, wurde 2014 eröffnet. Damals hatte man sich auf das Rauchverbot in der Gastronomie von 2008 eingestellt und mehrere Raucherbereiche errichtet, die bei den verschiedenen Veranstaltungen von vielen Gästen genutzt werden. Wenn diese Raucherräume nicht mehr genutzt werden dürfen, müssen die Besucher einen langen Weg zurücklegen, um draußen rauchen zu können. Die Kommunikationsleiterin Lieke Timmermans zeigt sich besorgt: „Wenn man ein Jazzkonzert in Cloud Nine besucht, muss man neun Stockwerke nach unten gehen, bevor man auf der Straße steht.“ Timmermans befürchtet, dass die Besucher dann lieber zu einem anderen Veranstalter gehen, bei dem man einfacher nach draußen kommt, um zu rauchen. So könnte Tivoli Vredenburg einen wichtigen Teil der Gäste verlieren. Jetzt müssen Timmermans und ihre Kollegen über weitere Möglichkeiten, wie beispielsweise Balkons, nachdenken. Ob sich die Raucherlandschaft durch das Verbot der Raucherbereiche in gastronomischen Betrieben wirklich ändern wird, wird sich in zwei Jahren zeigen, wenn alle Betriebe die neuen Vorgaben umgesetzt haben.

 

(Foto: Rauchende Jungs 1915; Lewis HineYgGzA3zf2rznUQ at Google Cultural Institute)