Petra Berning †

23. November 2015

Bildschirmfoto 2015-11-23 um 14.27.48Petra Berning ist gestorben. Sehr gern habe ich mich mit ihr unterhalten, wenn wir Innenstadtbewohner uns über den Weg liefen. Ihre Sichtweise zum Denkmalschutz („meine Lebensaufgabe“) im Allgemeinen und zu den historischen Gebäuden unserer Stadt im Besonderen habe ich nämlich sehr geschätzt. Petra Berning hat viele, viele regionale Baudenkmale vor Abriss und Modernisierungen gerettet und erhalten. Vor allem in der Grafschaft Bentheim war sie in allen Gemeinden eine gern beauftragte, hoch geschätzte Architektin. In ihrer Heimatstadt Lingen renovierte sie in den letzten Jahren die Pfarrkirche St. Jose, war sozusagen Hausarchitektin auf Schloss Herzford, und sie bewahrte ihr Elternhaus in der Lookenstraße vor der Modernisierung auf emsländische Art.

Als ich noch für die Sozialdemokratie aktiv war, wollten wir Petra Berning zur ehrenamtlichen Denkmalschutzbeauftragten in Lingen (Ems) berufen. Sie lehnte ab: „Weißt Du, dann bekomme ich keine Aufträge mehr!“ Das konnte ixh sehr gut verstehen. Unsere Einschätzung der handelnden Personen im Lingener Rathaus war identisch. Das verbindet.

Jetzt ist sie im Alter von 66 Jahren an Krebs gestorben und hat mit ihrer „Jetzt-hat-er-mich-doch-besiegt“-Todesanzeige in der Lokalzeitung noch einmal gezeigt, dass sie sich nicht unterkriegen ließ. Ich glaube, diese Anzeige ist genauso einmalig, wie es Petra war – eine starke und kluge Frau. Es ist traurig, dass sie nicht mehr lebt.

Die Trauerfeier ist am Donnerstag, 26.11. auf dem alten Friedhof.Statt Blumen bittet die Verstorbene um Spenden an die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Commerzbank Bonn IBAN DE67 700 400 700 400 700 400. Bitte als Verwendungszweck1120124X Trauerfall Petra Berning angeben.

PetraBerning

 

 

 

Haus Berning

16. Oktober 2011

Unbedingt möchte ich an diesem Wochenende noch etwas zum „Haus Berning“ schreiben. Das Gebäude am Andreasplatz ist umgestaltet worden, nach dem die Eisdiele Ende 2010 geschlossen hatte. Jetzt hat der „Lohner Landbäcker“ mit einem Café eröffnet, daneben weiterhin die Andreas-Apotheke von Apotheker Thomas Albers. Pünktlich zum 80-jährigen Umbau hat die Erbengemeinschaft Berning damit ihrem Haus das Gesicht zurückgegeben, das ihm vor einigen Jahrzehnten bei sog. Modernisierungen abhanden gekommen war. Entstanden war dadurch in den 1960er und 70er Jahren das, was im Lingener Stadtrat immer als „Frau ohne Unterleib“ bezeichnet wird und man auch an anderen Stellen im Stadtbild findet: Eine Hausfassade, die nach vermeintlich ökonomisch-optimierter Giebelmodernisierung den Charakter des Bauwerks zerstört und seine architektonische Gestaltung nurmehr aus den unveränderten Obergeschossen  erahnen lässt.

Unter der Verantwortung von Architektin Petra Berning hat das Haus Lookenstraße 12 jetzt das Gesicht wieder gefunden, das es 1931/32 anlässlich seines ersten großen Umbaus erhalten hatte. Zuvor stand hier im Bereich der 1632 abgetragenen Stadtbefestigung ein kleines eingeschossiges Haus. Malermeister Berning erneuerte dessen Außenwände und überbaute die zum Haus Lookenstraße 10 gelegene Durchfahrt. Das Haus selbst stockte er auf und zu guter Letzt  erhielt es (s)einen neuen Giebel. Die Fassade gestaltete wohl der Lingener Baumeister und Architekt Gerhard Lühn, der zwischen den beiden Weltkriegen so manches prägendes Bauwerk in Lingen und der Region gestaltet hat. Der jetzige Fassadenrückbau verzichtet auch auf die in unserer Stadt auch so beliebte Brüllwerbung. Im wahrsten Sinne des Wortes glänzt jetzt eine Messinginschrift, die man so manchem Gebäude in Lingen wünschen würde. Ein gelungener Beitrag zur Stadtgestaltung!

Biberschwanz

6. Juli 2011

 1970 hat Bernhard „Bernd“ Merswolke das Lingener Schloss Herzford erworben. Bis dahin gehörte es einer Herzog Arenberg Gesellschaft und die hatte das barocke Meisterwerk nahezu ruiniert. Der Burggraben verlandete, die Häuser versifften geradezu und 1956 wurden die beiden Torhäuser der Anlage abgerissen. Sie seien unnütz, baufällig, hieß es. Seit 40 Jahren nun baut Bernd Merswolke sein und unser Herzford wieder auf. Schritt für Schritt mit Sorgfalt und ohne öffentliche Zuschüsse. Vor einer Woche feierte er jetzt mit Gästen Richtfest. er baut die beiden Torhäuser wieder auf, links und rechts der vom Lingener Kunstschaffenden Friedel Kunst vor einigen Jahren neu erschaffenen Brücke. Petra Berning, eine der wenigen Architekten im Nordwesten, die sich ganz dem Erhalt wertvoller Bauarchitektur verschrieben hat, ist ebenso mit von der Partie wie der Antiquar Wolfgang Schnieders, der längst ein Experte für Sandsteinarbeiten geworden ist, und Klaus Rosemann, der als Architekt für die Arbeiten verantwortlich zeichnet und auf alten Zeichnungen mit der Lupe die Zahl der Verblenderreihen auszählte, um die Gebäudehöhe originalgetreu zu rekonstruieren. Andreas Eyinck ließ in einem spontanen Vortrag die Geschichte von Schloss Herzford vorüber ziehen und wusste dabei sogar Neues zu berichten: Dendrologische Untersuchungen weisen nach, dass das Herrenhaus etwa 14 Jahre älter ist, als bisher gedacht; es dürfte schon 1718 entstanden sein. Also dürfen wir uns auf das herrlicheJubiläumsjahr 2018 freuen.

Es war ein wirklicher Genuss, an diesem Nachmittag auf Schloss Herzford in der Elberger Schlipse dabei zu sein und zu erleben, dass Denkmalpflege etwas anderes ist, als kommerzielle Gestaltungsshow oder die Dienstbarmachung historischer Architektur für kurzfristige geschäftliche Verwendungen.

Übrigens habe ich Bernd Merswolke versprochen, mit ihm gemeinsam alte Biberschwänze aus Ton zu suchen, die die Dachseiten der beiden Torhäuser eindecken sollen. Der Hausherr sucht alte, historische Exemplare und zwar solche, wie sie zerbrochen links auf dem Foto zu sehen sind. Die hochkant präsentierten neuen Exemplare sind nicht so sein Ding.
Kennen Sie vielleicht eine Biberschwanz-Altquelle? Dann schicken Sie mir bitte eine E-Mail. Bestimmt werden Sie dann auch zur bevorstehenden Einweihung der beiden Torhäuser eingeladen. Keine Frage – Bernd Merswolke macht das.