Leserbrief etc.

19. November 2020

Ronny Knaak schreibt dazu, es sei „irgendein Leserbrief aus einem Printmedium“, wobei er „Covidioten nicht benutzen“ möge. Ich wohl, nachdem nahe an meinem Bekanntenkreis in den letzten 14 Tagen vier Menschen an CoViD-19 verstorben sind. Zwei davon am 6. November und damit einen Tag bevor Covidioten durch Leipzig hüpften und dabei „Eins-zwei-drei, Corona ist vorbei!“ riefen. Der Brief ist vom Volk und er ist vorbildlich.

 

 

 

Ach ja:

Nach einer ausgesprochen frustrierenden, dem OB geradezu abgetrotzten Debatte gestern im Verwaltungsausschuss (VA) unserer Stadt finde ich es skandalös, dass immer noch -nach acht Monaten Pandemie!-  täglich die Schulkinder in völlig überfüllten Schulbussen zusammengepfercht durch die Gegend zu ihren Schulen gefahren werden. Das beweist ein völliges Versagen der Verwaltungen in Stadt und Landkreis, die deutlich machen, wie gleichgültig ihnen der Schülertransport ist. Besonders unangenehm ist der übrigens für die Schüler aus dem Stadtteil Lingen-Bramsche, weil jetzt auch noch monatelang die B70 gesperrt ist und sie auf der Umleitung morgens und mittags bis zu einer dreiviertel Stunde in überfüllten Bussen unterwegs sind.

Doch dann hörte ich gestern, die Stadt sei nicht zuständig, so der OB dieser Stadt mit zartem Augenaufschlag (kann er am besten), und man habe das Problem nach dem VA vor zwei Wochen „bereits“ dem Landkreis mitgeteilt. Geändert hat sich natürlich nichts.

Ja, so wird es bestimmt klappen, mit dem schnellen Überwinden von Corona…

 

 

Ortsbürgermeister

28. September 2017

Der Bramscher Ortsbürgermeister Koopmann (CDU) hat letzte Woche im Finanzausschuss der Stadt gefordert, wegen des „Zustands der Wirtschaftswege“ mehr Geld dafür auszugeben. Dafür gab es einen eigenen Foto-Artikel in der „Lingener Tagespost“. Doch Koopmann setzt leider falsche Prioritäten; denn er sagt nichts zum jämmerlichen Zustand vieler Wohn- und Anliegerstraßen in den zentralen Lingener Stadtteilen. Deren Instandsetzung lässt auf sich warten,  ist aber notwendiger denn je. Wirtschaftswege hingegen, auf denen beispielsweise Landwirte treckerweise zu Äckern und Wiesen fahren, sind nicht annähernd so wichtig wie Schulwege und Anwohnerstraßen in den in die Jahre gekommenen Wohnbereichen rund um das Stadtzentrum.

Angesichts des schlechten Zustandes vieler Lingener Wohn- und Anliegerstraßen in unserer Stadt ist es unverständlich, dass Ortsbürgermeister Koopmann sein Hauptaugenmerk auf Wirtschaftswege im landwirtschaftlichen Außenbereich legt.

Erinnern Sie sich übrigens noch an die letzten Lingener Haushaltsberatungen vor  genau einem halben Jahr? Da sind mit den Stimmen von Koopmanns CDU am 28. März im städtischen Finanzausschuss dringend notwendige Gelder für den Ausbau und die Renovierung von Anlieger- und Wohnstraßen in den Lingener Innenstadtteilen abgelehnt worden, zum Beispiel für die Bäumerstraße, die Kolkstraße und weitere Straßen etwa in Heukamps-Tannen.

Weil Ortsbürgermeister Koopmann also offenbar nicht genug um den Zustand der Wohnstraßen in Lingens Innenstadt weiß, will ich gern helfen und lade ihn zu einer Radtour „über die Sanierungsfälle der Straßen“ im Stadtzentrum ein. Wer fährt mit?

 

ad Amisiam: 1. April

2. April 2017

Sie kennen sicher den Aphorismus von Dieter Nuhr über „Ahnung“ und „keine Ahnung“ und wissen, was man im letzteren Fall zweckmäßigerweise tun sollte. Das darf man auch den Protagonisten eines  Presseartikels zum 1. April ins Stammbuch schreiben. In dem krampfhaft wirkenden  Bemühen einen Aprilscherz zu produzieren, verbanden die Lingener Stadtverwaltung, die Lokalzeitung und Bramsches Ortsbürgermeister Martin Koopmann sich zu einem Beitrag, der nach ihrer Meinung lustig sein sollte. Er war es aber nicht.

Denn was da unter dem Titel „Sensationelle Funde bei Lingen-Bramsche“ (Fotos) präsentiert wurde, ist längst archäologische Tatsache. Zwar wohl nicht vor der Varusschlacht im Jahr 9 nach Christus trieben sich die Römer in unserem Beritt herum, aber bei der Strafexpedition des römischen Feldherrn Germanicus sechs Jahre nach der Varus-Schlacht.

Die seit langen Jahren vorbildlich tätige Archäologische Gruppe Lingen („A.G.L.“) präsentierte schon 2004 römischen Funde, darunter Münzen aus der Römerzeit. Wie berichtete Manfred Buschhaus, einer Protagonisten der emsländischen Archäologie, auf den Tag genau zweieinhalb Jahren in der „Lingener Tagespost“:

Nachdem Hartmut Oosthuys, seit 2004 Leiter der AGL, die vielfältige Unterstützung hervorgehoben hatte, dankte Hanni Rickling, erste Vorsitzende des Heimatvereins Lingen, allen Beteiligten für ihr Engagement ….bevor der Landesarchäologe Henning Haßmann in seinem Grußwort auf die herausragende strategische Lage der Emsregion hinwies, um römisches Engagement zu erklären. Die Funde der AGL seien teilweise sensationell und ihre Dokumentation und Fundmeldung beispielhaft…

Nahe Bramsche-Wesel auf einer Hochterrasse zwischen der Ems bei Hesselte und dem Lauf der Speller Aa fanden die Lingener Hobby-Archäologen zahlreiche römische Münzen und schlussfolgern auf ein römisches Marschlager und möglicherweise den Ort, an dem Germanicus um 15 nach Christus seine Legionen angelandet hatte oder ablanden ließ, was von ihnen übrig geblieben war. Nicht zuletzt aufgrund der Forschungen der A.G.L. erscheint also längst das Bild der Römerzeit im Emsland in anderem Licht.

Denn der römische Geschichtsschreiber Tacitus (Die Kämpfe des Germanicus gegen Arminius im Jahr 15 n.Chr. (Tac.ann.1,63-68)?

mox reducto ad Amisiam exercitu legiones classe, ut advexerat, reportat; pars equitum litore Oceani petere Rhenum iussa; Caecina, qui suum militem ducebat, monitus, quamquam notis itineribus regrederetur, pontes longos quam maturrime superare.

Auf Deutsch: „Bald danach führte Germanicus seine Armee zurück zur Ems und führte seine Legionen mit der Flotte heim, so wie er sie geholt hatte. Einem Teil der Kavallerie wurde befohlen, den Rhein entlang der Seeküste zu erreichen. Caecina, der seine eigene Abteilung befehligte, wurde angewiesen, obwohl er über einen Weg zurückmarschierte, den er kannte, die langen Brücken mit größtmöglicher Geschwindigkeit zu passieren.“

Tja, das mit dem Aprilscherz war dieses Jahr wohl nichts, absolut nichts.

Übrigens April-Scherz:

Auch der Beitrag vom 1. April in diesem kleinen Blog war kein Aprilscherz. Das Grundstück wird wirklich verschenkt… 
2. Update:
DAS ist ein Aprilscherz 😉

Rahmen

30. August 2009

09_06_plakat_sommeringenWohl anlässlich der Feiern zum 100. Geburtstag  unseres Rennfahrers Bernd Rosemeyer ist Lingen offenbar auf einem zügigen Weg in die Riege berühmter internationaler Motorsport-Orte. Denn wir lesen hier dies:

Am 29. und 30. August 2009 ist es wieder soweit: Dann kommen die „Rennboliden” wieder nach Sommeringen. Lauter Motorensound, spannende Positionskämpfe, atemberaubende Überholmanöver, spektakuläre Geschwindigkeiten, ölverschmierte Schrauber in der Boxengasse und jubelnde Gewinner wird man an dem Rennwochenende bestaunen können. Gemeint ist nicht der Große Preis von Belgien in der Formel 1! Gemeint ist die zweite offene Niedersachsenmeisterschaft der Renntrecker!
Die Renntrecker sind jedoch keinesfalls handelsüblich: Es handelt sich hierbei um Aufsitzrasenmäher, die zu wahren Rennmaschinen umgebaut wurden und nun Höchstgeschwindigkeiten von 100km/h erreiche
n…. Weiter

Ich erfahre außerdem, Endurofahren sei „das letzte Abenteuer„, und lese zugleich diese Ankündigung des lokalen Enduro-Clubs:

„Im September ist es nun wieder so weit: Das alljährliche Clubrennen findet plakat_rennen_2009zum zwölften Mal, unter dem Namen “2 Std. Race” am 5. September in Brögbern statt. Der Start ist für 15.00 Uhr festgelegt. Für Besucher, die sich in Lingen nicht so gut auskennen: Das Gelände befindet sich in einem Waldstück in 49811 Lingen-Brögbern, an der Duisenburger Straße. Zuschauer sind natürlich herzlich eingeladen! Wer schon mal einen Vorgeschmack auf die Veranstaltung sehen möchte, kann sich die Bilder vom letzten Rennen auf der Homepage des Clubs ansehen: http://enduroclub-lingen.magix.net. Die Atmosphäre kommt dort schon ganz gut rüber und die Vorfreude auf das Spektakel wächst.

Erwartet werden 150 Fahrer vom Anfänger bis zum Profi. Sie können ihre Fahrkünste auf einer drei Kilometer langen Strecke beweisen, die die Veranstalter für dieses Rennen mit diversen Schikanen ausrüsten. Auch Quads oder Beiwagen sind zugelassen, soweit die Teilnahme den Rahmen nicht sprengt.

Die beiden, im wahrsten Sinne des Wortes fundamentalen Beiträge zum motorisierten Schutz von Natur und Umwelt „in einem Waldstück“ nahe des „Forellenhofs“ bzw. im beschaulichen „Sommeringen“ (altsächsisch für Sommerweide)  überraschen mich etwas.

Hat Karin Schreiner, eine der wenigen im Rathaus, für die Umweltschutz nicht nur ein Lippenbekenntnis ist, etwa Urlaub? Oder reicht es auch hier aus, dass jemand für sein Vorhaben „Geld in die Hand nimmt“ (Lieblingszitat und inhaltliche Leitschnur  von CDU-Ratsfrau Renate Seiler)? Kann eigentlich nicht, denn für den Rasentreckerwettbewerb im ländlich-ruhigen Sommeringen hat erst einmal der Ortsrat Bramsche Geld in die Hand genommen, dem Renate Seiler angehört. Einstimmig beschloss das Gremium, 500 Euro als Zuschuss bereit zu stellen. Jaja, ölverschmierte Schrauber in der Boxengasse. Solch‘ bäuerlich-ökologisches Ambiente in der freien Natur lässt man sich in Bramsche eben einen Anerkennungsbetrag kosten. Ob auch der Ortsrat Brögbern einen Zuschuss für diese spezielle Art motorisierter Landschaftspflege zahlt, will ich gar nicht wissen.

Gut jedenfalls, dass niemand auf 10 Hektar frisch abgeholzten Wald hier hingewiesen hat, sonst käme unser OB vielleicht noch auf die Idee, dort eine für Lingen so wichtige (Standortfaktor!) Rennstrecke anzulegen…