immer alles gut

13. Januar 2020

Vorbemerkung: Der Neujahrsempfang in Lingen heißt seit einigen Jahren Bürgerempfang. Warum auch immer. Bürgerinnenempfang heißt es nicht und Einwohner*innen-Empfangauch nicht. Einwohner -so lernen es die Juristen- sind fast wie Bürger oder Bürgerinnen, dürfen aber nicht wählen. Also werden offenbar nur Bürger (m) empfangen. Das soll besser klingen. Tut es aber nicht, und man sollte es wieder ändern.

Hauptteil:
Gestern waren gut 1000 Menschen in der Halle IV, um 75 Minuten lang dem OB Dieter Krone bei seiner Neujahrsrede zu lauschen. Die ersten 10 Redeminuten vergingen dabei mit Begrüßungen, wobei die beiden Ehrenbürger unserer Stadt – also, ich hätte sie an den Anfang gestellt und als erstes begrüßt und nicht an Platz 17.

Dann kam die Rede, die ich so zusammenfasse: In Lingen war immer alles gut, es ist alles gut, und es wird alles – besser. Nur das mit dem Mobilfunk – also die Mobilfunk-Konzerne bekommen es einfach nicht hin. Das ist schlecht, und die Abgeordneten sollen an die Konzerne  appellieren, dass es in Lingen…  Kurze Zwischenfrage: Ist der Mobilfunk-Mast in Altenlingen jetzt in Betrieb? Weiß das jemand?

Nun gut. Eigentlich können diejenigen froh sein, dämmerte mir, während ich so lauschte und manchmal etwas den Kopf schüttelte und brabbelte, weshalb ich von einigen daneben Stehenden ein paar böse Blicke erheischen musste, also: Eigentlich können diejenigen jubeln, die OB Krone nicht begrüßte und nicht erwähnte: Das Forum Juden Christen, das Kulturforum und die Kunsthalle beispielsweise, die Umweltverbände und die Klimagruppe und Alexander Vent, der immer so penetrant in der Einwohnerfragestunde im Rat nach den Vorkehrungen gegen die Gefahren der Atomkraft fragen kann. Und -natürlich wichtig!- kein Wort zur Polizei oder den Justizmitarbeitern in den Knästen, die etwas für unser aller Sicherheit tun. Und Hermann Klaas, obwohl der das Lookentor verbessert, weil er nämlich den OB ärgert, oder der Lingener Ochtrup-Outlet-Kaufmann Jochen Brackmann, der die alte Kreissparkasse („Markt-Süd“) übernehmen wollte, aber nicht durfte, weil OB K. das den städtischen Gremien vorenthält und ganz persönlich etwas dagegen hat, und auch kein Wort an alle lokalen Sportvereine (Platzberegnung und Mäh-Robottttter ausgenommen), die er durch den, von ihm locker für Lingen vereinnahmten Drittligisten SV Meppen ersetzte, bevor er der HSG ein paar vergebliche Hoffnungswünsche zum Klassenerhalt machte.

Alle diese Unerwähnten können sich glücklich schätzen, weil OB Krone sie jetzt ausnahmslos und ausdrücklich in seiner nächsten Rede Anfang 2021 erwähnen wird. Das macht er nämlich so, wenn ich ihm zu Jahresbeginn in diesem kleinen Blog vorhalte, wen er in der Jahresrede vergessen hat. 2019 waren das die Gewerkschaften; deshalb nannte er die und die Betriebsräte dieses Jahr gleich fast zu Anfang.

Was war sonst noch in all dem Guten? Köln fällt ab gegenüber Lingen (wir wussten es längst!) und das Boni ist auf Platz Eins des FAZ-Krankenhausindex für Niedersachsen (Hat jemand für mich den Link dazu?). Schließlich will OB Krone ein zweites IT-Zentrum realisieren. Vor den Toren der Stadt „gegenüber der Hedonklinik“. OK, der Ackerboden dort ist wohl der beste der Stadt, aber dieses zweite IT-Startup-Zentrum ist Krones Idee, u.a. weil auch die Anbindung mit der LiLi so gut sei.

Als ich Krones neue IT-Forderung an sich selbst hörte, also den nächsten Acker zu bebauen und die emsländische Landschaft nicht zu bewahren sondern zu zersiedeln, fiel mir die Lösung ein, wie man den innenstadtschädlichen Bau eines großen Fachmarktes bei BvL stoppen kann, bei dem bekanntlich auch der totale Kahlschlag aller Bäume entlang der Schumacher-Brücke mit eingepreist ist. Da wo Hermann Klaas ein paar Dutzend Wohnungen bauen und dafür ein vergebliches Angebot abgegeben hat, das drei Mal so viel Geld für die Stadt brächte wie der Verkauf von 5000qm städtischer Flächen an den niederländischen Investor (nein, nicht an Familie van Lengerich!), genau dort könnte man das zweite IT-Zentrum bauen – nur wenige Schritte zu Fuß vom Bahnhof entfernt und allen wäre geholfen: Der Laxtener Esch wäre bewahrt wie gleichermaßen unsere Innenstadt und die Dienstleister kämen stadtplanerisch dorthin, wo sie hingehören: Nicht vor die Stadt sondern nahe ans Zentrum.

Schluss:
Denkt drüber nach, liebe Blog-Leser-Sternchen-innen, in dieser beginnenden dritten Kalenderwoche unseres 2020.