HAWKDie taz berichtet: „An der Hochschule Hildesheim unterrichtet eine Dozentin über die soziale Lage palästinensischer Jugendlicher nur mit antijüdischer Propaganda.

Die E-Mail bot einen Lehrauftrag an der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) in Hildesheim an. Rebecca Seidler sollte an der HAWK für das Wintersemester 2015/16 ein Seminar über jüdische Soziale Arbeit in Deutschland und Israel anbieten. „Ein spannendes Thema“, fand die promovierte Religionspädagogin. Seidler, die in Hannover eine Praxis für psychosoziale Beratung betreibt, und auch an der Hildesheimer Uni lehrt, war interessiert an dem Seminar, das als Modul gemeinsam mit einer Lehrveranstaltung „Zur sozialen Lage von Jugendlichen in Palästina“ angeboten werden sollte.

Verwundert war sie allerdings, als sie sich dazu das Unterrichtsmaterial der Lehrbeauftragen Ibtissam Köhler anschaute, die ihr Seminar bereits seit zehn Jahren anbietet. Darin fand sich nichts über Aspekte und Formen Sozialer Arbeit mit palästinensischen Jugendlichen weder in Deutschland noch in Palästina. Dagegen wurde ein Sammelsurium von Quellen offeriert, mit denen, so Seidlers Eindruck, „das Bild der völligen Entrechtung der Palästinenser durch Israel“ vermittelt werden sollte….“

[weiter bei der taz]

Blumenstrauß

31. Juli 2014

Inzwischen habe ich ein wenig mehr über die gestrige Performance der palästinensischen Kinder der Theatergruppe YES Theatre aus Hebron im Lingener Burgtheater herausgefunden, von der ich leider erst im Nachhinein erfahren habe. Der Hintergrund ergibt sich u.a. aus der Presseeinladung zu „Gathering for Gaza“, der die Zeitung unseres Städtchens dann nicht zu folgen vermochte und über die überhaupt der Mantel des emsländischen Schweigens gelegt werden sollte. Andreas Poppe, Beauftragter für Internationales am Institut für Theaterpädagogik, sage in dieser Einladung:

 „“Colour your world“ heißt das Motto des diesjährigen Welt-Kindertheater-Festes in Lingen. Man möchte unwillkürlich fragen, mit welchen Farben die Kinder des Gazastreifens ihre Welt in den nächsten fünf Jahren malen werden.“

Und man muss fragen, warum die Einladung zum „Gathering for Gaza“ weder von der Intendanz des Welt-Kindertheater-Fest (WKT) noch vom Oberbürgermeister, dem Landrat oder dem „Präsidenten“ der RupingEmsländischen Landschaft stammt oder jedenfalls unterschrieben ist. Teilgenommen hat meines Wissens nach auch niemand. Die ursprüngliche Idee stammte aus der Spitze des Forum Judentum Christentum im Altkreis Lingen eV.  Ihr blieb es aber verwehrt, das Vorhaben dem künstlerischen Leiter des WKT und den Obersten im Rathaus darzulegen und zu erklären. Statt dessen kam eine  Ablehnungsbegründung zum Fremdschämen: „Das ist ja was Politisches. Das wollen wir doch gar nicht!“.

Dass „Gathering for Gaza“ („Ein Treffen für Gaza“) dann doch beim TPZ und Professor Dr. Bernd Ruping (Foto lks)  landete ist reines Glück und zugleich Grund, warum die „künstlerische Demonstration in Bildern, Musik und stiller Aktion“ dann doch stattfand, obwohl es im WKT-Zentrum kein Hinweis oder gar eine Empfehlung für diese Sonderveranstaltung gab. Für dieses und das Versäumnis unserer gesellschaftlichen Protagonisten entschädigt auch die Rose nicht, die Heribert Lange nach der Performance jedem Darsteller überreichte. Mehr…

Einmal mehr musste ich heute an die frühe Debatte um den Standort Lingen der Hochschule Osnabrück zurück denken, die damals noch Fachhochschule hieß. Es war seinerzeit nämlich einer der Grußwortschreiber des WKT’14, der wirklich alles daran setzte, keine Theaterpädagogen und keine Kunstschaffenden nach Lingen zu holen. Er sang das Hohe Lied der Betriebswirte und schuchardtIngenieure. Die damalige Lingener SPD-Landtagsabgeordnete Elke Müller und Helga Schuchardt (Foto lks), seinerzeit im ersten Landeskabinett Gerhard Schröder niedersächsische Ministerin für Wissenschaft und Kultur, setzten sich gegen ihn durch. So kamen doch die Kulturleute in unser bisweilen so enges Städtchen. Arbeit und Einsatz von zwei starken Frauen haben sich gelohnt, wie gestern bei „Gathering for Gaza“ einmal mehr zu sehen war. Ohne Kulturschaffende in Lingen wäre diese wichtige Veranstaltung mit ihrer Forderung nach Menschenwürde, Frieden und Humanität nicht zustande gekommen. Beiden Frauen hat unsere Stadt mehr als viel zu verdanken.

Elke Müller geht es übrigens nicht gut in diesen Tagen. Sie kämpft  einen schweren Kampf gegen eine heimtückische Krankheit. Ich kann ihr nur von Herzen Kraft und gute Besserung wünschen.

Helga Schuchardt wird an diesem Samstag 75 Jahre alt. Man sollte ihr einen großen Blumenstrauß schicken. Aber ich nehme an, dass unser Oberbürgermeister das längst in Auftrag gegeben hat.

Eine ungehaltene Rede

30. Juli 2014

LangeHeute nachmittag präsentierte die palästinensische Yes-Theatergruppe (Hebron) im Hof des Burgtheaters an der Baccumer Straße eine beeindruckende Performance im Rahmen des Welt-Kindertheater-Festes [mehr….]. Die Lokalzeitung hatte keine Zeit, aber die Ems-Vechte-Welle war vertreten und wird sicher berichten. Unter den Zuschauern der Veranstaltung war auch der Vorsitzende des Lingener Forum Juden Christen, Dr. Heribert Lange (Foto). Er hatte eine Solidaritätsadresse vorbereitet, die er dann nicht hielt, „weil das der Situation und der Atmosphäre nicht angemessen gewesen wäre“, wie er am Abend betonte.

Lange sagte anschließend: „Entschlossen habe ich mich zu dieser Solidaritätsbekundung, weil ich denke, dass unser Verein auch im täglichen Leben klarmachen muss, dass er in allen Zweifelsfällen auf der Seite der Menschen und Menschenrechte, auf der Seite der Freiheit, des Lebens und des Friedens steht. Damit müssen und können wir allerdings nicht unsere möglicherweise sehr unvollkommene Einschätzung von Gerechtigkeit, einem gerechten oder gerechtfertigten Krieg verbinden – egal von welcher Seite diese Frage kommt und egal, welcher der Kombattanten uns für „seine“ Sache zuerst vereinnahmen möchte. Wenn es denn um die Solidarität mit den Menschen geht, die ihrer Menschenrechte und sogar ihres Lebens selbst verlustig zu gehen drohen, ist unteilbar und unverzichtbar.“

Hier die heutige, im wahrsten Sinne ungehaltene Rede von Dr. Heribert Lange:

Liebe junge Menschen aus Palästina,
liebe Theatergäste!

Als Vertreter des Forums Juden Christen im Altkreis Lingen sind wir heute Nachmittag hierher und zu Ihnen und Euch gekommen, um Euch und Ihnen … unsere Anteilnahme am Leiden und Leid der Menschen in Gaza und unsere ganze Solidarität zu bekunden und Ihnen mit dieser Rose ein kleines Zeichen unserer Verbundenheit mitzugeben.

Wir glauben, dass wir dieses Zeichen der Solidarität den jungen Menschen aus Palästina schuldig sind – und übrigens auch uns und unserem Verein, wenn dessen, also unsere Glaubwürdigkeit nicht in Zweifel geraten soll!

Denn es geht hier wie dort und heute wie damals eigentlich und letztendlich um die Geltung und Bewahrung der Menschenrechte, des Lebensrechts jedes Menschen und seiner Unversehrtheit – egal also, ob im Nazi-Deutschland vor 75 Jahren oder heute in Palästina, Gaza oder in Israel. Es geschieht dort aber, was diese Grundrechte angeht, ungeheures Unrecht.

Und die Menschen, die darunter leiden, besonders die in Gaza, verdienen darum unsere ganze Solidarität.

Wir wünschen Ihnen ein baldiges Ende dieses schrecklichen Kriegs, aus dessen Todesfalle es keine Ausflucht gibt, und wir wünschen Ihnen Heil und Leben und vor allem Frieden – Ihnen, Ihren Familien zu Hause und allen Völkern des Nahen Ostens.

Hier auf Arabisch:

حضرات الحبة شباب فلسطي الحترمي، حضرات زوار السرح الكرام،

نحن كنواب عنمنتدى الصداقة اليهودي ـ السيحي في محافظة لينجن القديمة جئنا هنا بعد ظهر هذا اليوم لنقف معكم ولنواسيكم في محنة ومصاب أهل غزة ولنعلن لكم مساندتنا لكم ونقدم لكم هذه الوردة كرمز لساندتنا لكم ووقوفنا معكم. نحن نؤمن بأننا كأشخاص عاديي وكمنتدى على حد سواء ، مديني بالتأييد وبالوقوف بجانب شباب فلسطي ونود أن نريح ضمائرنا وأن نكون صادقي في التعبير لكم عن شعورنا تجاهكم.

من الواجب هنا وهناك، في الحاضر و في الاضي على حد سواء هو تطبيق وصيانة حقوق النسان وحق النسان في الحياة والحفاظ على حياته، وهذا ما ينطبق على ألانيا النازية قبل٧٥

سنة وعلى فلسطي اليوم، أي غزة واسرائيل. وما يجري هناك ليس إ ّل اعتداء سافر على هذه الحقوق البدئية.

الناس الذين يعانون من هذا الظلم، وخاصة في غزة، يستحقون منا كل دعم وتأييد.

نحن نتمى لكم نهاية هذه الحرب الرعبة على الفور، حيث يصعب الهرب من هذه الصيدة القاتلة. ونتمنى لككم أيضضاً السللمةة وطوول الععمر والببقاء على قييد الححياة. ونتمى كذذلكك السللم الددائمم لككم ولهلكم في أرض الوطن ولجميع شعوب الشرق الوسط.

Das Yes Theatre Palestine ist Teil der  Palestinian Performing Art Organisation. Hier der aktuelle Aufruf der Palestinian Performing Art Organisation zum Krieg in Gaza.

(Foto: © Ems-Vechte-Welle)