Ist da

7. Oktober 2017

Gestern durfte ein lokaler Rechter in unserer Lokalzeitung behaupten, der Klimawandel sei kein Menschenwerk. Niemand widersprach ihm. Seine eigene Wirklichkeit erinnerte mich an die Rede, die der ehm. US-Präsident Obama vor nicht ganz einem Jahr in New York hielt. Hier der wichtige Bacon-und-Donut-Ausschnitt, wobei ich nicht weiß, ob dieser Frerener Ignorant die fremdsprachige Passage versteht. Ist mir auch egal.

Denn es gibt auch gute Nachrichten: 2016 ist die Photovoltaik weltweit stärker gewachsen als alle anderen Energiearten. Im vergangenen Jahr wurden Solaranlagen und -kraftwerke mit einer Gesamtkapazität von 74.000 Megawatt zugebaut. Damit liegt das solare Wachstum erstmals über dem Netto-Zubau von Kohlekraftwerken, der 57.000 Megawatt betrug. Das geht aus einem Bericht der Internationalen Energieagentur IEA hervor. Am stärksten war der Zubau in China.

Die Organisation erwartet auch für die kommenden Jahre ein weiteres starkes Wachstum. Bis 2022 könnten die Erneuerbaren-Kapazitäten um 43 Prozent steigen. „Wir erwarten, dass die Erneuerbaren um etwa 1000 Gigawatt bis 2022 wachsen, was etwa die Hälfte der derzeit installierten globalen Kapazitäten für die Kohleverstromung entspricht, die in 80 Jahren aufgebaut wurden“, so Fatih Birol, Direktor der IEA. „Wir sind Zeuge der Geburt einer neuen Ära für die Photovoltaik. Wir erwarten, dass die Photovoltaik-Kapazitäten schneller als die aller anderen Erneuerbaren-Technologien bis 2022 wachsen werden“, so Birol weiter.

Die ausführliche Meldung auf Englisch gibt es auf den Seiten der IEA.

Zudem sind die Stromgestehungskosten bei den Erneuerbaren kontinuierlich weiter drastisch gefallen.

Die Kosten seien bis auf 3,0 Cent pro Kilowattstunde gesunken. Damit seien die Stromgestehungskosten für Photovoltaik und Windkraft bereits teilweise niedriger als aus neu gebauten Gas- und Kohlekraftwerken, heißt es bei der IEA weiter.

Mit dieser Prognose ist die IEA endlich aus einem jahrelang währenden Dornröschenschlaf erwacht. Denn bisher hatte die Organisation Jahr für Jahr das Wachstumspotenzial der Erneuerbaren auf groteske Art und Weise unterschätzt. Viele Volkswirte orientieren sich an den Aussagen der IEA. Deswegen ist es so wichtig, dass diese eher konservative Organisation der OECD anerkennt: Das solare Zeitalter ist da.

(Quelle piq)

Rechnung

10. März 2010

Der Niedersächsische Landesrechnungshof kontrolliert die öffentlichen Finanzen des Landes. Er ist unabhängig und prüft die Haushalts- und Wirtschaftsführung auf Einhaltung der  Rechtsvorschriften und auf Wirtschaftlichkeit. Jetzt hat er gefordert, Stellen im Bildungsbereich zu kürzen. 9200 Lehrerstellen in Niedersachsen sollten aus seiner Sicht bis zum Jahr 2020 abgebaut werden. «Aufgrund des demografischen Wandels werden die Schülerzahlen in den nächsten zehn Jahren signifikant zurückgehen», sagte der Vizepräsident des Landesrechnungshofes Fritz Müller der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Mit den Landtagsgrünen kritisiere ich das als  „wirtschaftspolitisch extrem kurzsichtig“.  „Eine gut ausgestattete Schule ist die wichtigste Grundlage für die wirtschaftliche Entwicklung unseres Landes“, bewertete die Grünen-Politikerin Ina Korter (Foto) zutreffend die Forderung des Rechnungshofs.

Andere Länder – in Europa zum Beispiel das reiche Finnland und das weniger reiche Polen – haben gerade in wirtschaftlichen Krisen in ihr Bildungssystem investiert. Sowohl im internationalen Vergleich als auch im Vergleich zu den Ländern in Süddeutschland sei das niedersächsische Schulsystem deutlich im Hintertreffen. Der Anteil der Bildungsausgaben am Bruttoinlandsprodukt liegt schon in Deutschland allgemein mit 4,8 Prozent deutlich unter dem OECD-Durchschnitt von 5,7 Prozent. Und nach dem jüngsten deutschen Bildungsfinanzbericht hat Niedersachsen pro Schüler nur 4.900 € im Jahr aufgebracht, während im Bundesdurchschnitt 5.200 € investiert wurden.

„Wenn Niedersachsen jetzt in den Schulen weiter kürzt, wird es seine Schlusslichtposition auf lange Zeit beibehalten“, so Ina Korter. Sie zitiert die OECD-Direktorin Barbara Ischinger, die bei der Vorlage des jüngsten OECD-Bildungsberichtes erklärt hatte:“ Wenn Deutschland gestärkt aus dieser Wirtschaftskrise hervorgehen will, dann ist jetzt der Zeitpunkt, in Bildung und höhere Qualifikation zu investieren.“ Das denke ich auch. Sonst zahlen wir eine ganz andere Rechnung.