Sünden

27. Juli 2010

Dankenswerterweise befasst sich die SPD mit den kommunalen Bausünden, die – für jedermann sichtbar- an Schwere und Zahl zunehmen. Die regionale Ems-Vechte-Welle hat das Thema heute aufgegriffen und dabei auch dem Oldenburger L., der in Lingen (Stadtwappen lks.)  als Stadtbaurat tätig ist, Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben.
Hören Sie selbst!

Mein Fazit, nachdem ich L. zugehört habe, lautet:

  • Wir erkennen in den Äußerungen des Herrn L. zunächst eine völlige Unfähigkeit zur kritischen Überprüfung eigener Positionen.
  • Daneben sagt er nicht die Wahrheit, wenn er  –unzulässigerweise– den Denkmalschutz den rein wirtschaftlichen Erfordernissen der Fußgängerzone unterordnet und die Zerstörung des Baudenkmals „Hotel zur Post“ als notwendig darstellt. Vor allem aber  verschweigt Herr L., dass es einen schriftlichen Vertrag zwischen der Stadt und Investor Berning gibt, das Baudenkmal „Hotel zur Post“ (und nicht nur zwei Außenwände) zu erhalten; die Stadt hatte B. dafür im Gegenzug die vollständige Bebauung des Grundstücks ermöglicht. Es ist unverfroren, wie der Herr L., und Investor, Herr B., diesen Vertrag missachten, Jetzt bleibt vom Denkmal „Hotel zur Post“ nicht mehr als eine Teilhülle. Dass dies möglich ist, haben der Oldenburger L. und die ihm dumpf folgende CDU-Ratsmehrheit ermöglicht und zu verantworten; dass zur Straße Am Pulverturm dann noch die städtebauliche Billiglösung, ein Kastensupermarkt entsteht, setzt dem Ganzen die Krone auf.
  • Auch beim Neubau Medicus-Wesken-Ärztehaus zeigt der Oldenburger L. seine unselbständige, geradezu devote Einstellung zu allem, was der Investor will. All‘ das wird nämlich gemacht und genehmigt. Auf die Tiefgarage wurde verzichtet, weil die Fertigstellung des Bauvorhabens – das 100 und mehr Jahre stehen wird- sich um beeindruckende 8 Wochen verzögert hätte. Auf die Bäume und den Grünstreifen am Konrad-Adenauer-Ring wird verzichtet wegen des Parkhauses, das man sich mit der Tiefgarage gespart hätte. Das Parkhaus selbst ist nur für Kleinwagen vernünftig zu befahren. Die historische städtebauliche Wallstruktur ist an einem sensiblen Punkt ruiniert
  • Zum „Mittelbahnsteig“ habe ich hier bereits alles gesagt. Das Management des unlauteren Herrn L., der alles wusste, bevor der erste Spatenstich erfolgte,  ist lächerlich.

Über den Neubau Huesmann und sein ganz offensichtlich zu geringer Sicherheitsabstand zum Altenwohnheim an der Mühlentorstraße berichtet der evw-Beitrag nicht. Darüber wird es in absehbarer Zeit noch mehr zu schreiben geben. Ganz klar: Wenn es hier brennt, dann Gnade Gott den Senioren auf der anderen Straßenseite.

Also: Wann ist endlich Schluss mit dem wenig wahrhaften Herrn L. aus O., der keinem Gemeinwohl sondern nur servil  Investoren zu Dienste ist. Gewählt ist L.  bis 2013. Aber drei weitere Jahre will er unserer Stadt doch wohl nicht antun!

Zwischenmeldung

24. November 2009

Heute, einen Monat vor Heiligabend, sendet die Ems-Vechte-Welle diese Zwischenmeldung

24.11.09 / 07:35
CDU im Lingener Stadtrat will Emslandarena nun doch an Lindenstraße bauen

Lingen. Die CDU im Lingener Stadtrat will nun doch, dass die Emslandarena am Standort der jetzigen Emslandhallen gebaut wird. Das geht aus einer Pressemitteilung der Union hervor. Wichtig sei allerdings, dass alle planerischen, juristischen und finanziellen Voraussetzungen erfüllt werden könnten. Der Standort an der Frerener Straße sei damit noch nicht vom Tisch. Priorität genieße jetzt aber wieder die Lindenstraße. Zudem will die CDU-Stadtratsfraktion offenbar auch noch einmal über die Größe der Veranstaltungshalle diskutieren. „Bei Sitzplätzen, Hallengröße und dem Parkplatzangebot wollen wir noch einmal neu nachdenken und diese anpassen“, erklärte die Fraktionsvorsitzende Swenna Vennegerts. Die ursprünglichen Planungen für die Emslandarena sehen fünf Tausend Plätze vor.

In der entsprechenden CDU- Presseerklärung wird dann noch heftig mit Worten gelingelt (einstimmig, Bekenntnis, nach vorn preschen…); doch das ist eher amüsant und ich erwähne es  nur am Rande. „Einstimmig“ ist dabei besonders charmant.

Nun, offenbar ist in Lingen so alle  fünfzehn, zwanzig Jahre eine Bürgerinitiative tatsächlich erfolgreich: Anfang der 1970er Jahre die Initiative für ein unabhängiges Jugendzentrum, um 1990 die Initiative für eine Gesamtschule in Lingen und jetzt 2009 die BI „Arenawahn“. Das Arenabauwerk gegenüber der Hedonklinik ist offenbar vom Tisch und das ist gut so.

Was aber  ist jetzt zu tun? Die „Arenawahn“-Fragen sind längst nicht beantwortet.

Vielmehr ist jetzt erst einmal  zu untersuchen, ob die Emslandarena überhaupt bezahlbar ist. Sie wissen, die „Delle“ ist ein ernstes Thema und die notwendige Frage dazu lautet:  Wie entwickeln sich die kommunalen Finanzen in Zeiten der Wirtschaftskrise?  Ich kenne die Antwort nicht, aber ich verlange eine ehrliche und keine populistische Antwort. Es ist die bei weitem wichtigste Frage für dieses Projekt.

Daneben muss das Konzept der Emslandarena klar sein. „Bei Sitzplätzen, Hallengröße und dem Parkplatzangebot wollen wir …  diese anpassen“, sagt die CDU. Also will sie eine (um wieviel?) kleinere Halle. Macht das Sinn? Dies kann man nur beantworten, wenn die Konzeption auf dem Tisch liegt.

Dann muss der Lärmschutz geklärt sein. Jenseits aller Definitionsprozesse haben alle Anwohner, insbesondere die im Wohngebiet am Pumpenkolk einen Anspruch auf Schutz vor Lärm.  Dies beinhaltet auch passiven Lärmschutz, z.B. den Einbau entsprechender Fenster. Ob der südliche Pumpenkolk aber ein „Reines Wohngebiet“ nach der Defintion des Bauplanungsrechts bleiben muss oder nicht, muss diskutiert werden.

Parkraum ist ausreichend vorhanden. Die Tiefgarage unter der Lookentorpassage und der P-Platz an der  Berufsakademie und der Halle I/II bieten zusammen mit den Parkhäusern am Rathaus, am Medicus-Wesken-Gesundheitszentrum, am Emslandstadion und auf dem Festplatz selbst allemal genügend freien Parkraum in den Zeiten, in denen die Emslandarena betrieben würde, so dass auf dem Kirmesplatz kein Parkhaus benötigt wird.  Parkraum nur für einen Nutzer vorzuhalten, ist eine Verschwendung von Raum und Geld. Das kann man sich wirklich sparen!

Also Freunde, jetzt geht’s zwar nicht erst los mit den ernsthaften Diskussionen. Aber zu Ende sind sie keinesfalls.

Noch dies: Die lokale  FDP schweigt seit zwei Wochen auf ihrer Internetseite. Was soll sie auch sagen? Die Truppe um Jens Beeck steht im Abseits auf einem Acker an der B 214 und ist ganz allein. Da landet man im Regen, wenn man sich aus demokratsichen Diskussionen zugunsten vermeintlicher Standhaftigkeit ausklinkt.  Sie ist einer der Verlierer der Entwicklung. Ein anderer heißt mit Vornamen Georg.

Nahe liegend

22. Februar 2009

Filzstruktur     Filzstruktur

Gar nicht kleinlaut aber sehr wortreich versuchte Stadtbaurat Georg Lisiecki in der jüngsten Sitzung des Bau- und Planungsausschuses des Lingener Stadtrates eine von ihm persönlich zu verantwortende Schlamperei am neuen Ärztezentrum runter zu reden, das den Namen Medicus Wesken trägt. Die vereinbarten und in der Baugenehmigung festgesetzten Abstände der neuen Gebäude (Ärztezentrum und Parkhaus) zur Straße sind deutlich unterschritten. Dies bedeutet den Verzicht auf einen Grünstreifen und unsichere Verkehrsverhältnisse auf dem Schulweg zur Castell- und Paul-Gerhardt-Schule sowie zum Ärztezentrum selbst und rund 50 qm mehr an Nutzfläche.  Niemand hat im Rathaus aufgepasst, die Verantwortlichen haben weggesehen. Sogar die notorisch verwaltungsunkritische „Lingener Tagespost“ sprach tags darauf von „schlampig gearbeitet“.

Am Samstag meinte Leserbriefautor Günter Rudeloff  in der Lokalpresse dazu dies:

„Eigentlich war jedem mit gesundem Menschenverstand ausgestatteten Betrachter ohne Einblick in entsprechende Planungsunterlagen sofort klar, dass es beim Bau des neuen Ärztezentrums hinsichtlich der Grundstücksabstände nicht mit rechten Dingen zugehen konnte.
   Mit der Auswahl ihrer Stadtbauräte hat die Stadt Lingen selten eine glückliche Hand bewiesen, und der jetzige hat mehrfach überzeugende Beweise seiner mangelnden Qualifikation geliefet. Kann man aber mit so viel Blindheit gesegnet sein, diese augenfällige Missachtung von Minimalabtsänden zu übersehen. Nahe liegender ist da schon die Vermutung:
    Man setzt sich über bestimmte Vorgaben einfach hinweg, schafft fertige Tatsachen, zahlt anschließend ein minimales Ordnungsgeld (wenn überhaupt), hält sich einige Zeit bedeckt und erreicht letztlich genau das, was man ohnehin von Anfang an beabsichtigt hatte.
Günter Rudeloff, Frankfurter Str. 15, Lingen

Für die These Rudeloffs spricht, dass am Beginn der rechtswidrigen Bauarbeiten sogar ein Foto geschossen wurde, das bis heute auf der Internetseite der Stadt zu sehen ist.

Zur Erinnerung das planmäßige Vorgehen für dieses Projekt: 
Mit dem Satz: „Sonst gehen die nach Nordhorn oder Meppen!“  wurde der Stadtrat darüber getäuscht, dass rd. 20 Ärzte mit ihren Praxen gar nicht in die Nachbarstädte wechseln können, weil sie nur für Lingen ihre Krankenkassenzulassung besitzen. Dann wurde das innerstädtische Filetgrundstück von der Stadt  deutlich unter dem Einstandspreis an den Investor verscherbelt. Das innerstädtisch besser geeignete Areal am Pferdemarkt wurde in internen Entscheidungsrunden weggequatscht. Vor allem: Auf einen Bebauungsplan wurde verzichtet, auf eine Gestaltungsvorschrift ebenfalls. Eine Tiefgarage wurde eingespart, weil das 8 Wochen länger dauere und diese Zeitverzögerung dem Investor nicht zugemutet werden könne; er wolle am 1. Januar 2009 fertig sein. 

Noch ein Geschmäckle:
Der Investor hat mit der Grünplanung des Projektes, so Stadtbaurat Georg Lisiecki am Mittwoch, Prof. Dipl.-Ing. Christoph Schonhoff beauftragt, ein seit Amtsantritt des jetzigen Stadtbaurats gern für städtische Planungen bemühter Grünplaner. Der, sagte Lisiecki, habe jetzt gemeint, dass die vorgesehenen Bäume im Grünstreifen, der entlang des Konrad-Adenauer-Rings geplant war, durch den zu geringen Abstand aber unmöglich geworden ist, auch sowieso nicht richtig hätten gedeihen können…

Naja, ich lass das mal unkommentiert. Allerdings fällt die Nähe von Prof. Dipl.-Ing. Christoph Schonhoff zu bestimmten Interessen schon auf. Beispielsweise wählte er als so genannter Fachpreisrichter im Rahmen des städtebaulichen Wettbewerbs zur Erneuerung der Lingener Fußgängerzone vor nicht ganz drei Jahren den Entwurf seines, mit ihm gut bekannten Dresdner Mitdozenten Jens-die-Platanen-müssen-weg-Rossa für die Endauswahl aus und kürte ihn dann mit den Gutachterkollegen zum Sieger des Wettbewerbs. Dass er seine lehrreich-wissenschaftlichen Beziehungen zum Preisträger während oder nach der Gutachtersitzung  offen gelegt hätte, ist nicht übermittelt. 
Honi soit qui mal y pense.

Foto: ©  geralt (pixelio)