50 Jahre und 1 Tag, nachdem 1970 die Abiturientia des Gymnasmium Georgianum die Abizeugnisse erhalten hatte, starteten heute in Niedersachsen 12.000 Nachfolger/innen und geschätzt ein paar Hundert in Lingen (Ems) mit den Abiprüfungen und zwar, wie der NDR schrieb, mit Verspätung und erschwert in ihr Corona-Abi 2020.

Jede/r Abiturient/in muss in den nächsten knapp drei Wochen in vier Fächern schriftliche Prüfungen schreiben. Diese Abiturprüfungen waren wegen der Corona-Pandemie waren  in Niedersachsen verschoben worden.  Los ging es für die Prüflinge heute mit Geschichte. Morgen steht dann Mathematik auf dem Programm. Hier der ganze Abitur-Fahrplan 2020:
11. Mai Geschichte
12. Mai Mathematik
13. Mai Spanisch
14. Mai Biologie
15. Mai Musik
15. Mai 1. Prüfungsfach an Beruflichen Gymnasien: Ernährung, Betriebswirtschaft mit Rechnungswesen-Controlling, Gesundheit-Pflege, Pädagogik-Psychologie
16. Mai Englisch
18. Mai Chemie
20. Mai Sport, Informatik
23. Mai Kunst
23. Mai 2. Prüfungsfach an Beruflichen Gymnasien: Volkswirtschaft, Betriebs- und Volkswirtschaft
25. Mai Erdkunde
26. Mai Physik
27. Mai Politik-Wirtschaft
28. Mai Französisch
29. Mai Evangelische Religion, Katholische Religion, Werte und Normen
30. Mai Latein
3. Juni bis 20. Juni Prüfung in den mündlichen Prüfungsfächern
3. Juni bis 20. Juni Nachschreibetermine
6. Juli bis 8. Juli Mündliche Nachprüfungen in den schriftlichen Prüfungsfächern

Landesschülerrat (LSR), Landeselternrat (LER), Schulleitungsverband (SLVN) sowie  die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) kritisierten in Niedersachsen heute die Entscheidung von Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD), das Abitur unter den gegebenen Corona-Bedingungen durchzuführen. Die Chance auf eine Entlastung aller Betroffenen sei vertan, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung.  Die Prüfungen ließen sich „nicht im Ansatz gerecht und vergleichbar gestalten“, ergänzte Grünen-Fraktionschefin Julia Willie-Hamburg.

Die Kritik gelte auch für die Abschlussklassen in Haupt- und Realschulen. Dort wird vom 20. bis 28. Mai geprüft.  „Sich unter den aktuellen Bedingungen auf die Abschlussprüfungen der neunten oder zehnten Klasse vorzubereiten, überfordert viele Schülerinnen und Schüler“, sagte Florian Reetz vom Landesschülerrat. Zahlreiche Themen seien noch nicht behandelt worden und müssten jetzt durchgepeitscht werden. Der Landeselternrat verwies auf Berichte über fehlende Lehrkräfte und unzureichende digitale Ausstattung. Unter diesen Umständen seien Vorbereitung und Durchführung äußerst fragwürdig, sagte die LER-Vorsitzende Cindy-Patricia Heine.

Nun KuMi Tonne wies diese Kritik zurück. Er finde es wichtig, sagte der SPD-Mann, „dass unsere Abiturientinnen und Abiturienten nicht mit einem Corona-Malus ihren Abschluss erhalten, daher sollen die Prüfungen wie in den anderen Ländern auch stattfinden“, so der Minister. Ich glaube auch, die schaffen das alle, so wie auch ihre Vorgänger/innen, wenngleich die es natürlich wirklich leichter hatten.

Die schriftlichen Prüfung dauern jedenfalls bis einschließlich Pfingstsamstag – dann wird die Abi-Klausur in (meinem Lieblingsfach) Latein (oder war es Altgriechisch…das weiß nur noch mein Apotheker, Foto lks) geschrieben. Im Anschluss kommen die mündlichen Prüfungen, Abitur-Zeugnisse gibt es danach wohl Mitte Juli. Anschließend wird es auch mit dem Feiern schwerer als bei allen Vorgängern seit 70 Jahren: Das Lautfeuer-Abifestival ist abgesagt, ins Ausland können die frisch mit der Hochschulreife Ausgestatteten wohl im Juli auch noch nicht reisen. Also: Was lasst Ihr Euch 2020 einfallen, liebe Abiturient*innen und liebe Haupt- und Realschüler? Das würde mich schon interessieren…

(Quelle: NDR, Foto oben: pixabay; Foto Mitte: KuMi Tonne, CC Foto AG Gymnasium Melle  3.0); Foto unten: Lingener Apotheker, © NOZ, Ludger Jungeblut)

Kettensäge

28. Januar 2008

295427_R_by_tutto62_pixelio.deEs gibt kaum ein unangenehmeres Geräusch als das einer Kettensäge. Um 6.30 Uhr heute morgen hörte ich im Halbschlaf dieses Geräusch, es weckte mich vollends und mir wurde schlagartig klar: Unsere beauftragten „Stadtverschönerer“ sind nebenan am Werk und die Jahrzehnte alten Platanen im Bereich Burgstraße/Am Markt müssen dran glauben. Meine Frau schloss das Fenster mit den Worten: „Schrecklich! Ich kann das nicht anhören!“ Schon mittags sah sie dann: Alle zehn großkronigen Platanen sind weggesägt.

Die so entstandenen neuen Sichtachsen sind atemberaubend. Vom neuen Rathaus geht der Blick glatt durch bis zum Haus Hellmann in der Burgstraße; „Schmutz“ (Planungsamtschef Krämer; auch die folgenden „…“-Zitate in diesem Blog stammen von ihm, sofern nicht anders gekennzeichnet) produzierende Bäume stören nicht mehr den Blick vom historischen Rathaus auf das in wunderschönem Klinkerweiß gehaltene Flachdachgebäude Ceka/Douglas – korrespondierend mit der Gegenrichtung; aus der Marienstraße klebt nämlich wie ein Kaugummi in der Sichtachse auf das historische Rathaus nurmehr ein in grellem Margenta/Schwarz gehaltenes Werbeschild eines großen deutschen Telekommunikationbetreibers. Und Apotheker Martin Steinhoff kann jetzt endlich, dauerhaft von Grün unbeeinträchtigt, direkt auf die rosarot-marmorierte 60er-Jahre-Fassade mit Alu gegenüber sehen; denn künftig sollen vor dem ehem. Sparkassen-Gebäude nur ein paar Kübel mit Zierpflanzen in Reih und Glied stehen.

OB Heiner Pott hat aber immer noch von der öffentlichen Kritik nicht beeinträchtigte Prioritäten. Er suchte sich inzwischen die mit weiteren vier Platanen und dem Fabeltierbrunnen bestückte Terrasse vor der Sparkasse als nächstes Säge-Ziel aus. Dort befinde sich – so sagte er in seiner Neujahrsrede Anfang des Monats- eine „So-da“-Terrasse, also eine Terrasse, die einfach nur „so da“ sei und die deshalb (samt Platanen offenbar) weg könne. Anders sei dies bei der Lobenberg’schen Terrasse, die jetzt nach dem Café Heilemann benannt wird; denn dort sitze man unter den schönen Platanen beim Kaffeetrinken.

Kurz zur Frage von Ursache und Wirkung: Es ist nicht die Terrasse, die Probleme macht, sondern die unattraktive Nutzung der Gebäude dahinter. Die dort beherbergte Sparkasse präsentiert nun einmal bloß eine Gardinenfront, nachdem genau an dieser Stelle zwei Ladenlokale und ein Café von der Sparkasse geschluckt wurden. Und ich glaube (Hinweis für die LT-Reaktion: jetzt wird es sarkastisch), tatsächlich müssen die Platanen deshalb vor Café Heilemann bleiben, weil man doch sonst auf die auf dem Vordach in den letzten Jahren (mit Genehmigung?) aufgereihten Klimaanlagen blicken würde, die der Fassade dieses Nachkriegsbauwerks das Image einer Verkaufsausstellung von Gebrauchtanlagen geben. Man spürt es: Die „attraktive Gestaltung“ des Lingener Stadtzentrums kommt sichtlich voran.

Ich glaube inzwischen: Das alles ist vielleicht eine „zeitgemäße“ Methode, ist doch jetzt am Dortmund-Ems-Kanal nahe der Weidestraßenbrücke eine anthrazitbedachte Lavendel-Villa entstanden und stellt einen weiteren „innovativen“ Farbbeitrag zu Lingens „optimierter“ Stadtgestaltung dar.

NIKOLAUS, KOMM ZURÜCK!!!

ps Nikolaus Neumann war von ca 1972 bis ca 2000 Stadtbaurat in Lingen. Er wusste um die Bedeutung von Stadtgestaltung, und hektisches „zeitgemäßes“ Umgestalten verhinderte er daher beharrlich. Angesichts dessen, was sich jetzt ereignet, soll er nach Oldenburg geflohen sein…
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Foto oben Links: © tutto62 pixelio.de