Alte Werte

8. Dezember 2013

AltewerteAch, wie schön! Die Oldenburger Staatsanwaltschaft praktiziert Murphy’s Law und schickte jetzt vor ein paar Tagen Rocker Stephan H. -passend zu dessen Geburtstag- ein Päckchen mit Haschischpflanzen und Amphetaminen. Der Mann ist nun aber kein Jungspund mehr sondern 47 und außerdem überzeugtes Mitglied des Rockerclubs „Alte Werte MC“ aus dem Landkreis Friesland. Das ist „ein Bruderschaft aus MC Erfahrenen Leuten die nach alten Werten leben und handeln“ (Quelle). Die Postsendung aus der Oldenburger Gerichtsstraße 7 nutzte der verdutzte Empfänger daher zu einem gut überlegten, begleiteten Ausflug zur Strafverfolgungsbehörde: Passend zum Nikolaustag und in Begleitung von  fünf anderen Rockern und Club-Präsident Frisco in Kutte und voller Montur fuhr er zur Staatsanwaltschaft und drückte dem Leitenden Oberstaatsanwalt Roland Herrmann das Päckchen in die Hand. Geschenkt.

„Wir sind ehrliche Rocker und haben mit Drogen nichts am Hut“, erklärte der 47-Jährige dem irritierten Behördenleiter, berichtete gestern die Oldenburger NWZ.  „Danke, dass Sie uns das Rauschgift zurückgebracht haben“, lobte der artig zurück. Grund für das peinliche „Geburtstagsgeschenk“ war seinen Angaben zufolge ein Zahlendreher in der Asservatenliste. Eine Bekannte hatte Biker Stephan H. eine goldene Taschenuhr gestohlen. Die wurde bei einer Durchsuchung sichergestellt und in die Asservatenkammer der Staatsanwaltschaft verbracht. Stephan H. als rechtmäßiger Besitzer sollte das schöne Stück nun zurückerhalten.

Die Uhr trug die Asservatenlistennummer 5873, die illegalen Genussmittel die Nummer 5783. Warum beide Nummern in dem Anweisungsbogen standen, ist völlig unklar. Mehr noch: Die Drogen-Nummer 5783  stand ganz oben auf dem Schreiben, die andere Nummer 5873 (Uhr) ganz unten und in dünnerer Schrift, was mancherlei Spekulationen über behördliche Reparaturversuche zulässt. Honi soit qui mal y pense. Der Asservatenverwalter hatte sich jedenfalls an der oben stehenden Nummer orientiert und das Päckchen mit dem Rauschgift ohne weitere Prüfung in den Versand gegeben. „Der hätte uns so auch eine Waffe schicken können“, meinte Rockerpräsident Frisco. Das kam bei Staatsanwalt Herrmann aber nicht so gut an: Man habe ja schon Ärger genug.

Stephan H. ist , weiß die NWZ, „erleichtert, dass das Rauschgift wieder aus dem Haus ist. ‚Die hätten mich eingebuchtet, wenn sie das bei mir gefunden hätten'“. so der Biker aus Friesland. Tja, alte Werte eben.

(Quelle)

Lac-Mégantic

7. Juli 2013

Die Güterzug-Kastastrophe von Lac-Mégantic ließ mich heute morgen darüber nachdenken, was in Lingen (Ems) los wäre, würde ein mit chemischen Produkten beladener Zug entgleisen und in Brand geraten. Zum Beispiel bei einem Crash in die Wohnsiedlung Neue Heimat oder in die Justizvollzugsanstalt. Sie kennen die Antwort: Es wäre nicht auszudenken.

Die Anlieger der Bahnstrecke, die vor 170 Jahren als Hannoversche Westbahn entstand,  fordern schon seit Jahren mehr Sicherheit und einen deutlich besseren Lärmschutz. Nach der Erneuerung des Gleiskörpers ist der Zugverkehr nämlich viel lauter geworden. Und auch deutlich schneller. Die Güterzüge knallen geradezu mit hohem Tempo mitten durch unsere Stadt, so dass man schon als Passant -beispielsweise am Bahnübergang Georgstraße- körperliches Unbehagen verspürt, wenn sie vorbei rasen.

Niemand sollte darauf vertrauen, dass schon nichts passieren wird. Das Gegenteil ist nämlich der Fall: Was schief gehen kann, geht schief. So sagt es Murphy’s Gesetz und seine lokale Unterregel: „Hagedorn’s law“. Also sollte, bevor ein politisch tätiger Bahnvorstand nach Lingen reist (update:für noch eine Wahlkampfverandstaltung), so schnell wie möglich das Tempo der durch Lingen fahrenden Züge verringert werden, vor allem der Güterzüge. Ich darf schließlich auch nicht meinen Tanklaster mit 100 km/h durch unsere Stadt fahren. Auch wenn es langsamer zugeht, kann natürlich ein Zug immer noch entgleisen, doch vielleicht sind dann die Folgen nicht so schrecklich wie gerade im Osten Kanadas. Den Nachteil kann man allemal verschmerzen: 2 Minuten Zeitverlust.

ps Und bei der Gelegenheit noch einmal: Die Lärmschutzwand für den „Soziallärms“ des an- und abfließenden Verkehrs zur neuen Emslandarena gehört natürlich nicht an die Westseite der Bahn, sondern -hoch und effektiv genug- an deren Ostseite, damit der Galgenesch auch etwas mehr Ruhe vor dem Zuglärm hat. Bisher nämlich planen die Experten anders. Für die Emslandarena kommt jetzt sofort Lärmschutz an die Westseite und in ein paar Jahren gibt es auch gegenüber an der Ostseite der Bahnstrecke eine zweite Lärmschutzwand. Da ist sie wieder, die Fachidiotie deutscher Bürokraten.