Herausgabe

30. März 2012

Mir wird schlecht vor so viel Dumpfbacken und ich sehe erschrocken, wie schnell  in einer deutschen Kleinstadt  Zivilisation und Rechtsstaat zum Opfer werden. In Emden ist ein 11-jähriges Mädchen einem Tötungsverbrechen zum Opfer gefallen. Das ist schlimm und das Verbrechen muss aufgeklärt, der Täter bestraft werden. Aber schnell kursierten auf der Internetplattform Facebook  talibanartige Folter- und Verstümmelungsphantasien kranker Köpfe, was mit dem Täter denn körperlich gemacht werden solle.

Schon kurz nach der Festnahme eines des Mordes verdächtigen 17-jährigen am Dienstagaben versammelte sich dann vor dem Polizeigebäude der Stadt eine Menschenmenge, die dies offenbar umsetzen wollte. Martin Lammers, Leiter des Zentralen Ermittlungsdienstes der Polizei Leer/Emden, berichtete dazu auf der Polizeipressekonferenz gestern Mittag, ein 18-jähriger habe zuvor in einem Facebook-Beitrag dazu aufgerufen, das Polizeigebäude in Emden zu stürmen. Diesem Aufruf seien binnen kurzer zeit knapp 50 Menschen gefolgt, hätten vor der Polizeistation Parolen gerufen und die ”Herausgabe” des Festgenommenen gefordert. Erst nach mehreren Stunden (!) habe die Versammlung aufgelöst werden können. BILD meldet dazu, erst um 4 Uhr sei „der verhinderte Lynchmob“ wieder abgerückt. Man habe diesen Aufruf zur Lynchjustiz „sehr wohl registriert und entsprechende Vorkehrungen getroffen”, sagte eine Emdener Polizeisprecherin  und meinte reichlich verquast: ”Das ist natürlich nicht in unserem Interesse.”  Unbekannt ist, ob die strafbaren Aufrufe des Pöbels zu irgendwelchen Reaktionen der Strafverfolgungsbehörden geführt haben.

Oberstaatsanwalt Bernard Südbeck (Aurich) sagte auf der Pressekonferenz noch einmal Selbstverständliches, dass es sich nämlich bei dem festgenommenen Jugendlichen nicht unbedingt auch um den Täter handele. „Bis es zu einer rechtskräftigen Verurteilung kommt, müsse von seiner Unschuld ausgegangen werden.“

Der Hannoveraner Kriminologe Christian Pfeiffer warnte im NDR vor der Dynamik, die sich in den sozialen Netzwerken entwickeln könne. Das Internet urteile nicht nach Gut und Böse, sagte Pfeiffer. Erschwerend komme hinzu, dass die Einträge im Internet auf Ewigkeiten gespeichert seien. „Das Internet kann in solchen Fällen seine ganze destruktive Wucht entwickeln und dem Volkszorn eine Möglichkeit zur Entfaltung bieten“, so Pfeiffer. Der Hochschullehrer  machte die Polizei in Emden für die Vorverurteilungen des 17-Jährigen im Internet mitverantwortlich. „Es war ein Fehler, den Tatverdächtigen sensationsheischend mit Handschellen abzuführen und so zu tun, als habe man den Täter“, erklärte er. Vielmehr hätte man den jungen Mann über einen Hinterausgang herausbringen können. In Emden habe sich der Staat die Dinge regelrecht aus der Hand nehmen lassen. „Das darf er nicht wollen, er hat das alleinige Gewaltmonopol“, fügte er hinzu und forderte, dass aus den Fehlern gelernt werde.

Auch Haftrichter können da noch dazu lernen: Als nämlich der verdächtige 17-jährige Mittwoch Abend ins Amtsgerichtsgebäude in Emden geführt wurde, um über den Erlass des von der Staatsanwaltschaft Aurich beantragten Haftbefehls zu verhandeln, waren sofort laute Schmährufe aus dem nebenan liegenden Jugendarrestgebäude zu hören, darunter  wüste Beschimpfungen des Tatverdächtigen als ”Kinderschänder”.  Kluge Haftrichter verhandeln in derartigen Situationen auf der  Polizeidienststelle oder in einem benachbarten Amtsgericht und führen einen verdächtigen Jugendlichen nicht der wartenden  Medienöffentlichkeit vor – egal was man ihm beim Hinein- oder Herausbringen über den Kopf  zieht.

(Das Foto oben links zeigt die Vor- und Rückseite einer Postkarte über ein Ereignis, das als Waco-Massaker in die US-Justizgeschchte einging. Auf der Vorderseite befindet sich ein Foto der Leiche des 17-jährigen Jesse Washington (*ca  1899) am 15. Mai 1916 in Waco, Texas. Jesse Washington  war Afroamerikaner, der wegen Mordes an einer weißen Frau verurteilt und von einem Mob durch Verbrennen bei lebendigem Leib getötet wurde. Der Lynchjustiz gingen zahlreiche Demütigungen voraus. © wikipedia commons)

30 Jahre

12. Mai 2011

Im Mai 1981, genau vom 27. bis zum 31. Mai 1981, fand auf einem Jugendzeltplatz im emsländischen Lünne -unter einem früheren Flakturm- das erste Abifestival statt. Heute ist das Abifestival nicht mehr vergleichbar mit der Veranstaltung, aus der es einst hervorging. Doch der Grundgedanke blieb gleich: Ein umsonst&draußen-Festival, organisiert von Abiturienten.

2011 feiert das Abifestival also seinen 30. Geburtstag. Zusammen mit dem Qurt läd der Förderverein Abifestival e.V. deshalb am Samstag auf die Lingener Wilhelmshöhe ein. Dort spielen ab 21 Uhr (Einlass 20 Uhr) befreundete Bands und DJs des Abifestivals.
Offenbar haben die  Organisatoren das  Who-is-who der Lingener-Nachwuchsbands mit ins Boot geholt. Neben Big Tennis und Gerrit Rüsken, werden auch MidAir feat. Linguisten und Random Task zu sehen und vor allem zu hören sein.Alle werden mit eigenen Kompositionen überzeugen. 🙂 !
Im Anschluss an diese vier Bands gehört die Bühne dann DJ Joko sowie dem Förderverein Abifestival DJ All-Star-Team.

Auch Lena haben die Veranstalter nicht vergessen. Damit ja nichts verpasst wird, wird der Eurovision Song Contest ebenfalls übertragen. Dieser kleine Blog verlost zwei Freikarten. Zur Verlosung gehts ganz unten in diesem Beitrag.

Happy Birthday Abifestival
Wilhelmshöhe, Lingen
Samstag, 14. Mai 2011
Einlass: 20:00 Uhr, Beginn 21:00 Uhr

Im Gegensatz zum am 1. und 2. Juli stattfindenden regulären Abifestival ist der Eintritt zu dieser Geburtstagsfeier zwar nicht umsonst, mit fünf Euro aber in einem fairen Rahmen gehalten. Wer dennoch gerne kostenlos am Samstag auf die Wilhelmshöhe möchte, aufgepasst! Unter allen Kommentatoren dieses Beitrags verlost RobertsBlog 1 x 2 Freikarten. Am Samstag um 12 Uhr wird der Gewinner hier bekanntgegeben  sowie per E-Mail benachrichtigt.

Gewinner ist Simon! Herzlichen Glückwunsch. Weitere Informationen kommen per Mail.

Opdenhövel

30. Mai 2010

Da werden wir wach und dürfen uns immer noch freuen. Lena. Ein rundum schöner Samstagabend. Gespannt dürfen wir sein, wer sich alles im Glanz der 19-Jährigen aus Hannover sonnen wird. Einen kann man mit Sicherheit erwarten: Matthias Opdenhövel. Der wird sich in seiner Rolle als Niedersächsischer Ministerpräsident selbst interviewen. Hinzu bitten wird er den im Bildhintergrund scharrenden Kultusminister, dessen Name mir gerade entfallen ist, der als Grund für den Erfolg das niedersächsische Schulsystem… lassen wir das.

Die einzig bedeutsame Frage im niedersächsischen Westen ist heute, weshalb es aus den Niederlanden nur 4 Punkte gab. Schließlich machen wir so tolle Sachen wie Hollandtage, 3-Dage-Fiedsen und kaufen sogar in Tukkerland ein. Also: Vielleicht kennt jemand die Antwort?

(jj; © Vincent Hasselgård, Aktiv I Oslo.no, Creative Commons)