Von Freitag bis Sonntag findet zum 13. Mal die bundesweite „Stunde der Gartenvögel“ statt: Der NABU Niedersachsen lädt an diesem Muttertags-Wochenende alle Naturfreundinnen und -freunde ein, bei dieser großen Gartenvogelzählung mitzumachen.

„Mitmachen ist dabei ganz einfach. Man sucht sich ein gemütliches Plätzchen im Garten, auf dem Balkon oder im Park und beobachtet und zählt eine Stunde unsere gefiederte Freunde“, erklärt Ulrich Thüre (NABU Niedersachsen). Spaß an der Natur, mit Nutzen für den Naturschutz kann man so ganz leicht verbinden. Vor allem ist darauf zu achten, dass von jeder Vogelart die höchste Anzahl notiert wird, die im Laufe einer Stunde gleichzeitig entdeckt werden kann.

„Wir sind gespannt, wie sich die Ergebnisse zu unserer „Stunde der Wintervögel“ aus dem Winter unterscheiden. Hier hatten wir festgestellt, dass sonst häufig vorkommende Vögel wie Kohl- und Blaumeise oder auch Haussperling im Gegensatz zum Vorjahr abgenommen haben. Es wird interessant zu sehen, ob sich diese Tendenz jetzt im Frühjahr fortsetzt“, so Ulrich Thüre.

Knapp 6.000 Menschen haben im vergangenen Jahr allein in Niedersachsen bei der „Stunde der Gartenvögel“ ehrenamtlich Daten erhoben und dadurch wichtige Informationen darüber geliefert, wie es den verschiedenen Vogelarten geht. Diese Zahlen sind eine wichtige Basis, um zielgerichtet aktiv zu werden. So zum Beispiel für Mehlschwalben und Mauersegler die sich im letzten Jahr auf dem Sinkflug befanden. Mit einfachen Nisthilfen kann man den Flugkünstlern schon gute Dienste erweisen. „Auch muss sich in der Landwirtschaft etwas ändern. Der Einsatz von Insektiziden entzieht den Tieren die Lebensgrundlage. Wenn Insekten totgespritzt werden, haben viele Vögel keine Nahrung mehr“, erklärt Thüre.

Die Aktion ist nach dem Prinzip der „Citizen Science“, der Forschung durch Jedermann, angelegt. Je mehr Menschen ihre Beobachtungen zusammentragen, desto aussagekräftiger sind die Ergebnisse.

Bei der „Stunde der Gartenvögel“ gibt es zahlreiche attraktive Preise zu gewinnen. Der Meldeschluss ist der 22. Mai 2017. Wer Teilnahmeblätter mit farbigen Abbildungen der 12 häufigsten Gartenvögel und einen Vogelführer anfordern möchte, schickt bitte einen fünf-Euro-Schein an den NABU Niedersachsen, Stichwort ‚Gartenvögel‘, Alleestr. 36, 30167 Hannover.

Weitere Informationen: www.stundedergartenvoegel.de Dort gibt es auch eine Zählhilfe, Porträts der häufigsten Vogelarten und viele praktische Tipps.


Hintergrund – Sind die Gartenvögel doch noch da?

Die letzte große Vogelzählung bei der „Stunde der Wintervögel“ (6. bis 8. Januar) hatte bei vielen häufigen Arten einen mysteriösen Vogelschwund ergeben. Insbesondere bei allen heimischen Meisenarten, aber auch bei Kleiber oder Buntspecht wurde ein Drittel oder sogar um die Hälfte weniger Vögel festgestellt als in den Vorjahren. Die Vogelexperten des NABU vermuten eine aufgrund des milden Winters besonders geringe Zugneigung vieler Arten und damit fehlenden Zuzug von Artgenossen aus dem Norden und Osten als Hauptursache der extrem niedrigen Zahlen. Eine andere Erklärung ist ein besonders schlechter Bruterfolg vieler Arten im vergangenen Jahr. „In diesem Fall müssten nun auch bei der kommenden ‚Stunde der Gartenvögel‘ niedrige Zahlen festgestellt werden. Das wäre sehr besorgniserregend, insbesondere wenn sich dieser Trend in den kommenden Jahren fortsetzen würde“, sagt NABU-Vogelschutzexperte Lars Lachmann.

Nach über zwölf Jahren können die Forscher des NABU erste deutliche Bestandstrends für den Siedlungsraum aus den gesammelten Daten ablesen. Die Gesamtzahl der Gartenvögel in einem durchschnittlichen Garten blieb mit etwa 35 Individuen von zwölf verschiedenen Vogelarten über die Jahre konstant. Damit geht es den Vögeln unserer Gärten und Parks wesentlich besser als den Vögeln unserer Agrarlandschaft, wo die meisten Arten abnehmen, manche Bestände sogar regelrecht zusammenbrechen.

Unter 57 bewerteten Vogelarten gab es 20 mit Bestandszunahmen, 13 mit Abnahmen und 24 mit stabilen Beständen. Unter den Gewinnern sind vor allem eigentliche Waldvogelarten wie Ringeltaube, Eichelhäher, Kleiber (Foto oben), Buntspecht, Gimpel und Kernbeißer. Sie profitieren vom wachsenden Alter der Baumbestände in unseren Dörfern und Städten. Auf der Verliererseite stehen dagegen vor allem typische Siedlungsarten wie Mehlschwalbe, Mauersegler, Hausrotschwanz oder Girlitz (Foto unten). Ihnen fehlen zunehmend Nistmöglichkeiten an Gebäuden aufgrund unbedachter Hausmodernisierungen sowie die wildkraut- und insektenreichen Strukturen bäuerlicher Dörfer.

Die beiden Flugkünstler Mauersegler und Mehlschwalbe leiden auch unter dem allgemeinen starken Rückgang an Fluginsekten. „Seit Beginn der Aktion haben sie kontinuierlich abgenommen. Die durchschnittlich pro Garten gemeldeten Zahlen waren im vergangenen Jahr um über 40 Prozent niedriger als noch 2006“, sagt NABU-Vogelschutzexperte Lars Lachmann. Die intensive und flächendeckende Verwendung von Insektengiften in der Landwirtschaft macht sich hier sogar bei typischen Siedlungsvögeln bemerkbar. Teilweise kommt Gift auch immer noch in Gärten und öffentlichem Grün zum Einsatz. Vor diesem Hintergrund fordert der NABU eine echte ökologische Agrarreform und weniger Gift in der Landschaft sowie einen Verzicht auf Gift im Garten.


Foto oben: Kleiber – Foto: Frank Derer, NABU; Foto unten Girlitzweibchen – Foto: Luis Garcia (CC-BY-SA-3.0)

 

Schwalbenschutz

2. Januar 2014

Rauchschwalbe / Barn Swallow / Hirundo rusticaMit seinem Projekt zum Schwalbenschutz hat der NABU Niedersachsen im Jahr 2013 viele Menschen begeistern können: Hunderte von Hausbesitzern bewarben sich um die Plakette „Hier sind Schwalben willkommen“. Insgesamt wurden über 800 Häuser mit der Plakette ausgezeichnet. An oder in diesen Gebäuden wohnen insgesamt 7.365 Schwalbenpaare. Dabei handelt es sich bei gut 4.000 Paaren um Mehlschwalben, die in Kolonien an der Außenwand der Häuser brüten. Die übrigen Paare waren Rauchschwalben, die ihre Nester in Stallungen, Garagen oder Carports gebaut hatten.

„Dieses Ergebnis hat uns doch überrascht“, erklärte Diplom Biologin Jutta Over aus Meppen, die das NABU-Projekt ‚Schwalben willkommen‘ koordiniert: „Wir hatten nicht erwartet, dass die Menschen gerade den Rauchschwalben so große Sympathie entgegenbringen, denn immerhin ist es nötig, diesen Vögeln Türen und Fenster zu öffnen und sie mitten im Gebäude zu dulden. Viele Schwalbenfreunde berichteten sehr liebevoll von ihren gefiederten Untermietern, die oft schon seit vielen Jahren zum selben Ort zurückkehren und jedes Jahr in zwei Bruten 6, 7 oder sogar 10 Junge zur Welt bringen.“

Um Akzeptanz zu kämpfen hätten vielmehr die Mehlschwalben, denn von den außen am Gebäude angebrachten Nestern kleckere einiges herab und das sei dann öffentlich sichtbar. Allerdings könne man durch ein Kotbrettchen leicht Abhilfe schaffen, auch die Aufklärung darüber sei Bestandteil des NABU-Projektes. Der NABU stellt für schwalbenfreundliche Häuser auch Kunstnester zur Verfügung, um die verbleibenden Mehlschwalbenkolonien weiter zu stärken.

Besonders beliebt sind die Schwalben offenbar im Harz – so konnte der NABU Osterode 62 schwalbenfreundliche Häuser auszeichnen. 662 Schwalbenpaare fanden dort ein Zuhause. Aber auch beim NABU Uelzen war die Nachfrage sehr groß: Hier wurden 56 der begehrten Plaketten verliehen, 645 Schwalbenpaare verteilten sich auf diese Häuser. Aus Bremervörde und Cuxhaven meldeten ebenfalls besonders viele Menschen Ihre Schwalbennester. In der Wesermarsch und im Landkreis Lüchow-Dannenberg wurden sogar schwalbenfreundliche Schulen und Kindergärten ausgezeichnet. Die NABU-Kindergruppe Wedemark legte Lehmpfützen an, um den Schwalben den Nestbau zu erleichtern und auch beim NABU Hann. Münden wurden die Jüngsten aktiv und bauten Nester aus einem Lehmgemisch. Einige NABU-Gruppen führten Zählungen durch, um sich einen Überblick über die Verbreitung der gebäudebewohnenden Vögel zu verschaffen, so in Hermannsburg, der Samtgemeinde Meinersen und in Hameln-Pyrmont. Die Ortschaft Großenwieden wurde daraufhin auch gleich als „Schwalbendorf“ ausgezeichnet, so viele Nester hatten die Naturfreunde dort festgestellt.

Das Projekt befindet sich nun erst einmal in der Winterpause. Wenn die Schwalben im April aus Afrika zurück sind und wieder ihre Stammplätze beziehen, können sich Hausbesitzer wieder um die Plakette „Schwalbenfreundliches Haus“ im NABU Niedersachsen Projekt bewerben.

Das Projekt wird auch von der Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung gefördert. Weitere Projektinformationen hier. 

(Quelle: NABU/PM Foto: Rauschwalbe © Erhard Nerger)