aussetzen

12. Dezember 2018

Dasjenige Land, in dem Geflüchtete zum ersten Mal europäischen Boden berühren, ist für das Asylverfahren zuständig. So will es das sogenannte Dublin-III-Abkommen der EU. Aufgrund dieser Regelung werden regelmäßig Schutzsuchende innerhalb der EU rückgeführt. Die Niederlande haben nun jedoch beschlossen, Rückführungen geflüchteter Familien mit minderjährigen Kindern nach Italien vorläufig auszusetzen. Grund hierfür ist eine Gesetzesänderung der italienischen Regierung, die nach Auffassung der niederländischen Zuwanderungs- und Einbürgerungsbehörde  den Aufenthalt in Italien zu unsicher macht.

Die Gesetzesänderung der italienischen Regierung, bestehend aus der populistischen Bewegung Cinque Stelle und der regionalistischen Lega Nord, sieht gravierende Neuregelungen im dortigen Asylrecht vor. In Italien dürfen demnach nur noch Geflüchtete und unbegleitete Minderjährige Zugang zu einer Unterkunft erhalten, wenn sie eine Aufenthaltsgenehmigung vorweisen können. Der Aufenthalt in Asylbewerberheimen soll darüber hinaus auf ein halbes Jahr begrenzt werden. Für den Schutz der Asylsuchenden sollen die Gelder aus dem italienischen Haushalt des Weiteren drastisch gekürzt werden. Die Folge der Gesetzesänderung wird sein, dass zahlreiche Schutzsuchende obdachlos werden. Die Neuregelung, mit der illegale Einwanderung bekämpft werden soll, werde deshalb das glatte Gegenteil bewirken, sagen Kritiker. Rund 60.000 Menschen würden durch das Migrations- und Sicherheitsgesetz, so der Name des neuen Gesetzes, illegalisiert. Die Vereinten Nationen führten, dass dadurch die Geflüchteten anfälliger für Drogen- und Menschenhandel würden und sich die Sicherheitslage in Italien zuspitzen werde.

Jetzt prüft der IND, ob der Aufenthalt von geflüchteten Familien mit minderjährigen Kindern in Italien noch sicher ist. Solange die Untersuchungen laufen, werden keine Familien mehr nach Italien abgeschoben. Auch der Raad van State, ein Beratungsorgan der niederländischen Regierung, wird sich mit der Frage befassen. Die Geflüchtetenorganisation VluchtelingenWerk Nederland ruft die niederländische Regierung indes dazu auf, denjenigen Personengruppen, die von der italienischen Gesetzesänderung berührt sein werden, eine Asylverfahren in den Niederlanden in Aussicht zu stellen.

Erst kürzlich kam in den Niederlanden, wie NiederlandeNet berichtete, die Debatte um das sogenannte Kinderpardon auf. Mit dem Kinderpardon würde das Bleiberecht geflüchteter Kinder verbessert. Für das Kinderpardon engagierte sich auch das VluchtelingenWerk, das darüber hinaus eine Verbesserung der Lebenssituation von geflüchteten Familien, insbesondere deren Kinder, in den Niederlanden anmahnt. In einem Manifest, das die NGO gemeinsam mit anderen gesellschaftlichen Organisationen verfasst hat, wird bei zehn Punkten deutlicher Nachholbedarf angemeldet. So hätten geflüchtete Familien unter anderem einen schweren Stand auf dem Wohnungsmarkt und keinen geregelten Zugang zur Gesundheitsversorgung. Auch wären Schulbesuche von geflüchteten Kindern noch immer keine Selbstverständlichkeit. Zudem müsse die Sicherheitslage junger Mädchen in den Asylbewerberheimen verbessert werden.

 

[Ein Beitrag von Niederlande.Net]

Austeritäts-Haushalt

27. September 2018

Der unsoziale Austeritäts-Haushalt der niederländischen Mitte-Rechts-Regierung trifft auf Proteste. Seit Beginn dieses Jahres gab es mehr Streiks als im gesamten letzten Jahr, das mit 32 Arbeitsniederlegungen bereits den höchsten Stand seit 1989 erreicht hatte.  Am kommenden Dienstag wollen Zehntausende in den Haag gegen diese Politik demonstrieren. Niederlande.net berichtet über die Fortsetzung der Aktionen gegen den Haushalt der Regierung in dem 17-Mio-Nachbarstaat:

„Die Debatten um den Haushaltsplan der niederländischen Regierungen bestimmen nach wie vor das politische Geschehen in Den Haag. Am Prinsjesdag wurde der Entwurf der Regierung für das neue Haushaltsjahr präsentiert, danach begannen die Haushaltsdebatten, die zu den Höhepunkten im Parlamentsjahr zählen. Wie viel Geld wofür ausgegeben werden soll, wo eingespart werden muss und welche Ziele sich das Kabinett unter Mark Rutte setzt, können Sie hier nachlesen…“

Besonders benachteiligt sehen sich die niederländischen Grundschullehrer, die im Zentrum der Proteste stehen. „Seit über einem Jahr haben wiederholt Tausende von ihnen gestreikt und gegen ihre niedrige Bezahlung und steigende Arbeitsbelastung protestiert. Der größte Protest fand am 5. Oktober letzten Jahres mit 60.000 Lehrern in Den Haag statt, dem Sitz von Regierung und Parlament. Ein Jahr danach, am Dienstag den 2. Oktober, wollen die Lehrer – diesmal gemeinsam mit anderen Beschäftigten im öffentlichen Dienst – erneut in Den Haag demonstrieren. (…) In keiner anderen Berufsgruppe ist die Zahl der chronisch Überarbeiteten so hoch. Auch die Bezahlung der Grundschullehrer liegt weit unter dem Durchschnitt. Mit einem Ausgangsgehalt von monatlich 2.346 Euro verdienen sie rund 30 Prozent weniger als der durchschnittliche Akademiker. Das führt dazu, dass immer weniger sich für diesen Beruf entscheiden.

Für den Grundschulsektor werden in den nächsten zehn Jahren fast 11.000 unbesetzte Stellen vorhergesagt. Die anhaltenden Proteste haben jedoch zu keiner erheblichen Verbesserung der Situation geführt. Die Gewerkschaften haben einen ab September geltenden neuen Tarifvertrag für Grundschullehrer ausgehandelt, der lediglich ein Gehaltsplus von 2,5 Prozent und eine Einmalzahlung von 750 Euro vorsieht. Die niederländische Regierung wies darauf hin, dass sie zusätzliche 270 Millionen Euro in die Gehälter investiere. Die Grundschullehrer hatten jedoch 1,4 Milliarden Euro mehr verlangt…“
(Gelesen im Artikel „Niederlande: Streik- und Protestwelle im öffentlichen Dienst“ von Harm Zonderland und Dietmar Henning am 25. September 2018 bei wsws)

Löhne nicht

8. November 2017

Während unser Land über reiche Schlupflochspezialisten diskutiert (nur Springerpresse mit WELT und der BLÖD-Zeitung (lks) setzt ihren eigenen Gegen-kleine-Leute-Schwerpunkt), hat sich SPD-Vize Olaf Scholz hat sich für eine deutliche Anhebung des Mindestlohns in Deutschland ausgesprochen: Denn „in einer Gesellschaft, in der die Löhne durch Globalisierung und technischen Wandel unter Druck geraten, muss die SPD den Mindestlohn noch viel stärker als Korrekturinstrument einsetzen, als sie es bisher getan hat.“ 

Nebenan in den Niederlanden gibt es dieselben Probleme, berichtet die deutsch-niederländische Informationsseite NiederlandeNet:

„Die Wirtschaft wächst – die Löhne nicht
„Um satte 3,3 Prozent wächst die niederländische Wirtschaft voraussichtlich im Gesamtjahr 2017. Das sind gute Nachrichten – allerdings nicht für alle. Ein erheblicher Teil der niederländischen Arbeitnehmer merkt vom wirtschaftlichen Aufschwung nämlich nichts und das geht schon seit Jahren so: Die Löhne bleiben strukturell hinter dem Wirtschaftswachstum zurück. Was sind die Gründe dafür und wer sind die Gewinner und die Verlierer dieser Entwicklung?

weiter …

 

(Quelle: NiederlandeNet)

Texel, jungfräulich

28. Mai 2016

Die niederländische Nordseeinsel Texel wurde in die Top 10 Europa-Liste 2016 des Reiseführers Lonely Planet aufgenommen. Texel wird gepriesen für seine unberührte Natur, die vielen verschiedenen Sportmöglichkeiten und das vielseitige Kulturangebot. Aufgrund der Empfehlung des einflussreichen Reiseführers wird für diesen Sommer ein Touristenansturm auf der Insel erwartet.

Texel_LighthouseDer tonangebende Reiseführer Lonely Planet hat seine Reise Top 10 Europa für den kommenden Sommer bekannt gemacht, unter den Empfehlungen befindet sich auch die niederländischen Nordseeinsel Texel. Der Reiseführer schwärmt über die „unberührten Dünen, die Wildreservate, herrlichen einsamen weißen Strände und Tannenwälder“ der Insel. Laut Lonely Planet bietet Texel nicht nur für Naturliebhaber einiges an Möglichkeiten, auch für andere Touristentypen gibt es vieles zu entdecken: eine Reihe von Festivals im Sommer, hervorragende regionale Agrarprodukte und die sogenannte Ronde om Texel, das weltgrößte Katamaranrennen. Aufgrund dieser Qualitäten gehört Texel zu der „ultimativen Auswahl an europäischen Reisezielen, die man dieses Jahr besuchen sollte“.

Der Direktor der örtlichen Touristen-Information VVVWouter de Waal, war begeistert angesichts der Platzierung seiner Insel:

„Dies sind gute Neuigkeiten für unsere schöne Insel. Wir sind richtig froh darüber. […] Ich bin davon überzeugt, dass Texel mit dieser Empfehlung Reisende aus der ganzen Welt anlocken wird und damit eine neue Zielgruppe für sich entdeckt.“

Auch auf den anderen Nordseeinseln erwartet man von der Empfehlung zu profitieren. Der Direktor der Touristen-Information von TerschellingRoelan Schoor, sagte diesbezüglich: „Absolute Klasse für Texel und auch gut für uns. Diese großartige Natur haben wir schließlich alle.“ Einen kleinen Vorteil für Texel sieht Schoor jedoch in der guten Fährverbindung: „Auf dem Schiff hat man kaum Zeit eine Tasse Kaffee zu trinken und dann fährt man mit dem Auto den Polder schon rein.“

Auf der Insel sieht man dem erwarteten Besucheransturm jedoch nicht überall ganz so gelassen entgegen. Viele befürchten, dass durch den Besucherandrang der Druck größer wird auf der Insel mehr Neubauprojekte zu beginnen und somit den Charakter und die Natürlichkeit der Insel anzutasten. Harry de Graaf der Stichting Kernwaarden Texel sagte gegenüber der Zeitung de Volkskrant:

„Im Lonely Planet wird unsere Insel als jungfräulich und weitläufig und „es wartet nur darauf, von Ihnen entdeckt zu werden“ präsentiert. Ich mag gar nicht daran denken, wenn das wirklich passiert. Wir wollen unsere schöne Insel schließlich auch erhalten. […] Es gibt immer Unternehmer, die noch mehr ausbreiten wollen. Und sobald mehr Touristen kommen, werden sie vielleicht mehr Druck ausüben.“

Zwischen den anderen Platzierten der Top 10 Liste kann Texel sich übrigens sehen lassen. Auf dem ersten Platz steht die griechische Halbinsel Peloponnes, auf dem zweiten Platz das dänische Arhus und auf dem dritten Platz die beliebte italienische Stadt Venedig.

(Quelle NiederlandeNet; Foto: Leuchtturm Texel von Jan Anskelt; CC BY-SA 3.0)

 


Lonely Planet nimmt für sich in Anspruch, der weltweit größte Verlag für unabhängige Reise- und Sprachführer zu sein. Die Reiseführer des Unternehmens, die mittlerweile zu fast allen Ländern, Metropolen und Regionen erscheinen, sind besonders unter Rucksacktouristen weit verbreitet. Sie erscheinen in 14 verschiedenen Sprachen (u. a. Englisch, Französisch, Deutsch, Spanisch und Hebräisch). Die Gesamtzahl der Titel liegt bei etwa 650, die Gesamtauflage bei etwa 55 Millionen.

1,8 Millionen

26. Mai 2016

NiederlandeVorgestern las man in der NOZ, die in unserem Städtchen als Lingener Tagespost daherkommt, eine Leserzuschrift, in der Kanzlerin Merkel angegriffen wurde, weil sie seit 11 Jahren daneben liege. Sicherlich muss man die Politik Merkels nicht gut finden. Doch ganz so schlimm kann’s nicht sein. Bei allem Verständnis dafür, dass es bei vielen immer noch eher mau ist, was geändert werden muss: Hierzulande geht es wirtschaftlich seit Jahren gut. Daran musste ich denken, denn eben las ich diese NiederlandeNet-Information über unsere Nachbarn im Westen:

„Im kommenden Jahr sind womöglich 1,8 Millionen Senioren und Arbeitnehmer in den Niederlanden von Rentenkürzungen betroffen. Viele Rentenfonds kämpfen seit geraumer Zeit mit finanziellen Problemen aufgrund niedriger Zinsen und schlechter Renditen im Anlagengeschäft.

Schätzungsweise 1,8 Millionen Rentnern und Arbeitnehmern in den Niederlanden drohen ab dem kommenden Jahr Rentenkürzungen. Dies teilte die Staatssekretärin für Soziale Angelegenheiten, Jetta Klijnsma, in einem Brief an die Tweede Kamer mit. Die Staatssekretärin verwies dabei auf einen Bericht der aufsichtshabenden Behörde De Nederlandsche Bank (DNB) vom vergangenen Freitag. Aus diesem Bericht geht hervor, dass die Rentenfonds aufgrund finanzieller Probleme ihre Rentenausgaben im kommenden Jahr vermutlich kürzen müssen. Bislang sind 27 Rentenfonds betroffen. Sie müssen ihre Renten im nächsten Jahr um 0,5 Prozent senken, bei einer durchschnittlichen Rente von monatlich 1.100 Euro sind dies 5,50 Euro.

Bislang sind die fünf größten Rentenfonds, ABPZorg en WelzijnMetaal en Bouw, noch nicht von eventuellen Kürzungen betroffen. Ob dies so bleibt, wird sich erst im Dezember diesen Jahres zeigen. Die Staatssekretärin zeigte sich diesbezüglich optimistisch: „Grundlage dieser Daten ist der 31. März. Die Deckungsgrade [Anm. d. Red: das Verhältnis von Vermögen zu finanziellen Verpflichtungen] sehen inzwischen ganz anders aus. Es kann sich also wandeln.“ Eventuelle Zinssteigerungen, welche den Rentenfonds zu Gute kämen, will die Staatssekretärin noch nicht ausschließen.

Grund für die finanziellen Engpässe der Rentenfonds sind niedrige Zinsen und schlechte Renditen im Anlagengeschäft. Bereits im vergangenen Jahr hatten viele Rentenfonds nur unzureichende Deckungsgrade: 84 Prozent der insgesamt 220 Rentenfonds verfügten nicht über ausreichende finanzielle Mittel, um den gesetzlichen Regelungen zu entsprechen. Sie mussten der aufsichtshabenden Behörde DNB einen Rettungsplan vorlegen. Im vergangenen Quartal waren die Deckungsgrade weiter gesunken: von 102 Prozent auf 96 Prozent. Gesetzlich vorgegeben sind 104 Prozent. Sollte der Trend sich weiter durchsetzen, könnten im kommenden Jahr 200 Rentenfonds betroffen sein.

Dies wäre nicht das erste Mal, dass Renten gekürzt werden müssen. In den vergangenen Jahren konnten die Renten kaum noch Schritt halten mit der wachsenden Inflation.“

ps. Hier die deutschen Zahlen.

[gefunden bei Niederlande.net; Foto: EM Aus für die Elftaal © web.de|

 

manches

3. Januar 2015

Wie bei uns, ändert sich auch bei Nachbarns manches zum 1.1.. Guckst Du hier, was gestern Niederlande.net berichtete:

Portemonnaie
[NL ändert Gesetze: Die gesetzlichen Veränderungen werden sich in den Geldbörsen direkt bemerkbar machen, Quelle: Guy Sle/cc-by-sa]

Pünktlich zum gerade angebrochenen neuen Jahr sind in den Niederlanden etliche Veränderungen in Kraft getreten. Dies meisten davon bedeuten finanzielle Einschnitte und wirken sich direkt auf die Geldbörsen der Niederländerinnen und Niederländer aus. Wie die Stiftung Nibud jüngst berechnete, wird die Kaufkraft einer Durchschnittsfamilie 2015 aber trotzdem um rund 0,75 Prozent ansteigen – unter anderem dank einer niedrigeren Inflation.

Auf höhere Kosten muss man sich in den Niederlanden seit dem Jahreswechsel zunächst bei den Verbrauchssteuern einstellen. Die Steuern für eine Packung Zigaretten oder Tabak wird um 9 Cent erhöht. Kraftstoffe wie Benzin, Autogas oder Erdgas werden um rund einen Cent teurer. Aber nicht nur an der Tankstelle wird es für Reisende und Pendler teurer, auch für die Benutzung des öffentlichen Nah- und Fernverkehr muss man tiefer ins Portemonnaie greifen: Zugkarten etwa werden rund zwei Prozent teurer.

Autofahrer erwarten zudem strengere Strafen für wiederholtes rüpelhaftes Verhalten im Straßenverkehr. Derjenige, von dem eine potentielle Gefahr durch störendes Verhalten wie zum Beispiel das Negieren eines Stoppsignals der Polizei oder die unrechtmäßige Benutzung der Standspur auf der Autobahn ausgeht, kann nun direkt strafrechtlich verfolgt werden. Bislang kamen derartige Wiederholungstäter mit einer Geldbuße und damit oftmals anonym davon. Aber auch „normale“ Straßenteilnehmer müssen sich umstellen: Sie erwarten 14 neue Verkehrsschilder, die vor allem deutlicher angeben sollen, auf welchen Fahrstreifen Straßenbahnen und Busse, aber auch Lkws fahren dürfen und auf welchen nicht.

Bei den Einkommen steigt der gesetzliche Mindestlohn für Angestellte ab 23 Jahren von 1.492 Euro auf 1.502 Euro pro Monat oder umgerechnet rund 69 Euro pro Tag. Topverdiener aus dem öffentlichen und halböffentlichen Sektor (Bildungseinrichtungen, Wohnungsbaugenossenschaften) dürfen dagegen seit dem 1. Januar nur noch maximal so viel wir ein Minister verdienen – insgesamt 178.000 Euro pro Jahr und damit 52.000 Euro weniger als noch 2014. Ältere Arbeitnehmer müssen ab 2015 zudem einen Monat länger bis zur Pensionierung arbeiten. Sozialleistungen der gesetzlichen Altersvorsorge werden nun erst nach 65 Jahren und drei Monaten gezahlt.

Weitreichende gesetzliche Veränderungen kommen 2015 auch auf Arbeitnehmer in den Niederlanden zu. Die meisten neuen Regelungen der Arbeitsrechtsreform treten zwar erst zum 1. Juli 2015 – machen sogar erst zum 1. Januar 2016 – in Kraft, aber auch mit dem Jahreswechsel gelten erste Änderungen. Zu den wichtigsten Veränderungen gehört, dass Empfänger von Arbeitslosengeld zukünftig bereits nach sechs Monaten Arbeitslosigkeit jede ihnen angebotene Arbeit akzeptieren müssen, um weiterhin staatliche Leistungen zu erhalten. Auch gilt die Vereinbarung von Wettbewerbsklauseln in befristeten Arbeitsverträgen mit Beginn 2015 als unzulässig. Ab dem 1. Juli folgen dann weitere Neuerungen wie etwa die Reform des Kündigungsrechts, neue Regelungen bei Abfindungen oder eine Reform für befristete Arbeitsverträge. Danach darf ein Arbeitgeber nur noch zwei statt zuvor drei zeitlich befristete Arbeitsverträge hintereinander mit einem Arbeitnehmer abschließen und ihm anschließend einen unbefristeten Vertrag anbieten. Wird kein neuer Vertrag angeboten, darf der Arbeitgeber den Arbeitnehmer nun sechs anstatt drei Monate nicht mehr beschäftigen.

Und auch für Studierende wird sich in den Niederlanden in diesem Jahr etwas ändern – allerdings erst im September. Dann gibt es für Personen, die ein Bachelor- oder Masterstudium aufnehmen neue Regelungen für die Studienfinanzierung. Sie bekommen zukünftig keine staatliche Ausbildungsförderungsbeihilfe mehr, die in eine Schenkung verändert wird, sofern sie binnen zehn Jahren ihr Studium abgeschlossen haben. Damit fallen 98 Euro für noch bei den Eltern wohnende und 272 Euro für außerhalb des Elternhauses wohnende Studierende weg. Jeder neue Studierende muss sich nun Geld in Form eines Darlehens leihen und hat insgesamt 35 Jahre Zeit für die Rückzahlung. Wohl erhalten bleibt der staatliche Zuschuss von 250 Euro für all jene Studierende, deren Eltern über ein sehr geringes Einkommen verfügen.“

 

Hier übrigens der Niederlande-net-Jahresrückblick: Die Niederlande 2014.

Zwarte Piet

13. November 2014

sint-und-piet
Die
haben Probleme, die Nachbarn! Bei den Niederländern hat sich das höchste Gericht mit einer kulturellen Frage ersten Ranges befasst; die dreht sich um den Zwarte Piet und Rassismus oder das, was manche dafür halten. Der Zwarte Piet („Schwarzer Peter“ auf Niederländisch) ist in den Niederlanden und Belgien der Helfer des Sinterklaas, des Heiligen Nikolaus in der niederländischen Überlieferung. Der im November und Dezember allgegenwärtige Zwarte Piet ist außerordentlich beliebt in der Bevölkerung, das Sinterklaasfest ist überhaupt wesentlich wichtiger als Weihnachten. Deshalb diskutieren die ganze Niederlande über den Zwarte Piet…Liest Du hier den Beitrag von Niederlande.Net:

„Die Stadt Amsterdam hat vergangenes Jahr zu Recht eine Genehmigung für den Sinterklaas-Einzug in Amsterdam erteilt. Die Frage, ob die Figur Zwarte Piet – der traditionelle Begleiter des niederländischen Nikolaus – diskriminierend wirke, sei dabei unerheblich gewesen. So urteilte das höchste niederländische Verwaltungsgericht, der Raad van State, am Mittwochmorgen. Gegner der Figur Zwarte Piet hatten die Stadt wegen der Genehmigung des traditionellen Umzugs verklagt und in erster Instanz Recht bekommen. Damals urteilten die Richter, dass die traditionelle Figur des Zwarte Piet ein negatives Klischee darstelle und der Einzug des Sinterklaas mit den schwarzen Helfern beleidigend für Menschen mit dunkler Hautfarbe sei.

Der Raad van State erklärte nun, dass die Genehmigung des Festzuges, die keine Regelungen zur Figur des Zwarte Piet vorsah, zwar „zu einem Eingriff in das Recht auf Respekt vor dem Privatleben der Kläger“ geführt habe. Dies bedeute aber nicht, dass der Bürgermeister der Stadt die Genehmigung hätte verweigern müssen. Auf gut 16 Seiten legen die Richter dar, dass die Gemeinde auch in den kommenden Jahren Genehmigungen für Straßenumzüge mit dem Heiligen Nikolaus und seinem schwarzen Helfer erteilen darf. Der Bürgermeister müsse bei der Erteilung der Genehmigung nur die öffentliche Ordnung im Blick haben und nicht beurteilen, ob die Veranstaltung inhaltlich zulässig sei.

Amsterdams Bürgermeister Eberhard van der Laan ist mit dem Urteil zufrieden, so ein Sprecher gegenüber der Tageszeitung de Volkskrant. „Er sieht, dass der Staatsrat seine Auffassung teilt, dass er kein Sittenwächter ist. Ihn kann und darf man nicht bitten, ein Event vorab inhaltlich zu beurteilen.“ Dennoch verstehe van der Laan, dass viele Amsterdamer Probleme mit der Figur des Zwarte Piet hätten, weshalb einige Änderungen durchgeführt worden seien.

Mit dem Urteil wurde der Diskussion um den Helfer des niederländischen Sinterklaas, den Zwarte Piet, ein neues Kapitel hinzugefügt. Seit sich eine UN-Arbeitsgruppe für Menschenrechte im Januar 2013 in einem Brief an die niederländische Regierung gewandt hatte, um anzukündigen, man wolle untersuchen, inwiefern eine rassistische Tradition hinter dem Sinterklaas-Fest stehe, welches mit dem Zwarte Piet ein Stereotyp des Afrikaners als „Bürger zweiten Ranges“ bediene (NiederlandeNet berichtete), zeigen sich die Niederlande gespalten. Traditionalisten wollen den Zwarte Piet beibehalten, Gegner wollen die Figur so schnell es geht abschaffen.“

Das Urteil des Raad van State 201406757/1/A3 vom 12.11.2014

Die Chronologie der Ereignisse im Kurzbeitrag
Zwarte Piet is racisme– Chronologie einer Debatte

 

[Quelle: Niederlande.Net; Foto: Sinterklaas und Piet, Quelle: Jan Arkesteijn/cc-by]