„Kampf um Sichtbarkeit“
Künstlerinnen der Nationalgalerie vor 1919

Aschendorf – Gut Altenkamp
bis zum 23. September
Dienstag bis Sonntag: 10 bis 17 Uhr 

Eintritt: Erwachsene: 5 €
Auszubildende, Studenten: 3,50 €
Kinder 1,50 €

Erst 1919, in der Weimarer Republik, konnten Frauen in Deutschland ein Studium an der Akademie der Künste zu Berlin aufnehmen. Den Malerinnen und Bildhauerinnen aus der Zeit davor widmet Gut Altenkamp in Aschendorf jetzt seine traditionelle Sommerausstellung.

54 Werke von 31 Malerinnen und acht Bildhauerinnen aus 140 Schaffensjahren sind auf Gut Altenkamp, einem ehemaliger Herrensitz aus dem 18 Jahrhundert, zu sehen. Alle stammen aus dem Fundus der Nationalgalerie Berlin, erklärt deren Kuratorin Yvette Deseyve.

Ausstellung und Katalog bieten die Möglichkeit, die Vielfalt künstlerischer Positionen zu entdecken, die zum Teil erstmals präsentiert werden. Die Schau „Kampf um Sichtbarkeit – Künstlerinnen der Nationalgalerie vor 1919“ präsentiert zunächst jene Künstlerinnen, die es schon vor 1919 in die Kunstöffentlichkeit geschafft und deren Werke Eingang in die Sammlung der Nationalgalerie gefunden hatten.

Zum Hundertjährigen im Herbst 2019 hatte die Alte Nationalgalerie Berlin die Künstlerinnen in einer Zusammenschau präsentiert: das Selbstporträt Sabine Lepsius’ (1864–1942), aus dem uns die Künstlerin entschlossen anblickt, Maria Slavonas (1865–1931) impressionistische Ansicht von Häusern in Montmartre oder die ausdrucksvollen Porträts Caroline Barduas (1781– 1864) sowie die kraftvollen Arbeiten der deutsch-amerikanischen Bildhauerin Elisabeth Ney (1833–1907) der Berlinerin Käthe Kollwitz (1867–1945) und Paula Modersohn-Becker (1876-1907).

Die Ausstellung lenkt den Blick aber auch auf weniger bekannte Frauen des Kunstbetriebs vor 1919. Im ersten Stock laufen Besucher auf ein großformatiges Bild der Künstlerin Alma Erdmann zu – darauf zu sehen ist eine Schwarzwälderin in schwarzem Trachtenkleid. Die junge Frau sitzt auf einem einfachen Holzstuhl, auf ihrem Schoß liegt der typische Schwarzwaldhut mit roten Bollen. Für Kuratorin Deseyve ist das Werk aus dem Jahr 1899 ein Glanzstück der Schau: „Ein unglaublich eindrucksvolles Bild, das hat damals schon Eindruck geschunden, und ist direkt nach der Ausstellung aufgekauft worden“, erzählt Deseyve. „Eine völlig unbekannte Künstlerin damals. Die weiteren Werke sind sehr rar, man findet sonst fast nichts mehr von ihr.“

Renée Sintenis ist durch ihren Entwurf für den Berliner Bären bis heute auf der Berlinale, dem internationalen Filmfestival, präsent. Gut Altenkamp zeigt nun bronzene Pferdeplastiken der Bildhauerin. Sintenis wurde durch eine einflussreiche Berliner Galerie berühmt. Andere Künstlerinnen hatten weniger Glück; auch durch die Weltkriege sind viele Arbeiten von Frauen verschollen, verloren oder vergessen.

„Wir haben viele Künstlerinnen, die wir tatsächlich nur noch namentlich kennen, weil sie in Ausstellungskatalogen auftauchen, wir aber keine Werke von ihnen haben“, so Deseyve. „Und das ist eines der dunklen Kapitel in diesem Bereich.“ Die Forschung zu diesen Künstlerinnen habe jetzt erst eingesetzt, und viele Werke seien bis dahin tatsächlich verloren.

Umgekehrt finden sich aber auch Werke im Fundus der Nationalgalerie, über deren Malerinnen wiederum nur wenig bekannt ist. Ihre Biografien zu erforschen, sei wie ein Puzzlespiel, sagt die Kuratorin. Eine von ihnen ist die Malerin Pauline Lehmeyer. „Eines meiner Lieblingsstücke, muss ich sagen“, bekennt Deseyve. „Es ist das Bildnis eines alten Mannes, der nach unten schaut, und es ist ein unglaublich kraftvolles Bild.“ Über die Künstlerin Pauline Lehmeyer finde man so gut wie gar nichts mehr. „Wir konnten noch nicht einmal ihr Todesjahr eruieren.“

Die Ausstellung zeigte Berlin über 60 malerische und bildhauerische Werke, die alle vor 1919 entstanden sind. 54 von ihnen sind jetzt im Gut Altenkamp zu sehen.

Die Ausstellung ist jetzt und noch bis zum 23. September auf Gut Altenkamp zu sehen. Samstags und sonntags ist jeweils ab 14 Uhr auch das Café geöffnet. Dort gibt es hausgemachten Kuchen. Zur Ausstellung in Berlin erschien 2019 ein reich bebilderter Ausstellungs- und Bestandskatalog mit ausführlichen Biografien der vertretenen Künstlerinnen in deutscher und englischer Sprache im Reimer Verlag. Ob es einen Audioguide gibt, konnte ich nicht feststellen.

Gut Altenkamp ist mit dem Pkw, aber auch vom Bahnhof Aschendorf in wenigen Schritten zu erreichen.

(Quellen: PM, NDR)

8. September 2015

KopftuchAn niedersächsischen Schulen ist es ab sofort grundsätzlich erlaubt, dass Lehrkräfte aller Fächer während des Unterrichts ein Kopftuch tragen. Das Niedersächsische Kultusministerium hat dazu jetzt einen Erlass herausgegeben. Bisher war das Tragen eines Kopftuchs lediglich während des islamischen Religionsunterrichts erlaubt, wovon eine Lehrkraft laut Ministerium auch Gebrauch machte.

Ausnahmen vom jetzigen Grundsatz könnten sich lediglich aus einer „hinreichend konkreten Gefahr für den Schulfrieden oder für die staatliche Neutralität“ ergeben, hieß es weiter. Dies müsse „immer im Einzelfall geprüft werden“. Damit verweist das Ministerium auf den Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom Januar, nach dem ein grundsätzliches Kopftuchverbot für Lehrerinnen an Schulen gegen die Verfassung verstößt und damit unzulässig ist.

Ergänzend zum ministeriellen Erlass werde auch die niedersächsische Landesschulbehörde die Schulleiter auf die geänderte Rechtslage hinweisen, so das Ministerium. Bei „Fragen in diesem Zusammenhang“ könnten sich die Schulen jederzeit an die Landesschulbehörde wenden.

Der nordrhein-westfälische Landtag hatte bereits im Juni mit breiter Mehrheit die Privilegierung christlich-abendländischer Bildungs- und Kulturwerte aus dem Schulgesetz des Landes gestrichen. Damit ist das Tragen eines Kopftuchs für muslimische Lehrerinnen in den Schulen des Landes erlaubt.

(Quelle KNA; Aktenzeichen BVerfG 1 BvR 471/10, 1 BvR 1181/10: Foto: Kopf einer alten Frau mit schwarzem Kopftuch, Bild von Paula Modersohn-Becker, 1903))

Kinderzeit

6. Februar 2013

KinderzeitKleine Erwachsene, wilde Rabauken und eigensinnige Entdecker – Kindheit in all ihren Facetten greift das Oldenburger Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte in seiner gerade eröffneten Ausstellung auf. Anhand von Gemälden, Grafiken, Spielzeug, Kindermöbeln und Kleidung veranschaulicht sie die Rolle von Kindern von der Renaissance bis zur Neuzeit.

Rund 80 Exponate stehen im Mittelpunkt der Ausstellung Kinderzeit. Die Aspekte Porträt, Erziehung und Spiel beleuchten die Bedeutung und Entwicklung von Kindheit in den letzten fünf Jahrhunderten. Zu sehen sind unter anderem Werke von Edvard Munch, Paula Modersohn-Becker, Ernst Ludwig Kirchner und Wilhelm Busch.

Zeigen die Bildnisse der frühen Neuzeit das Kind vorwiegend als kleinen Erwachsenen, so verändern sich die Darstellungen im 18. und 19. Jahrhundert zum umhegten und verzärtelten Sprössling bis zu einer sozialkritischen Sichtweise in Moderne und Gegenwartskunst. Anhand zahlreicher Exponate wird die Entwicklung der gesellschaftlichen Auffassung zum Thema Kindheit ablesbar. Die Ausstellung Kinderzeit belegt dieses facettenreiche Spektrum mit eindrucksvollen Beispielen und vermittelt nicht eines, sondern viele „Bilder“ von Kindheit aus rund fünfhundert Jahren.

Erstmals widmet sich übrigens das Landesmuseum einem Themenkomplex, der alle Sammlungsbereiche des Hauses umfasst. Die Porträts und Genredarstellungen von Kindern aus der Zeit vom 16. bis zum 20. Jahrhundert stammen aus den Galerien Alte und Neue Meister. Sie werden ergänzt durch Exponate aus der Grafischen Sammlung und kulturgeschichtliche Objekte, darunter Spielzeug, Kindermobiliar und Kleidung. Leihgaben aus ganz Deutschland runden die Auswahl ab.

Kinderzeit
Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg

26135 Oldenburg  –  Damm 1, Prinzenpalais
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 10 – 18 Uhr bis 20. Mai 2013
Eintritt: 5 €, ermäßigt 3 €
(zum Flyer der Ausstellung das Foto anklicken)

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