Deutsche Wertarbeit

5. April 2018

Constantin Naidin kommt nach Deutschland, um auf der Meyer-Werft in Papenburg Kreuzfahrtschiffe zu bauen. Er wird schlecht bezahlt und übel behandelt. Nils Klawitter erzählt auf Spiegel-Online Plus die Geschichte eines ausgebeuteten Werftarbeiters im Emsland.

„Sein Leben in Deutschland hat Constantin Naidin in eine gelbe, abgegriffene Plastiktüte gepackt. „Danke für Ihren Einkauf“, steht auf Rumänisch darauf. Fünfeinhalb Jahre in einer Tüte – Lohnabrechnungen, Kassenzettel, Kontoauszüge. Und ein kleines silbernes Notizbuch.

„Mit Unterlagen“, sagt Naidin, „ist man am sichersten.“

In das silberne Büchlein hat er die Stationen seines Arbeitslebens in Deutschland notiert. Eines Lebens als Arbeiter auf der Papenburger Meyer-Werft. Als „Fremdarbeiter“, wie sie in Papenburg heute noch sagen. Fünfeinhalb Jahre, in denen er behandelt wurde wie ein Mitarbeiter ohne Rechte, wie ein Mensch zweiter, oft auch dritter Klasse. Fünfeinhalb Jahre, in denen sein Traum von Deutschland zerstob.

Nun steht er zum letzten Mal vor dem Tor der Meyer-Werft, wo im November 2012 alles begonnen hatte. Bald soll der Bus kommen, der ihn zurück nach Rumänien bringen wird. 33 Stunden wird die Fahrt dauern.

Neben ihm wartet ein Wohnmobilbesitzer aus Altenburg auf das Auslaufen eines Schiffs, eines 20 Stockwerke hohen, blau lackierten Berges, der aus dem braungrünen Wasser der Ems ragt. Der Mann trägt Adiletten und führt seinen Dackel aus. „Deutsche Wertarbeit“, sagt er und nickt Naidin zu, der einen Kopf kleiner, aber ein gutes Stück breiter ist. Der Rumäne läch…“

Hier geht es weiter, die 39 Cent lohnen, die Sie SPON fürs Weiterlesen zahlen müssen. Ebenso wie der Kommentar in der taz.

Schlickbremse

10. Februar 2017

sperrwerk
Noch ein neues Wort: Schlickbremse. Dabei hatte ich just auf twitter den Begriff Fahrrinnenanpassung schon zum Unwort des Jahres 2017 erkoren. Doch jetzt lese ich in einem Bericht bei wattenrat.de über den katastrophalen Zustand unserer Ems  über die Schlickbremse. Also ein zweites Unwort 2017.

Der Fluch der bösen Tat:

Das 2002 in Betrieb genommene Ems-„Sperrwerk“ kostete ca. 223 Millionen Euro und wurde eigentlich für die Papenburger Meyer Werft gebaut, um die Ems für die Überführung der riesigen Kreuzfahrtschiffe an die Nordsee aufzustauen. Werftchef Meyer hatte sich beharrlich geweigert, mit dem Werftstandort an das seeschifftiefe Wasser der Nordsee umzuziehen, obwohl es vorher schon Überlegung gegeben hatte, an die Ostküste der USA oder nach Rügen zu verlegen. Um das Projekt EU-kompatibel zu machen, wurde das Stauwerk in ein „Sperrwerk“ als Küstenschutzbauwerk umdeklariert.

Zusätzlich muss die Ems ständig kostenintensiv mit Baggerschiffen auf Tiefe gehalten werden. Durch die erhöhte Strömung gelangen erhebliche Schlickmassen aus der Nordsee in den Fluss, der Fluss verschlickt, Sauerstoff wird aufgezehrt und es muss noch mehr gebaggert werden, ein enorm teurer Teufelskreis, bezahlt vom Steuerzahler, nicht von der Meyer Werft. Die Zauberlehrlinge des Projekts wollen nun noch mehr Geld in das Stauwerk versenken, bis zu 40 Millionen Euro soll eine nachträgliche Schwelle im Stauwerk kosten, um den Schlick zu bremsen.

emsDer Erfolg ist fraglich. In den Medien wird überwiegend vom schönen Schein der Meyer-Kreuzfahrtwelt berichtet; von der damit zusammenhängenden Zerstörung der Ems hört oder sieht man dagegen wenig. In der taz schreibt Thomas Schumacher ausführlich über das neue Projekt.

Gewässerschutz Das Emssperrwerk Gandersum soll den Schlick der Nordsee aus der Ems halten, indem es bei Flut die Tore schließt. Doch auch Schiffe könnten nicht mehr durch Davon hat die Ems genug: Schlick. Schwimmen macht bei der schlechten Wasserqualität aber keinen Spaß – auch Fischen nicht

Eine sogenannte Schlickbremse soll [nun] die Ems retten. Seit vielen Jahren leidet der Fluss unter Sauerstoffmangel und Verschlickung. Ein neuer Beschluss des Lenkungskreises des Masterplans Ems sieht nun vor, dass das Emssperrwerk bei Gandersum im Kreis Leer in Zukunft nicht nur Sturmfluten, sondern auch den Nordsee-Schlick aus dem Fluss halten soll – durch eine „flexible Tidensteuerung“. „Bahnbrechend“ und einen „Durchbruch“ nennen die ehemaligen Konkurrenten um die Emssanierung diese Idee. Seit 2015 versuchen Markus Jänen, vom Wasser- und Schifffahrtsamt Emden und Dirk Post, vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserbau, Küsten-und Naturschutz (NLWKN) gemeinsam mit Politikern, Vertretern aus der Verwaltung, der Papenburger Meyer Weft und Umweltschutzverbänden eine Lösung für den miserablen ökologischen Zustand des Flusses zu finden.
Auslöser war…

weiter bei der taz

Quelle Wattenrat; taz. Foto oben: Sperrwerk (esthetic version by © Rki1979); Luftbild unten: Die Ems,der Gelbe Fluss © Voss/Wattenrat

Rettet die Ems

1. November 2016

Jeder weiß, wie schlecht es um die Ems bestellt ist: Die Stickstoffbelastung zu hoch, das Wasser trüb, der Boden bedeckt mit Schlick: Die Ems ist seit Jahrzehnten aus dem Gleichgewicht. Dass das Ökosystem Ems Hilfe braucht, ist unbestritten. Wie dramatisch die Lage ist, macht jetzt ein neuer Bericht des Bundesumweltministeriums deutlich. In einem Ranking der zehn großen deutschen Flussgebiete landet die Ems auf dem letzten Platz. Erschreckend: Lediglich ein Prozent der Fläche im Ems-Gebiet befindet sich demnach in gutem Zustand. … [weiter beim NDR]

Klartext, schreibt die Bürgerinitiative Rettet die Ems auf ihrer Facebook-Seite.
Das Bundesumweltministerium hat auch dieses Jahr festgehalten: die Ems ist der schmutzigste Fluss Deutschlands. Nur 1% des Gewässers ist in gutem Zustand.
Wer nach Hauptverantwortlichen sucht, wird fündig in den Listen der Kreistagsmitglieder im Emsland und Landkreis Leer der letzten 25 Jahre. Dort fanden sich stets die Mehrheiten, die unsere Heimat einem einzelnen Unternehmen zur Verfügung stellen. Der Meyer-Werft. Gut, kann man sagen, ist politisch eben gewollt.

Ist aber trotzdem unmoralisch und ein Verbrechen an der Natur und an einem Stück Heimat.
Die BI RETTET DIE EMS hat stets dagegen gehalten.Das machen wir auch in Zukunft. Denn Vernunft ist eben nicht immer mehrheitsfähig.
Leider.

Was taugt der Rettungsanker Masterplan Ems? fragt die zweifelnde NWZ.

wir-zusammen.de

4. März 2016

In Teilen der Bevölkerung dreht sich die Stimmung gegen Zuwanderung. Doch die deutsche Wirtschaft widersetzt sich dem und startete jetzt eine groß angelegte Initiative zur Integration von Flüchtlingen. 36 deutsche Top-Enternehmen haben sich zusammengetan, um Flüchtlinge besser zu integrieren. Dafür setzen sie auf zusätzliche Stellen, Fortbildungen und Patenschaften. Das ist einmalig in der Flüchtlingskrise: wir-zusammen.de [mehr…]

Welche Unternehmen in unserer vollbeschäftigten Region sind dabei? Meyer-Werft, Krone, BP, engie? Bisher kein einziges. Aber was nicht ist, darf noch werden…

Oostwaarts!

8. Februar 2015

Immer mehr Niederländer zieht es zum Arbeiten nach Deutschland. Doch auch zum Wohnen ist die Grenzregion beliebt und die ersten Unternehmen haben sich hier ebenfalls angesiedelt. RTVNoord hat nun eine Webreportage über die Grenzgänger veröffentlicht. Das Besondere daran ist, dass der Zuschauer selbst entscheiden kann, was er sich anschaut.

Die niederländische Rundfunkanstalt RTVNoord hat am Dienstag die Webdokumentation „Oostwaarts! Werken in Duitsland“ (dt.: Ostwärts! Arbeiten in Deutschland) veröffentlicht. Darin wirft sie einen Blick über die Grenze, spricht mit Niederländern, die in Deutschland wohnen oder arbeiten über ihre Erfahrungen und lässt auch Experten zu Wort kommen. Vorteil dieses Formats ist, dass der Nutzer selbst entscheiden kann, was er sich ansehen will. Und die Dokumentation ist ein lebendiges Projekt: ihr sollen weitere Geschichten und aktuelle Informationen hinzugefügt werden. Im Grunde handele es sich um eine Reihe von Dokumentationen, nur dass sie nicht im Fernsehen zu sehen seien. Dafür könne man sie liken und teilen, es sei eine moderne Art und Weise, eine Geschichte zu erzählen, so Remco in ´t Hof, einer der Macher der Dokumentation.

oostwaartsDas Projekt sei vor allem auch für Menschen interessant, die darüber nachdenken, den Schritt über die Grenze zu wagen. Sie finden hier viele Informationen und erste Eindrücke, so die Macher. Und Deutschland wird bei den Niederländern immer beliebter. Einer RTVNoord-Umfrage zufolge wären 73 Prozent der Befragten bereit, in Deutschland zu arbeiten. Noch vor fünf Jahren sei das wahrscheinlich umgekehrt gewesen, vermutete Remco in `t Hof.

Das hat vor allem mit der Wirtschaftskrise zu tun. Im Emsland liegt die Arbeitslosigkeit derzeit bei 3,8 Prozent, in den angrenzenden niederländischen Provinzen dagegen bei bis zu 17 Prozent. „Vor allem im Emsland liegen die Jobs auf der Straße. Das bringt Chancen für die Groninger“, weiß Karel Groen, Geschäftsführer der Ems Dollart Region. „Wir haben in unserer Region viele Menschen, die arbeiten können und wollen, aber uns fehlen die Stellen”, erzählt Arie Dijkhuis von der Gemeinde Oldambt. „Aber die Menschen, die wir haben, passen ausgezeichnet zu den Stellen in Deutschland.“ Vor allem bei der Meyer Werft in Papenburg, VW in Emden, aber auch in den Bereichen Gesundheit und Pflege oder Windenergie würden Fachkräfte gesucht. Auch hätten sich dank der A 31 viele Unternehmen in der Region angesiedelt.

Dennoch gibt es noch immer eine Reihe von Hindernissen für Niederländer, die in Deutschland arbeiten wollen. Ein Problem stellt die Sprache dar. Obwohl bei den Deutschen noch immer die Vorstellung vorherrscht, alle Niederländer sprächen mehr oder weniger perfekt Deutsch, lernen viele Schüler gar kein Deutsch mehr. Verantwortlich dafür ist Bildungsministerin Jet Bussemaker, die trotz Protesten in der Grenzregion eine zweite Pflichtsprache in der Schule abschaffte. Englisch ist ihrer Meinung nach ausreichend für den europäischen Arbeitsmarkt (NiederlandeNet berichtete). Daher heißt es nun Hilfe zur Selbsthilfe: Vor allem in der Grenzregion werden viele Deutschkurse organisiert, die gut besucht sind.

Weitere Stolpersteine stellen unterschiedliche Sozialversicherungs- und Steuersysteme sowie die Anerkennung von Abschlüssen dar und auch Kulturunterschiede sind nicht zu vernachlässigen. Das größte Problem sei allerdings, dass sich die Menschen einfach nicht trauen. Mit der Wirtschaftskrise habe sich das allerdings verändert, so in `t Hof. Die Menschen schauen nun eher über die Grenze. Laut Nils Siemen vom Netzwerk Ems-Achse müssten aber auch die deutschen Chefs bereit sein, auf die niederländische Mentalität einzugehen. „Aber die, die es gemacht haben, sagen alle, dass es eine große Bereicherung für ein Unternehmen ist, wenn man Mitarbeiter aus dem Nachbarland hat.“

Einige der Niederländer kommen nicht nur zum Arbeiten nach Deutschland, sondern auch zum Wohnen. Denn die Immobilienpreise sind hier deutlich niedriger als in den Niederlanden. So ist ein Neubaugebiet in Rhede zu einer niederländischen Enklave geworden. Selbst die niederländische Tageszeitung bekommen die Bewohner hier. Das Verhältnis zu den deutschen Nachbarn ist trotzdem gut, denn die Niederländer, die nach Deutschland ziehen, wollen hier auch wohnen und sich integrieren.

Das Interesse der Niederländer in Deutschland ein Unternehmen zu gründen habe ebenfalls enorm zugenommen, so die IHK Emden. Bei den monatlichen Gesprächstagen der Ems Dollart Region war der Anteil niederländischer und deutscher Unternehmer in der Regel gleich groß. Nun kommen nun von zehn Unternehmern, die sich beraten lassen, aus den Niederlanden. Wagten sie zunächst vor allem wegen der günstigen deutschen Grundstückspreise den Schritt über die Grenze, ist nun vor allem die gut laufende deutsche Wirtschaft ein Grund. Noch vor rund acht Jahren war der Trend genau umgekehrt. Damals waren es vor allem deutsche Bauunternehmen, die in die Niederlande gingen.

Achim Haming, Leiter der Arbeitsagentur Nordhorn, will die Zusammenarbeit mit der niederländischen Arbeitsverwaltung ausbauen. „Gute Ansätze gab es hierfür schon im letzten Jahr, daran wollen wir anknüpfen.“ Die EUREGIO bietet seit Anfang des Jahres gemeinsam mit einer Mitarbeiterin der deutschen Agentur für Arbeit regelmäßige Sprechstunde für arbeitssuchende Niederländer an. Sie bekommen hier neben Jobangeboten auch Tipps zu Bewerbungen und Informationen über das Arbeiten in Deutschland. Ebenso gibt es mittlerweile erste Pilotprojekte, bei denen sich niederländische Arbeitslose auch auf der anderen Seite der Grenze bewerben sollen (NiederlandeNet berichtete). Die deutsch-niederländischen Euregios beschäftigen sich darüber hinaus am 13. März 2015 auf der Konferenz Sprache – Beratung – Arbeit mit den Rahmenbedingungen eines funktionierenden grenzüberschreitenden Arbeitsmarktes.

Zu sehen ist die Webdokumentation „oostwaarts! Werken in Duitsland“ (dt. Ostwärts! Arbeiten in Deutschland) online.

(gefunden bei NiederlandeNet)

%FOTO Quelle: Screenshot Oostwaarts!]

Fazit

27. November 2013

„Wie ist die Situation von Werkvertragsarbeitern in der Meyer Werft? Nachdem im Juli zwei rumänische Schweißer bei einem Brand in ihrer Unterkunft in Papenburg ums Leben gekommen waren, wurde eine sogenannte Task Force gegründet. Diese Untersuchungskommission hat am Dienstag in Hannover einen ersten Zwischenbericht vorgelegt. Die Arbeitsgruppe wirft dem Unternehmen und Behörden Ignoranz vor. Viele Arbeiter, die bei Subunternehmern angestellt waren, hätten Doppelschichten schieben müssen und seien teils schlecht bezahlt worden. In dem vorgelegten Bericht wird zudem die Krankenversorgung als mangelhaft kritisiert. Ärzte und Kliniken würden eine Behandlung oft wegen unzureichendem Versicherungsschutz ablehnen.

Außerdem hätten Angst und Unsicherheit die Lebenssituation der osteuropäischen Arbeiter geprägt. Aufpasser der Subunternehmer würden sich an zentraler Stelle positionieren, um ihre Werkvertragsarbeiter permanent zu überwachen. Bei Zollkontrollen…“

[weiter beim NDR]

„Kurz nach dem Tod zweier rumänischer Werkvertragsarbeiter bei einem Brand in einer Massenunterkunft wurde sie eingesetzt. Am Dienstag nun hat die so genannte Task Force ihren ersten Bericht zur Situation der Werkvertragsbeschäftigten beim Papenburger Schiffbauer Meyer-Werft vorgelegt.

Auf 160 Seiten schildert das Expertengremium, beauftragt von der Werft in Abstimmung mit Niedersachsens Wirtschaftsministerium, die prekäre Lage der meist osteuropäischen Arbeitskräfte: Über 12 Stunden hätten sich die Leihkräfte der 21 überprüften Personaldienstleister in der Regel auf der Werft aufgehalten.

Im Einzelfall sogar bis zu 23,55 Stunden, eingesetzt in Doppelschichten, wie die Task Force schreibt, der Niedersachsens einstiger Justizminister Walter Remmers (CDU), die Meyer-Geschäftsführung, der Betriebsrat und die Gewerkschaft IG Metall angehören.

Wie solche Einsätze bezahlt wurden, bleibt unterdessen auch für das Gremium undurchsichtig: Es hatte nur…“

(weiter bei der taz]

„Doppelschichten, permanente Übermüdung, ausgesetzte Arbeiter: Prekäre Zustände beim Umgang mit Werkvertrags-Arbeitnehmern aus Osteuropa in der Meyer Werft hat der Zwischenbericht der Task Force offenbart.

Nach der am Dienstag in Hannover präsentierten Untersuchung haben einige der 21 überprüften Firmen ihre Mitarbeiter zum Teil in Doppelschichten arbeiten lassen. Sie hätten zunächst morgens acht Stunden absolviert und dann nach einer Pause am Abend weitere vier bis fünf Stunden.

Viele seien permanent müde gewesen; „Einige hätten nach der Arbeit kaum noch laufen können und seien erschöpft ins Bett gefallen“, heißt es in dem Bericht. In einem Extremfall wurde demnach festgestellt, dass ein Werkvertragler sich 23,55 Stunden in der Werft aufhielt. „Es ist gegen das Arbeitszeitgesetz gesündigt worden“, konstatierte der frühere Justizminister Walter Remmers (CDU) als Leiter der Taskforce.

Geschehen konnte dies laut Remmers, weil die Werft zwar die Eingangs- und Arbeitszeiten ihrer direkt Beschäftigten kontrolliert habe, bei Werkvertraglern aber nur die Zutritts- und Ausgangszeiten.

Generell sei vor dem Brandunglück am 17. Juli, bei dem zwei Rumänen in Papenburg ums Leben kamen, „nicht genau hingeguckt und zu viel vertraut worden“, bemerkte der Ex-Minister. Er bezog dies auch auf dieWohnsituation der Werkvertragler, die in vielen Fällen „kritisch“ und von Überbelegung geprägt gewesen sei.“

Aber auch im Umgang mancher Werkvertragsfirmen…“

[weiter bei der NOZ]

Der Niedersächsische Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD):

„Am 13. Juli 2013 sind zwei Werkvertragsbeschäftigte bei einem Brand in einer Papenburger Unterkunft ums Leben gekommen. Dieses tragische Unglück hat abermals ein Schlaglicht auf eine Fehlentwicklung in der Arbeitswelt in unserem Lande geworfen: den stellenweise systematischen Missbrauch von Werkverträgen.

Die Meyer Werft, hat eng begleitet vom Betriebsrat des Unternehmens, von der IG Metall und auch von mir aus dem Vorfall die richtigen Konsequenzen gezogen und wegweisende Schritte eingeleitet. Damit meine ich die am 22. Juli beschlossene Sozialcharta und auch den am 12. September unterzeichneten Haustarifvertrag. Dieser regelt zum ersten Mal bundesweit verbindlich den Umgang eines Unternehmens mit Werkvertragsfirmen und auch deren Beschäftigten. So ist ein Mindestlohn von 8,50 Euro ebenso fest vereinbart wie eine angemessene Unterbringung.

Außerdem hatte die Meyer Werft eine Task-Force beauftragt, die Situation von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern mit Werkvertrag zu untersuchen. Ich kann der Kommission und ihrem Vorsitzenden Dr. Walter Remmers nur herzlich danken für die geleistete Arbeit und für das jetzt vorliegende Ergebnis. Der Bericht ist beeindruckend in seiner Klarheit und Offenheit. Er zeigt auf, dass und welche Missstände es gab. Er weist aber auch richtigerweise daraufhin, dass die Werft bereits notwendige Konsequenzen gezogen hat und sich auf einem guten Weg befindet, um in Zukunft solche Fehlentwicklungen zu verhindern. Aus meiner Sicht hat die Meyer Werft mit Sozialcharta, Haustarifvertrag und dem jetzt auch für die Öffentlichkeit zugänglichen Bericht der Task-Force Maßstäbe gesetzt. Es ist alles andere als selbstverständlich, was in den vergangenen Monaten in diesem Unternehmen geschehen ist. Die Ergebnisse zeigen, was Sozialpartner miteinander erreichen können. Die Ergebnisse machen Mut für eine erfolgreiche Zukunft der Meyer Werft bei fairen Arbeitsbedingungen.“

 

Pressemitteilung der Meyer Werft

„Die Papenburger MEYER WERFT bedankt sich bei der Task Force für ihren außergewöhnlichen Einsatz bei der Erstellung des Berichtes zur Lebens- und Arbeitssituation von Beschäftigten im Werkvertrag, an dem die Task Force von Juli bis November 2013 gearbeitet hat. Die Task Force war auf Initiative vom niedersächsischen Wirtschaftsminister Olaf Lies ins Leben gerufen worden.

„Wir bedanken uns vor allen bei den beiden Vorsitzenden Walter Remmers und Clemens Bollen, die sehr intensiv an der Erarbeitung dieses Berichtes mitgewirkt haben“, sagt Bernard Meyer, geschäftsführender Gesellschafter der MEYER WERFT. „Mit der Sozialcharta, dem Verhaltenskodex sowie einem Haustarifvertrag haben wir ein klares Zeichen zur Bekämpfung des Missbrauchs von Werkverträgen gesetzt. Wir werden diesen Weg weiter konsequent umsetzen“.

 

 

 

Kumpanei

27. Juli 2013

Da stellt sich die Frage: „Wie weit ging die Kumpanei von Ordnungsamt und Polizei mit den ausbeuterischen Lebensbedingungen?“ Offenbar sehr weit. Der NDR zeigt heute ein Interview mit der Nachbarin des Leiharbeiter-Hauses in Papenburg, die nach eigenen Worten „seit zehn Jahren“ die Zustände und die Überbelegung immer wieder angeprangert hat. „Es war unheimlich eng!“ 58 Betten auf 200 qm…

Kollege Holger Nitz, Vorsitzender der Vereinigung  Niedersächsischer und Bremer Strafverteidigerinnen und Strafverteidiger (VNBS),  forderte gegenüber NDR 1 Niedersachsen eine strafrechtliche Überprüfung des Falls. Immerhin, so Nitz, könne es sich hierbei sogar um fahrlässige Tötung handeln, wenn die Stadt auf die vielen eindeutigen Hinweise nicht reagiert hat. Er vergaß, auch die Polizei zu erwähnen.
Bildschirmfoto 2013-07-27 um 23.29.24

Würde

15. Juli 2013

Bildschirmfoto 2013-07-15 um 00.14.33Am Samstag ist in Papenburg ein altes Haus abgebrannt, in dem Leiharbeiter der Meyer-Werft zu leben hatten. Es habe 30 Rumänen als Unterkunft gedient, weiß der NDR. Zwei von ihnen, 32 und 45 Jahre alt, sind tot, erstickt, verbrannt. Am helllichten Tag.

Gerhard Kreuter kommentierte am Sonntag bei der Emszeitung (NOZ-Ausgabe):
Ohne die Brandursache zu kennen, steht für mich fest dass, wenn soviele Menschen in einem Wohnhaus zusammen leben und dieses alte Haus nur noch dem Kommerz diente, die Gefahr von Bränden sehr groß ist.
Es ist Zeit zu hinterfragen an wie vielen Stellen in Papenburg und im Emsland ebenfalls derart viele Menschen mit minimalem Wohnraum auskommen müssen.
Auch im „seriösen“ Friederikenstift wird Wohnungsüberbelegung mit Monteuren von den Senioren kritisiert. Es ist Zeit, dass diese vermuteten Missstände auf den Tisch kommen und der Landkreis Emsland bzw. die Stadt Papenburg Kontrollen durchführt.
Es ist keine Frage, dass die Behörden, die Kommunen und Kreise kontrollieren müssen, wenn es um die Einhaltung von Wohnstandards im Allgemeinen oder Brandschutz im Besonderen  geht. Ob sie es getan haben? Man darf auf das Ergebnis der Ermittlungen in Papenburg gespannt sein. Immerhin hat schon NOZ-Mann Dirk Fisser recherchiert, dass im Landkreis Emsland die Vorgaben zur Unterbringung von Arbeitnehmern die schwächsten in West-Niedersachsen sind. Als sich der emsländische Kreistag nach Berichten aus Sögel noch einmal mit dem Thema befasste, hat er  „allerdings nur mehr oder weniger den Status Quo manifestiert“. [mehr…]. Es ist natürlich auch notwendig, dass sich der Rat unserer Stadt mit unseren, in Lingen im Schlachthof arbeitenden Leiharbeitern befasst und schnellstens Mindeststandards verabschiedet, wie ihre Wohnungen (nicht: Unterkünfte) sein sollen.
 
Doch in Wahrheit geht es angesichts der sichtbaren Ausbeutung von Leiharbeitern (nicht „Monteure“, wie  bisweilen schönfärberisch formuliert wird) auf der Meyer-Werft, im Garten- und Gemüsebau und in den Schlachthöfen um die Würde der Menschen, die hier arbeiten. Betriebe, die im großen Stil Leiharbeiter beschäftigen, wie beispielsweise die Meyer-Werft haben für die Unterbringung ihrer Leiharbeiter unmittelbare Verantwortung, genauso wie der westfälische Wurstfabrikant und Schalke04-Aufsichtsratsvorsitzender Clemens Tönnies Verantwortung für die Eimermenschen im Schlachthof Sögel hat. Bisher aber betreiben die Unternehmen nach meinem Eindruck vor allem betriebswirtschaftliches Wegschauen und ihre Unternehmerverbände schweigen genauso wie die Handwerkskammern und die IHK. Das ist schäbig oder, um es etwas feiner auszudrücken, es wird ihrer Verantwortung nicht gerecht. Und unser aller auch nicht.
 
(Foto © Henrik Hille, ev1.tv)
 
 

zielführend

2. Juli 2013

Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel hat die Ems besucht. In der Opposition waren die Grünen für die Verlegung der Kreuzfahrtschiff-Werft an die See. Jetzt machen sie sich vor allem Sorgen um Arbeitsplätze im Emsland. Ein taz-Beitrag von Thomas Schumacher.

„…Die Ems stirbt, seit die Papenburger Meyer-Werft ihre Luxus-Kreuzfahrtschiffe aus dem Binnenland durch die Ems in die Nordsee bugsiert. Dafür waren in den vergangenen 20 Jahren notwendig: vier Emsvertiefungen, Begradigungen, das Abholzen der Auenwäldchen und regelmäßige Baggerungen. Die Folge: Die Ems kann den Schlick nicht mehr abtransportieren, für Monate im Sommer sind Abschnitte des Flusses ohne Sauerstoff. Alles Leben erstickt. Naturschutzbelange finden keine Beachtung.

Der Minister könnte das wissen. Grüne Parteifreunde waren maßgeblich am Widerstand gegen die Zerstörung der Ems beteiligt. Seit 20 Jahren. Trotzdem sagt Stefan Wenzel im Pressegespräch über die Meyer-Weft – nichts. Das sei „nicht zielführend“, meint er. „Alle Gesprächspartner sind sich einig, dass wir für die Ems was tun müssen“, sagt der Umweltminister staatsmännisch. „Wir wollen die Gewässergüte verbessern…“

Hier geht es zum Artikel der taz-Nord.

Woanders

29. April 2013

In diesen Tagen hab ich’s wohl mit den Schiffen. Nach dem alten Potemkin jetzt „Norwegian Breakaway“, über die und deren Werft SPON schreibt:

„Freizeitpark á la Coney Island, Kneipen wie im alten Harlem, Broadway-Musicals – die neue „Norwegian Breakaway“ ist ein Schiff, das ganz einer Stadt gewidmet ist: New York. Der größte bislang in Deutschland gebaute Kreuzfahrtriese soll seinem künftigen Heimathafen Besucher bringen, seinen Gästen vor allem Spaß.“

Doch dann lese ich in dem SPIEGEL-Artikel auch, dass die US-Reederei Norwegian Cruise Line (NCL)  in Papenburg nach der rund 900 Millionen Dollar teuren „Breakaway“ bereits das Schwesterschiff „Getaway“ in Bau habe. Für Oktober 2015 sei die 163.000 BRZ große „Breakaway Plus“ bestellt und hält eine Option für ein weiteres Schiff. Auch NCL-Konkurrent Royal Caribbean hat die „Quantum“ und ihr Schwesterschiff „Anthem of the Seas“ – beide 158.000 BRZ groß – bei der Meyer-Werft in Auftrag gegeben (s. Video). Dennoch:

„Durchweg rosig ist Lage bei dem Familienunternehmen [Meyer-Werft] … zurzeit nicht. Anders als die Reedereien auf dem US-Markt gehen ihre deutschen Ableger  … woanders einkaufen – vor allem asiatische Werften konkurrieren mit Kampfpreisen.“

Das muss man auch dann nicht gut finden, wenn und weil die Meyer-Werft gerade unsere Ems ruiniert. Die Dyklopers beweisen mit ihrem -im Vergleich zum Royal Carribbean-Video- rührend-amateurhaften Youtube-Film, was das Standortproblem der Meyer-Werft ist. Muss man nicht fürchten, dass der Standort in Papenburg nicht nur für die Ems  sondern auch für die Werft selbst über kurz oder lang ein existentielles Problem wird?