Omikron kommt – ein Weckruf

15. Dezember 2021

Der OB-Bericht zur Coronalage in unserer Stadt war in der heutigen Ratssitzung wieder bloß eine Aneinanderreihung von Corona-Zahlen und mit blitzenden Augen die Erkenntnis, die 7-Tages-Inzidenz sei ja „inzwischen noch“ bei 2XX statt 3XX vor einigen Tagen.

Schließlich kam vollends der Lehrer durch: Die Öffnung des Weihnachtsmarktes in Lingen sei die einzig richtige Entscheidung gewesen, sagte OB Krone. Und der Vorsitzende der CDU-Gruppe* Uwe Hilling stellte klar, er gehe deshalb nicht zum Weihnachtsmarkt, weil er keinen Glühwein möge, aaaber wer hingehe… und dann sprach er von dessen Eigenverantwortung. Zuvor hatte ich auf die Zwiespältigkeit Hillings hingewiesen, selbst nicht hinzugehen, aber den Weihnachtsmarkt zu veranstalten. Meine Aufforderung FFP2-Kindermasken den Schülerinnen und Schülern zur Verfügung zu stellen, die aus armen Haushalten kämen und sie sich nicht leisten könnten, konterte der CDU-Mann mit dem Vorschlag auf die heutige Aufwandsentschädigung zu verzichten und dafür FFP2-Masken für Kinder zu kaufen (wurde natürlich einstimmig angenommen!), während OB Krone dann doch noch ankündigte, man habe „immer“ unbürokratisch und werde das jetzt auch tun und sehen, was man machen könne.

Zuvor hatte ich mich bei denen bedankt, die nicht auf den Weihnachtsmarkt gehen und dadurch ihren Anteil am Kampf gegen Corona leisten. Der könne nämlich nur durch Kontaktbeschränkung gewonnen werden. Von mir gab es am schlechten Management des Landkreises Kritik und die Frage, weshalb der Landkreis Emsland immer (!) zu wenig Infizierte an das RKI meldet, als es sie tatsächlich gibt. Weil Nachmeldungen und Korrekturen nicht i die Statistik eingehen, sind die Emsland-Inzidenzzahlen immer zu niedrig. Und die Korrektur der OB-Bilanz: Am Tag des Wir-machen-den Weihnachtsmarkt-Beschluss (25. Nov.) habe es in Lingen 117 Infizierte gegeben, heute aber 246. Das sei kein Beitrag zur Verbesserung. Schließlich erlaubte ich mir die Vorschau, dass Omikron uns noch richtig heftig zu schaffen machen wird. Das sei auf der ganzen Welt so und werde in Lingen nicht anders sein.

Später las ich dann zuhause Dirk Paesslers Blogbeitrag „Omikron kommt – ein Weckruf in 15 Folien“ und seine weckende Einleitung: In Medien liest man jetzt täglich von fallender Inzidenz. Kaum einer schreibt dazu, dass das bald zu Ende sein wird mit dem Sinken. Und dann geb ich hier Paesslers-15-Folien mal weiter nebst seiner Einschätzung: Der Peak von Delta liegt hinter uns, aber Omikron ist keine Welle, sondern eine Wand

Kurzum: Den Weihnachtsmarkt und andere Kontakte solltet Ihr besser lassen, lest bitte mal und bleibt gesund:

(Link zum PDF am Schluss)


*ps:
Hier muss absolut klar sein, wie richtig recht der FDP-Vorsitzende Dirk Meyer redet, wenn er dieses Blog deshalb kritisierte, weil hier stets von CDU-Gruppe die Rede ist. Ich solle das richtig stellen, was hiermit geschieht. Wenn man aber -wie die FDP- inhaltlich nichts Gutes zu der CDU-Gruppe beizutragen hat, beschränke ich mich auf das, was sichtbar ist: Die CDU-Gruppe, wie gestern im Verwaltungsausschuss, der wieder ohne FDP stattfand. Hat aber keiner vermisst…

11 freie

26. November 2021

Update:

Der Lingener Stadtrat hat es gestern mit 26 zu 11 zu 1 Stimmen abgelehnt, den Lingener Weihnachtsmarkt abzusagen, die Absage mit den Nachbarstädten zu koordinieren und den betroffenen Marktbeschickern eine Entschädigung zu zahlen. Sicher, die Absage wäre spät gekommen, weil CDU und SPD vor 10 Tagen nicht wollten, aber sie wäre allemal früh genug gewesen, um weitere Corona-Opfer in unserer Stadt Lingen (Ems) zu verhindern. Das Nein gegen die Absage ist also eine ausgesprochen schlechte Entscheidung.

Dazu drei persönliche Anmerkungen:

  1. Als  in der gestrigen Ratssitzung über die Absage des Weihnachtsmarktes in Lingen debattiert  wurde, kam die dümmste Aussage gegen den Absage-Antrag von OB Krone: Würde man den Lingener Weihnachtsmarkt absagen, sagte er, würde die Infektionsgefahr deshalb größer, weil Lingener dann auf die Weihnachtsmärkte nach Nordhorn und Meppen führen. Das macht das Niveau der gestrigen Hintertür-Debatte deutlich. Hintertür-Debatte deshalb, weil alle Debattenredner sagten, wenn es schlimmer werde, müsse und werde man reagieren. Leute, es kann nicht schlimmer werden. Es kann und wird bis dahin nur mehr Opfer geben.
  2. Persönlich bin besonders enttäuscht über das Verhalten der SPD-Stadtratsmitglieder. Deren Vorsitzender Andreas Kröger und (!) seine Stellvertreterin Sandra Primke hatten Dienstagabend vorbehaltlos (!) zugestimmt, den Antrag einzubringen, den Weihnachtsmarkt abzusagen. Die an dem interfraktionellen Treffen der Minderheitsfraktionen teilnehmenden Grünen sagten, sie wollten in der Fraktionssitzung am selben Abend noch einmal darüber sprechen. Die Führung der SPD hatte keinen derartigen Vorbehalt und Grüne wie SPD beauftragten mich, den Dringlichkeitsantrag im Rahmen aller drei Minderheitsfraktionen zu formulieren und zu stellen. Diesen Auftrag habe ich dann am späten Dienstagabend erfüllt, nachdem ich vom Vorsitzenden der Grünen, Heiner Rehnen,-wie sagt man – „grünes Licht“ dafür bekommen hatte: „Wir tragen das mit, wir wollen das auch.“ SPD-Kröger teilte mir erst anderntags am Mittag mit, er müsse das alles noch mit seiner Fraktion besprechen. Er könne die Zusage nicht aufrecht erhalten. Offenbar kann er für seine Fraktion nicht verbindlich sprechen. Das ist bedauerlich…
  3. Diejenigen, die den Weihnachtsmarkt durchführen wollen und dafür gestimmt haben -die Öffnung wird sicher nur wenige Tage gut gehen- haben schwere Verantwortung auf sich geladen. Es wird durch den Weihnachtsmarkt neue CoVid-Infektionen geben, Long-CoVid und auch Tote – was mich besonders belastet.
    Im ganzen Emsland mit seinen 330.000 Einwohnern gab es gestern übrigens nur 11 (in Worten: elf) freie Intensivbetten in den Krankenhäusern. Insgesamt sind es 66 Intensivbetten und damit rund 30 weniger als vor einem Jahr. Die Intensivbetten werden nicht nur für Corona-Patienten gebraucht sondern für alle mit lebensbedrogenden Krankheiten und nach OPs aller Art. Jetzt aber werden sie mit Coronapatienten belegt und für andere werden Sie nicht mehr zur Verfügung stehen – weil wir Glühwein trinken und Bratwurst essen wollen.Das ist populistisch, aber nicht verantwortlich.

Meine Bitte: Passt auf euch auf und trinkt den Glühwein zuhause.

 

Absagen!

24. November 2021

Morgen tritt um 16 Uhr der Rat unserer Stadt in der Halle IV zusammen. Gemeinsam haben dafür am gestrigen Abend die SPD-Ratsmitglieder, die Fraktion Grüne-FWL und die BürgerNahen den Dringlichkeitsantrag gestellt, den bevorstehenden Weihnachtsmarkt abzusagen. Das ist zwar zeitlich knapp – weil in der vergangenen Woche die CDU und SPD noch nicht zu einer Absage bereit waren. Aber knapp ist immer noch besser als angesichts der dramatischen Inzidenzzahlen die Hände in den Schoß zu legen und zu hoffen, es werde schon irgendwie schon gut gehen. Zu erwarten ist nämlich, dass gar nichts gut gehen wird, weil alkoholisierte Glühweintrinker auf dem nicht abgegrenzten Weihnachtsmarkt nicht zu kontrollieren sind und auch die Abstände nicht einhalten werden. Zun Vergleich: Bei der Fußball-EM infizierten sich im Sommer etwa ein Siebtel der Zuschauer der Habfinal- und Finalspiele in London mit Corona…

Der gemeinsame Antrag der drei Fraktionen lautet im Wortlaut:

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister
oder Vertreter im Amt,

im Namen der Fraktionen von SPD, Bündnis’90/DieGrünen-FWL und „Die BürgerNahen“ wird beantragt, den Tagesordnungspunkt

„Vorsorge vor CoViD-19-Infektionen in der Stadt durch Absage des Weihnachtsmarkts 2021“

auf die Tagesordnung der Ratssitzung am 25. November zu nehmen und zwar als Punkt 6; die anderen Punkte verschieben sich entsprechend..

1) Der Antrag ist ein Dringlichkeitsantrag im Sinne von § 8 der Geschäftsordnung des Rates.

Dringlich ist er, weil im Gegensatz zu zahlreichen anderen Bundesländern heute die Niedersächsische Landesregierung die Durchführung von Weihnachtsmärkten trotz stark zunehmender CoViD-19-Infektionszahlen und Inzidenzen nicht in ihrer aktualisierten Corona-Verordnung untersagt hat. Der Lingener Weihnachtsmarkt soll am Tage der Ratssitzung beginnen, bis zur nächsten Verwaltungsausschuss- oder Ratssitzung Mitte Dezember kann nicht gewartet werden, weil die Einwohnerinnen und Einwohner unverzüglich geschützt werden müssen und daher nicht abgewartet werden kann.

2) In der Sache wird beantragt:
1. Der Weihnachtsmarkt 2021 in der Stadt Lingen (Ems) wird nicht durchgeführt und mit sofortiger Wirkung abgesagt.
2. Die Verwaltung wird beauftragt, mit den benachbarten Städten und Gemeinden ein gleichartiges Vorgehen zu erreichen sowie
im Einvernehmen mit dem LWT für die betroffenen Marktbeschicker eine Entschädigungsregelung vorzubereiten.

In der Sache verlangt der Schutz ungeimpfter Kinder und der vulnerablen Personengruppen in unserer Stadt die Absage des Lingener Weihnachtsmarkts, der unter der Verantwortung der Stadt Lingen (Ems) und des LWT veranstaltet wird. Angesichts der exponentiell steigenden Infektionszahlen und der zahlenmäßig deutlich zunehmenden sog. Impfdurchbrüche und der in der Folge zwingend bevorstehenden Inanspruchnahme von Krankenhäusern und ihren Intensivstationen und einer Sterblichkeit von rd. 1 % der Infizierten ist die Durchführung des Weihnachtsmarktes mit seinen Alkohol- und Verzehrbereichen nicht mehr verantwortbar. Sog. Auffrischungsimpfungen können den Impfdurchbrüchen zwar entgegenwirken; diese Boosterimpfungen erfolgen aber bisher nur zögerlich und zahlenmäßig unzureichend. Der Weihnachtsmarkt geht außerdem mit starkem Alkoholkonsum einher und läuft schon deshalb manifest Gefahr, sich zu einem sog „Superspreader-Event“ zu entwickeln. Dadurch werden vor allem ungeimpfte Kinder und andere vulnerable Personenkreise in der Stadt und dem Umland mittelbar gefährdet.

Das ist unvertretbar. Die späte, aber kurzfristig mögliche Absage schützt die Menschen in Lingen (Ems) und dem Umland vor exponentiell verlaufenden Infektionszahlen in den nächsten Wochen. Sie ist nicht aufschiebbar. Maßnahmen wie 2G oder -bekanntlich unzuverlässige- Schnelltestungen schützen nicht im bekannten Maße. Wir feiern auch gern, aber die Absage ist alternativlos.

Die Verwaltung soll im Einvernehmen mit dem LWT eine Entschädigungsregel prüfen, um betroffenenen Marktbeschickern angemessen zu helfen. Sie soll auch mit den benachbarten Städten und Gemeinden ein gleichartiges Vorgehen erreichen.

3) Der Antrag wird von allen, den Antrag stellenden Fraktionen ergänzend begründet.

Mit freundl. Grüßen

Die Fraktionen von SPD, Bündnis’90/DieGrünen-FWL und „Die BürgerNahen“
im Rat der Stadt Lingen (Ems)
iV Robert Koop, Vors. der Fraktion „Die BürgerNahen“

In den sozialen Medien hat es heute teilweise wütende Kritik an dem Antrag gegeben. Die BürgerNahen haben darauf wie folgt geantwortet:

„Wir hoffen, dass alle Menschen in Lingen ein besinnliches Weihnachtsfest feiern können, erst im neuen Jahr werden viele ihre Booster-Ipfung bekommen und Kinder unter 12 können geimpft werden.
Bis alle Menscen in Lingen ausreichend geschützt sind, soll auch der zentrale Weihnachtsmart in Lingen abgesagt werden. Zusammen mt den Ratsmitglieder von SPD und Grünen/FWL sehen wir zum aktuellen Zeitpunkt keine andere Möglichkeit alle Lingenerinnen und Lingener ausreichend zu schützen.“

So ist es.

 

 

Livestream

22. September 2021

Vor einer Woche gab es in Münster eine Premiere. Erstmals wurde die Sitzung des Rates  live im Internet ausgestrahlt. Unter der Adresse www.stadt-muenster.de/ratssitzung-live war es ab ca. 16:15 Uhr möglich, die Sitzung von stationären PCs oder über mobile Endgeräte zu verfolgen. Die dafür notwendige Änderung der Geschäftsordnung hatte der vor einem Jahr gewählte Münsteraner Rat im Vorfeld beschlossen. Auch künftige Ratssitzungen sollen auf diesem Weg ausgestrahlt werden.

Gleich zu Beginn befasste sich der 67köpfige Rat in der “Aktuellen Stunde” auf Antrag der Linken-Fraktion mit dem Neubau der zweiten städtischen Gesamtschule, der sich seit geraumer Zeit verzögert, so dass für einen Teil der Schülerschaft zu Beginn des Schuljahres 2022 Ersatzlösungen gefunden werden müssen.

Ein weiterer Tagesordnungspunkt ist die Versorgung der Stadt mit dem neuen 5G-Mobilfunkstandard. Im Zuge einer Selbstverpflichtung galten in Münster beim Mobilfunkausbau bislang Grenzwerte weit unterhalb der Vorgaben des Bundes-Immissionsschutzgesetzes für elektromagnetische Felder. Die fortgesetzte Einhaltung dieser freiwillig verschärften Grenzwerte ist aus Sicht des städtischen IT-Dienstleisters Citeq beim 5G-Ausbau nur mit unverhältnismäßigem Aufwand darstellbar. Deshalb plädiert die Citeq dafür, dass für den 5G-Ausbau künftig nur noch die Vorgaben des Bundes-Immissionschutzgesetzes gelten sollen und legt dem Rat einen entsprechenden Beschlussvorschlag zur Abstimmung vor.

Auch die Stadtfinanzen Münsters waren Thema und natürlich weitere Schritte beim Ausbau des Preußenstadions. Der Vorschlag, den die Verwaltung zur Abstimmung stellt, ist sieht im nächsten Schritt den Rückbau der Westtribüne sowie die Herrichtung eines hierfür notwendigen provisorischen Gästesektors auf der Nordtribüne vor – alles in enger Abstimmung mit dem SC Preußen Münster.

Insgesamt war es ein großes Streaming-Ereignis, zum ersten Mal überhaupt die Diskussionen im Stadtrat zuhause am Bildschirm mitzuverfolgen. Die Stadt hatt,e berichtet die Internetplattform „Rums“ , sehr professionell aufgezogen, Bild- und Tonqualität waren hervorragend. Mehrere Kameras waren am Tagungsort Halle Münsterland verteilt, wo die Ratssitzung coronabedingt stattfand. Eine davon war auf das Pult des Oberbürgermeisters gerichtet, der auch Erklärungen für die Menschen einschob, die sich digital zugeschaltet und vorher vielleicht noch nie eine Ratssitzung erlebt hatten. Zwei weitere Kameras holten die Ratsmitglieder in die Nahansicht, die gerade das Wort hatten. Dazu wurden Name und Partei eingeblendet. Und wer genau hinschaute, „konnte auch erspähen, ob die Politiker:innen zwischendurch lieber Obst, Sandwich oder Gummibärchen“ aßen (Rums).

Pünktlich um 20:15 Uhr verabschiedete OB Markus Lewe alle virtuell und vor Ort anwesenden Gäste. Der öffentliche Teil der Sitzung hatte damit weniger als vier Stunden gedauert, nicht schlecht für eine Tagesordnung mit 60 Haupt- und noch mehr Unterpunkten.

In Lingen wird es Aufgabe des neu gewählten Stadtrates sein, aus den Ratssitzungen ebenfalls Livestreams zu präsntieren.

(Quellen: PM, Rums)

Gestern tagte der Lingener Stadtrat. Auf der Tagesordnung stand ein Antrag der FDP, die Bernd-Rosemeyer-Straße in Fredy-Markreich-Straße umzubenennen. Das Überraschende war für mich die Nachricht, dass der Antrag nach kurzer Begründung durch den FDP-Vertreter Dirk Meyer ohne jede  Diskussion in den „zuständigen Kulturausschuss“ verwiesen worden sei. Versucht etwa unsere Ratsvertretung -vorneweg die CDU-Mehrheit-  da über die Runden zu kommen, bis die Kommunalwahl am 12. September gelaufen ist? Für mich liegt das nahe.

Denn zu verweisen sind nach der Geschäftsordnung des Rates nur

„…Anträge, deren Verwirklichung eine sachliche und fachliche Überprüfung oder die Bereitstellung von Mitteln erfordern“

Beides ist nicht der Fall. Die Mittel für neue Straßenschilder stehen nämlich im Haushalt, brauchen also nicht eigens bereit gestellt zu werden. Auch „sachlich“ war die Umbenennung nicht zu überprüfen. Es geht nämlich um nichts anderes als die Frage, wie unsere Stadt mit ihrer Geschichte und der Verstrickung in den NS-Staat umgeht. Darüber diskutieren wir seit Jahrzehnten in der Stadt und in den städtischen Gremien. Nichts muss da „fachlich“ überprüft werden.

Enttäuscht bin ich auch von allen Ratsfraktionen, die die -so die Geschäftsordnung- Möglichkeit zur einmaligen Stellungnahme nicht nutzten; der Rat hat auch keine Aussprache beschlossen, was zusätzlich möglich war. Das Thema wäre es -weiß Gott!- wert gewesen. Denn es berührt die  Zivilgesellschaft in unserem Lingen fundamental.

Heute habe ich als meine Reaktion die Petition unterzeichnet, die für die Umbenennung Unterschriften sammelt. Zur Begründung habe ich Mitstreiter Christoph Frilling zitiert:

„Die NS-Propaganda war insgesamt verbrecherisch, ohne sie wären Nationalsozialismus und Holocaust nicht möglich gewesen. Wer sich an ihr beteiligte, war ein Täter der Propaganda. Der Name eines solchen Täters hat im Stadtbild Lingens nichts zu suchen.“ Der eines Opfers schon.

Mehr zur Petition…

Nachsatz:
Wenn die Leserschaft dieses kleinen Blogs fragen sollte, warum ich als Ratsmitglied, das ich noch bin, nichts gesagt habe: Leider konnte ich an der gestrigen Sitzung nicht teilnehmen. Meine Corona-WarnApp hat mir einen roten Strich durch die Rechnung gemacht. Das ärgert mich besonders, weil doppelt. Ich hoffe allerdings, an der Sitzung des Kulturausschusses am 10. Juni teilnehmen zu können, wenn der Antrag dort behandelt wird (16 Uhr, Halle IV). Die Umbenennung kann dann in der nächsten Ratssitzung am 24. Juni debattiert und entschieden werden.

Foto unten:  Fredy Markreich

 

Vorkehrungen

22. November 2011

Heute in der Ratspost:

Sehr geehrte Damen und Herren, 
für die morgige Ratssitzung haben sich neben der Lingener Tagespost auch die Ems-Vechte-Welle und ev1.tv angemeldet. Die Redakteure werden jeweils Ton- bzw. Bildaufnahmen während der Sitzung machen. Ich bitte Sie, dafür die entsprechenden Vorkehrungen zu treffen.

Mit freundlichen Grüßen
Rebekka GXXX

Pressereferat
Stadt Lingen (Ems)
Oberbürgermeisterbüro
Elisabethstr. 14-16
49808 Lingen (Ems)

Geschäftsordnung

19. Dezember 2009

Meist geht es ja in den Lingener Ratssitzungen eher ruhig bis jovial zu. Die Mehrheitsverhältnisse sind klar, weshalb besagte Mehrheit auch meistens schweigt und einstimmig die Vorschläge der Verwaltung absegnet. Die Ratskollegen der SPD verlassen sich auf die Beiträge ihres Fraktionschefs Hajo Wiedorn, die der FDP auf die ihres Chefs Jens Beeck und die beiden Grünen wechseln sich ab.
Die Ratssitzung am letzten Donnerstag hatte aber -neben dem traditionellen Nikolaus-Auftritt- zwei Anträge zu beraten, die eigentlich politischen Zunder versprachen. Einmal hatte  die CDU einen Antrag zur Förderung von Studentenwohnungen vorgelegt (eher einen Antrag, dass die Verwaltung ein solches Programm erarbeiten soll; die CDU traut sich eben selbst nicht so). Außerdem forderte ein Antrag der Grünen die Kommunalisierung des Stromnetzes. Trotz reichlich Arbeitsstress hatte ich mich auf eine längere Sitzung und eine flotte Debatte gefreut. Wie denn  auch soll man es verstehen, wenn vor vier, fünf Jahren noch vollständig renovierten Scharnhorst-Kasernen grundlos abgerissen werden, wo doch dort Hunderte von Studenten zu einem Spottpreis wohnen könnten und in der Folge jetzt Lingener öffentliche Gelder dafür  bekommen sollen, dass sie viel teueren Wohnraum für Studenten schaffen? Die künftige Entwicklung der Stadtwerke Lingen – mit oder ohne Beteiligung des RWE-Konzerns –  war der noch wichtigere Tagesordnungspunkt. Also zum Jahresausklang hätte es eine Sternstunde kommunaler Politik werden können. Seit einigen Jahren allerdings gibt es in de Geschäftsordnung des Rates diesen § 5 Absatz 2:

Anträge, deren Verwirklichung eine sachliche und fachliche Überprüfung oder die Bereitstellung von Mitteln erfordern, sind in den zuständigen Fachausschüssen vorzuberaten. Ist eine Vorberatung noch nicht erfolgt, haben die Fraktionen oder Gruppen, die den Antrag nicht gestellt haben, die Möglichkeit zur einmaligen Stellungnahme. Danach verweist der Rat diese Anträge an den zuständigen Fachausschuss, es ei denn, dass der Rat mit Mehrheit eine Aussprache beschließt.

Auf beide Anträge traf dies zu und so nahm das Schicksal seinen Lauf. Ich bin ja bislang weder Fraktion noch Gruppe, vielmehr bin ich „einzig“ ;-). Abgesehen davon, dass ich schon deshalb Zweifel haben muss, ob nicht auch ein Einzelkämpfer wie ich zu solchen Anträgen Stellung nehmen können muss -meist mogel ich mich etwas dazwischen-  war jeweils mit einer kurzen Bemerkung des Ratsvorsitzenden, der Antrag werde an den zuständigen Ausschuss verwiesen, das „Thema durch“. Sollte vielleicht die vorweihnachtliche Stimmung nicht durch zu viel Politik gestört werden?

Das Resultat: Beraten und diskutiert werden beide Anträge jetzt  hinter verschlossenen Türen, im nicht-öffentlich tagenden Verwaltungsausschuss des Rates. Dort wird das beschlossen, was zuvor hinter noch verschlosseneren Türen die CDU in ihrer montäglichen Fraktionssitzung entschieden hat und dort wiederum wird meist das abgesegnet, was hinter gar nicht erst zu öffnenden Türen das Küchenkabinett von OB Heiner Pott im Rathaus ausgeklüngelt hat. Erst im kommenden Jahr irgendwann kommt das Ergebnis zu Studentenwohnungen und Stadtwerke in den Rat zurück, also wenn alles entschieden ist. Dort wird es anschließend ein reines Schaulaufen der Sieger geben und Tags darauf einen knappen Bericht mit einem wohlwollend-jubelnden Kommentar in der Lokalpresse.
Das ist die Realität kommunaler Demokratie in Lingen, letztlich also ein Ausdruck mehrheitlicher Schwäche, die eigenen Positionen offen darzustellen und im Dialog mit anderen eine bessere Entscheidung zu erarbeiten. Die Sitzung am Donnerstag jedenfalls war nach 45 Minuten zu Ende, und ich durfte -wenn auch etwas gefrustet-  wieder an meinen Schreibtisch zurück.
(Grafik: © Stadt Lingen(Ems))