vuurwerkramp

14. Mai 2010

Vor genau zehn Jahren zerstörte eine Explosionskatastrophe im benachbarten Enschede ein ganzes Stadtviertel. 23 Menschen starben und rund 1000 wurden verletzt. Gestern am Donnerstag gedachten die Einwohner Enschedes der Opfer. Genau um 15.25 Uhr begannen die Glocken aller Kirchen zu läuten. Um diese Zeit hatte am 13. Mai 2000 die erste Explosion in der Feuerwerk-Fabrik S.E. Fireworks das direkt nördlich der Innenstadt gelegene Stadtviertel Roombeek erschüttert. Danach war ein flammendes Inferno ausgebrochen. Hunderte Kilo von Feuerwerkskörpern flogen in die Luft, fast der gesamte Stadtteil brannte nieder.

Bei einer  Gedenkveranstaltung am Ort der Katastrophe sagte Enschedes Bürgermeister Peter den Oudsten (Foto lks.) vor mehr als Tausend Menschen, dass ,,jeder in Enschede hofft, dass das Rätsel um die Ursache der Katastrophe endlich gelöst wird“.  Er verwies auf neue Untersuchungen der Staatsanwaltschaft und der Polizei, die die Ursachen klären soll. Neue Zeugenaussagen sollen  ausgewertet werden, wonach Arbeiter der Feuerwerkfabrik  direkt vor der Explosion auf dem Firmengelände gearbeitet hätten.  Auch Wim Kok (kl. Foto), im Jahr 2000 niederländischer Ministerpräsident, war gestern nach Enschede gekommen und unterstrich: ,,Die Aussagen der neuen Zeugen klingen überzeugend“.

Am 13. Mai vor zehn Jahren wurde bei der vuurwerkramp, wie es auf Niederländisch heißt, ein ganzes Viertel zerstört. Aber es war auch ein Anfang. Nur zwei Wochen nach der Katastrophe gründeten die Betroffenen einen Verein. Sie wollten ihren völlig zerstörten Stadtteil nach ihren eigenen Vorstellungen wieder aufbauen – und ohne die „Fachleute“ in der Stadtverwaltung, die die Feuerwerkskatastrophe nach Ansicht vieler erst möglich gemacht hatten, weil sie viel schlampten, kaum kontrollierten und so eine gefährliche Feuerwerksfabrik mitten in einem Wohnviertel duldeten.

Ein Projektbüro wurde in Roombeek eröffnet, externe Berater kamen hinzu. Der bekannte niederländische Architekt Pi de Bruijn neben dem Briten Norman Foster übrigens Preisträger beim Umbau des Berliner Reichstages– wurde in die Projektleitung gewählt. „Nicht nur als Baumeister, auch als Seelenarzt”, sagte jetzt Vereinsvorsitzender Albert Vasse: „Es ging auch um unsere Gefühle.”Unter de Bruijns Leitung ließen die Anwohner ihrer Kreativität freien Lauf. Auf Informationsabenden bastelten sie mit Legosteinen und Ton, was ihnen vorschwebte. Vieles davon ist verwirklicht worden und hat das neue Roombeek zu einem Wohnviertel gemacht, das es so wohl kein zweites Mal auf der Welt gibt. 600 Millionen Euro sind in den Wiederaufbau geflossen. Das ehemalige Fabrikgelände ist zum Park geworden. Entlang vieler Straßen gleicht kein Haus dem anderen, weil jede Farbe und jede Form erlaubt war. Grün steht neben rot, rund neben eckig, klein neben groß, Holz neben Beton, 1920er Jahre neben Science-Fiction. „Wir durften viele Baunormen ignorieren”, bestätigt Vasse. Architekturpreise hat das dem Projekt gebracht und jährlich mehr als 200 geführte Besuchergruppen aus aller Welt. Übrigens waren auch zwei Architekturbüros aus Deutschland  aktiv: Peter Wilson aus Münster und Peter Hübner aus Neckartenzlingen. (mehr…)


(Quellen:  Tubantia, DerWesten.de; Fotos: © flickr.com Creative Commons oben: Elger van… unten von lks. Patrick…, , Niek ten…, chogenbo, andrevanb., Think Blink, Willem van…(2))