wenn Mütter sie gestalten

14. September 2018

Natalie Mayroth hat einen Beitrag von Christine Murray in der britischen Zeitung „The Guardian“ entdeckt und auf dieser feinen piqd-Plattform dargestellt. Ich meine, das diskutiere ich in meiner Familie immer wieder: Architektur aus der Sicht von Müttern: Wie sähen unsere Städte aus, wenn Mütter sie gestalten? Man muss ja nur die lokale Zeitung durchblättern, um zu sehen, wie weit diese Vorstellung von der Realität entfernt ist: Denn alles, was mit Bauen zu tun hat, wird als Männersache begriffen. Dazu braucht man keine feministischen Ansätze sondern nur die Bilder von Spatenstichen und Einweihungen sehen. Es gibt jedenfalls in unserer Region nur ganz wenige Ausnahmen, beispielsweise die Unternehmerin Annemarie Lühn, die jenseits des Wellbergs ein besonderes städtebauliches Projekt natürlich mit Kita verwirklichen will und auch sonst eigene Akzente setzt. Beispielsweise gab es vor zwei Wochen ein Betriebsfest der Firma LühnBau, das familien- und nicht männerorientiert veranstaltet wurde. Vorbildlich, da hätten selbst der OB und die Lingener CDU dazulernen können – beide waren aber nicht da bzw. vertreten…. Hier der Mayrothsche Mütter-Beitrag:

„Wie immer, wenn es um Fragen der Zukunft geht – wie wollen wir leben, wie wollen wir gestalten, wie wollen wir wohnen – ist es auch eine Frage der Repräsentanz, dem Mitbedenken, dass eine Gesellschaft vielfältig ist und unterschiedliche Bedürfnisse hat.

Doch wie soll das geschehen, wenn die EntscheiderInnen alle allzu gleich sind? Beziehungsweise wie äußert sich das? Wer schon einmal mit einem Kinderwagen unterwegs war – es muss nicht mit dem eigenen Kind gewesen sein oder mit Kleinkind(ern) – der sieht Städte anders. Und das ist der Punkt, an dem Christine Murray ansetzt.

What would our cities be like if mothers had more of a role in designing them? There would be ramps everywhere, for a start. Schlepping a pushchair around makes you think differently about stairs. I cried when my nearest station was revamped without the inclusion of a lift. To stand at the bottom of that flight of steps with two kids and a newborn in a pram is to experience the kind of despair usually reserved for rat-infested dungeons. Any station or public building undergoing refurbishment should by law be made step-free.

Ja, was wäre, wenn nicht nur Frauen, sondern Mütter die Architektur von Städten wie London gestalten würden? Von mir aus auch die Väter, die mit Kind in der Stadt unterwegs sind und die öffentlichen Verkehrsmittel statt den Kombi nutzen. Ich denke, nicht nur London hat da Nachholbedarf. In deutschen Städten könnte man sich die Frage auch stellen beziehungsweise richte ich dieses Gedankenspiel ans piqd-Publikum.

Was meint ihr: Wie sähen unsere Städte aus, wenn wir mehr Stadtplanerinnen mit Kindern an den entscheidenden Positionen hätten? Bei einem weiteren Punkt stimme ich Murray zu, junge Leute und Menschen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, einzubeziehen, würde für uns alle die Stadt lebenswerter machen. Wenn wir, wenn die Politik das will.“

mehr ein Campus

27. Juni 2018

Noch bis Freitagmittag (29. Juni) können in Lingen (Ems) die Wettbewerbsbeiträge zum „Synergy Park Lühn“ im Foyer des Neuen Rathauses besichtigt werden.

Das Unternehmen LühnBau hatte den Planungswettbewerb ausgeschrieben. Zwölf Architekturbüros reichten daraufhin Entwürfe ein, vier davon schafften es in die engere Auswahl. Das traditionreiche Unternehmen, das derzeit noch an der Rheiner Straße im Zentrum der Stadt zu finden ist, will drei Hektar im neuen „Synergy Park Lühn“ selbst zu nutzen. Weitere sieben Hektar bleiben für Neuansiedlungen, Neugründungen sowie eine Kita und gastronomische Angebote a24, Berlin,vorbehalten. 

Gewonnen hat den Planungswettbewerb das Architektenbüro Lava Laboratory Berlin in Zusammenarbeit mit den Landschaftsplaner von a24 (Berlin); nach Abschluss der Bebauungsplanung soll der erste, gleichermaßen kompakte wie moderne Technologie- und Gewerbeparks Lingen an der B70 in Estringen entstehen.  Fachpreisrichter Friedhelm Terfrüchte (Essen) begründete die -übrigens einstimmige- Entscheidung der Jury gegenüber der LT Lokalzeitung, dass Lingen nicht gerade als „Brennpunkt der Architekturgeschichte“ bekannt sei. Umso bemerkenswerter sei es, dass hier ein Unternehmen im Zusammenspiel mit der Stadt etwas Besonderes versuche: Den Aufbau eines Campus als Ort, wo Arbeitswelten qualitativ hochwertig gestaltet würden und Flächen zur Kommunikation mit Angeboten entstünden, die eher an einen neuen Stadtteil erinnerten.

das waren auch die entscheidenden Punkte für die Jury. Der Siegerentwurf überzeuge vor allem durch die Verflechtung von Grünraum und Freiraumangebote. Es entstehe mehr ein Campus als ein Gewerbegebiet. der Planentwurf  vereine vielfältige Nutzungen, Gebäudegrößen und öffentliche Angebote, heißt es in der Beurteilung des Preisgerichts.

Der Spatenstich für den neuen „Synergy Park Lühn“ soll in zwei Jahren erfolgen, so die Lühn-Geschäftsführung. Weil die öffentliche Präsentation der Wettbewerbsarbeiten Bestandteil eines Architektenwettbewerbs ist, können sich Interessierte anhand der Modelle und Pläne im Foyer des Rathauses jetzt einen eigenen Eindruck verschaffen. Die Ausstellung kann jeweils zu den Öffnungszeiten des Rathauses besichtigt werden.

(Bild: Siegerentwurf Synergy Park Lühn,Screenshot Internetseite LuehnBau)