Auf den Spuren der Oranier in Lingen
Öffentliche Stadtführung mit Dr. Andreas Eiynck
Lingen (Em) – Emslandmuseum, Burgstraße

Freitag 15. Mai – 15 Uhr (Dauer ca 1 h)
Kosten 2 Euro

elml_oranierwappenDer aktuelle Stadtrundgang auf den Spuren der Oranier (Wappen lks) führt zurück in das Lingen des 17. Jahrhunderts. Gezeigt werden historische Schauplätze und Spuren, Erinnerungsstücke und Baudenkmäler aus der Zeit, in der Lingen gut 70 Jahre lang unter niederländischer Herrschaft stand. Stolze Bürgerhäuser und der Rathausgiebel von 1663, die Reformierte Kirche und das Professorenhaus künden bis heute von der damaligen Blütezeit der Stadt. Doch nicht nur prächtige Bauwerke, sondern auch viele kleine historische Spuren und Hinweise erinnern an die Zeit der Oranier in Lingen. Sie müssen nur entdeckt werden!

Der Rundgang unter der Leitung von Museumsleiter Dr. Andreas Eiynck beginnt um 15 Uhr am Emslandmuseum. Gleich am früheren Burgtor steht eines der markantesten Zeugnisse der damaligen Epoche: das Palais Danckelmann, errichtet 1646 als Wohn- und Amtssitz für den Juristen Silvester Danckelman. Ihn hatten die Oranier als neuen Richter für die Stadt und Grafschaft Lingen eingesetzt. Neue Gesetze in niederländischer Sprache, von denen sich viele gegen die katholische Kirche richteten, aber auch die hohe Effizienz der neuen Justizverwaltung sorgten damals für Aufsehen. Auch aus dem Familienleben und dem Schicksal der in Lingen nicht unumstrittenen Familie Danckelman weiß Dr. Eiynck manche Begebenheit zu berichten.

Gleiches gilt für den Andreasplatz an der Lookenstraße, benannt nach dem berühmten Lingener Chirurgen Andreas Wesken. An seinem Wohnhaus prangt bis heute hoch über dem Platz ein von ihm selber gestiftetes Denkmal mit einer Darstellung des Apostels Andreas. Auch die Archive wissen allerhand von seinen wundersamen Heilkünsten zu berichten. Denn wenn Weskens Patienten eine komplizierte Operation überlebten, ließ der Chirurg sich dies vom Richter Danckelman sogar amtlich bescheinigen.

Alle Teilnehmer an diesem Stadtrundgang dürfen sich freuen auf einen angenehmen Spaziergang durch die Innenstadt und eine unterhaltsame Geschichtsstunde vor Ort.

Karten   für den Rundgang gibt es nur beim LWT Lingen.

spanisch

23. Februar 2015

Wie spanisch war die spanische Zeit in Lingen?
Eine Zeitreise in die Lingener Geschichte
Vortrag von Dr. Andreas Eiynck
Lingen (Ems) – Emslandmuseum, Burgstraße 28b
Heute – 19 Uhr

Eintritt frei – Spende erbeten

Zu einem Vortrag über die „Spanische Zeit in Lingen“ lädt die Deutsch-Hispanische Gesellschaft am Montag, 23. Februar, um 19.00 Uhr in das Emslandmuseum Lingen in. Dr. Andreas Eiynck wird anhand zahlreicher Dokumente und Bilder über Lingen im Zeitraum zwischen 1550 und 1630 berichten. In diese Zeit fallen der Ausbau der Lingener Festungswerke, die wechselseitigen Eroberungen der Stadt im spanisch-niederländischen Krieg, aber auch der Wechsel der Konfession, der mit jeder Eroberung der Festung verbunden war. Der Referent wird dabei insbesondere der Frage nachgehen, wie stark die sogenannte „Spanische Zeit“ in Lingen wirklich von Spanien bestimmt wurde, oder ob im damaligen Habsburgerreich nicht ganz andere Kräfte das Schicksal Lingens leiteten.

Zur Einordnung: Der Habsburger Kaiser Karl V. eroberte im 16. Jahrhundert Lingen, um hier die unter den Tecklenburger 1541 eingeführte lutherische Reformation wieder rückgängig zu machen. Als bald darauf in den Niederlanden ein Aufstand gegen die Habsburger losbrach, kam den Habsburgern die Festung Lingen aufgrund ihrer verkehrsräumlichen Lage sehr gelegen. An der Spitze des Hauses Habsburg stand mittlerweile Philipp II, König von Spanien. So gelangten auch spanische Truppen auf den niederländischen Kriegsschauplatz, in dem die Festung Lingen eine wichtige Rolle spielte. Als „Teil von Spanien“ wurde Lingen aber nie betrachte, sondern die Habsburger zählten es immer zu den Niederlanden. Der Begriff „Spanische Niederlande“ kam erst später auf, als sich die calvinistisch geprägten nordlichen Niederlande entgültig von den Habsburgern lossagten. Auch der bekannte Admiral Spinola (Bild oben lks), der 1605 die Festung Lingen den Oraniern nach achtjähriger Besetzung wieder entreißen konnte, war kein Spanier, sondern ein gebürtiger Genuese, der in den Diensten der Habsburger stand. Die von ihm auf dem heutigen Universitätsplatz errichtete Garnisonskirche nannten man folgerichtig auch nicht die „Spanische“, sondern die „Italienische Kirche“. Das Heer der Habsburger bildete ohnehin einen bunten Mix von Söldnern aus vielen Ländern Europas.

Neben den großen politischen und militärischen Ereignissen dieser Zeit schildert Andreas Eiynck (Foto unten) aber auch alltägliche Begebenheiten aus jener Epoche. Hierzu gehört das Leben der Bauern, wie es sich im Spiegel der „Beschrivinge“ der Grafschaft Lingen von 1555 darstellt, aber auch das Schicksal der Bewohner von Stadt und Land in den damaligen Kriegszeiten. Schließlich zeigt der Referent Beispiele, wo Spuren der „Spanischen Zeit“ in Lingen bis heute zu entdecken sind.
Die Deutsch-Hispanische Gesellschaft lädt zu diesem Vortrag ein.

(Aufnahmen: Oben Ambrogio Spinola – Gemälde von Michiel Jansz. van Mierevelt, 1633; unten: Dr. Andreas Eiynck, Foto von J.-H. Janßen CC BY-SA 3.0)