Aktion III

29. Juni 2015

PoliticalBeauty

 

Die in Lingen agierenden Aktivisten vom „Zentrum für politische Schönheit“ (Politicalbeauty.de) haben heute in unserem Städtchen ihre Protestaktionen gegen die europäische Flüchtlingspolitik und deren tödliche Folgen fortgesetzt.

Vor dem abendlichen Rathaus und am frühen Morgen auf dem Marktplatz sowie in der Marienstraße platzierten sie Kreuze mit der Aufschrift www.politicalbeauty.de.

(Foto: twittarisse)

keine gute

27. Februar 2015

Bildschirmfoto 2015-02-26 um 20.51.52Die Volksbank will das ehem. Coop/Extra-Supermarkt-Gebäude in der Lookenstraße abreißen und dort einen Neubau errichten. Ich bin schon deshalb nicht glücklich, weil der Bebauungsplan geändert wurde, der dort in der obersten Etage Wohnraum vorsah. Den aber wollte die Volksbank zunächst aber nicht mehr, nachdem der Bebauungsplan vor drei Jahren in einem Schritt zu ihren Gunsten geändert worden war.

Jetzt -kurz vor Beginn des knapp 18monatigen Bauvorhabens- geht es um die dringende Frage, wie die große Baustrelle erschlossen wird; denn das ist eine ganz knifflige Sache. Den Vorschlag der StadtverwBildschirmfoto 2015-02-26 um 23.03.18altung feiert sie gerade in einer laaaaangen Pressemitteilung als großartige Lösung feiert. Denn die Baustellen-Lkw sollen tatsächlich durch die ganze Marienstraße bis zur Zufahrt zwischen dem Juweliergeschäft Vielmeyer und dem Spieleparadies Adelmann fahren, dort in diese Zufahrt abbiegen und dann zur Baustelle. Knapp 200m durch den Fußgängerbereich Marienstraße und 100m zur Baustelle (Foto 1).

Das ist gar keine gute Idee, finde ich: Denn die Marienstraße ist doch gerade erst neu gepflastert und man braucht kein Prophet zu sein, sie sich  nach 15-18 Monaten Baustellenverkehr vorzustellen. Auch die Vorgabe, dass Baustellenfahrzeuge nur bis 10 Uhr morgens die Straße befahren dürfen, ist gut gemeint, wird aber nicht funktionieren, wenn andere Lieferfahrzeuge nahezu ganztags die Marienstraße befahren dürfen. Es wird vielmehr zu einer erheblichen Belastung für die Anrainer und Fußgänger in der Marienstraße Bildschirmfoto 2015-02-26 um 23.05.23kommen, die man vermeiden soll und kann.

Gegen die Alternatividee, die Feuerwehrzufahrt zwischen Lookentor und dem Haus Marienstraße 11 entlang der Eiscaféterrasse zu nutzen, also jedenfalls einen Teil der Marienstraße nicht zu befahren (Foto 2), lehnt der Eigentümer des Lookentor ab; er kann sich dabei auf den Bebauungsplan stützen, der in dem Bereich nur ein eingeschränktes Geh- und Fahrrecht für direkte Anlieger erlaubt.

Hinter vorgehaltener Hand heißt es dann schließlich, die -von mir favorisierte- Lösung, die Baustelle über die Straße Am Pulverturm und durch die Lücke zwischen dem Brillengeschäft Löchte und dem Reformhaus Ebken den Baustellenbereich zu erschließen -also mit einer knappen Querung der MArienstraße-  (Foto 3), scheitere an alten, persönlichen Streitereien zwischen Bauherrn und einem prominenten Anliege, der einst ausgerechnet das jetzige Baugrundstück an den Bauherrn verkauft hat. Dabei könnte sie auch einen vor Jahren bereits im Stadtrat beschlossenes Grundstückstausch verwirklichen und die Ruine der ehedem ein kleines Musikgeschäft beherbergendes Gebäude nördlich der Marienstraße beseitigen helfen.

Wir sehen: Alles ist eigentlich ein Fall für ein Stadtoberhaupt, der die Streithähne an einen Tisch zu holen hat, um so im Gespräch eine Einigung zu erzielen, von der alle etwas haben und die allen nützt. Oder?

 

Aus dem Leben eines Schrotthändlers
Lingen (Ems) – Centralkino, Marienstraße
Samstag, 29.03. – 19 – 22 Uhr

anschließend Vortrag und Diskussion
Haben Roma eine Perspektive in Europa?
von und mit Elvira Ajvazi (ggua Münster)
Eintritt für Film und Diskussion frei

Aus dem Leben eines Schrotthändlers
Drama, BIH/F/SLO 2013, 78 Min, FSK o.A., Regie: Danis Tanovic

Nazif und seine Frau Senada sind Roma und leben in ärmlichen Verhältnissen am Rande Sarajevos. Nazif sammelt Schrott um Geld zu verdienen, und seine Frau kümmert sich um den Haushalt und die Töchter. Senada hat eines Tages Schmerzen im Unterleib und erfährt, dass ihr ungeborener Sohn tot ist. Sie muss dringend operiert werden, doch das Geld fehlt. Ein Kampf gegen die Zeit, den Tod und die Hoffnungslosigkeit beginnt…

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Judith Hopf
A Line May Lie

und (im Obergeschoss)
Yorgos Sapountzis
Schinken und Käse
Performance Samstag, 10. August 2013, 11 Uhr, nahe dem Lingener Marktplatz in der Marienstraße

11. August bis 20. Oktober 2013
Eröffnung Samstag, 10. August 2013, 19 Uhr, Kunsthalle Lingen
Lingen (Ems) – Kaiserstraße. 10a

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Die künstlerische Arbeit von Judith Hopf (geboren 1969 in Karlsruhe, lebt in Berlin) beschäftigt sich mit Geschichten und Ästhetiken, die der alltagskulturellen Sphäre zugewandt sind. Judith Hopf blickt dabein „entschieden schräg“ auf gesellschaftliche Prozesse; denn sie versteht Kunst als autonomem Raum, innerhalb dessen „die Verhältnisse zum Tanzen gebracht“ werden können
Die Einzelausstellung in der Kunsthalle Lingen zeigt unter anderem neue, auf die spezifischen Bedingungen des Ortes abgestimmte Arbeiten von Judith Hopf. Unter dem Titel „A Line May Lie“ (Eine Linie könnte lügen) präsentiert sie neben Arbeiten auf Papier und einer Wand-Textarbeit unter anderem Objekte, die in ihrer Abstraktion an den flachen Horizont denken lassen, der das westliche Niedersachsen charakterisiert. Zwei Videofilme ergänzen die Präsentation auf erzählerische Art und Weise.

Der griechische Künstler Yorgos Sapountzis (geb. 1976 in Athen, lebt in Berlin) rückt die Plätze des urbanen öffentlichen Lebens in ein neues Bewusstsein, das die Gegenwart ebenso einbezieht wie ihre historische Vergangenheit.
Seine Einzelausstellung im Obergeschoss der Kunsthalle mit dem Titel „Schinken und Käse“ beginnt Samstagfrüh um 11 Uhr mit einer Performancein der Marienstraße. Ergänzt wird sie im Obergeschoss der Kunsthalle durch eine Objekte und einen Videofilm, in denen er das Thema auf plakative und filmische Weise reflektiert und illustriert. Ergänzt wird der Film durch Plakate, die dessen Inhalte über Mittel der Werbung reflektieren.

(Quelle Kunstverein)

Nasenschild

11. Mai 2013

Nasenschilder

Aus der Marienstraße. Eine ungewohnte Perspektive Frühlingsaufnahme von milanpaul. Die Nasenschilder stören den Eindruck den das historische Rathaus macht, die schüttere Platane rettet ihn.

Schönes Lingen 4

2. November 2012

Mich erreicht diese Zuschrift des ehem. Ratskollegen Gerhard Kastein nebst Foto, die ich nicht vorenthalten möchte.

„Sehr geehrter Herr Krone!

Ihnen als Vorsitzenden des Aufsichtsrates der Stadtwerke ist sicher entgangen, dass die Novellierung der Marienstrasse mit einem „Kunstwerk“ (siehe beigefügtes Bild) abgeschlossen wird. Der auf dem Bild nebenstehende Infoverteiler ist sicher auch kein Kunstwerk,
er ist aber jedenfalls „ordentlich“ gestrichen. Meines Wissens nach haben die Stadtwerke einem Mal-Wettbewerb „schöne Energieverteiler“ veranstaltet.

Ich möchte Sie als obersten Aufseher der Stadtwerke auffordern, diesen „Kunst-eye-catcher“ umgehend zu verändern, damit Lingens Bürger und vor allem die vielen Besucher Lingens diesen Ort wieder wohlfühlend passieren können.

Dies ist übrigens nicht der einzige Störfaktor. Die Energiereduzierstation in unmittelbarer Nähe ist ebenfalls einer dieser vielen „eye-catcher“ in Lingen.

Die Stadtwerke haben eine sozial-ethische Eigentumsbindung. Fordern Sie sie im Interesse der Bürger ein. Vielleicht ist im Werbeetat ein geringer Betrag, Kilopreis für Farbe unter zehn Euro, abrufbar. Vorab vielen Dank

Grüße Gerhard Kastein“

Naja, soziale Ethik wird man nicht gleich bemühen müssen, Gerd. Es reicht einfach nur ein wenig Farbe.

Suchspiel

1. Juli 2012

Eigentlich

möchte ich nachher ins Moormuseum nach Groß Hesepe, wo eine herrliche Emslandbilder-Ausstellung eröffnet wird. Aber ich brüte nächtens gerade, fürchte ich, eine fette Sommergrippe aus. Also bedauert mich bitte oder drückt mir die Daumen, dass es nichts wird mit Fieber & Co.

Jedenfalls kann ich heute nur ein kleines Suchspiel präsentieren. Allgemein ist bekannt, dass ich die Stadtgestaltungsversuche unseres oft ratlosen Bauamtes für wenig gelungen halte. Zuletzt die Sanierung eines Denkmals am Markt, das jetzt nur noch  alt aussieht aber nicht mehr alt ist, doch  dafür an die Toskana erinnernde Klinkerschornsteine hat (und nebenbei nicht, wie versprochen, im Februar fertig war oder, wie später versprochen, Mitte Mai, aber dafür 50% teurer geworden ist -„wegen Denkmalschutz“ sind es jetzt 210.000 Euro, statt wie geplant 140.000 Euro).

Hier aber nun die neueste gestalterische Zumutung und zwar für die Leser dieses kleinen Blogs zum Mitsuchen:

Vor dem Bahnhof entstehen nach jahrelanger Untätigkeit nun doch Kurzparkplätze an der Bernd-Rosemeyer-Straße und eine Auffahrt für Radfahrer, die aus der Marienstraße kommend gegenüber auf den Radweg Richtung Unterführung gelangen wollen. Das Projekt ist bekanntlich reichlich verkorkst, wird aber nun realisiert.

Heute nun lade ich meine Leser ein, an Ort und Stelle nachzusehen, was dort entsteht. Für das Suchspiel stellen Sie sich bitte am Ende des Fußgängerüberwegs vor dem Ristorante da Sandro auf den Bahnhofsvorplatz. Dann  zählen sie bitte die Zahl der unterschiedlichen Pflastersteine durch, die dort eingebaut sind. Begrenzen wir die Zählung auf einen Umkreis von ca. 20m. Ein Tipp: Es sind mehr als 6. Dem, der als erster die richtige Zahl dieser steinigen Musterkollektion von Steinresten des lokalen städtischen  Bauhofs hier oder per PM meldet, gebe ich eine da-Sandro-Pizza aus.

Die Kantsteine werden mitgezählt, die hartgummiartig-weißen Gliederungsstreifen am Busbahnhof  nicht mitgerechnet; verhunzen geht auch ohne diese sinnfrei wirkenden weißen Striche.

Quälend

18. Mai 2012

Quälende Langsamkeit titelt Niklas Tewes seinen jüngsten Blogbeitrag (Aufmacherfoto oben). Er schreibt darin über die gemeinsame Sitzung von Planungsausschuss und Verkehrsausschusses vorgestern im Lingener Rathaus und seine Enttäuschung über die Langsamkeit demokratischer Prozesse. Ich kenne das Bohren dicker Bretter und war in der Sitzung nicht sonderlich überrascht. Tatsächlich ist auch weniger die Ausschussarbeit das Problem. Es ist einmal mehr die Stadtverwaltung, die nur das umsetzt, wozu sie Lust und Laune hat. Im Winter Nullneunnullzehn saß ich im Ristorante da Sandro an der Bernd-Rosemeyer-Straße, als draußen vor dem Fenster Baudezernent, Oberbürgermeister und ein weiterer Mitarbeiter der Stadtverwaltung eine halbe Stunde lang hin und hergingen und prüften, wo man auf der Straßenseite des Bahnhofsvorplatzes notwendige Kurzzeitparkplätze anlegen könnte. Ich habe mich gefragt, ob es dafür dieser Runde bedarf. Doch es kam schlimmer: Seither ist nämlich nichts passiert. Die Defizite rund um den Bahnhof sind ungelöst und dies trotz Millionen, die dort verbaut wurden. Offen gefragt: Ob die drei damals Hin- und Her-Schreitenden zu selten den Lingener Bahnhof nutzen und daher keinen erkennbaren mentalen Zugang zu den Problemen von Bahnreisenden haben?

Nun können Mitglieder eines kommunalen Ausschusses notwendige Baumaßnahmen nicht persönlich mit dem Spaten in Angriff nehmen. Vielmehr muss stattdessen die Stadtverwaltung die Aufträge des Rates und seiner Ausschüsse realisieren. Und wenn sie nichts macht, kann ein Ausschussmitglied erinnern, nachfragen, mahnen und Pressemitteilungen (oder gar einen Blog) schreiben. Ein kommunales Gremium gleicht damit mehr dem Aufsichtsrat eines Wirtschaftsunternehmens als dessen agierendem  Vorstand. Der Unterschied: Es gibt im Rat Fraktionen und politische Mehrheiten. Vorgestern beispielsweise war die Diskussion eine völlige Wiederholung der Ausschussberatung vom 2. Dezember 2009. Trotzdem begann die Diskussion  über den immer noch greifbar unausgewogenen, schon damals  im Ausschuss zurückgewiesenen Vorschlag der Verwaltung mit einer zustimmenden CDU-Erklärung. CDU-Mitglied Werner Hartke (Darme) zeigte sich von den greifbaren Mängeln des Vorschlag  unbeeindruckt und lobte im Namen der Christdemokraten den Plan ausdrücklich als gute Lösung. Seine Fraktion unterstütze ihn. Sie stimmte dann in der Folge auch den zweieinhalb neuen Halteplätzen zwischen ZOB-Zu-/Abfahrt und Zebrastreifen zu, obwohl der Leiter des Straßenbauamts Klaus Haberland davor gewarnt hatte, (solche) Parkplätze direkt vor einem Zebrastreifen einzurichten.

Mein Kollege Marc Riße (BN, Foto lks) kritisierte, dass der Busbahnhof Abends nicht benötigt werde und leer stehe. Er fragte auch, weshalb nun zwei getrennte Taxistände angelegt werden sollten. Ich beanstandete u.a., dass Taxis nur in Richtung Burgstraße aufgestellt werden sollten, es aber zahlreiche Fahrgäste gebe, die in die entgegengesetzte Richtung wollten, dass der Parkplatz neben der Tanzgalerie zu klein und deshalb besonders an Wochenenden rund um den Bahnhof ein heilloses Verkehrschaos herrsche. Darüber soll nun die Verwaltung nachdenken und Vorschläge machen. Immerhin setzte der Ausschuss einen Zeitrahmen bis September gesetzt. Das ist nach Verwaltungsmaßstäben geradezu atemberaubend schnell, weshalb einige Verwaltungsleuten auch mit ihren Augen rollten. Marc Riße und ich haben am Ende den schlechten Verwaltungsplan abgelehnt. Dasselbe machte die SPD; weshalb die Grünen zustimmten, habe ich nicht verstanden, vielleicht nur weil auch eine bequeme Auffahrt für Radfahrer gegenüber der Marienstraße auf den Radweg entstehen soll.

Für Niklas Tewes sind die Schritte unzureichend, was ich verstehen kann. Ihn quält die Langsamkeit kommunalpolitischen Handelns. Dies betrifft auch das abendliche Durcheinander im Vergnügungsbezirk Schlachter-, Sturm und Elisabethstraße und den gefährlichen Palacio-Ausgang  direkt vor die Haube vorbeifahrender Kfz auf der Elisabethstraße; Niklas Tewes hatte diese Zustände nachdrücklich kritisiert. Marc Riße und ich haben dem engagierten Mann am Mittwoch versprochen, auf eine zügige Beschlussfassung zu drängen, damit nicht auch hier alles wieder auf die lange Bank geschoben wird. Denn Tewes‘ Kritik hat ebenso Hand und Fuß wie seine Sorge, dass etwas passiert. Liest Du hier!

(Foto Münsteraner Hafen © Niklas Tewes;  Foto Marc Riße : © BN/Stadt Lingen (Ems))

Katastrophe

17. Februar 2011

Wikipedia weiß: „Denkmalschutz dient dem Schutz von Kultur und Naturdenkmalen. Sein Ziel ist es, dafür zu sorgen, dass Denkmale dauerhaft erhalten und nicht verfälscht, beschädigt, beeinträchtigt oder zerstört und dass Kulturgüter und Naturerbe dauerhaft gesichert werden. Die rechtliche Definition und Rahmenbedingungen für den Denkmalschutz werden durch das Denkmalrecht festgelegt.“

Das, was jenseits dieser sachlichen Aussage in unserer Stadt unter Denkmalschutz verstanden wird, ist  etwas völlig anderes. Nichts wird dauerhaft gesichert. Wir erleben die Nutzbarmachung von Kulturgütern für kommerzielle Interessen. Durch Verfälschen, Beschädigen und Beeinträchtigen. Die SPD schreibt aktuell:

„Wenn allerdings der Vorsitzende des Planungs- und Bauausschusses Reinhold Diekamp (CDU) sich zu der Äußerung versteigt, man sei in der Vergangenheit sehr gut mit dem Denkmalschutz umgegangen, muss er wohl eine andere Stadt als Lingen (Ems) meinen. Sind die beiden vor kurzer Zeit verunstalteten Baudenkmale in der Marienstraße, der Abriss des allseits beliebten „Salut“ in der Burgstraße und der Abriss historischer Gebäude in der Mühlentorstraße schon vergessen?“ fragt die SPD.

Erster Anlass für die neuerliche und dringend notwendige Debatte ist der geplante Umbau des Baudenkmales Am Markt 13 – der ehemalige Ratskeller, der zum Piano und zeitweise zum QStall wurde. Was von diesem eingeschossigen Haus aus dem 18. Jahrhundert  bleiben wird, ist schwerlich noch ein Baudenkmal. Es ist das, was ein investierender Lingener darunter versteht: Alte Bauteile raus, Grundrisse verändern, dann mit Neu auf Alt machen, historisierend aufhübschen – mit neuen Fenstern, Dachpfannen und Kunststoffschindeln seitlich an unbekannten Gauben. Was ist der Ausgangspunkt:

„Die beiden Häuser m Markt 12 + 13 sind, obwohl sie im Alter vrmutlich ein Jahrhundert auseinanderliegen, in ihrer glücklichen Stellung zum Historischen Rathaus heute mit diesem als eine einheit anzusehen“,

schreibt Baldur Köster in seinem Werk (Ausriss oben re.) über die Lingener Architektur und den aktuellen Investoren und ihren Genehmigern im Rathaus ins Stammbuch:

„Bilden die Häuser Nr. 9 – 12 zunächst eine zusammenhängende Front, so schafft das Haus Nr. 13, das rechts und links nicht angebunden ist und völlig freisteht, einen Auftakt zum ebenfalls freistehenden Rathaus. es lässt diesem aber eindeutig den Vorrang, einmal durch seine geringe Größe, dann aber auch durch sein Zurückweichen von der Straßenfront. … typisch für den mittelalterlichen Städtebau … ein weiterer Beweis für die frühe Datierung von Rathaus und Platz.
Das niedrige, eingeschossige Haus ist im Übrigen beispielhaft für die Mehrzahl der Lingener Häuser bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts hinein.“

Die beiden bei der Renovierung 1933 entstandenen kleinen Dachgauben des „Ratskeller“ beiderseits des schmalen Mittelflurs sind das Äußerste, was dieses Baudenkmal ertragen konnte. Aber jetzt ein halbes Dutzend prollig-emsländische Dachausbauten auf die Ostseite zu flanschen, ist eine Katastrophe. Längst ist übrigens auch die Linde vor dem Haus  zu groß geworden und stört zunehmend die von Köster so gelobte „fein ausgewogene Ecklösung“. Nein, nicht absägen! Pflanzt ihn um!

Zweiter Anlass der jetzigen Debatte ist der architektonisch-brutale Umgang mit dem Ensemble des Universitätsplatzes, wo die GmbH des Bruders unseres bereits erwähnten Ausschussvorsitzenden dabei ist, die allerletzten Lingener Altstadtreste sich unterzuordnen – mit einem Parkhäusl und obendrauf einem dreieckigen Balkon  vor ein paar Luxuswohnungen; dafür hat die Stadt mit den Stimmen der CDU schon vor Jahren still und heimlich auch noch Flächen des historischen Professorenhaus-Grundstücks verkauft, ohne sich irgendein wirkliches Mitspracherecht zu sichern.

Neben der gerade realisierten Zerstörung der Baudenkmale in der Marienstraße gibt es weitere aktuelle Beispiele für den geschichtslosen Umgang mit historischen Kulturgütern in unserer Stadt. So verkauft die Stadt gerade historische Baudenkmale – wie das historische Schleusenwärterhaus in Hanekenfähr oder  das 120 Jahre alte Wohnhaus Bernd-Rosemeyer-Straße 5 – beides wohl eine gesetzwidrige Handlung, haben doch niedersächsische Kommunen die besondere Pflicht, die ihnen gehörenden und die von ihnen genutzten Kulturdenkmale zu pflegen und sie im Rahmen des Möglichen der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Wie soll das gehen, wenn man sie verramscht verkauft?

  • Ganz im Verborgenen und doch vor aller Augen leidet  auch der Lingener  Stadtgrundriss, den man als das “Lesebuch” unserer Stadt bezeichnen darf. Dessen Zerstörung wird durch durch rührend-naive Schilda-Aktionen wie „Stadtgrabenpromende“ garniert mit „Gedankenstrichen“  verschleiert.

Solange in Lingen nicht Eigentum verpflichtet, findet kein Denkmalschutz statt. Immer wieder neu müsste sich unsere Bürgerschaft  fragen, was sie zum Kern ihres kulturellen Erbes zählt, was ihr wesentlich genug ist, um es zu bewahren und dafür auch finanzielle Anstrengungen in Kauf zu nehmen. Angesichts der Armut in früheren Zeiten war nie viel und inzwischen ist fast nichts mehr an Baudenkmalen da. Die Kirchen, das Rathaus, der Universitätsplatz, das Bild des Marktplatzes und einiger Ensemble, Haus Hellmann und ein paar andere Bauwerke im Stadtkern. Übrigens: Auch die ehemalige Gasolin-Tankstelle an der Rosemeyer-Straße. Sie ist aber durch einen überforderten Eigentümer und die Untätigkeit der Verwaltung gleichermaßen so vergammelt, dass 98 % der Lingener diesen „Schandfleck“ sofort abreißen würden, wenn sie könnten. Dabei ist gerade dieses Technikgebäude ein einzigartiges Zeugnis des 20. Jahrhunderts. Erhaltet es endlich!

Über Denkmalschutz entscheiden bekanntermaßen nicht nur Denkmalpfleger (in Niedersachsen mit seinem nahezu zahnlos-beliebigen Denkmalschutzgesetz schon gar nicht).  Über Denkmalschutz entscheiden auch Ratsmitglieder. Deren Lingener Spezies hat jede (!) so genannte Modernisierung von Baudenkmalen in den letzten zehn Jahren abgenickt. Jede! Es hat nie irgendeinen Einwand gegeben, wenn die nach dem Dienstende des Stadtbaurats Nikolaus Neumann tätigen Nachfolger mit den angeblich unvermeidlichen Modernisierungsplänen im Ausschuss erschienen. Die CDU war immer für eine Modernisierung nach Eigentümerart („Geld in die Hand nehmen“). Mittendrin statt nur dabei immer auch FDP-Mann Jens Beeck, der wie der noch amtierende Stadtbaurat aus Oldenburg die ökonomische Nutzbarmachung historischer Kulturgüter stets dem Denkmalschutz unterordnet.

Denkmalschutz ist etwas ganz anderes als ein „Sieht-doch-gut-aus!“ mit dem immer wieder gern gehörten und so herrlich von Bausünden ablenkenden Zusatz „Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten!“ .  Aber auf das Siehtgutaus und Lassdeneigentümermachen reduzieren sich seit langem die sog. Modernisierungen von Baudenkmalen im Planungs- und Bauausschuss – auch das ein Zeichen. Als ich vor langen Jahren einmal Vorsitzender des Kulturausschusses war, habe ich dort durchgesetzt, dass über Baudenkmale beraten wurde.  Das hat nicht lange vorgehalten, vielleicht weil die  Bauleute im Rathaus mit hartnäckiger Beratung „in der Kultur“ so ihre Schwierigkeiten hatten. Aber ist Denkmalschutz nicht eine zutiefst kulturelle Aufgabe und weniger eine Frage von Bauen, Planen und Finanzieren? Und was heißt das dann für die Arbeit im Lingener Stadtrat?

(Fotos und Skizzen aus © Lingen -Architektur im Wandel, Baldur Köster)

Stolpersteine

13. Februar 2011

Am kommenden Freitag, 18. Februar, ab 11 Uhr verlegt der Kölner Künstler Gunter Demnig (Foto lks.) in Lingen (Ems) 14 weitere „Stolpersteine“ (mehr…), die an die Opfer des NS-Terrors erinnern. Zusammen mit dem Forum Juden-Christen lädt die Stadt Lingen  zu dieser Veranstaltung ein. Treffpunkt ist vor dem Haus Schlachterstraße 12. Weitere Stolpersteine verlegt Gunter Demnig in der Marienstraße 8, der Wilhelmstraße 45, am Konrad-Adenauer-Ring 2/6 (ehemals Lookenstr. 47) sowie in der Rheiner Straße 2.

Die Gedenksteine, auf denen Name und Wohnort der Verstorbenen stehen, sollen dem Vergessen entgegenwirken und als Mahnmal für die Gegenwart dienen. Weitere neun Steine werden an einem weiteren Termin verlegt. Insgesamt 32 Schulen, Vereine und Einzelpersonen haben die Patenschaft für einen der „Stolpersteine“ in Lingen übernommen.

Ich freue mich sehr über die Realisierung des nächsten Abschnitts des Lingener Projekts Stolpersteine und denke dabei an die jahrelangen Schwierigkeiten zurück. In einem Protokoll über die  Sitzung des Lingener Kulturausschusses im Januar 2003  beispielsweise lese ich meine Aussage, dass Anträge in den städtischen Gremien mit Ziel, an den NS-Terror zu erinnern,  „zuerst immer abgelehnt und später von der CDU-Fraktion akzeptiert worden seien.“ So war es dann auch bei dem SPD-Antrag zu den Stolpersteinen, den die Union am 20.01.2003 ablehnte, weil „für einen Ort der Größe Lingens die Anzahl der Gedenkorte ausreichend“ sei; das Argument, dass durch einen Stolperstein jedes jüdische Opfer des NS-Regimes seine eigene Identität bekomme, wurde nicht verstanden (guckst Du hier) .

Die ersten Stolpersteine in Lingen verlegte Gunter Demnig dann gut zwei Jahre später aus Anlass des 60. Jahrestages des Endes des II. Weltkriegs. Es war ein Projekt die Lingener Sozialdemokraten. Verantwortlich dafür war der damalige Ratsherr Gerhard Kastein, der zuvor jahrelang vergeblich  versucht hatte, die CDU von dem Stolperstein-Projekt zu überzeugen, und es dann schließlich einfach selbst als SPD-Initiative verwirklichte. Inzwischen hat nun auch die CDU verstanden, um was es eigentlich geht.

(Foto: Gunter Demnig, © Hans Weingartz CC)