Defi

2. Februar 2012

Man weiß: Ein Defibrillator, kurz Defi, kann Leben retten. In der offenen facebook-Gruppe „Ich weiß, Du kommst aus Lingen, wenn“ (aktuell mehr als 1330 Mitglieder – davon träume ich…) hat vorgestern eine sehr ernsthafte Defi-Diskussion begonnen. Die  Frage, „Wo findet sich dieses Gerät“ (Foto lks.), war Einstieg in die Debatte. Peter Hesen („Bin dran ausgebildet!“) erklärte, in der Lingener Innenstadt sei das abgebildete Gerät wohl das Einzige. „Aber immer mehr Firmen legen sich so ein Teil zu. In Darme gegenüber der ehemaligen Körperschmiede hängt auch so ein Ding.“ Dörte Venebrügge ergänzt: „Im Medicus-Wesken hängt einer unten im Flur.“

Natürlich brauchen wir viel mehr Defis in unserer Stadt, in den Parkhäusern, den Supermärkten, in Turnhallen und auf Sportplätzen. Die modernen, halbautomatischen Geräte kosten nur einige Hundert Euro. Doch jedes von ihnen kann Leben retten, wenn jede Sekunde zählt; denn jeder Laien kann es schnell bedienen.

Auf  der Seite der Deutschen Herzstiftung lese ich dazu, was deren Ehrenvorsitzender Hans-Jürgen Becker dazu sagt:

„Für den plötzlichen Herztod ist am häufigsten Kammerflimmern verantwortlich, das nur durch einen Elektroschock gestoppt werden kann. Da der Elektroschock allerdings sofort und ohne Zeitverlust erfolgen muss, kommt der Notarzt fast immer zu spät. Aus diesem Grund existieren in Deutschland bereits mehrere Frühdefibrillationsprojekte, bei denen Einrichtungen wie zum Beispiel der Frankfurter Flughafen flächendeckend mit halbautomatischen Defibrillatoren ausgestattet wurden und Mitarbeiter vor Ort eine Schulung sowohl im Umgang mit den Geräten als auch in Erste-Hilfe-Maßnahmen erhalten haben.

Dass sich mit diesem Konzept tatsächlich Menschen vor dem plötzlichen Herztod erfolgreich schützen lassen, wurde schon vor mehreren Jahren in Studien nachgewiesen. Allerdings gilt dies nur für Orte, an denen sich viele Menschen mit einem erhöhten Risiko für einen plötzlichen Herztod gleichzeitig aufhalten, wie zum Beispiel auf Flughäfen oder in Spielkasinos.“

Bei facebook habe ich gepostet, im Stadtrat für „Die BürgerNahen“ nach dem Lingener Defi-Bestand zu fragen, und ich meine auch, der neu ausgerichtete Ratsausschuss für „Soziales, Familie und Integration“ muss sich des Themas annehmen; denn er soll sich auch mit lokalen Gesundheitsfragen befassen.

Übrigens:
Der in der facebook-Gruppendiskussion abgebildete Defibrillator hängt mitten in der Lookentorpassage, gegenüber von Media-Markt und  Bäckerei Wintering im rückwärtigen Volksbank-Eingang.

Juden haben den Fußball in Deutschland populär gemacht. Sie wurden umjubelt, verehrt und respektiert, galten als Vorbilder im Sinne des sportlichen Gedankens des Fairplays. Ihre revolutionären Visionen und Methoden setzten Maßstäbe, die den Fußball hierzulande lange prägten. Sie haben für den deutschen Fußball Pionierarbeit geleistet, bis sie verfolgt, ausgegrenzt und vernichtet wurden.

Die Ausstellung „Kicker, Kämpfer und Legenden“ ist diesen Sportlern, Trainern und Funktionären gewidmet. Sie ist vom 8. bis 19.11. in der Lingener Lookentorpassage zu sehen. Damit trägt das veranstaltende Forum Juden-Christen Altkreis Lingen e.V.  seine Erinnerungsarbeit mitten in die Bevölkerung – unterstützt durch das Centermanagements um Hermann Klaas.

Die Ausstellung zeigt längst vergessene Opfer nationalsozialistischer Verfolgung. Im Zentrum den Visionär Walther Bensemann (1873-1934), der den Fußball in Deutschland etabliert. Um 1900 organisiert er die ersten internationalen Fußballspiele und wirkt bei der Gründung des Deutschen Fußballbundes (DFB) mit. 1920 ruft er die Fußballzeitschrift „Der Kicker“ ins Leben, ist Inhaber, Herausgeber und Chefredakteur zugleich. „Der Sport ist eine Religion, ist vielleicht das einzig wahre Verbindungsmittel der Völker und Klassen.“ Diese Botschaft Bensemanns ist heute aktueller denn je: Fußballbegegnungen sind internationale Medienereignisse, die Mannschaften sind kosmopolitisch aufgestellt und adaptieren unterschiedliche Spielsysteme.

Gezeigt werden in der Ausstellung die Lebenswege von Menschen wie Walther Bensemann (1873-1934). Ein anderes Beispiel ist Kurt Landauer (1884-1961). Vor 1933 und nach 1945 war er langjähriger Präsident des FC Bayern München und führte die Mannschaft zu internationalem Erfolg. Wer kennt heute noch den Stürmer und Nationalspieler Julius Hirsch (1892-1943; Foto unten), der unter anderem mit dem Karlsruher FV Deutscher Meister wurde? Oder Gottfried Fuchs, den der spätere Bundestrainer Sepp Herberger »mein Idol« nannte? Der begnadete Mittelstürmer schoss bei den Olympischen Spielen 1912 in Stockholm in einem Spiel gegen Russland zehn Tore – ein bis heute in Deutschland ungebrochener Rekord.

Deutlich macht die Ausstellung die Mechanismen der planvollen Ausgrenzung bestimmter Bevölkerungsgruppen unter dem NS-Regime. “Kicker, Kämpfer und Legenden“ erweckt die Geschichte des Fußballs zum Leben und regt gleichzeitig zur Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte an. Sie leistet damit nicht nur einen Beitrag zur Erinnerung und Würdigung legendärer Fußballikonen, die so ihren verdienten Platz in der Historie einnehmen. Sie führt auch den Nationalsozialismus in seinem falsch verstandenen Deutschtum und seiner menschenverachtenden Absurdität vor.

Kicker, Kämpfer und Legenden
Juden im deutschen Fußball

Lingen (Ems) – Lookentorpassage
08. bis 19.11.2011
während der Öffnungszeiten 

Eröffnung Montag, 07.11.2011, 20 Uhr 

Weg

5. September 2010

Der Ems-Report, das in Meppen gemachte, kostenlose Anzeigenblatt, hatte es nie leicht.  Aber die Herausgeber machten es sich auch selbst schwer.  Die Macher hatten zwar einen hohen Anspruch, sie schrieben und schrieben. Die Ausrichtung des Blattes und die Botschaft seiner Berichte blieben aber stets dunkel. Die redaktionellen Beiträge ertranken geradezu in fehlenden klaren Aussage. Man erinnert sich mit Schaudern an die Textwüsten der ersten Jahre, die alle lesen sollten, aber schon optisch niemand zu lesen vermochte. Dann brachte das Blatt zeitweise Lokalseiten aus Lingen und umzu, die größtenteils so bieder und hausbacken waren, dass die lokale Tagespresse dagegen geradezu revolutionär wirkte. Richtig guten, zumal kritischen  Journalismus brachte das Blatt nie zustande. Nur damit hätte der Ems-Report aber angesichts der Hofberichterstattung a la LT/MT/EZ  bestehen können.  Entsprechend das Echo: Das Wichtigste waren meist die Werbebeilagen. Schließlich wurde die Mittwochausgabe aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt, dann gab es vor einigen Monaten ein neues, gelungenes Layout – doch  jetzt bereits dasselbe nochmal. Es gibt dafür wohl massive wirtschaftliche Gründe; denn auch der Ticketshop des Ems-Report in der Lingener Lookentorpassage hat seine Pforten geschlossen.

Und dann dieser Satz im aktuellen Editorial: „Das äußere Erscheinungsbild … ist nur ein Teil auf dem neuen Weg. Viel wichtiger ist die neue inhaltliche Ausrichtung des Verlages“, schreibt in der aktuellen Ausgabe Susanne Smit-Heikens, die nun  verantwortlich zeichnet.

Was das bedeutet, finden wir schnell:  Schlecht getextete Werbeartikel von lokalen Unternehmen und Behörden und dann Anzeigen, Anzeigen, Anzeigen, Werbung, Werbung, Werbung – die Artikel transportieren nur eins: Alles ist schön. Es gibt keine Probleme in der Region, keine Politik, keine Diskussion, keine Suche nach Besserem – reiner platter Werbemist. Der Ems-Report hat also  Abschied genommen von jedem journalistischen Anspruch. Er ist weg davon und  jetzt nur noch ein Werbeblättchen und zwar eines der schlechteren Sorte. Unfassbar oberflächlich und öde.  Das sichtbare Ende einer Zeitung.

Suchmeldung

26. März 2010

Wo eigentlich, fragte mich jetzt ein Zeitgenosse, kann man Sonn- und Feiertags in Lingen noch „in echt“ Briefmarken – links die Sondermarke zur Kulturhauptstadt Europas 2010- kaufen? Bei der zur Postbank mutierten Poststelle im Lookentor gehe das nicht. Doch könne man da den Briefmarkenautomaten immerhin sehen – unerreichbar hinter herunter gelassenen Gittern allerdings. Erreichen könne man ihn nicht.
So verhindert man erfolgreich den Automatenaufbruch und das sonntägliche Absenden von Briefpost gleichermaßen. Jedenfalls bei älteren Postnutzern. Jüngere nutzen diesen Service, schreiben aber eh keine Briefe mehr, sondern gleich E-Mails.

Zwischenmeldung

24. November 2009

Heute, einen Monat vor Heiligabend, sendet die Ems-Vechte-Welle diese Zwischenmeldung

24.11.09 / 07:35
CDU im Lingener Stadtrat will Emslandarena nun doch an Lindenstraße bauen

Lingen. Die CDU im Lingener Stadtrat will nun doch, dass die Emslandarena am Standort der jetzigen Emslandhallen gebaut wird. Das geht aus einer Pressemitteilung der Union hervor. Wichtig sei allerdings, dass alle planerischen, juristischen und finanziellen Voraussetzungen erfüllt werden könnten. Der Standort an der Frerener Straße sei damit noch nicht vom Tisch. Priorität genieße jetzt aber wieder die Lindenstraße. Zudem will die CDU-Stadtratsfraktion offenbar auch noch einmal über die Größe der Veranstaltungshalle diskutieren. „Bei Sitzplätzen, Hallengröße und dem Parkplatzangebot wollen wir noch einmal neu nachdenken und diese anpassen“, erklärte die Fraktionsvorsitzende Swenna Vennegerts. Die ursprünglichen Planungen für die Emslandarena sehen fünf Tausend Plätze vor.

In der entsprechenden CDU- Presseerklärung wird dann noch heftig mit Worten gelingelt (einstimmig, Bekenntnis, nach vorn preschen…); doch das ist eher amüsant und ich erwähne es  nur am Rande. „Einstimmig“ ist dabei besonders charmant.

Nun, offenbar ist in Lingen so alle  fünfzehn, zwanzig Jahre eine Bürgerinitiative tatsächlich erfolgreich: Anfang der 1970er Jahre die Initiative für ein unabhängiges Jugendzentrum, um 1990 die Initiative für eine Gesamtschule in Lingen und jetzt 2009 die BI „Arenawahn“. Das Arenabauwerk gegenüber der Hedonklinik ist offenbar vom Tisch und das ist gut so.

Was aber  ist jetzt zu tun? Die „Arenawahn“-Fragen sind längst nicht beantwortet.

Vielmehr ist jetzt erst einmal  zu untersuchen, ob die Emslandarena überhaupt bezahlbar ist. Sie wissen, die „Delle“ ist ein ernstes Thema und die notwendige Frage dazu lautet:  Wie entwickeln sich die kommunalen Finanzen in Zeiten der Wirtschaftskrise?  Ich kenne die Antwort nicht, aber ich verlange eine ehrliche und keine populistische Antwort. Es ist die bei weitem wichtigste Frage für dieses Projekt.

Daneben muss das Konzept der Emslandarena klar sein. „Bei Sitzplätzen, Hallengröße und dem Parkplatzangebot wollen wir …  diese anpassen“, sagt die CDU. Also will sie eine (um wieviel?) kleinere Halle. Macht das Sinn? Dies kann man nur beantworten, wenn die Konzeption auf dem Tisch liegt.

Dann muss der Lärmschutz geklärt sein. Jenseits aller Definitionsprozesse haben alle Anwohner, insbesondere die im Wohngebiet am Pumpenkolk einen Anspruch auf Schutz vor Lärm.  Dies beinhaltet auch passiven Lärmschutz, z.B. den Einbau entsprechender Fenster. Ob der südliche Pumpenkolk aber ein „Reines Wohngebiet“ nach der Defintion des Bauplanungsrechts bleiben muss oder nicht, muss diskutiert werden.

Parkraum ist ausreichend vorhanden. Die Tiefgarage unter der Lookentorpassage und der P-Platz an der  Berufsakademie und der Halle I/II bieten zusammen mit den Parkhäusern am Rathaus, am Medicus-Wesken-Gesundheitszentrum, am Emslandstadion und auf dem Festplatz selbst allemal genügend freien Parkraum in den Zeiten, in denen die Emslandarena betrieben würde, so dass auf dem Kirmesplatz kein Parkhaus benötigt wird.  Parkraum nur für einen Nutzer vorzuhalten, ist eine Verschwendung von Raum und Geld. Das kann man sich wirklich sparen!

Also Freunde, jetzt geht’s zwar nicht erst los mit den ernsthaften Diskussionen. Aber zu Ende sind sie keinesfalls.

Noch dies: Die lokale  FDP schweigt seit zwei Wochen auf ihrer Internetseite. Was soll sie auch sagen? Die Truppe um Jens Beeck steht im Abseits auf einem Acker an der B 214 und ist ganz allein. Da landet man im Regen, wenn man sich aus demokratsichen Diskussionen zugunsten vermeintlicher Standhaftigkeit ausklinkt.  Sie ist einer der Verlierer der Entwicklung. Ein anderer heißt mit Vornamen Georg.