MRSA & Co

13. Mai 2014

Bildschirmfoto 2014-05-13 um 23.48.24Der Verdacht wiegt schwer: Milchkühe, Zuchtschweine oder Pferde, aber auch Wildtiere wie Rehe, Wildschweine oder Hasen könnten sich seit Jahren mit hochinfektiösen Bakterien angesteckt haben, schreibt heute Silvia von der Weiden in der WELT.

Der Vorwurf ist gravierend, wird allerdings bislang durch nur wenige Daten gestützt. Es gibt kaum Untersuchungen, die zeigen, welche Erreger sich im Gärsubstrat überhaupt nachweisen lassen und in welcher Konzentration. Doch aus Unsicherheit laufen Anwohner Sturm gegen den Ausbau von Biogasanlagen. Die Umweltorganisation Greenpeace spricht von einer „Zeitbombe“, und auch besorgte Tierärzte und Wissenschaftler fordern die Aufklärung von Sicherheitslücken.

Die Agrarwirtschaft hat nun gehandelt. Unter dem eher harmlos klingenden Titel „rreste im Ackerbau effizient nutzen“ hat die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) eine neue Informationsschrift herausgegeben. Sie…“

[weiter in der WELT]

Besiedelt

22. Mai 2012

Der potenziell gefährliche multiresistente Keim MRSA (Foto mit Elektronenmikroskop lks) kommt in fast allen Schweineställen vor und „besiedelt“ 40 Prozent der Menschen, die sich dort regelmäßig aufhalten.  Außerdem kommen die antibiotika-resistenten Keime in konventionellen Tierhaltungsbetrieben deutlich häufiger vor als in ökologisch bewirtschafteten Ställen.

Wir wissen: Durch den Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung werden immer mehr Bakterien resistent gegen Antibiotika. Solche Keime werden in der Weiterverarbeitung und Lebensmittelproduktion weiterübertragen und gelangen so auf Fleisch oder anderen Erzeugnissen in unsere Küchen.

Das sind Ergebnisse neuer Studien zur Ausbreitung des gefährlichen Bakteriums, der mit herkömmlichen Antibiotika nicht zu bekämpfen ist, wie Professor Thomas Blaha von der Tierärztlichen Hochschule Hannover sagte.

Insgesamt hat das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz vor drei Jahren fünf Projekte in Auftrag gegeben, wie Blaha berichtete. Die Hochschule in Hannover untersuchte die Ausbreitung des MRSA (Methicillinresistenter Staphylococcus aureus) in der Schweinemast und Schweinezucht in Deutschland, die Freie Universität Berlin das Vorkommen des Erregers… weiter bei der RP

und mehr auf der Internetseite des NDR

 

(Foto: Ausschnitt aus einer MRSA-Kolonie (c) US-Regierung)

Resistenz

11. Mai 2012

Vor knapp einem Jahr waren mehrere Frühgeborene („Frühchen“) im Klinikum Bremen-Mitte an multiresistenten Keimen erkrankt, drei von ihnen starben. Im Februar wurden gefährliche Keime in der Frühgeborenen-Station in Stade festgestellt und jetzt im Ludmillenstift in Meppen. Der NDR berichtet:

„Auf der Frühchenstation eines Krankenhauses in Meppen sind multiresistente Keime gefunden worden. Heute starten die Untersuchungen des Landesgesundheitsamtes. Experten der Behörde sind vor Ort.

Insgesamt fünf Frühgeborene seien betroffen, teilte das Niedersächsische Sozialministerium am Donnerstag mit. Bei den Neugeborenen sei eine Variante des Darmbakteriums E. coli (Foto re.) entdeckt worden – sie seien aber nicht erkrankt, sagte ein Ministeriumssprecher. Seinen Angaben nach sind die Babys isoliert untergebracht, die betroffene Station wurde desinfiziert und ist mittlerweile für Neuaufnahmen gesperrt. Auch das Personal und alle übrigen Frühgeborenen seien untersucht worden, so der Sprecher.

Die empfohlenen Hygienemaßnahmen seien minutiös umgesetzt worden: „Nach unserer derzeitigen Kenntnis hat…“
weiter beim NDR 
(Nachtrag)
Woher aber kommen die lebensbedrohenden Keime, woher können sie kommen und vor allem was muss man tun?
Zunächst zu Frage zwei: Ein Blick in die Niederlande zeigt, wie gehandelt werden kann. Dort begannen die Krankenhäuser schon vor Jahren und  sehr konsequent damit, das Problem zu bekämpfen. Die haz weiß: „Die Niederlande sind so etwas wie das Musterland der Krankenhaushygiene.“  Im April ist jetzt endlich auch in Niedersachsen eine neue Hygieneverordnung in Kraft getreten, die in den Krankenhäusern viel von dem umsetzt, was in den Niederlanden schon seit Jahren mit Erfolg praktiziert wird.

Schon seit 2004 praktiziert die Euregio-Klinik Nordhorn, was im Nachbarland noch länger Standard ist. Sie gehört einem grenzüberschreitenden Verbund von Krankenhäusern in Niedersachsen, den Niederlanden und Nordrhein-Westfalen an, in dem Krankenhauskeime systematisch bekämpft werden. Eine jetzt auch in der Hygieneverordnung verankerte Maßnahme: Patienten bestimmter Risikogruppen werden bei der Aufnahme systematisch auf multiresistente Keime untersucht. Alle Risikopatienten werden mittels eines Schleimhaut-Abstrichs untersucht.

CC http://www.flickr.com/photos/ceejayoz/3579010939/ Urheber: ceejayozRisikopatienten sind Menschen mit chronischen Wunden, solche, die in den vergangenen sechs Monaten mit Antibiotika behandelt wurden oder beruflich mit Tieren zu tun haben. Seit einiger Zeit werden Landwirte in Nordhorn grundsätzlich getestet. Die Hygieneverordnung des Landes schreibt jetzt allgemein vor, Menschen durchzutesten, die beispielsweise mit Mastgeflügel zu tun haben. Dort wird mit Antibiotika bisweilen nicht so umgegangen, wie es sein muss. Erst ga es die resistenten MRSA-Erreger als Begleiter der Schweinemast, aktuell sind die ESBL-Bakterien, u.a auch das Meppener e.coli, ein besonders großes Problem. Sie finden sich in den Produkten und Abfällen der Masseentierhaltung -nach einem Bericht der taz „in Broilerfleisch und Hühnerkacke“ – wobei pflichtschuldigst das hannöversche Landwirtschaftsministerium einen Zusammenhang zwischen der hierzulande bedrohlich hohen Besatzdichte und der Antibiotika-Vergabe sowie durch sie gezüchteter Keimresistenzen ablehnt. Das sieht zwar die Tierärztekammer des Landes anders („…abhängig von vielen Faktoren, natürlich auch von der Besatzdichte“). Sie war übrigens nicht zum 5. „Forum gesundheitlicher Verbraucherschutz“ geladen, das Ende April in Hannover Landesgesundheitsamt, Ärztekammer, Landesamt für Verbraucherschutz und CDU-Agrarminister Gert Lindemann zusammenführte, um die wachsende Gefahr antibiotikaresistenter Erreger zu diskutieren (mehr..).

Man erkennt, dass die Nahrungsmittelerzeugung und resistente Keime miteinander zu tun haben. Damit sind wir wieder bei den Massentierställen, die sich wie ein stinkendes Gitter über die Region legen und sie in Risikohaftung nimmt. Zuerst Ihre Betreiber und deren Familien: Nutztierhalter sind ein Risiko in Krankenhäusern. Dies sagt eigentlich schon alles und unterstreicht die Erkenntnis, dass es mit dieser Art der Nahrungsmittelproduktion nicht weiter gehen darf.

Der mühsame Erkenntnisprozess, dass nicht alles entstehen darf, was man will, hat jetzt offenbar auch den emsländischen Agrarindustriellen U. für einen 83.600- Plätze-Hühnermaststall in Langen (Samtgemeinde Lengerich) erreicht. Die im Landkreis Emsland 2010 etwas veränderte Genehmigungspraxis bei Mastställen sollte nämlich wegen U.’s Klage gestern zum ersten Mal das Verwaltungsgericht Osnabrück beschäftigen. Ein Sprecher des Gerichts hatte dem anstehenden Verfahren daher eine „Pilotfunktion“ zugesprochen. Der Landmann wollte nicht die Auflage akzeptieren, u.a. ein Keimschutzgutachten vorzulegen. Dann aber zog der Mann nach der mündlichen Verhandlung die Klage zurück. Offenbar hatte das Verwaltungsgericht ihm deutlich gesagt, dass er keine Chance habe, und da er wollte er wohl kein Präzedenzurteil riskieren.

(Foto oben CC, Foto unten: Frühchen, 25. Schwangerschaftswoche  ceejavoz CC; Quellen: NDR,  haz, taz)