11. Gebot

12. April 2021

Die 10 Gebote kennt jede/r. Jetzt gibt es von mir das 11. Gebot hinzu. Es lautet „Du sollst nicht sögeln!“

Der Anlass:  Um Corona-Probleme für den Schlachthof zu verhindern, kontrolliert jetzt im emsländischen  Sögel nämlich der private Sicherheitsdienst des Tönnies-Schlachthofs Weidemark die dort Beschäftigten auch außerhalb des Werksgeländes. Die Gewerkschaft NGG ist entsetzt und das darf und muss man auch sein – selbst wenn die emsländische Gemeinde Sögel bereits seit Jahren öffentliche Sicherheitsaufgaben lokalen Privatpolizisten anvertraut hat. Zur Erinnerung: Sögel ist diejenige emsländische Gemeinde, in der unlängst Bürgermeister Günter Wigbers (CDU) eine Immobilie erworben hat, um sie dann persönlich an die eigene Verwaltung für eine neue Kita zu vermieten. Für diesen, übrigens nicht durch Privatpolizei entdeckten Filz hat er sich inzwischen entschuldigt. 

Schon im vergangenen Herbst hatten die Verantwortlichen mit Zustimmung von Landrat Marc Andre Burgdorf (CDU) die sog. „Arbeitsquarantäne“ eingeführt. Danach durften sich die ArbeiterInnen nur zwischen Arbeitsplatz und Wohnort bewegen und waren isoliert. Damit sollte ein Infektionsrisiko ausgeschlossen werden. Auf dieses sklavenhalterähnliche Prinzip hatten sich Weidemark-Eigentümer Tönnies und der Landkreis Emsland verständigt.  Landrat Burgdorf hatte unter dem Beifall der damaligen Sozialministerin Carola Reimann (SPD) erklärt: „Infektionsschutz steht über allem.“

Sechs Monate später gibt es aktuell schon wieder „vermehrt“ Corona-Infektionen im Sögeler Schlachthof. „Wir werden genau beobachten, wie sich das Infektionsgeschehen hier entwickelt. Eine Arbeitsquarantäne wie im letzten Oktober lehnen wir ab, da die Sicherheit und Gesundheit der Betroffenen an oberster Stelle stehen“, kommentierte am Wochenende Silke Helbich von der Sögeler SPD, die sich für die Arbeitnehmer bei Weidemark einsetzt. “Was bei Weidemark und auch in anderen Schlachthöfen bislang passiert, ist moderne Sklaverei. Dieses System muss abgeschafft werden“, fordert Silke Helbich. Die Sögelerin will für die SPD in den Bundestag und Gitta Connemann (CDU) den Wahlkreis Unterems abnehmen.

NGG Gewerkschafts-Chef Matthias Brümmer sieht das genauso: „Sollte der Landkreis Emsland wieder eine Arbeitsquarantäne anordnen, werden wir dagegen vorgehen.“

Die Samtgemeinde Sögel findet die neue Überwachungsidee offenbar völlig in Ordnung. Es handele sich um „Kontrollfahrten auf dem Marktplatz, vor Einkaufszentren und vor der Post“.

Unbegreiflich ist: Die Polizei begrüßt die verfassungswidrige „Unterstützung“ durch den Sicherheitsdienst des Schlachthofes. Die Maßnahme sei „mit der Samtgemeinde Sögel abgesprochen“, erklärte eine Polizeisprecherin dem NDR. Entscheidend soll, so die Beamtin, sein, dass die Mitarbeitenden des Sicherheitsdienstes die Landessprache der osteuropäischen Schlachthof-Beschäftigten sprechen und diese daher besser auf Verstöße gegen die Corona-Regeln hinweisen könnten. Wenn es aber um Ordnungswidrigkeiten gehe, sei weiter die Polizei zuständig. Immerhin, möchte man rufen, um gleich zu wissen, dass das natürlich falsch ist. Für Bußgeldverfahren reichen Zeugenaussagen.

Natürlich überhaupt nicht mit den Kontrollanordnungen einverstanden ist dagegen die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Die Kontrollfahrten seien „eine Katastrophe“, sagte NGG-Sprecher Matthias Brümmer. Es könne nicht angehen, dass Mitarbeitende eines Schlachthof-Sicherheitsdienstes von Kommune und Polizei als Hilfssheriffs eingesetzt würden. Brümmer sieht die Gefahr, dass die Schlachthof-Beschäftigten durch die Kontrollen stigmatisiert werden könnten und ihnen der „Schwarze Peter“ für die Corona-Infektionen zugeschoben wird. Er fordert stattdessen, die Wohnsituation der Osteuropäer zu verbessern, da sich die Infektionen in den Sammelunterkünften schnell ausbreiten würden. Recht hat er, der Gewerkschafter.

(Foto Blaue Schafe, keine schwarzen in Sögel; via Facebook CC s. Archiv 27.12.11; Quelle: NDR, NGG)

Tuberkulose

27. Februar 2019

In den vergangenen Monaten sind in den Landkreisen Cloppenburg und Osnabrück vor allem ausländische, in Schlachthöfen beschäftigte Wanderarbeiter und deren Angehörige an Tuberkulose erkrankt. Ein Mann starb so gar an der tückischen Krankheit. Bislang hieß es, dass Tbc-Infektionen insbesondere bei Wanderarbeitern in der Schlachtindustrie auftreten und die Erkrankung nicht unmittelbar mit deren Tätigkeit im Schlachthof zusammenhängt. Vor allem die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) machte die Wohn- und Arbeitsbedingungen der Wanderarbeiter für die Erkrankung veranortlich. Diese Einschätzung könnte sich jezt ädern.

Denn die amtlichen Fleischbeschauer in den Schlachthöfen hatten nach mehrere Krankheitsfällen gefordert, ebenfalls untersucht und gegebenenfalls behandelt zu werden.  der Landkreis Cloppenburg stimmte zu und bot kostenlose Tests an. Von insgesamt rund 260 Mitarbeitern des Landkreises nahmen 122 das Angebot der Behörde für kostenlose Tests an. Jetzt wurden die Testergebnisse bekannt: Sieben Mitarbeiter des Kreisveterinäramtes Cloppenburg sind positiv auf Tuberkulose getestet worden. Das bestätigte der Landkreis Cloppenburg. Bei diesen Mitarbeitern bestehe der Verdacht auf Tuberkulose, sie seien aber nicht akut erkrankt, betonte eine Sprecherin der Behörde. Sie würden von Ärzten betreut und gegebenenfalls weiter medikamentös behandelt.

Dass nun auch Beschäftigte betroffen sind, die zwar mit dem Fleisch in Berührung gekommen sind, aber vermutlich eher wenig Kontakt mit den Schlachthofmitarbeitern hatten, muss -so die Grünen im Landtag – dringend aufgeklärt werden. Sie  wollen dazu eine Unterrichtung im zuständigen Landtagsausschuss beantragen.

Die Grünen fordern aber auch weitergehende Konsequenzen. Ihre ostfriesische Landtagsabgeordnete Meta Janssen-Kucz  forderte eine verpflichtende Tuberkulose-Impfung für Schlachthof-Mitarbeiter und sagte „Die Ergebnisse der freiwilligen Tbc-Tests im Landkreis Cloppenburg sind alarmierend: Sieben von 130 Fleischbeschauern haben sich – vermutlich im Rahmen ihrer Tätigkeit – unbemerkt mit Tuberkulose infiziert. Da Tuberkulose durch Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch übertragen wird und die Fleischbeschauer in der Regel gar keinen Kontakt zu den Schlachthofmitarbeitern haben, stellt sich die dringende Frage nach dem Infektionsweg.“

Wir bewegen uns hier in einem sensiblen Bereich der Fleischverarbeitung“, so Meta Janssen-Kucz. „Über verpflichtende Impfungen gegen Tuberkulose sollten wir nachdenken.“ Das betreffe alle, die in Schlachthöfen ein und aus gingen, könne aber auch für die Angehörigen der Mitarbeiter*innen sinnvoll sein.

(Quellen taz, NDR, B’90/Di Grünen)

(Foto: Tuberkuloseerreger, von Dr. George P. Kubicaphil.cdc.gov, gemeinfrei)