Autoverkehrsplanung

6. Januar 2021

 

Foto 1

Foto 4

Aufmerksame Leser*innen dieses kleinen Blogs werden sich an die notwendige Debatte um einen sicheren Weg für Radfahrer über die Möddelbrücke im Stadtteil Darme erinnern. Die fanden sich im Gegenverkehr auf einer einspurigen Brücke wieder.

Alle Schülerinnen und Schüler mussten sie erst passieren, wenn sie mit dem Rad aus der Siedlung am Pumpenkolk zur Grundschule nach Darme fahren wollen; einige fahren die Strecke auch Richtung Friedensschule am Kiesbergwald.

Selbst ein aufgesprühtes Fahrradzeichen auf der Brückenfahrbahn brauchte hartnäckige Hinweise des Blogbetreibers darauf, dass das Aufbringen doch wirklich nur ganz kleines Geld koste, bevor es dann doch noch kam. Nun ist die Brück neu geteert und neu bemalt (Foto 1), und es ist -nach viel Empörung- an der Ostseite der Brücke an der Einmündung Schüttorfer Straße eine Ampelanlage entstanden. Sie wird zwar nicht wirklich gebraucht und entspricht auch nicht den internen Richtlinien – aber dem Wunsch des Darmer Ortsbürgermeisters, nachdem ihn die betroffenen Einwohner zur Rede gestellt hatten, und da wird dann manches möglich, was andernorts nicht geht.

Ein moderner, für Radfahrende sicherer Kreisverkehr nach holländischem Vorbild hätte es jedenfalls  auch getan und dies auch noch stromlos und wartungsvertragsfrei, doch so müssen künftig eben die Radfahrenden an der Ampel  stoppen und mehrfach einen Ampelknopf drücken, damit es für sie mit Grün weitergeht.

Wie sehr die Neugestaltung ein reines Autofahrerplanung ist, wird auch noch an anderer Stelle deutlich: Überqueren nämlich Radfahrer, besonders radfahrende Schulkinder die Möddelbrücke
auf ihrem Weg nach Hause müssen sie jenseits des Kanals am
Beginn der Straße Zwischen den Brücken sehen, wo sie bleiben.
Um auf den einzigen Radweg (4)

Foto 2

Foto 3

zu fahren, müssen sie die Straße
queren. Der Radweg verläuft entlang der Gegenfahrbahn und ist für Radfahrerbegegnungsverkehr viel zu schmal. Und im Winter alles bei ziemlicher Dunkelheit. Beleuchtet ist da gegenwärtig fast nichts.

Der viel besser möglichen Fahrt auf dem Premiumradweg am Ostufer des Dortmund-Ems-Kanals in Richtung Norden zum Pumpenkolk steht ein Querfeldein-Radfahren durch Wühlsand entgegen (2); zunächst müssten die Schulkinder nämlich die Straße Zwischen den Brücken nach rechts durch den Wühlsand verlassen und ihr Gefährt zweckmäßigerweise schieben; radfahren geht nämlich nicht. Oder sie entschließen sich zur Fahrt im Dunkeln auf der schmalen und nur auf dem Foto (3) wenig befahrenen Zwischen-den-Brücken-Straße. Oder sie kurven quer durch den Gegenverkehr erst eimal auf den Alibi-Radweg.

Kurzum: Einmal mehr sehen wir eine Autofahrer- und keiner Radfahrerplanung.

Noch dies:
Weil vor Jahrhunderten der Bischof von Irgendwoher diesen Teil unserer Stadt zum Dorf Darme schlug, können die Grundschulkinder aus dem Pumpenkolk heute nicht etwa zur Schepsdorfer Schule radeln oder zur Castell- oder Paul-Gerhard-Schule. Ihre Pflichtschule heißt vielmehr Grundschule Darme mit all ihren Gefahrenpunkten, die es auf dem langen Schulweg gibt. Denn in diesem Bereich die Schulbezirke sinnvoll neu zu schneiden ist ein hoffnungsloses Unterfangen. Auch da ist nämlich der Darmer Ortsbürgermeister vor, der jeden Quadratzentimeter bischöflich-katholischen Terrains seines Ortsteils mit Zähnen und Klauen verteidigt; die Schulkinder jedenfalls spielen für ihn offenbar nur eine untergeordnete Rolle.

Fotos: Möddelbrücke, Ostseite CC RobertsBlog

vergammelte

18. November 2020

Radfahrer sind in unserer Stadt nur akzeptiert, wenn sie sich mit dem bescheiden, was ihnen die Protagonisten des Autoverkehrs gönnen. Bei jedem kleinen und kleinsten Schritt zur Verbesserung des Radverkehrs muss daher gegen die Autofahrerlobby im Stadtrat angetreten werden. Die findet ihren Platz in der CDU-Ratsmehrheit ebenso wie in den Kreisen der SPD – von der Stadtverwaltung ganz zu schweigen. So zeigt sich schnell, wie wahr doch der Satz ist von dem Fortschritt, der eine Schnecke ist.

Gleichzeitig geschieht nicht viel, um die bestehenden Radwege zu erhalten. Es gibt dafür ein neues aktuelles Beispiel: Die  Fußgänger- und Radfahrerbrücke, die von der Straße Kokenmühle hinüber zum hist. Wasserturm und zur Schwedenschanze führt bzw.  zur Rheiner Straße abzweigt. Abgesehen davon, dass sie die Radfahrer sowohl auf der Schwedenschanze wie der Rheiner Straße auf die für sie falsche, linke Straßenseite führt, ist sie -zurückhaltend formuliert, in einem schlechten Zustand; deutlicher gesagt, ist ihr Zustand jämmerlich.

Dies Erkenntnis habe ich jetzt zum Anlass genommen, die Brücke genau zu inspizieren und dabei auf dieser Brücke die Kaputtleuchten zu zählen, die den städtischen Verantwortlichen seit Monaten nicht aufgefallen sind. Ergebnis: Insgesamt sind auf der kurzen Brücke aktuell 17 (!) kaputte Leuchten, die zuletzt vor 40 Jahren gestrichen wurden. Ich habe sie einzeln mit Paketband (gibt’s günstig bei Obi) kenntlich gemacht, um so für die  Reparatur etwas behilflich zu sein und zwar so: Ein Paketband eine kaputte Leuchte, zwei Paketbänder zwei kaputte Leuchten

Den schmierigen Dreck und die kaputte Fahrbahn habe ich nicht markiert, weil ich annehme, dass die Verantwortlichen das auch ohne Paketband sehen (können).

Jetzt bin ich gespannt, wie schnell es mit der Reparatur geht und wie lange es braucht, damit die Dinge auch sonst wieder in Ordnung gebracht werden. Zum Beispiel wäre es doch mehr als notwendig, wenn die vielfachst ausgebesserte Brückenfahrbahn wieder neu asphaltiert wird. Und wenn die Stadt schon dabei ist, sollte man die Abfahrten von der Brücke bitte so gestalten, dass man nicht links in der Schwedenschanze und links auf der Rheiner Straße landet.

Während übrigens jeden Tag hunderte Radfahrer- und Fußgänger diese vergammelnde Brücke im Stadtzentrum benutzen, entsteht gerade für Hunderttausende Euro eine Beleuchtung der alten B 70 zwischen der Altenlingener Kanalbrücke und dem Ortsteil Holthausen/Biene, damit die dort nicht sehr zahlreichen Radfahrer in StVO-widrig kurzer Distanz  zu den vorbeirasenden Kfz Licht von oben haben. Diese Beleuchtung kann man natürlich bauen, sie liegt aber angesichts des schlechten Zustandes der sonstigen Radwege in unserer Stadt so etwa an 300. Stelle der Prioritätenliste.

Dass die Schwedenschanze-Brücke vergammelt und stattdessen die Alte-B-70-Beleuchtung entsteht, liegt daran, dass sich die Ortsbürgermeister dieser Stadt auf die Alte-B-70-Beleuchtung geeinigt haben und dabei weder das Stadtzentrum noch die Stroot angehört wurden. Beide Stadtteile haben nämlich keinen solchen Ortsbürgermeister (m/w/d), der vielleicht auf die Schwedenschanze-Brücke hätte hinweisen können, die es viel nötiger hat. OrtsbürgermeisterInnen im alten Stadtgebiet durch neue Ortsräte zu ermöglichen, lehnt die CDU-Mehrheit nämlich ab; das ist einfach so, weil sie nicht riskieren möchte, einmal einen Ortsbürgermeister (m/w/d)  ohne CDU-Parteibuch zu bekommen. Übrigens, der sich  parteilos gebende, tatsächlich aber mehr als CDU-nahe Oberbürgermeister unserer Stadt will das auch nicht.

Also wird es wohl auch noch länger dauern, bis sich auf der Fußgänger- und Radfahrerbrücke Schwedenschanze wirklich etwas Substantielles tut oder auch beispielsweise 100m weiter an der Schwedenschanze, wo der rechte Radweg nach einer Mehrfamilienhaus-Baustelle kaputt fahren ist und bei Regenwetter nasse Füße garantiert.

(Fotos: privat)

 

und Tod

6. August 2020

Quelle

Fahrradklima

22. Mai 2017

Lingen - Radweg am DEK-.jpg

Eine deutliche Niederlage hat der jüngste Fahrradklimatest des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) dem Hamburger Senat beschert: Auf Platz 31 von 39 deutschen Großstädten über 200.000 Einwohner ist die Hansestadt in puncto Fahrradkomfort und -sicherheit im Herbst 2016 gelandet. Und wäre nicht die Aufstockung der Leihfahrräder in die Wertung eingegangen, hätte Hamburg auf Platz 34 gelegen – beim Fahrradklimatest 2014 war es Platz 35.

Woran es hakt? Vor allem am Zustand der Radwege und am Sicherheitsgefühl; das geht aus der Beantwortung der 27 Fragen hervor, die mit Schulnoten zwischen eins (sehr gut) und sechs (ungenügend) bewertet wurden. Eine schwache 4,7 haben die Sicherheit sowie das Fahren auf Radwegen und -schutzstreifen trotz neuer, auf den Fahrbahnen verlaufenden Velorouten. Die aber, sagt ADFC-Sprecher Dirk Lau, seien zu schmal. Sie müssten nämlich drei Meter breit sein und 1,50 Meter Überholabstand für Autos ermöglichen, damit die nicht eng am Radler vorbeipreschen müssten.

In Lingen meint man, es sei eine gute Lösung, Radfahrer auch auf den Fahrbahnen der vielbefahrenen Innenstadtstraßen zuzulassen, sofern diese wollen. Das sei eine Frage der Gleichberechtigung. Ich frage mich, ob beispielsweise 12jährige so etwas „wollen“ und wie sicher es dann für sie ist. Oder anders: Wir erlauben uns ein gefährliches Experiment und es ist eine wirkliche Schnapsidee; davon bin ich überzeugt. Sie wird zu schweren Unfällen führen.

Bei den Städten ab 50.000 Einwohner belegt in der ADFC-Befragung Lingens Nachbarstadt Nordhorn bundesweit Platz 2 mit 2,6 Punkten (hinter Bocholt) und unser Lingen landete mit nur mäßigen 3,5 Punkten auf Rang 14. Allerdings haben in unserem Städtchen fast doppelt so viele Interviews stattgefunden als in der Nachbarstadt: 164 statt 83. Dies wirft doch Zweifel a la Roggendorf nach der Vergleichbarkeit der Resultate auf. Ein Stimmungstext eben…

—-
Der ADFC-Stimmungstest
An dem bundesweiten ADFC-Fahrradklima-Test im Herbst 2016 nahmen über 120.000 Viel- und Gelgenheitsradler in 539 Städten teil – 15 Prozent mehr als beim letzten Test 2014. Ähnliche Fahrradklima-Tests gab es 1988, 1991, 2003, 2005 und 2012. Bundesweit fahrradfreundlichste Stadt ist, fast möchte ich sagen: natürlich- Münster, gefolgt von Karlsruhe und Freiburg im Breisgau.
Auf den Plätzen vier bis sieben liegen Bremen, Hannover, Kiel und Braunschweig mit Noten zwischen 3,51 und 3,67. Lübeck liegt mit Note 4,04 auf Platz 20, Hamburg ist mit 4,19 Platz 31 klares Schlusslicht im Norden.

(Quelle: taz; Foto: Radweg am Dortmund-Ems-Kanal © milanpaul)

angesprochen

22. Mai 2013

Die allgemeine Hysterie feiert weiter fröhliche Urstände: Seit heute morgen informiert uns die Ems-Vechte-Welle über dieses dramatische Geschehen:

Kindergruppe von unbekannten Radfahrern angesprochen

22.05.2013 09:36 Uhr

Papenburg – Am Freitagabend wurde eine Kindergruppe von bislang unbekannten Radfahrer angesprochen. Gegen 19.00 Uhr sprachen die vier Radfahrer die Kinder am Buswartehäuschen Waldstraße/ EckeHeuweg an. Die Radfahrer waren offensichtlich angetrunken, die Kinder liefen daraufhin weg. Beschrieben werden die vier Unbekannten als dunkel gekleidet. Sie entfernten sich anschließend in unbekannte Richtung. Zeugen, die Hinweise zu dem Vorfall geben können, werden gebeten sich zu melden.

Grundlage des ebenso flammenden wie sinnfreien Fahndungsappells ist eine Pressemitteilung der Polizeiinspektion Emsland-Grafschaft Bentheim. Seit ich durchs südliche Emsland fahrend die Meldung auf UKW 95,6 gehört habe, frage ich mich, ob da vielleicht einige Zeitgenossen zu heiß gebadet haben.