404-Leere

3. November 2014

Flankiert durch die jeglicher nachhaltiger Kritik abholden NOZ-Lokalausgaben, können Emsländer in Amt und Würden so unglaublich bräsig sein. Sie leben das Landrat-Lebensmotto: Keiner weiß es, aber wir sind unter Gottes Sonne wirklich die Besten. Kritik stört und hat da eben keinen Platz. Außerhalb der Grenzen unseres mental-emsländischen Archipels weiß es zwar keiner, aber wir wissen es.

Ein Musterbeispiel dafür ist seit Jahren die Lingener  „Verkehrsgemeinschaft Emsland-Süd“. Die ist traditionell selbst dann unfähig, eigene Fehler zu erkennen, auch wenn man Sie mit der Nase drauf stößt. Es könnte daran liegen, dass sie sich nicht anstrengen muss. Schon länger hat man den Eindruck, Euch stören doch nur die Fahrgäste, liebe „VGE“ – oder? Hier einmal mehr… ach, lesen Sie selbst den lesenswerten Offenen Brief an die VGE-Süd von Inga Bertel (Foto) in der unaufgeregten Facebook-Gruppe „Lingen diskutiert„:

BertelLiebe Verkehrsgemeinschaft Emsland-Süd,

erstmal vielen Dank an alle, die zur Zeit die NachEule wiederbeleben. Das ist eine wirklich gute Idee. Besser wäre es natürlich, man würde uns Nutzer der ersten Stunde auch wieder ansprechen und nicht nur den Sauf-Tourismus zwischen den Discotheken bewerben bzw sich nur darauf konzentrieren.
Aber vielleicht ist es auch richtig, sich primär um die jüngeren Partygänger als Zielgruppe zu bemühen. Aber, warum gibt es dann von euch die Fahrpläne als „ausgedruckte“ Bildatei? Wo ist eure Päsenz beim Kunden, wo führt ihr den Dialog?

Verlinkt doch mal wenigstens die „Fahrplaner App“. Die gibt es nämlich für Android- und iOS-Geräte! Das sind sog. Smartphones, sowas benutzen die hippen jungen Leute heutzutage. So hört man. Die genannten gibts hier, AppStore: Und hier, Google Playstore:

Wobei das nicht daran ändert, dass das „Update“ beispielsweise nicht unter den Haltestellen zu finden ist. Und der „Joker“ in Lingen ebensowenig. Ihr müsst doch keine Fahrpläne und Auskunftsdienste als Verlaufsdokumentation für die Busfahrer erstellen! Die Kunden als potentielle Fahrgäste müssen schnell und zielsicher erkennen, wie und wo sie einsteigen und mitfahren können.

Die gesamte Homepage der VGE-Süd unter www.vge-emsland-sued.de ist ein Witz! Fängt beim Layout an und hört mit der Einbindung der www.fahrplan.de Seite als „Fahrplanauskunft“ noch lange nicht auf: „Die Zahlen die hier genannt werden basieren auf dem Stand vom 14.12.2009.“? Das glaube ich euch sofort.

Die gesamte Seite ist für den Stand der Technik für das augenscheinliche Veröffentlichungsjahr 2011 schon eine Blamage. Aber drei Jahre später mit dem gleichen starren Überwurf für Inhalte von Kooperationspartnern und Verbundsmitgliedern sich weiter so durchzumogeln, das geht einfach nicht!

Stichwort „Liniennetzplan“ (Das Logo von Adobe Acrobat ist, nebenbei erwähnt, völlig veraltet und der hinterlegte Hyperlink läuft auf der Adobe-Seite in eine 404-Leere). Aber richtig gut ist Folgendes: Aufgrund dieser vielen Fremdinhalte steht auf eurer eigenen Homepage, „Wir bitten um Ihr Verständnis, dass wir für die Fahrplanangaben trotz sorgfältiger Übernahme keine Gewähr übernehmen können.“ – Wer sollte denn bitte sonst Verantwortung übernehmen oder zeigen? Dass dann im Liniennetzplan auch noch die Hälfte der Buslinien fehlt – oder wird die Lili bewusst von reise-freunde.de ignoriert? – macht dann den Braten auch nicht mehr fett. Schön wäre es jedoch, wenn ihr unter „Infos zu Fahrscheinen“ auch brauchbare Informationen hinterlegen könntet, beispielsweise den Preis der verschiedenen Tickets!!!! Unglaublich….

Bitte, bitte, bitte – liebe Verkehrsgemeinschaft Emsland Süd (Eigentlich jetzt mit oder ohne Bindestrich??)! Organisiert einfach weiter die Schülerbeförderung; da kann sich nämlich niemand aussuchen, ob er oder sie mitfahren will und legt die Organisation eines kundenorientierten Bussystems in unserem schönen Altkreis endlich in fähige Hände.
Und die Homepage? Löschen. Neumachen. Inklusive der E-mailadresse vge.verkehrsgemeinschaft@ewetel.net – Eine @ewetel.net-Adresse, ich fasse es nicht.
Inga Bertel, eine potentielle Kundin

Mein ps-Zusatz zur LiLi. Wer eigentlich erklärt den Busfahrern, wie man eine Strecke abfährt? Pünktlich an Haltestellen sein, nicht Minuten eher durchbrausen…

(Foto facebook)

Regenschirm

14. Januar 2013

Der freitägliche Wahlkampfauftritt der NPD auf dem Lingener Markt hat wahrscheinlich ein strafrechtliches Nachspiel. Dazu hatte es am Freitag bereits eine kurze Diskussion in der offenen Facebook-Gruppe „Lingen diskutiert“ gegeben. Gestern Nachmittag nun berichtete das Wochenmagazin „DIE ZEIT“ in einem Blog:

„Dem Berliner NPD-Landesvorsitzenden Sebastian Schmidtke droht erneut juristischer Ärger. Er soll am Freitag am Rande einer NPD-Kundgebung im niedersächsischen Lingen einen jungen Mann attackiert haben. Auch Christian Fischer, Landesvorsitzender der JN Niedersachsen und Nazi-Kader Martin Götze waren offensichtlich an dem Angriff beteiligt. Jetzt ermittelt die Polizei. Schmidtke war extra angereist, um den Landeswahlkampf der rechtsextremen Partei in Niedersachsen zu unterstützen.

In einem Video des Lokalsenders ev1.tv ist deutlich zu sehen, wie Schmidtke mit einem roten Regenschirm auf einen Demonstrant einschlägt. Vorausgegangen war eine verbale Auseinandersetzung eines Nazi-Gegners mit NPD-Ordner Martin Götze. Dieser holt plötzlich aus und schlägt dem Mann mit der Faust ins Gesicht. Nachdem Christian Fischer ebenfalls den Betroffenen angreift, stürmt ein weiterer Gegendemonstrant hinzu. In diesem Moment erscheint Schmidtke im Bild und schlägt mit seinem Regenschirm auf den zu Hilfe Eilenden ein. Erst als Polizisten dazwischen gehen, beruhigt sich die Situation wieder. Der NPD-eigene „Ordnerdienst“ geriet in der Vergangenheit mehrfach durch Übergriffe auf Gegendemonstranten in die Schlagzeilen.

Die Polizei ermittelt nach eigener Aussage gegen die beteiligten Rechtsextremisten, aber auch gegen die betroffenen Nazi-Gegner. „Unser eigenes Videomaterial sowie die Aufnahmen des Lokalsenders werden derzeit noch ausgewertet“, bestätigte ein Sprecher der Polizei am Sonntag….“ [weiter auf der Internetseite der ZEIT)

Die Polizei ermittelt also nach dem kurzen Handgemenge gegen die Neonazis und -wie es strafprozessual notwendig ist- einzelne Gegendemonstranten. Lang dürften die Ermittlungen nicht dauern, weil  „evt1.tv“ -danke!- gute Aufnahmen gemacht hat.

Noch dies: Geregnet hat es übrigens nicht und es drohte auch meteorologisch kein Niederschlag. Es braucht auch nicht 12 Stockregenschirme, um einen einzigen Redner vor fliegenden Eiern zu schützen. Folglich waren am Freitagnachmittag die Regenschirme von vorn herein auch als einzusetzende Schlagwerkzeuge  u.a. für den  gern einmal zuschlagenden Neonazi Sebastian Schmidke (und die anderen Mitglieder des „Ordnungsdienstes“ der NPD) vorbereitet. Neonazi Schmidtke nämlich hat es bei Demonstrationen notorisch mit Regenschirmen.  Dabei gibt Art. 8 unserer Verfassung jedem Deutschen das Recht, sich „friedlich und ohne Waffen“ zu versammeln. Friedlich!

Das [übrigens 2010 aus anderen Gründen gegen den Widerstand zahlreicher Demokraten von Schwarz-gelb verabschiedete] Niedersächsische Versammlungsgesetz (NVersG) präzisiert dies, weil es immer wieder „Experten“ gibt, die zwar nicht explizite Waffen aber allerlei Anderes zu Gewalttätigkeiten Geeignetes mitbringen. Das Gesetz  verbietet deshalb u.a., „Waffen oder sonstige Gegenstände, die zur Verletzung von Personen oder zur Beschädigung von Sachen geeignet und bestimmt sind, zu einer Versammlung hinzuschaffen oder in einer Versammlung zur Verwendung bereitzuhalten„. Wer sich nicht an dieses Verbot hält, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft, wenn er eben „… sonstige… [in § 3 Abs. 2 NVersG] bezeichnete Gegenstände mit sich führt, zu einer Versammlung hinschafft oder zur Verwendung bei einer solchen Versammlung bereithält oder verteilt„.

Mindestens zweierlei folgt daraus:
Zunächst darf gemeinsam über die multifunktionale Wirkung zahlreicher Stockregenschirme in Ordnerhand diskutiert werden, dann aber auch darüber, ob man künftig solche Veranstaltungen nicht verbieten muss, liebe Stadt Lingen (Ems), wenn von vornherein klar ist, dass sich die Anmeldenden und ihre Helfershelfer á la Schmidtke nicht an das Gesetz halten.

Nachtrag:

Die Aufnahmen von emsvechteTV