Krämerseelen

22. Juli 2019

Das oberste Verfassungsorgan der Niederlande, der Raad van State (in deutsch: Staatsrat) in Den Haag, hat am vergangenen Mittwoch einen Bebauungsplan für das Industriegebiet Oosterhorn bei Delfzijl aufgehoben. In der Entscheidung heißt es, dass die Baupläne für das Gebiet südöstlich von Delfzijl zu unzulässig hohen Stickstoffwerten in der Natur, speziell im geschützten Wattenmeer führen könnten. Damit ist der Bebauungsplan, den der Stadtrat von Delfzijl bereits 2017 beschlossen hatte, erst einmal vom Tisch.

Hintergrund ist eine, an Krämerseelen erinnernde Praxis im Nachbarland: Bisher konnten dort Überschreitungen von Immissionen toleriert werden, sofern dadurch andernorts die Natur entlastet wurde. Seit 2015 gab es dazu das Anti-Stickstoff-Programm PAS. Dies ermöglichte es, nahe von Naturschutzgebieten emittierende Betriebe zuzulassen, sofern die Natur in der Zukunft wiederhergestellt wird. Da jedoch unklar ist, ob diese Abhilfemaßnahmen Auswirkungen haben, verstößt die PAS gegen europäische Vorschriften. Dieses Urteil macht es unmöglich, neue Naturgenehmigungen auf der Grundlage der PAS zu erteilen, wie dies jetzt in Delfzijl der Fall war.

Eine solche Kompensation ist jetzt -so der Raad van State – nicht mehr möglich. Dieser hatte zuvor eine Reihe von Rechtsfragen dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) zur Prüfung vorgelegt. Der EuGH hatte daraufhin in seiner Vorab-Entscheidung vom 7.11.2018 (C 293/17 und 294/17) unterstrichen, dass solche Projekte unzulässig sind, sofern nicht „anhand objektiver Umstände mit Gewissheit jede Möglichkeit ausgeschlossen“ werden kann, dass sie einzeln oder in Zusammenwirkung mit anderen Projekten diese Gebiete erheblich beeinträchtigen können, was das vorlegende Gericht -hier also der Raad van State, zu prüfen habe.

Diese Prüfung hat der Raad van State jetzt offenbar vorgenommen und eine klare Entscheidung getroffen. Durch sie werden zahlreiche Bauleitpläne obsolet, darunter der Schwerindustrieplan für Delfzijl.

Erfolgreich geklagt hatten die Bürgerinitiative „Saubere Luft Ostfriesland“, auf der deutschen Dollartseite in Wybelsum beheimatet, und die Vereniging van Zuivere Energie Westerwolde, als sich herausstellte, dass künftig am Standort in Delfzijl große Mengen an Schwermetallen, Stickstoffen und Phosphor in die Außenems und darüber ins Naturschutzgebiet Wattenmeer eingeleitet werden können. Das widersprech der Europäischen Habitatsrichtlinie (FFH), lautete das Argument. Eine Auffassung, die jetzt in Den Haag bestätigt wurde. Mit Erfolgen hat die BI übrigens Erfahrung. Gegründet hatte sie sich, als der dänische Energiekonzern DONG Energy  ein 1600 MW Kohlekraftwerk auf dem „Rysumer Nacken“ beu Emden bauen wollte. Dieses Vorhaben ist seinerzeit glücklicherweise gescheitert.

müde in Ostfriesland

16. Juli 2019

Wenn der Sachverständige in der strafrechtlichen Hauptverhandlung wegdöst – ist das keine besonders gute Sache. Denn ein teilweise schlafender Sachverständiger berechtigt den Angeklagten, den Sachverständigen wegen der Besorgnis der Befangenheit abzulehnen. Das hat das Landgericht Aurich entschieden.

Der Sachverständige hatte sich damit gerechtfertigt, er sei Opfer einer „Müdigkeitsphase“ gewesen und habe überdies an einer Atemwegserkrankung gelitten. Deshalb sei er eingeschlafen, als das Gericht gerade einen Zeugen vernahm. Interessant wird die Entscheidung in dem Punkt, als das Landgericht die Befangenheit auch bejaht hat, nachdem der Sachverständige sich audrücklich beim Angeklagten entschuldigt hat. Aus Sicht des Angeklagten ändere auch die Entschuldigung nichts daran, dass dieser den Eindruck haben könne, der Sachverständige nehme die Veranstaltung nicht hinreichend ernst.

Link zum Beschluss

(Ein Beitrag aus dem LawBlog von Udo Vetter)

Großefehn

29. Juli 2018

Die Agentur für Erneuerbare Energien (AEE) zeichnet heute Großefehn als Energie-Kommune des Monats aus. Mit Sand unter den Füßen und Wind in den Haaren begeistert die ostfriesische Gemeinde jedes Jahr bis zu 180.000 Übernachtungsgäste. Großefehn liegt in einer einzigartigen Kulturlandschaft und ist geprägt von historischen Windmühlen sowie seinen Windenergieanlagen. „Großefehn zeigt eindrucksvoll, dass Tourismus und eine moderne Nutzung der Windenergie vereinbar sind“, betont Nils Boenigk, stellvertretender Geschäftsführer der Agentur für Erneuerbare Energien (AEE).

Schon 1999 wurde in der niedersächsischen 14.000-Einwohnergemeinde der erste Windpark gebaut und seitdem stetig erweitert. 2014 wurde ein zweiter Windpark eröffnet, derzeit werden in Repowering-Projekten alte gegen neue Anlagen ausgetauscht. Bürgerbeteiligung wird großgeschrieben. „Wir müssen die Bürgerinnen und Bürger mitnehmen. Sie dürfen nicht erst aus der Zeitung erfahren, was sich vor ihrer Haustür abspielt, sondern müssen direkt in die lokale Energiewende eingebunden werden“, betont Olaf Meinen, Bürgermeister von Großefehn.

Ob Informationsveranstaltung, Musikfestival im Windpark oder finanzielle Beteiligung an den Anlagen. Großefehn macht die erneuerbaren Energien für die Anwohnerinnen und Anwohner erlebbar. Finanzielle Bürgerbeteiligung gibt es in zahlreichen Varianten: Bürgerinnen und Bürger legen Windenergiesparbriefe mit Festverzinsung an. Außerdem sind insgesamt neun Bürgerwindgesellschaften mit über 430 Gesellschaftern an den Windparks finanziell beteiligt. Auch die Gemeinde ist an den Windparks beteiligt – um Einnahmen zu generieren und das Klima zu schützen.

In der ostfriesischen Gemeinde zeigt sich, dass der Ausbau der Windenergie und Tourismus kein Widerspruch ist. „Es hat hier nie Konflikte gegeben – ganz im Gegenteil: Gäste fahren mit dem Rad durch die Windparks und schauen sich die Anlagen einmal von nahem an“, so Bürgermeister Olaf Meinen. Die clevere Nutzung des Windes ist und bleibt Teil des Landschaftsbildes in Großefehn.

Ein ausführliches Portrait der Gemeinde Großefehn ist nachzulesen auf Kommunal Erneuerbar.

[Man muss die sogenannte Verspargelung der Landschaft um Großefehn nicht schön finden um den besonderen Unterschied zu unserer Stadt im Emsland zu erkennen: In unserem Lingen (Ems) gibt es nur wenige Windparks, mehr verhindert der Landkreis Emsland, der aber nie etwas gegen traditionellen, CO2-lastige Kraftwerke und das AKW Emsland. Insbesondere die radioaktiven Abfälle müssen noch Hunderttausende Jahre sicher verwahrt werden – ei ganz besonderer Beitrag zur Nachhaltigkeit…]

(Foto: „Windparks im Sonnenaufgang“ (Quelle: Hans Freese, Gemeinde Großefehn; Quelle PM von AEE).

The American Dream

27. November 2017

Dieser Traum geht in Erfüllung: Das Drents Museum Assen (NL)  und die Kunsthalle Emden (D) präsentieren seit gestern namhafte amerikanische Künstler in Europa! Die grenzüberschreitende Doppelausstellung widmet sich dem Amerikanischen Realismus von 1945 bis zur Gegenwart, unter anderem mit Werken von Edward Hopper, Andy Warhol, Alice Neel, Richard Diebenkorn, Martha Rosler, Alex Katz und Chuck Close. Nach dem 2. Weltkrieg symbolisiert die Abstraktion der New York School und nachfolgenden Künstlergenerationen den Wiederneuanfang und eine scheinbare Entideologisierung der Kunst in den USA. Dieser von einflussreichen Kunstkritikern geförderten Abstraktion steht der amerikanische Realismus gegenüber. Anhand der Themen Figuren, Stadtleben, Landschaft, Genre und Stilleben bieten das Drents Museum und die Kunsthalle Emden einen faszinierenden Einblick in den ‚American way of life‘. Damit ist die Ausstellung mehr als nur ein kunsthistorischer Überblick. Seine verschiedenen Strömungen und Künstlerpositionen spielen eine vom Kunstbetrieb nur teilweise gewürdigte und dennoch bedeutende Rolle in der Entwicklung der amerikanischen Kunst.

Die Werke zeigen  die realen Lebensbedingungen der Amerikaner auf, vertreten gesellschaftskritische Positionen und legen den Fokus verstärkt auf die menschliche Figur und die menschliche Existenz in den USA. ”American Dream” ist die erste große Übersichtsausstellung zum amerikanischen Realismus in Europa. Das Drents Museum konzentriert sich auf die Kunst von 1945 bis 1965, während die Kunsthalle Emden ihren Fokus auf die Zeit von 1965 bis zur Gegenwart richtet. Die Werke, die aus großen amerikanischen Museen, Firmensammlungen und Privatsammlungen stammen, nehmen die Besucher mit auf eine Reise durch die Kultur und die Geschichte der USA in der Zeit seot 1945.

Bei der Eröffnungsfeier am Samstag hatte Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) am Sonnabend die engen Beziehungen zu den USA gewürdigt. Trotz mancherlei Irritationen über die gegenwärtige politische Ausrichtung in den USA bleibe es dabei: „Uns verbinden offene Gesellschaften und ein gemeinsames transatlantisches Wertefundament, für deren Erhalt wir uns engagieren müssen“, erklärte Gabriel.

Mehr auf der Webseite der Ausstellung. Und hier (bei der Deutschen Welle.

Hier finden Sie die touristischen Tipps beider Museen für ihre Städte und Regionen als dreisprachiges blätterbares PDF-Dokument  und

hier geht es zum Kartenverkauf.

Die ostfriesische Gemeinde Wangerland hat ihre neun Kilometer Nordseestrand fast komplett eingezäunt. Sie bittet jeden Besucher zur Kasse. Aber nicht mehr lange, denn das Bundesverwaltungsgericht gibt in einem Grundsatzurteil den Strand weitgehend wieder für alle Bürger frei.

Drei Euro verlangte Wangerland für den Zugang zum Strand, nur nicht von Anwohnern und Kurtaxe-Zahlern. Der Eintritt sollte selbst dann fällig werden, wenn Besucher gar nicht baden, sondern nur einen Spaziergang machen wollten. Dies verstößt nach Auffassung der Richter gegen die allgemeine Handlungsfreiheit, welche das Grundgesetz allen Bürgern gibt. Außerdem ergebe sich aus § 59 Bundesnaturschutzgesetz das Recht für jedermann, Landschaften frei zu betreten.

Eintritt dürfe für Strände nur in Bereichen kassiert werden, die besonders erschlossen sind. Also zum Beispiel an Abschnitten, wo es Restaurants, Kioske, sanitäre Einrichtungen und besondere Liegeflächen gibt. Abseits dieser Infrastruktur befinde sich aber „freie Landschaft“ im Sinne des Gesetzes, und hier sei ein Eintritt eben nicht zulässig. Die Gemeinde hatte argumentiert, die Unterhaltung des (teilweise künstlich aufgeschütteten) Strandes koste viel Geld. Aber auch das macht eine „großflächige Kommerzialisierung“ deutscher Strände nicht zulässig, befinden die Richer.

Möglicherweise brechen auch vielen anderen Gemeinden in Schleswig-Holstein Einnahmen weg. „An der Nordseeküste wird generell von Tagesgästen mit wenigen Ausnahmen ein Strandeintritt verlangt“, zitiert stern.de die Geschäftsführerin des Tourismusverbandes Nordsee. In Mecklenburg-Vorpommern gibt es laut dem dortigen Tourismusverband keine eingezäunten Strände. Allerdings werde dort von Tagesgästen oft Kurtaxe kassiert (Bundesverwaltungsgericht Aktenzeichen 10 C 7.16).

[Ein Beitrag von Udo Vetter, LawBlog]

Mit dem britisch-amerikanischen Film „Der wunderbare Garten der Bella Brown“ als Eröffnungsfilm und Deutschlandpremiere wird heute das diesjährige Internationale Filmfest Emden-Norderney eröffnet. In Anwesenheit von Regisseur Simon Aboud („Comes A Bright Day“) und Produzentin Christine Alderson startet die 28. Ausgabe des Internationalen Filmfest Emden-Norderney  im Neuen Theater Emden mit einer beinahe märchenhaften Suche nach dem Sinn des Lebens.

An acht Tagen präsentiert das Festival in fast 180 Vorstellungen 95 internationale Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilme im CineStar-Kino, im Neuen Theater, im vhs Forum sowie auf Norderney im Kurtheater und im Conversationshaus. Dabei laufen in den Wettbewerben des Festivals allein 22 Filme als Deutschlandpremiere oder sogar als Uraufführung, mehr als je zuvor. Darüber hinaus sind 13 Filme des Kurzfilmprogramms erstmals in Deutschland zu sehen. Das Internationale Filmfest Emden-Norderney vergibt in seiner 28. Festivalausgabe Preise im Wert von über 60.000 Euro.

Dem Trend der Vorjahre zu einer starken Präsenz des französischen Kinos setzt sich auch in diesem Jahr fort. Dabei sind „Lieber leben“, über einen Sportler, der nach einem Unfall aus dem Rollstuhl wieder heraus möchte, „Der Wein und der Wind“, über das Schicksal eines Weingutes im Burgund, „La fille de Brest“, der wahren Geschichte eines Medikamentenskandals oder „Monsieur Pierre geht online“ mit Pierre Richard, der auf seine alten Tage das Internet und anonyme Flirts entdeckt, allesamt bieten sie als deutsche Erstaufführungen französisches Kino vom Feinsten.

Lange Tradition hat die Reihe New British & Irish Cinema. Hier laufen neben dem Eröffnungsfilm u.a. die temporeiche Komödie „The Party“ von Sally Potter sowie der bewegende Dokumentarfilm „Thank You For The Rain“ über den Klimawandel und dessen fatale Folgen.

Absolut hochkarätig zeigen sich auch die weiteren Filme der Internationalen Reihe: Aus Norwegen kommen „Das Löwenmädchen“ über ein Kind, das stark behaart zur Welt kommt. „Handle With Care“, ist eine sehr berührende Vater-Sohn-Geschichte und ebenso deutsche Erstaufführung wie die niederländisch-jordanisch-deutsche Koproduktion „Blessed Benefit“ von Mahmoud al Massad, die auf sehr unterhaltsame Weise zeigt, dass man ziemlich lange Zeit im Gefängnis verbringen kann, wenn es die Umstände so wollen…

Wieder stark vertreten in diesem Festivaljahrgang sind deutsche Produktionen, darunter als Uraufführungen Pepe Danquarts charmante Liebeskomödie „Auf der anderen Seite ist das Gras viel grüner“ (Hauptdarstellerin Jessica Schwarz und Regisseur Pepe Danquart sind zu Gast), Stefan Krohmers frisch-freche Komödie „Zur Hölle mit den anderen“ (das Buch stammt von Nicole Armbruster, Drehbuchpreis-Gewinnerin in Emden 2012 ), der soeben abgedrehte neue Bremen-Tatort: „Zurück ins Licht“ (Gast: Regisseur Florian Baxmeyer) und die kunstvolle Verfilmung eines Theaterstückes „Fenster Blau“ (zu Gast ist Regisseurin Sheri Hagen).

Besonders zeitaktuell sind die politisch unkorrekte österreichische Komödie „Die Migrantigen“ und der Dokumentarfilm „Auf dünnem Eis – Die Asylentscheider“, der Asylverfahren von der Anhörung bis zum Entscheid begleitet.

Im Rahmenprogramm des Festivals sorgen u.a. das DGB-Filmgespräch (in diesem Jahr u.a. über 20 Jahre DGB Filmpreis) und der allabendliche Mitternachts-Talk im Grand Café Emden für zusätzliche Informationen zu Filmen und Gästen. Last not least: Jenni Zylka bittet am Festival-Samstagnachmittag den diesjährigen Schauspiel-Preisträger Ulrich Tukur zum Film-Tee ins Forum.  Der Spielplan findet sich hier.

Hier ein Beitrag der taz.

9 Jahre

5. Juni 2016

FriesenbrückeAm Abend des 3. Dezember 2015 rammte ein Frachtschiff das geschlossene Klappteil der Friesenbrücke zwischen Weener und Westoverledingen und zerstörte so die Eisenbahnbrücke, die auch für Fußgänger- und Radfahrer einen Weg über die Ems ermöglichte. Seither kann die Friesenbrücke nicht mehr genutzt werden und das wird noch lange der Fall sein. Ein notwendiger Neubau wird inklusive Planung, Planfeststellung und Bauausführung mindestens fünf Jahre dauern. Das sagten die Leute der Bahn sofort nach dem Unfall und lehnten sich bequem wieder zurück. Die niederländischen Nachbarn rieben sich ob dieses Zeitraums fragend die Augen. Nachdem Bahnchef Rüdiger Grube vor einigen Wochen in Emden „fünf Jahre sind viel zu lang“ gesagt hatte,  konterte ihn jetzt seine betuliche Belegschaft aus: Es kann auch 9 Jahre dauern, meinte der zuständige Bahn-Mann Gerd Matschke  (Titel: „Leiter der Regionalnetze Nord der Deutschen Bahn“). Offenbar noch 9 Jahre – für eine Brücke.

Und dann meldete der NDR noch diese kleine freche Bemerkung eines der betulichen Bahn-Herren auf den Bürgerversammlungen am Donnerstagabend, die zeitgleich auf beiden Seiten der Ems stattfanden. Nach dem Zweiten Weltkrieg hätten die „Planungen auch so lange gedauert“, das wisse aber keiner mehr. Das behauptet er nur. Richtig geplant wurde nämlich erst, als das Geld da war und nicht schon 1945.

„Die heutige Friesenbrücke“, lese ich unterdessen auf wikipedia, „ist das zweite Brückenbauwerk an dieser Stelle. In den Jahren 1874 bis 1876 wurde zunächst ein 345 Meter langes Brückenbauwerk mit einer integrierten Drehbrücke über die Ems errichtet. Diese Vorgängerbrücke ersetzte man in den Jahren von 1924 bis 1926 durch eine stählerne Fachwerkbrücke mit einer Rollklappbrücke über der Schifffahrtsöffnung. Errichter der Brücke war das MAN Werk Gustavsburg. Das Bauwerk besteht seitdem aus sechs Abschnitten mit jeweils rund 50 Meter Stützweite und einer Klappbrücke mit 30 Meter Spannweite. Mitte April 1945, kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs, sprengten Wehrmachtsoldaten die Brücke. Von 1950 bis 1951 wurde sie in gleicher Form wieder aufgebaut.“

Mich erinnert all dies an die Meldungen in der letzten Woche, der neue Gotthardtunnel in der Schweiz werde erst wirklich für Entlastung im Güterverkehr sorgen, wenn die 182 Kilometer lange deutsche Zubringerstrecke Karlsruhe-Basel komplett ausgebaut ist: also „etwa 2034“, oder dass der Bahnhofsneubau in Stuttgart („S21“) länger dauert und mal eben eine halbe Milliarde Euro teurer wird.

Es stellt sich die Frage: Wo klappt eigentlich überhaupt noch etwas bei dieser trägen Groß-Organisation? Liegt nicht nahe, dass die Herrschaften der Bahn ihren Job nicht können oder ihnen diese Projekte gleichgültig sind? Beispielsweise in persona Gerd Matschke? Es zieht sie ja niemand zur Rechenschaft, auch wenn’s 9 Jahre dauert. Also sollte umgehend ein Festpreisauftrag für Planung und Bau einer neuen Brücke ausgeschrieben, dann ein internationales Unternehmen beauftrag werden. Das geht in echt, wenn man will.

(Friesenbrücke, Foto Martina Nolte, Creative Commons by-sa-3.0 de)

 

Ostfriesland 2

3. April 2016

Was macht es mit eritreischen Flüchtlingen, in einem ostfriesischen Dorf zu landen – und was umgekehrt? Davon handelt der Dokumentar-Film „Gestrandet“ von Lisei Caspers, der am 7. April in die Kinos kommt.

Der Inhalt: Fünf Menschen aus Eritrea wird 2014 als vorübergehender neuer Wohnort ein kleines Dorf in Ostfriesland, 20 Kilometer von  Aurich entfernt, zugewiesen. In Strackholt, das gerade einmal 1500 Bewohner hat, sollen Hassan, Ali, Osman, Mohammed und Aman das Ergebnis ihres Asylverfahrens abwarten. Seither warten sie.

Ein paar der Einwohner bieten den Flüchtlingen ihre Hilfe an: Filmemacherin Lisei Caspers dokumentiert in Gestrandet, wie die Journalistin Christiane Norda und der pensionierte Schuldirektor Helmut Wendt versuchen, den eritreischen Neuankömmlingen ihre Ankunft zu erleichtern. Sie absolvieren mit ihnen Behördengänge, lehren sie die deutsche Sprache und backen sogar Kuchen mit ihren neuen Nachbarn. Doch der lange Warteprozess führt immer wieder zu Niedergeschlagenheit und Streitereien und jeder der Beteiligten hat mit dem zermürbenden Ablauf des Asylverfahrens zu kämpfen. Eine abgelehnte Einwanderung könnte schließlich bedeuten, dass das erhoffte und schon begonnene neue Leben in Deutschland mit einem Schlag zunichte gemacht wird. (Quelle)

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Ostfriesland 1

3. April 2016

ArlerErdeHeute sollen es bei uns an Ems und Vechte herrliche 20° Celsius werden. Deshalb kommt dieser Ostfriesen-Beitrag natürlich Tage zu spät. Er handelt von Uwe Rosenberg. Der Mann ist Spiele-erfinder und hat schon zwei Dutzend Spiele veröffentlicht. Zu seinen bekanntesten gehören das Kartenspiel Bohnanza, bei dem die Mitspieler Bohnen anbauen müssen, um an Taler zu kommen, und das komplexe Strategiespiel Agricola. Agricola und Rosenbergs Hafenspiel Le Havre wurden mit dem International Gamers Award ausgezeichnet. Das ist schon was in der Spiele-Szene.

Rosenbergs Spiele gehen dann auch in die ganze Welt, u.a. in die USA, nach Taiwan und Südkorea, wo Brettspiele groß in Mode sind, auch wenn das Thema des Spiels die Norddeutsche Provinz ist. Denn Uwe Rosenberg, der inzwischen im westfälischen Gütersloh lebt, kommt aus Norddeutschland, genauer: aus Ostfriesland, und für sein Ostfriesland hat er jetzt das Strategiespiel „Arler Erde“ entwickelt.

Arler Erde“ ist aber ein ziemlicher Spiele-Brocken. Man spielt daran zwei bis drei Stunden, obwohl das Spiel nur für ein bis zwei Spieler ist. Schon die Anleitung ist nichts für unerfahrene Spieler: Auf 19 eng bedruckten Seiten werden die 30 möglichen Spielzüge erklärt, aus denen man auswählen kann. Rosenberg riet, weiß die taz, deshalb Touristenbüros und Cafés in Ostfriesland davon ab, „Arler Erde“ anzubieten. „Das ist das Schlimmste, was man Touristen antun kann“, sagt Rosenberg. „Ein regnerischer Urlaub in Ostfriesland und dann noch so ein Spiel.“ „Niemand solle einen solchen Strategie-Klopper aus Versehen kaufen.“ liest man dazu in der taz.

Also arbeitet der westfälische Ostfriese an einem neuen Spiel. Es wird weniger komplex als „Arler Erde“, damit man es eben an Regentagen mit der Familie spielen kann. Es geht um die ostfriesischen Inseln. Die sollen die Spieler erschließen, bis der Tourismus boomt. „Sie müssen aus dem Nichts etwas machen, am Anfang Strandgut sammeln“, sagt Rosenberg. Man darf gespannt sein.

(Quelle taz)

 

Inkoopen bi Edeka in Ostfreesland

Inkoopen up platt: EDEKA versteckt im ostfriesischen Großefehn das Corporate Wording Konzept der Zukunft. Die lieblosen Marketing-Floskeln wurden komplett durch Plattdeutsch ersetzt, wie überhaupt der komplette Markt durch den Platt-Wolf gedreht wurde. In der Folge sind sämtliche Infotafeln auf Platt formuliert, während eine Schauspielerin vom Niederdeutschen Theater Aurich den Schnack in Mitarbeiter-Schulungen lernen lässt.

“Was bringt das Ganze?” fragt die Marketing-Peitsche vom alten Schlage. Antwort: Wenn da “Lecker Drüppkes” statt “Alkoholische Getränke” steht, kaufen wir gleich doppelt so viel.

pommes4 Der erste Plattdeutsche Supermarkt – EDEKA in Großefehn pommes4pommes5 Der erste Plattdeutsche Supermarkt – EDEKA in Großefehn pommes5pommes1 Der erste Plattdeutsche Supermarkt – EDEKA in Großefehn pommes1pommes3 Der erste Plattdeutsche Supermarkt – EDEKA in Großefehn pommes3
aus lebensmittelzeitung via Schlecky Silberstein