„wilde Ecke“

22. März 2018

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) ruft Naturfreunde und Gartenbesitzer im Rahmen seiner diesjährigen Aktion „Abenteuer Wildbienen“ auf, Wildbienen – wie beispielsweise Hummeln – zu beobachten und sich für ihren Schutz einzusetzen. „Die Aktion soll ein klares Zeichen gegen das Insektensterben setzen. Wildbienen sind, wie Schmetterlinge und andere Insekten auch, durch die Zerstörung wichtiger Lebensräume und den immens hohen Pestizideinsatz bedroht. Etwa die Hälfte der in Deutschland lebenden Wildbienen steht auf der Roten Liste, rund 30 Arten sind vom Aussterben bedroht. Zum Frühlingsanfang wollen wir deshalb möglichst viele Menschen für Wildbienen sensibilisieren und zu ihrem Schutz aufrufen“,  sagt Magnus Wessel, BUND-Naturschutzexperte.

Hummeln sind wahrscheinlich nicht nur die bekanntesten, sondern auch die sozialsten Wildbienen, weil sie wie die Honigbienen einen Staat bilden. Wenn die Sonnenstrahlen den gefrorenen Boden erwärmen, gehören die Hummeln zu den ersten Frühlingsboten. Die Hummelköniginnen, die im Vorjahr begattet wurden, gründen nun einen neuen Hummelstaat. „Jeder Gartenliebhaber und jede Balkonpflanzenfreundin kann jetzt einen kleinen Beitrag zum Überleben der Hummeln und anderer Wildbienen leisten“, so Wessel. In jedem Garten sei Platz für einen Reisighaufen, für Vogelnistkästen oder für einen Holzhaufen für Wildbienen.

Neben der Hummel (Foto lks) gibt es in Deutschland über 560 vorkommende Wildbienenarten, denen die Vorliebe für Blüten gemein ist. Für ihr Überleben ist es wichtig, dass sie die zur Nahrungsversorgung wichtigen „Trachtpflanzen“ finden. Ein reiches Angebot an Frühjahrsblühern wie Winterling, Krokus, Weidenkätzchen oder Huflattich biete den Grundstock der Ernährung in den ersten Frühjahrswochen. „Zur Unterstützung der Wildbienen können Wildbienenliebhaber heimische Blühpflanzen, die vom Frühjahr bis zum Herbst für ein durchgängiges Nahrungsangebot sorgen, pflanzen“, empfiehlt der Naturschutzexperte.

„Private Nistmöglichkeiten und lokale Nahrungsangebote werden das Insektensterben nicht stoppen. Es gilt die Ausbreitung der Betonwüsten in Städten und Dörfern sowie der Agrarwüsten in der Landwirtschaft einzudämmen. Deswegen setzt sich der BUND auf politischer Ebene weiter für ein vollständiges Verbot von Neonikotinoiden und Glyphosat, für ein ambitioniertes Reduktionsprogramm von Pestiziden, für die Erhöhung der Vielfalt in der Kulturlandschaft, für den Schutz vor Flächenversiegelung und so für den konsequenten Schutz der Lebensräume von Wildbienen ein. Auf das eklatante Problem des Insektensterbens, müssen die zuständigen Ministerinnen Klöckner und Schulze im geplanten Aktionsprogramm Insektenschutz nun schnelle und wirksame Antworten liefern“, fordert Wessel.

Was sollte diese Initiative gegen das Bienensterben konkret für unsere Stadt bedeuten?

Zumindest dies:  Lingen sollte Blüten- und Pflanzstreifen an Wegen und den Grundstücken vorhalten, die von der Stadt an Landwirte verpachtet werden. Und Kiesgärten und Plastikzäune sind zwar pflegeleicht, aber nichts für Biene, Hummel und Co. Auf sie sollte künftig in unserer Stadt verzichtet werden, freiwillig und mit dem Mittel der Bauleitplanung.  Auch der sprichwörtliche „Mut zur Unordnung“ im eigenen Garten hilft, wo immer Platz für eine „wilde Ecke“ sein sollte. Ein Beet aus Wildblumen ist das Zuhause vieler Insekten. Nicht nur der städtische Bauhof sollte grundsätzlich auf Pestizide verzichten, auch alle Lingenerinnen und Lingener sollten dies tun.

Mehr Informationen finden Sie im Internet unter www.bund.net/wildbienen

 

(Foto: Andreas, via flickr CC BY-SA 2.0)

Neonicotinoide

19. Mai 2017

Gestern hat Gerhard Hinze, Aktivist des NABU, 5.000 gesammelte Unterschriften aus dem Emsland gegen den Einsatz von Neonicotinoide im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaftin Berlin übergeben. Mit sechs Mitstreitern war in seinem VW-Bulli den Weg nach Berlin gefahren, vollbepackt mit Transparenten, Postern und Collagen sowie den knapp 5.000 Unterschriften.

Neonicotinoide gehören zur Gruppe hochwirksamer Insektizide. Die Stoffklasse der Neonicotinoide wurde erstmals 2008 einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Damals löste der Pestizidwirkstoff Clothianidin am Oberrhein ein Bienensterben aus, dem damals rund 12.000 Bienenvölker zum Opfer fielen.

Die Wirkstoffe greifen das zentrale Nervensystem der Insekten an, indem sie die Reizübertragung blockieren. Die Nervengifte werden meistens nicht direkt auf den Acker gespritzt, sondern als Beizmittel und zur Bodenbehandlung eingesetzt. Die Insekten sterben durch das Nervengift nicht sofort, aber sie verlieren ihr Orientierungsvermögen, ihr Gedächtnis ist gestört und ihr Immunsystem wird geschwächt. In der Folge finden die Bienen zum einen nicht mehr zu ihrem Stock zurück, zum anderen werden sie anfälliger für andere Krankheiten, beispielsweise für die Varroa Milbe. Dies kann in der Folge ein gesamtes Bienenvolk auslöschen.

Neue wissenschaftliche Studien belegen zudem, dass die Pestizide für das Vogelsterben in der Agrarlandschaft mitverantwortlich sind. Mit dem Rückgang der Artenvielfalt und vor allem der Anzahl der Individuen fällt natürlich auch die darauf aufbauende Nahrungskette zusammen. Davon sind im nächsten Schritt vor allem die Vögel in der Agrarlandschaft betroffen. Sterben die Insekten, finden die Vögel keine Nahrung mehr.

Neonicotinoide sind wasserlöslich und schwer abbaubar. Das Gift reichert sich auf diese Weise im Boden und in Sedimenten an, wird dort ausgewaschen und gelangt so in die Oberflächengewässer.

(Foto. Bienensterben, © Der Schwalbenhof)

Giftdusche

23. Juni 2014

Pestzide9Es tut mir leid, wenn Sie heute schon gefrühstückt haben. Denn „das Müsli zum Frühstück, das Brötchen als Snack zwischendurch – Getreideprodukte gehören zu unseren Grundnahrungsmitteln. Aber gesund ist es nicht wirklich. Eine nicht sichtbare Gefahr lauert auf unseren Tellern. Pestizide, wohin man auch schaut.

Auf den Äckern werden regelmäßig Unkrautvernichtungsmittel gespritzt. Als das gefährlichste gilt Glyphosat. Ein Totalherbizid, das schnell und wirksam Unkraut vernichtet. Das Problem: Um das unliebsame Grün abzutöten, wird das Gift direkt auf das Getreide gespritzt – und das sogar bis zu einer Woche vor der Ernte. Was dann noch an Spritzmittel auf dem Korn ist, bleibt dort und wird zu Nahrungsmitteln weiterverarbeitet. Studien haben längst ergeben, dass schon kleine Mengen ausreichen, um die menschliche Zellkultur zu schädigen.

Hunderte Tonnen des Pestizids landen kurz vor der Ernte als Gewinnoptimierer auf den Feldern. Und dies, obwohl bekannt ist, dass es Schädigungen verursacht.

Ca. 600 Tonnen…“[weiter bei netzfrauen.org]

Bienensterben

11. Januar 2013

BienenkampagneDie erfolgreiche Nichtregierungsorganisation („NGO“) Campact hat eine neue Kampagne entwickelt, bei der ich an die Vermaisung Niedersachsens denke, und appelliert:

„Jetzt in den kalten Wintermonaten sterben allerorts Bienenvölker. Sie sind geschwächt durch den hohen Einsatz von Pestiziden und immer mehr Monokulturen in der Landwirtschaft – und dadurch Parasiten wie der Varroamilbe schutzlos ausgeliefert. Sterben die Bienen, verlieren wir emsige Helferinnen, die viele Obst- und Gemüsesorten bestäuben.

Die EU-Kommission will nun Abhilfe schaffen: Subventionen sollen nur noch an Landwirt/innen fließen, die mindestens sieben Prozent ihrer Äcker ohne Pestizide und ökologisch vielfältig bewirtschaften. Überall in der Landschaft soll wieder Raum für artenreiche Wiesen und Äcker, Hecken und Obstbäume entstehen. Doch Agrarministerin Aigner macht Klientelpolitik für die Agrarlobby und will die Pläne völlig verwässern. Im Februar wird sie in Brüssel mitentscheiden.

Jetzt müssen wir Bürger/innen gegenhalten: Am 26. Januar wollen wir Aigner zusammen mit Imker-Initiativen unseren Appell auf der Agrarmesse „Grüne Woche“ in Berlin übergeben – mit mindestens 75.000 Unterschriften!

Unterzeichnen Sie jetzt unseren Appell an Agrarministerin Aigner (CSU)!

Bisher schüttet die EU Subventionen an Landwirte mit der Gießkanne aus: Je mehr Fläche, desto mehr Geld – völlig unabhängig davon, wie das Land bewirtschaftet wird. Das will die Kommission jetzt ändern: Mit ihrem Vorschlag zur Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) will sie nur noch Landwirte unterstützen, die ökologische Standards einhalten.

Gelingt die Reform, wäre dies ein erster Schritt zu einer nachhaltig-bäuerlichen Landwirtschaft. Entsprechend scharf schießt die Agrarlobby dagegen und brandmarkt ökologische Vorrangflächen als Flächenstilllegung. Dabei wird dort ökologisch viel gewonnen: Heu von artenreichem Grünland, Früchte von Streuobstwiesen, Brennholz aus Gehölzstreifen und Honig von vielfältigen Blüten. Für Bienen und viele andere Tierarten würden wichtige Lebensräume geschaffen.

campact_logoBisher will Ministerin Aigner in Brüssel die Reformvorschläge mit vielen Ausnahmeregeln verwässern. Doch sie steht zunehmend alleine da. Im Dezember stellten sich auch die Agrarminister der CDU/CSU-geführten Bundesländer geschlossen hinter die EU-Pläne. Jetzt müssen wir Bürger/innen Aigner klar machen: Mit jährlich 60 Milliarden Euro an Steuergeldern wollen wir keine ausgeräumten und tot gespritzten Agrarsteppen finanzieren. Wir brauchen Bäuerinnen und Bauern, die für eine vielfältige Landschaft und gesunde Lebensmittel sorgen. 

Am Samstag, den 19. Januar gehen wir dafür mit einem breiten Bündnis von Organisationen und Initiativen in Berlin auf die Straße. Demonstrieren Sie mit – und setzen Sie schon jetzt ein Zeichen für eine andere Agrarpolitik!


Unterzeichnen Sie unseren Appell!

Lesen Sie mehr im 5-Minuten-Info…