SPD Eiche

19. April 2013

SPDEicheEinen seiner letzten planerischen und baulichen Missgriffe liefert der scheidende Stadtbaurat gerade im Bereich des Nave’schen Parks ab.  Für Jung-Lingener: Das ist der kleine Park zwischen Poststraße/C+A und Parkhotel (früher: Hotel Nave). Der Park  wird in diesem Jahr überwiegend beseitigt. Der Grund ist ein Jahrzehnte alter Bebauungsplan und ein Hotelneubau, für den (zu einem Spottpreis zulasten des kommunalen Haushalts) ein Grundstück der Stadt veräußert wurde; auf dem aber lag eine Baubeschränkung für ein Nachbargrundstück, dessen Eigentümer auch ein Hotel betreiben lässt. Der sagte „Nein“ zur Konkurrenz und ließ sich seine Zustimmung erst mit der Zusage abkaufen, die Hälfte des „Westentaschenparks“ (Spruch unseres Baurats)  kaufen zu können (Spottpreis natürlich) und mit einem Hotelanbau bebauen zu dürfen. Also nie wieder „Jazz am Stadtgraben“ und weitere Bäume werden auch dran glauben, wenn der halbe Park bebaut wird.

Schon einmal, vor 35 Jahren, fielen über Nacht mächtige Bäume in Naves Park, nachdem die CDU mit knapper Mehrheit die Aufstellung eines Bebauungsplanes für einen Supermarkt beschlossen hatte. Dass der Supermarkt dann nicht kam, hat die alten Bäume nicht zurück gebracht. Wie üblich hat man auch jetzt schon in vorauseilendem Gehorsam mit der Parkbebauung begonnen. Vor ein paar Tagen fielen die nächsten Bäume, nicht ganz so mächtig aber schön.

Darunter war auch die robuste Eiche, die die Lingener SPD aus Anlass ihrer 75-Jahr-Feier gepflanzt hatte (Foto; CC robertsblog); an der Stelle nämlich befand sich die Gründungsstätte der lokalen Sozialdemokratie: der große Saal des Hotels Nave, in dem sich am 2. Dezember 1918 weit mehr als 1000 Lingener zur Gründung der SPD Lingen versammelten; 700 von ihnen traten gar in die neue Partei ein. Die heute tätigen Sozis haben der Bebauung des Parks mit einem mehrsternigen Hotel und auch -wie ich hörte – der Abholzerei ihrer Gedenkeiche nicht mehr widersprochen, wenn es einen neuen Baum gibt; den will die Stadt großzügig „ganz in der Nähe pflanzen“ lassen, nahe des Kivelingspielplatzes wurde angeboten, was auch näher an der CDU-Geschäftsstelle liege…

All dies, weil einmal mehr konzeptlos-überstürzt gehandelt wurde. Hätte man nicht mit Nachbar Jürgen Raberg sprechen können? Raberg ist Eigentümer eines seit  Jahren leer stehenden Anbaus  seiner Immobilie an der Poststraße. Hätte man nicht diesen Teil des Rabergschen Grundstücks -anstelle des Parks oder des baulast-belasteten Grundstücks-  für das geplante und laut bejubelte 4-Sterne-Hotel mit dem 1-Sterne-Namen Looken Inn erwerben helfen können, wenn man denn klug verhandelt hätte? Man hätte zuvor nur ein wenig nachdenken  müssen, anstatt einfach  den simplen Vorstellungen eines Investors zu folgen. Dann wäre der Park erhalten geblieben. Mitsamt der SPD Eiche.

„Park“

20. Juli 2011

Keine Frage: Es ist ein nettes Stückchen Lingener Innenstadt, die Grünfläche zwischen dem Hotel und C & A. In Lingen ist das bereits ein Park und das angrenzende Hotel nennt sich folglich auch das Parkhotel. Dort findet am kommenden Samstag zum dritten Mal Jazz & Blues am Stadtgraben statt. Ab 17 Uhr und ohne Eintritt. Mit dem Duo Soul, Saxophonist Kai Liedtke und Greg Copeland & the Soul Gang mit  Piano Pete.

Im kommenden Jahr wird es  mit der vierten Auflage der Musiziererei schwieriger werden. Der Lingener Stadtrat hat nämlich gerade beschlossen, das südlich an das Park-Hotel angrenzende Fläche an eine GmbH & Co KG abzugeben. Die Looken InnGmbH & Co KG  (heißt tatsächlich so) will dort ein Hotel bauen. Dazu will sie rund 1500 Quadratmeter bebauen, also den Freiraum an der Bernd-Rosemeyer-Straße und auch Teile des „Parks“ . Ihr wird außerdem eine Erweiterung in den „Park“ hinein ermöglicht und zu allem Überfluss kann sie die für den jetzigen Eigentümer des Parkhotels  notwendigen sieben Parkplätze verlegen und im –Sie ahnen es- Park anlegen, direkt neben der neu gestalteten Stadtgrabenparzelle.

Weg muss auch die Eiche, die die SPD aus Anlass der 75-Jahrfeier an diesem, ihrem Gründungsort  gepflanz hatte. Sie tanzte nur 16 Jahre lang;  ob das auch für die Skulptur Blaue Madonna gilt, weiß ich nicht.

Ja, es wirkt alles nicht zu Ende gedacht, zumal über die architektonische Gestaltung des geplanten Hotels nichts festgelegt ist. Es gibt auch weitere, besonders unangenehme Details, die das Rechnungsprüfungsamt der Stadt veranlasst haben, Nein zu sagen. Das „RPA“ ist eine dem Rat unterstellte Einheit, die über die ordnungsgemäße Haushaltswirtschaft wacht.

Der Rat hat sich über das Nein hinweg gesetzt und mehrheitlich trotzdem zugestimmt. Es ist so eines dieser Lingener Projekte, wo leuchtturmmäßig nur noch durchgewunken und nicht mehr in Zusammenhängen nachgedacht und abgewägt wird. Hätte man das getan, hätte man sich auf die Straßenrandbebauung an der Bernd-Rosemeyer-Straße konzentriert (einschließlich des Nachbargrundstücks) und eine Tiefgarage vorgeschrieben.

Nun, der „Park“ wird anschließend wahrscheinlich immer noch Park heißen, obwohl er besser Parkplatz heißen sollte. Aber Parkplatzhotel kommt nicht so gut. Sie können jedenfalls demnächst mit Ihrem/r Liebsten im Auto sitzen und romantisch auf den unlängst umgestalteten Stadtgrabenbereich schauen. Sie brauchen dazu nicht einmal auszusteigen und sich auf eine Bank  zu setzen.

Also, hau am Samstag in die Tasten, Piano Pete (Budden). Der Blues ist -angesichts des Ganzen- der richtige Musikstil.

Debatte 2

17. Januar 2010

Wie Sie sicherlich wissen, erhielt heute vor 325 Jahren ein gewisser Johannes Theodat in Wien als erster ein kaiserliches Privileg für den öffentlichen Ausschank von Kaffee, während in Lingen der kluge Oranier Wilhelm III. keine Garnison sondern eine „Hohe Schule“ errichtete und die Bauleute vor allem Bier und Genever tranken. Der 17. Januar 1685 war jedenfalls die  Geburtsstunde des Kaffeehauses – Nein, nicht des Coffeeshops oranischer Prägung, liebe junge Leser. Als ich von dem Jubiläum eben las, fiel mir die Kaffeenetz-Frage aus dem vergangenen Mai ein, ob es denn bitte speziell in Lingen einen „anständigen“ Espresso gebe. Guckst Du hier. Jetzt möchte ich die Debatten-Antwort nachtragen. Denn im ‚da Sandro‚ (Parkhotel) habe ich den besten Espresso der letzten Jahre getrunken. Italien inklusive. Das muss berichtet werden.

ps Sie wissen übrigens bestimmt nicht, was unseren OB mit dem Restaurant ‚da Sandro‘ verbindet. Nun, wenn Sie nett fragen, verrate ich’s – oder hab ich die Hintergrundinformation etwa schon mal hier niedergeschrieben?