Santana

28. März 2012

Für Maisbauern mag es eine gute Nachricht sein, für Imker, Natur- und Umweltschützer ist es eine ausgesprochen schlechte: Wie schon in den letzten beiden Jahren hat das Bundesinstitut für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) auch in diesem Jahr das Insektizid Clothianidin wieder befristet zugelassen. So wird die Ausnahmegenehmigung für das Pestizid  zur Regel.

Die befristete Zulassung zur „Drahtwurmbekämpfung im Mais“ erfolgte erneut offiziell als „Zulassung für Notfallsituationen“. Diese EU-weite Regelung erlaubt eine auf 120 Tage begrenzte Zulassung von Pestizidprodukten, die längst verboten sind oder die für bestimmte Kulturpflanzen eigentlich nicht zugelassen sind, für den Fall, dass eine „Gefahr anders nicht abzuwehren ist“. Rechtsgrundlage hierfür ist seit Juni 2011 Artikel 53 der Verordnung (EG) Nr. 1107/2009.

Clothianidin, das bspw in dem vom Bayer-Konzern produzierten Gift Santana enthalten ist, wurde jetzt also das dritte Jahr in Folge über diese Notfallregelung zugelassen. „Unter dem Deckmantel der Notfallsituation werden Jahr für Jahr Ausnahmen für verbotene Pestizide genehmigt. Hier wird den ökonomischen Interessen Einzelner Vorrang vor Umwelt- und Naturschutz eingeräumt und das zu einem volkswirtschaftlich fragwürdigen Preis“, sagt  Carina Weber, Geschäftsführerin Pestizid-Aktions-Netzwerk (PAN). Die Organisation kritisiert seit längerem diese Behördenpraxis. Eine im vergangenen Jahr  europaweit durchgeführte Auswertung der Genehmigungen in Notfallsituationen zeige, dass entgegen der Absicht, hier nur Ausnahmen zu regeln, die Genehmigungen für Notfallsituationen in den letzten vier Jahren von 59 auf 310 gestiegen sind.

Die Folgen des Clothianidin-Einsatzes hierzulande sind verheerend. Das Julius-Kühn-Institut, das dem Agrarministerium untersteht, wies nach dem Tod von Millionen Bienen im Jahr 2008  nach: Ursache des Bienensterbens ist  eine Vergiftung durch Nervengifts Clothianidin; denn die wasserlöslichen, systemischen und hoch bienengiftigen Neonicotinoide, zu denen Clothianidin zählt, verteilen sich überall in der Pflanze. Auf diese Weise kommen Honig- und Wildbienen auch über belasteten Nektar und Pollen mit dem Wirkstoff in Kontakt. Zunehmend als Problem erkannt wird auch die Kontamination über das sogenannte Guttationswasser –  kleine Tropfen, die die Pflanzen bei bestimmten Temperaturen ausscheiden, erhebliche Pestizidkonzentrationen aufweisen können und von den Bienen zur Deckung ihres Flüssigkeitsbedarfs aufgenommen werden.

Der Wirkstoff Clothianidin wird jetzt wiederum wie schon 2009 und 2010 als Saatgut-Beizmittel gegen den sog. Drahtwurm eingesetzt, der vor allem in den ersten Jahren nach dem Umbruch von Grünland im Maisanbau auftrete. Erst durch Maismonokulturen auf dafür ungeeigneten Flächen wird der Schädlingsbefall zum Problem. Für die Landtagsgrünen sagte Christian Meyer zu Wochenbeginn: „Die Probleme sind durch eine falsche industrielle Agrarpolitik hausgemacht. Statt die Giftkeule einzusetzen und ein Bienensterben zu riskieren, müssen der Verlust von Grünland und die Vermaisung der Äcker gestoppt werden.“ Der Grünen-Politiker forderte  die schwarz-gelbe Landesregierung auf, sich in dem Konflikt zwischen Agrarindustrie und Bienenschutz eindeutig auf der Seite der Imker stellen. „Nachgewiesene Bienengifte wie Clothianidin müssen ein für allemal und ohne Ausnahme verboten werden“ Landwirtschaftsminister Gert Lindemann (CDU) solle sich dafür einsetzen, dass die vom BVL erteilte Ausnahmegenehmigung wieder zurückgenommen werde.

Rein aus wirtschaftlichen Gründen, so Meyer, habe das Bundesamt die jetzige Ausnahmegenehmigung für die gerade in Niedersachsen vielfach verbreiteten Maismonokulturen erteilt und resümiert: „Es ist nicht akzeptabel, die für Naturhaushalt und die gesamte Landwirtschaft besonders wichtigen Bienen immer wieder den wirtschaftlichen Interessen der Chemie- und Agrarindustrie zu opfern“.

(Quelle; Foto : Drahtwurm © wikipedia CC; Biene © Steffen Banhardt CC)

Windkraft

18. August 2011

Die Lingener Wählervereinigung „Die Bürgernahen (BN)“ hat vorgeschlagen, an den Rändern der abgeholzten Fläche östlich der Waldstraße in Altenlingen neue Windkraftanlagen zu errichten. Unterhalb der Rotoren könne unterpflanzt und rundherum aufgeforstet werden, heißt es in einer Mitteilung der BN, an der ich mitgestrickt habe. 

„Wir sind die einzige politische Kraft, die weiterhin uneingeschränkt für die Wiederaufforstung des gerodeten Altenlingener Forstes eintritt.“ Das unterstrich am Mittwochabend der zweite Vorsitzende der Bürgernahen, Marc Riße, bei der Mitgliederversammlung der Lingener Wählergemeinschaft.

Riße: „Unsere Idee: Die Betreiber der Windenergieanlagen zahlen jährlich hohe, deutlich fünfstellige Pachten an den jeweiligen Grundstückseigentümer. Das ist in diesem Fall die Stadt Lingen. Auf diese Weise könnten die für die Flächen aufgewendeten ca. 350000 Euro in wenigen Jahren zurückgezahlt werden. Unser Modell praktiziert ökonomische und ökologische Nachhaltigkeit.“

Skeptisch steht die Wählervereinigung den von einzelnen Grundeigentümern forcierten Plänen gegenüber, in Wachendorf nördlich des Autobahnzubringers (Kreisstraße 321) zahlreiche Windkraftanlagen aufzustellen. „Die dafür vorgesehenen Flächen liegen mitten im Landschaftsschutzgebiet Emstal, dessen Ziele ganz andere sind, als dort Energieerzeugung zu betreiben.“ Es treffe zwar zu, dass trotz Wallhecken und Ackerstreifen der ökologische Wert der vor allem zum Maisanbau genutzten Flächen geringer sei als früher. Aber dies dürfe nicht dazu führen, dort jetzt durch Energieanlagen noch weniger für die Umwelt zu tun, sagte Riße.

Vielmehr müssten die sichtbaren Defizite beseitigt werden, sagte der BN-Politiker, der sich zugleich enttäuscht zeigte, dass der in diesem Bereich vor 30 Jahren eingerichtete Modellflugplatz zum Jahresende wegen der Windenergie-Pläne aufgegeben werden müsse. „Der Modellflugverein steht vor dem Dilemma, sich im Wettbewerb gegen verpachtete Maisanbauflächen ein neues Gelände suchen zu müssen. Das wird nicht einfach werden.“

(Windpark Ochsenbruch – © Ralf2103 via flickr)