„Adolf“ geritzt

15. Juni 2019

Es gibt Orte, die wirken so verlassen, dass es weh tut. Der Bohmter Friedhof „Meyerhöfen“ im Landkreis Osnabrück ist einer von ihnen. Halb vergessen liegt er zwischen Venner Moor und Ochsenmoor, an einer winzigen Nebenstraße ins Nirgendwo, zwischen Wald und Feld. 482 Tote sind hier bestattet, in den 1950er- und 1960er-Jahren aus dem gesamten Regierungsbezirk Osnabrück umgebettet, die meisten Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter der NS-Diktatur, viele Frauen und Kinder.

Etwas Unheimliches liegt über dem Ort: schiefe, heruntergebrochene Lattenzäune, Bänke, deren Sitzbretter wegfaulen, verrostete Grablichter, tief ins halbtote Gestrüpp geschleudert. Einige der kleinen Granit-Grabblöcke sind aus dem Boden gehebelt, andere von Astwerk überwuchert, viele so schmutzig, dass die Nummern, die sie tragen, nicht mehr lesbar sind. Müll liegt herum. Wer immer hier mäht, scheint nicht zu wissen, was ein Freischneider ist. Hinten, an den Betonstelen, ver­trocknet ein Kranz.

Das Schlimmste aber sind die Schändungen. Die vier Bronzetafeln der Stelen wurden abgesägt, aus der Verankerung gebrochen, vor Jahren schon – sie trugen die Namen der Toten. In die verblichene, verfärbte, schon längst nicht mehr faktenaktuelle Plastiktafel am Eingang hat jemand „Adolf“ geritzt.

Daniel…

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