unmöglich

2. Dezember 2019

Wider Erwarten schreibe ich heute dann doch nichts über die heimatliche Glühweinkirmes ohne Kinder aber mit Eisstockschießen, also das Vergnügen, das manche in unserer Stadt freude- und auch sonst trunken fälschlich als Weihnachtsmarkt bezeichnen. Ich schreibe stattdessen über eine andere, ärgerliche Entwicklung, nämlich über die neue Straßenmöblierung:

Früher wurde die Gestaltung unserer Stadt in den Ratsgremien besprochen und entschieden. Heute nicht mehr. Daher stehen plötzlich neue Lampen vor meiner Haustür mitten in der Stadt und auch neue Mülleimer. Die  Lampen sind aus einer Hersteller-Insolvenz „günstig“ eingekauft und die neuen Mülleimer sind einfach nur…

Denn es hat wieder einmal niemand über die Leute nachgedacht die Flaschen sammeln. Das Flaschensammeln hat sich in unseren Zeiten der  Altersarmut längst zu einem gesellschaftlichen Phänomen entwickelt. Flaschensammeln ist dabei ein Knochenjob: Man muss durch Müll wühlen, Leergut schleppen, die Blicke ertragen. Wie sich das anfühlt, kann man sich leicht vorstellen*

Die DW beschrieb vor einiger Zeit den Selbstversuch so: „Fast bis zur Schulter steckt mein Arm im knallorangen Straßenmülleimer. Ich taste im Innenraum nach einer Colaflasche – aus Weichplastik, das ist wichtig, denn das heißt, sie wird mir später 25 Cent bringen. Jackpot, sozusagen. Ich ziehe die Flasche heraus, stecke sie in die Plastiktüte und gehe schnell weiter, mit gesenktem Kopf, vermeide unbedingt den Augenkontakt mit Passanten. Ihre Blicke spüre ich trotzdem.“

Damit ist in unserem Lingen jetzt Schluss. Nein, nicht deshalb, weil der OB seit Jahren den von der SPD angestoßenen, einstimmig beschlossenen Flaschensammler-Beschluss ignoriert, Flaschenringe zu verwenden(„Pfandringe“-Antrag der SPD-Fraktion vom 05.03.2016, Vorlage 79/2016). Denn die neu angeschafften Mülleimer lassen das Flaschensammeln erst gar nicht zu. Der verbeamtete Rathausklüngel hat nämlich Mülleimer geordert, die Flaschensammeln unmöglich machen: Es kann nicht mehr hineingegriffen werden kann. Großartig!

*update: Gerade höre ich: „Am Bahnhof soll ein Pfandring sein. Gesehen hab ich ihn nicht.“ Weiß jemand aus der Leserschaft etwa mehr?


Foto: Neuer Mülleimer in der Bauerntanzstraße CC BY 4.0 RobertsBlog

Handbuch DIY Stadtanleitung

29. Oktober 2016

Sich aktiv in die Stadtgestaltung einzubringen ist manchmal gar nicht so einfach. Oft sind bereits die bürokratischen Hürden das Ende vom Engagement. Die Stadt Wien möchte das ändern – mit einer DIY Anleitung.

Wer schon mal ein Straßenfest organisiert hat oder ein Mural genehmigen musste, weiß, wie umständlich das Prozedere sein kann. Alleine den richtigen Ansprechpartner im richtigen Amt zu finden kann schon Tage dauern. Bis dann der Antrag mit allen benötigten Unterlagen beim Amt vorliegt und bearbeitet ist, können schon mal mehrere Wochen und die Lust vergehen.

Um den Zugang für die Stadtmitgestaltung im eigenen Kiez zu erleichtern, hat die Stadt Wien über die ein Handbuch veröffentlicht. Das Handbuch DIY StadtanleitungHandbuch DIY Stadtanleitung gibt auf rund 100 Seiten Tipps, wie man sich durch Projekte aktiv in die Stadtplanung einbringen kann und wie man diese realisiert. Anhand von Beispielen und Schritt-für-Schritt-Anleitungen wird erklärt, wie man ein Open Air genehmigt, einen Nachbarschaftsgarten ins Leben ruft, Sitzmöbel aus Paletten für den öffentlichen Raum baut oder ein Mural in der Nachbarschaft realisiert. Insgesamt enthält das Handbuch 20 Praxisbeispiele. Und dabei sieht das Buch auch noch ziemlich schick aus, was man längst nicht von allen Amtsbroschüren sagen kann.

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„Die „DIY Stadtanleitung“ – konzipiert und realisiert von der GB*6/14/15 – stellt praktische und theoretische Anleitungen vor, die helfen die Stadt individuell zu verschönern, zu verändern und zu beleben. Die Broschüre bietet Ideen, Anregungen und Anleitungen zum Mitgestalten und geht in einzelnen Beiträgen auch auf die aktuellen Herausforderungen einer aktiven und motivierten Stadtgesellschaft ein.“

Das Handbuch ist bereits die zweite, aktualisierte Auflage. Die Publikation gibt als gedrucktes Buch in Wien und als Download. Herausgeber ist die Wiener Gebietsbetreuung 6/14/15 (GB* 6/14/15)*

* Am Namen muss das Amt allerdings noch Arbeiten. „Wo bekomme ich das Heft? Bei 6/14/15. Ah, verstehe…“

(gefunden bei urbanshit)

Da denke ich:
Auch für unser Städtchen ist dies eine gute Idee, wo wir doch vor allem Plastikzäune, Werbetafeln,  Mülleimer and andere misslungene Dinge in und an die Straßen stellen..

 

Niedlich

8. Mai 2013

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Sie sind niedlich, aber unbrauchbar, weil viel zu klein. Es sollte besser und bald ausreichend große Mülleimer in unserer Fußgänger-Lookenstraße geben und nicht nur solche wie auf dem Bild.

Schon bei ein bisschen Betrieb können die den Müll nicht mehr schlucken sondern spucken ihn nur noch aus. Dann weht er durch die kahle Einkaufsschneise, der ein Saubermachservice gut täte.

Und ein paar Bäume. Und natürlich größere Mülleimer.

Mülleimerplatz-I

5. April 2010

Tatsächlich ist es der schönste Platz in dieser Stadt: Der Universitätsplatz, den viele Lingener immer noch Schulplatz nennen, wie er früher hieß. Die Geschichten um ihn sind vielfältig. Beispielsweise war zeitweise da, wo heute die Kunstschule des Kunstvereins ist, das Finanzamt und über dessen Eingangstür prangte aus der Zeit, als das Gebäude eine Schule war,  aus dem Matthäus-Evangelium, Kapitel 19, Vers 14
Das Frühjahr  legt die Gestaltungsmängel dieses Platzes schonungslos  offen. Er  beweist damit die Gleichgültigkeit oder Inkompetenz (suchen Sie sich einfach einen Begriff  aus) der Verwaltungsleute, für die Stadtbaurat L. und OB Pott Verantwortung tragen.  Gehen Sie hin und schauen sich das Beispiel an: Im Umkreis von lediglich 15 Metern finden Sie diese verdreckten, hässlichen  Mülleimer.

Kein großartiger Missgriff , aber ein richtig  typischer. Irgendwann in den letzten 40 Jahren hat man diese Exemplare am Universitätsplatz installiert und dann vergessen. Später kam ein neuer und noch einer und noch einer. Und jetzt gibt es dieses geschmacklos-schmutzige Sammelsurium. Vielleicht benennen wir den Platz einfach um in Mülleimerplatz. Oder machen eine Jahresausstellung des HeimatEmslandmuseums: Mülleimer ohne Wandel der Gedankenlosigkeit – Lingens Universitätsplatz.

Mein Tipp:
Wir sollten uns nicht am Lob der Tagestouristen besaufen, „wie schön“ doch unsere  Lingener Innenstadt sei. Als ob irgendjemand, der freundlich begrüßt wird, ehrlich sagen würde: Is ja reichlich schmutzig und gedankenlos hier.