parteilos

28. September 2015

Bei den nordrhein-westfälischen Stichwahlen haben gestern die Wähler für manche Machtwechsel in den Rathäusern gestimmt. In Essen siegte CDU-Herausforderer Thomas Kufen mit überzeugenden 62,6 % über den amtierenden OB Reinhard Paß (SPD) mit 37,4 %. Damit stellt die CDU wieder einen Oberbürgermeister in einer deutschen Großstadt mit mehr als 500.000 Einwohnern; alledings betrug die Wahlbeteiligung nur peinliche 27,7 %. In Wuppertal verlor CDU-Oberbürgermeister Peter Jung gegen den 48jährigen SPD-Herausforderer Andreas Mucke, der mit 59,7 % siegte. In Krefeld wurde SPD-Mann Frank Meyer 63,8%  Prozent neuer OB gewählt. Im traditionell roten Bochum wurde Oberbürgermeister Thomas Eiskirch mit 53,1 % wiedergewählt. In Solingen setzte sich der rot-grüne Kandidat Tim-Oliver Kurzbach mit 55,6 % durch.

Überraschungen auch auch im benachbarten Münsterland. Hier gewannen glich in fünf von sechs Städten und Gemeinden die Kandidaten ohne Parteibuch durchgesetzt.

OstholthoffDer neue Bürgermeister in Hörstel heißt David Ostholthoff (Foto rechts). Der 37jährige Sparkassenmitarbeiter wurde von der SPD ins Rennen geschickt. Der CDU-Kandidat, Hörstels Kämmerer Willi Peters, unterlag mit 48,7%.  Das war gestern Abend wohl die  dickste Überraschung; denn im ersten Wahlgang vor zwei Wochen hatte Hörstels Kämmerer Willi Peters immerhin stolze 49 % erreicht und SPD-Ratsmitglied Ostholthoff nur 38,4 %.

In Laer hat der amtierende Bürgermeister Detlev Prange verloren: Er erreichte nur 38,5 % der Stimmen und verlor damit deutlich gegen seinen Herausforderer Peter Maier. Damit setzte sich ein Mann aus Bayern, der für die SPD und die FDP ins Rennen gegangen ist, gegen den einheimischen, von der CDU unterstützten Amtsinhaber durch.

Die Stadt Ahaus hat künftig eine Bürgermeisterin. Bei der Stichwahl erhielt die Unabhängige Karola Voß beeindruckende 67,6 % und bezwang damit sehr klar. Christoph Almering (CDU) mit 32,4 %. Die neue Bürgermeisterin gewann übrigens alle 26 Stimmbezirke und dies überall mit deutlichem Vorsprung.

In Ahlen gab es ein Kopf-an-Kopf-Rennen, das der Kandidat von CDU/FDP, Dr. Alexander Berger, mit 50,9 % knapp für sich entschied. 49,1 Prozent bekam die SPD-Kandidatin Ulla Woltering.  Die Wahlbeteiligung war mit 44,9 Prozent allerdings gering.

Marion Dirks ist mit 55,3 % die alte und neue Bürgermeisterin in Billerbeck. CDU-Kandidat Stefan Holtkamp bekam 44,7 % der Stimmen. Die Wahlbeteiligung lag bei sehr ordentlichen 62,9 %.

Wilhelm Möhrke verbuchte in Lengerich als unabhängiger Einzelbewerber außergewöhnliche 67,5 %  und setzte sich sehr deutlich gegen SPD-Mitbewerber Björn Schilling (32,5 %) durch. Der 63-jährige neue Bürgermeister ist gelernter Apotheker und seit 20 Jahren Vorsitzender des Stadtmarketingvereins „Offensive“.

(Foto via facebook)

Schaliegas

11. Juli 2014

BBU5300 Einsprüche gegen die Fracking-Pläne in den Niederlanden hat der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) gemeinsam mit befreundeten Bürgerinitiativen gesammelt und jetzt beim zuständigen niederländischen „Bureau Energieprojecten / Inspraakpunt conceptnotie structurvisie schaliegas“ vorgelegt. Die Einsprüche stammen vorwiegend aus Nordrhein-Westfalen,  schwerpunktmäßig aus den Bereichen Aachen, Niederrhein und Münsterland. Der BBU betont, dass der gemeinsame und grenzüberschreitende Protest der Bevölkerung das geplante Fracking verhindern kann. Der Umweltverband fordert den sofortigen Abbruch der laufenden Umweltprüfung, die den ersten Schritt zu Fracking in den Niederlanden darstellt und gegen die jetzt konkret Einsprüche eingereicht werden konnten. „Der BBU verlangt ein ausnahmsloses gesetzliches Fracking-Verbot in den Niederlanden, in Deutschland und anderswo. Und niederländische Umweltschützerinnen und Umweltschützer sind über das internationale Engagement des BBU sehr erfreut“, so Udo Buchholz vom Vorstand des BBU.

Die niederländische Regierung plant, Fracking -auf niederländisch „schaliegas“- zu ermöglichen. Dazu hat sie als ersten Schritt mit einer Strategischen Umweltprüfung (SUP) begonnen. Im Rahmen dieser Umweltverträglichkeitsuntersuchung soll ermittelt werden, wo und wie die gefährliche Gasfördermethode verwendet werden kann. Zu Reichweite und Detailtiefe der SUP konnten auch deutsche Bürgerinnen und Bürger bis zum 9. Juli 2014 Stellung beziehen. Hierzu hatte der BBU Sammeleinsprüche mit Unterschriftenlisten verfbereitet. Die Einsprüche beinhalten die konsequente Ablehnung von Fracking in jeder Form sowie die exemplarische Darstellung der Mängel des niederländischen Berichtsentwurfs. Dabei wurden auch die Gefahren des Frackings wie Grundwasserkontaminationen, Erdbeben, Störfälle mit kilometerweiten Auswirkungen, eine miserable Klimabilanz und eine ungelöste Entsorgungsproblematik aufgezeigt.

Oliver Kalusch (BBU) zum Verfahren in den Niederlanden: „Offensichtlich ist die niederländische Regierung entschlossen, Fracking trotz aller Gefahren durchzusetzen. Dies zeigt bereits der Entwurf des Untersuchungsumfangs der Strategischen Umweltprüfung. Wenige Ausschlussgebiete, die Möglichkeit auch unter Ausschlussgebieten horizontal zu bohren, erhebliche Lücken bei der Analyse des gesamten Fracking-Prozesses, eine mangelnde Berücksichtigung der Störfallproblematik und die Möglichkeit, ökonomische Interessen gegen Umweltaspekte auszuspielen, öffnen die Tore für Fracking. Allerdings stoßen die Verantwortlichen grenzüberschreitend auf den Widerstand der Umweltbewegung. Wir fordern die niederländische Regierung auf, das durchsichtige Prüfungsverfahren zu beenden und sich zu einem Verzicht auf Fracking ohne Wenn und Aber zu bekennen.“

Der BBU kritisiert, dass es Behinderungen bei der Einreichung von Einsprüchen aus der Bundesrepublik gegeben hat. Ein entsprechendes Online-Formular der niederländischen Regierung war nicht auf das System der Darstellung bundesdeutscher Postleitzahlen ausgerichtet. Der BBU wird prüfen, ob ein Formfehler vorliegt, der zur Verlängerung oder Wiederholung der Einspruchsfrist führen könnte.

Initiativen, Unternehmen und Privatpersonen, die sich gemeinsam grenzüberschreitend gegen Fracking engagieren möchten, können sich übrigens „zur Vernetzung beim BBU unter 0228-214032 oder per E-Mail [bbu-bonn(at)t-online.de] melden“. Weitere Informationen zum Thema Fracking in den Niederlanden findet man unter www.bbu-online.de.

Hach, Königs kommen nächsten Montag. König Willem-Alexander und Königin Máxima besuchen am 26. Mai den Nordwesten. Es ist ein Arbeitsbesuch.

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Beginnen wird die Reise am Vormittag des 26. Mai in Oldenburg, wo das Königspaar von Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) offiziell an der Universität empfangen wird. Dort wohnt das Königspaar einem Seminar über die Speicherung erneuerbarer Energien bei, indem unter anderem auf neue Speichertechniken, auf ihre Anwendung in der Praxis und auf langfristige Entwicklungen eingegangen wird. Der König wird hier eine Rede halten. An dem Seminar, das der weiteren Intensivierung der deutsch-niederländischen Zusammenarbeit auf diesem Gebiet dienen soll, nehmen auch deutsche und niederländische Spitzenvertreter aus Wissenschaft und Wirtschaft teil.

Im Anschluss werden sich der niederländische König und seine Gattin das EWE-Forschungszentrum für Energietechnologie Next Energy anschauen und sich zum Thema Energiewende informieren. Das Institut, das zu den Themen Smart Cities und Smart Regions forscht, ist der Universität Oldenburg angegliedert. Im Rahmen der Präsentation verschiedener Forschungsprojekte und Innovationen auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien wird auch das Projekt „Batteriewechselstation für Elektrofahrzeuge“ vorgestellt. Hierbei handelt es sich um die erste und einzige Batteriewechselstation in Deutschland, bei der Autos, wenn sie nicht fahren, als Energiespeicher genutzt werden.

Eine weitere Station des Arbeitsbesuches wird Leer sein, wo es das maritime Kompetenzzentrum Mariko besuchen wird. Vom Mariko aus wird ein gemeinsames deutsch-niederländisches Projekt für Flüssiggasschiffe koordiniert. Besonderes Interesse wird der König dem dortigen Schifffahrtsimulator entgegenbringen, der ihm von Studierenden des Fachbereichs Seefahrt der Hochschule Emden/Leer erläutert wird. Im Mariko findet im Rahmen eines Mittagessens auch ein Gespräch mit deutschen und niederländischen Entscheidungsträgern zum Thema „grenzüberschreitende Kooperation bei der Aus- und Weiterbildung“ statt. Vorab werden themenbezogene Präsentationen gegeben, unter anderem über die gemeinsamen Bemühungen der Region Leer und der Gemeinde Oldambt in der Provinz Groningen, Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt zusammenzuführen.

Königin Máxima wird währenddessen einen Stand der Kampagne „Frische ist Leben“ besuchen, einer gemeinsamen Initiative deutscher, niederländischer und flämischer Akteure zur Förderung des Obst- und Gemüseverzehrs in Deutschland. Deutschland ist der wichtigste Absatzmarkt für niederländisches Obst und Gemüse, wobei ein überdurchschnittlich hoher Anteil der Exporte nach Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen geht, so das niederländische Presseamt.

Die letzte Station in Niedersachsen wird die emsländische Gemeinde Werlte sein, wo der Besuch einer Gas-Produktionsstätte von Audi auf dem Programm steht. Die dortige Power-to-Gas-Anlage verwandelt Strom aus erneuerbaren Energiequellen in Methangas und speichert dies anschließend, bevor es als Kraftstoff für Autos zum Einsatz kommt. Mit Hilfe dieser Technologie kann Strom aus erneuerbaren Energiequellen für eine nachhaltigere Gestaltung der Mobilität genutzt werden. Aktuell sondieren verschiedene Akteure gemeinsam mit Audi die Chancen für eine Produktion dieses E-Gases im Norden der Niederlande.

Aus dem Emsland reist das Königspaar am Montagnachmittag ins Münsterland, wo zum Abschluss des ersten Besuchstages ein Abendessen in Schloss Wilkinghege in Münster stattfindet. Teilnehmen wird neben dem niedersächsische Ministerpräsidenten Weil auch die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD).

[Text: Quelle NiederlandeNet; Foto: Willem-Alexander und Máxima: Das niederländische Königspaar besucht Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen, Quelle: RVD]

update: Platzt Besuch in Werlte? fragt die NOZ.

Münsterland

16. Februar 2014

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Ziegel

26. April 2012

Ein neues Hochhaus reiht sich bald in die Münsteraner Skyline ein. Die Architekten Bleckmann & Krys (Münster) baut dort für die Firma Westfalengas ein elfgeschossiges Bürohochhaus. Der Entwurf war als Sieger eines eingeladenen Wettbewerbs hervorgegangen. Er orientiert sich stark an der Gestaltung des angrenzende Werksgebäudes von 1938: der Büroturm erhält eine für das Münsterland typische, rot verklinkerte Ziegelfassade. Zur optischen Gliederung tragen weiterhin vor allem die Lisenen aus Sichtbetonfertigteilen bei, die das Raster der tragenden Stützstruktur aufgreifen.

Der Büroturm wurde mit tragenden Außenwänden geplant, sodass die Bürogrundrisse auf neun Geschossen frei konfiguriert und mit Leichtbau-Trennwänden individuell aufgeteilt werden können. Im zehnten Obergeschoss entsteht eine Tagungs- und Eventebene, die mit bodentiefen Fenstern und beidseitigem Austritt einen weiten Blick über das Werksgelände und die Stadt bietet.

Der neue Büroturm -nahe der Halle Münsterland an der Bahnstrecke Richtung Süden gelegen- soll rechtzeitig zum 90-jährigen Jubiläum der Firma 2013 eingeweiht werden.

Auf der Karte zeigen: Google Maps

Ein Kommentator schrieb auf Baunetz.de: „Vielversprechend! Hier wird mit einfachen Mitteln viel erreicht, besonders der obere Abschluss überzeugt.  Der Entwurf erinnert im besten Sinne an die „zweite Moderne“ der 1950er.“ Ich stimme zu und finde es sehr bemerkenswert, dass und wie selbstverständlich mit roten Ziegeln gebaut wird. So wie es  im Münsterland und im ganzen Nordwesten guter Brauch ist, aber bei uns leider durch vielerlei, vorgeblich zeitgemäßen Schnickschnack ins Hintertreffen gerät.
(Foto © und mehr gefunden auf: Baunetz.de)

Fracing

8. März 2011

Evonik Steag, der fünftgrößte Stromerzeuger der Republik, hat einen neuen (Mehrheits-)Eigentümer. Der Evonik-Konzern hat eine Mehrheitsbeteiligung von 51% an seiner Energiesparte Evonik Steag GmbH bereits am  19. Dezember 2010 an das Stadtwerke-Konsortium Rhein-Ruhr verkauft. Jetzt, am 2. März, wurde der Verkauf wirksam. Bei dem Konsortium handelt es sich um einen Zusammenschluss von sieben Stadtwerken aus dem Ruhrgebiet (die Dortmunder Energie- und Wasserversorgung (18% Anteil), die Energieversorgung Oberhausen (6 %) sowie die Stadtwerke Dortmund (18%), Bochum (18%), Essen (15%), Dinslaken (6%)und Duisburg (19%)).  Den vorläufigen Kaufpreis bezifferten die Unternehmen auf 651 Millionen Euro. Der abschließende Preis wird auf Basis des bevor stehenden Teilkonzern-Abschlusses festgelegt. Die restlichen 49 Prozent der Steag-Anteile sollen die Stadtwerke spätestens in fünf Jahren übernehmen. Der Kaufpreis für das zweite Paket werde voraussichtlich rund 600 Millionen Euro betragen, hieß es.

Das Stadtwerke-Konsortium betonte, es wolle die Steag als „großen Player der Energieversorgung“ (?) etablieren und gleichzeitig den ökologischen Aus- und Umbau des derzeit vor allem auf Steinkohle ausgerichteten Kraftwerksparks vorantreiben. Die Steag -ein 5000-Mitarbeiter-Unternehmen mit einem Umsatz von nicht ganz 3 Milliarden Euro- betreibt in Deutschland an acht Standorten neun Steinkohlekraftwerke sowie zwei Raffineriekraftwerke mit einer Gesamtkapazität von 8,2 Gigawatt. Außerdem betreibt das Unternehmen drei Steinkohlekraftwerke in der Türkei, auf den Philippinen und in Kolumbien. Im Zukunftsmarkt erneuerbare Energien hat das Unternehmen nach eigenen Angaben in Deutschland eine führende Stellung bei der Erzeugung von Strom und Wärme aus Grubengas, Biomasse und Geothermie.

Weshalb ich über das NRW-Thema berichte? Nun, als neuer Mehrheitsanteilseigner der Evonik-Steag-Töchter Minegas GmbH und Mingas-Power GmbH könnte das Stadtwerke-Konsortium künftig auch das Gas fördern, das in der Kohle steckt, die noch unter Ruhrgebiet und Münsterland liegen. Darüber, ob die „fracing“ genannte Fördermethode überhaupt umweltverträglich geht, wird bekanntlich gegenwärtig öffentlich gestritten. Bisher ist das Kohleflözgas nur unter Einsatz von Grundwasser gefährdenden Chemikalien zu fördern. Beide Evonik-Steag-Tochtergesellschaften halten laut Bezirksregierung Arnsberg auch die (Berg-)Rechte, im Ruhrgebiet wie im Münsterland nach tieferliegendem Kohleflözgas zu suchen.

Übrigens: Der wachsende Widerstand der Bevölkerung gegen die geplanten Erdgas-Bohrungen im benachbarten Münsterland zeigt Wirkung: Der US-Ölkonzern ExxonMobil will die Arbeiten seiner Bohrtrupps von unabhängigen Wissenschaftlern kontrollieren lassen. Guckst Du hier. Dass Ähnliches auch in Lünne schon zugesagt ist, ist mir nicht bekannt.

(Quellen: Verivox, Ruhrnachrichten)